s.i.d. 22.09.2007, 10:33 Uhr 23 15

Hasta la dictadura-siempre

Präsident Hugo Chavez spaltet in Venezuela sein Volk. Wer nicht mit ihm ist, ist gegen ihn. Eine Auswanderin berichtet vom Weg in die Diktatur.

Daniela S. (Name auf Anraten hin geändert) ist 24 Jahre alt. 20 davon lebt die gebürtige Würzburgerin bereits in Venezuela. Nun steht sie am Flughafen von Caracas, setzt ihr freundlichstes Grinsen auf und wartet auf ihre nächste Reisegruppe aus Deutschland. Sie liebt ihre neue Heimat, liebt es, als Reiseleiterin den Touristen ihr schönes Land zu zeigen. Längst fühlt sie sich viel mehr venezolanisch als deutsch. Um so mehr schürt das Danielas Wut darüber, dass sie mit ansehen muss, wie um sie herum langsam eine Diktatur aufgebaut wird.

"Sie wollen einfach alles ändern!“, sagt Daniela und macht dazu eine verzweifelte Handbewegung, als wüsste sie nicht, wo sie anfangen soll zu erzählen. Im Zentrum ihrer Kritik steht der venezolanische Staatspräsident Hugo Chávez der mit seiner Partei den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ aufbauen will. Die Oppositionsparteien haben sich zurückgezogen. Chávez kann seitdem in dem Entwicklungsland schalten und walten wie er will: „Jetzt will er die Uhren eine halbe Stunde zurückstellen – Nur weil er es kann.“ Wäre die Situation nicht so ernst, man müsste sicher grinsen. In der Tat gehen die Uhren in Venezuela aber schon lange anders. Die Zeitungen lesen sich wie historische Quellen in deutschen Schulbüchern. Wie einst Adolf Hitler in Deutschland, versuchte Chavez 1992 gegen die Regierung zu putschen, wie Hitler kam er dafür ins Gefängnis und wie einst die NSDAP machte sich Chavez die extreme Armut der Bevölkerung zu nutze, um später legal an die Macht zu gelangen.

Die Venezolaner glaubten an ihren neuen Führer: „Die meisten merken nicht was passiert!“, schimpft Désirée. Sie hatte Glück. Durch ihre europäischen Eltern bekam sie eine weit umfassendere Bildung als der Durchschnittsvenezolaner. Ender zum Beispiel, der 21-jährige Chauffeur der Reisegruppe, schaltet sich wenig interessiert in die Diskussion ein: Von einem Mann namens Hitler habe er noch nie gehört. Auch DDR und der Sowjetunion, nach deren Vorbild ja nun auch Venezuela umgestaltet werden soll, sagen ihm nichts. Désirée kann das kaum verwundern. Die Menschen in Venezuela seien so arm, dass sie dankbar jede Hilfe der Regierung annähmen. Im Gegenzug müssten sie ihre Kinder auf sozialistische Schulen schicken. In roten T-Shirts und schicken Chávez-Mützen bekämen sie dort das erste Mal ihre Gehirnwäsche, erläutert Désirée. Und an den Universitäten würde bereits damit begonnen unliebsame Professoren durch getreue Anhänger der Regierung auszutauschen.

Auch Jugendliche, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, sollten aufpassen, welche Partei sie oder ihre Eltern wählen: Die Regierung hat die Fingerabdrücke aller Einwohner in einem zentralen Computersystem gespeichert. „Und bei der letzten Wahl musste man sich per Fingerabdruck identifizieren“, Daniela schüttelt nur noch den Kopf. Tage später sei eine Liste aller Leute erschienen, die nicht für Chávez gestimmt hatten. Wer auf dieser Liste steht, habe wenig Chancen auf einen Arbeitsplatz.

Besonders vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen, denkt Daniela wieder häufiger an ihre alte Heimat Würzburg. Gerade hat Chávez nämlich bekannt gegeben, nötigenfalls auch auf Lebenszeit Präsident zu bleiben und schreibt schon an einer neuen Verfassung, die ihm das erlaubt. „In so einem Staat sollen meine Kinder nicht aufwachsen“. sagt Daniela. Aus Angst will sie mit ihrer Familie demnächst zurück nach Deutschland flüchten. Doch auch da hat die Regierung Chávez bereits vorgesorgt. Denn ob und wann Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren das Land verlassen dürfen, entscheiden in Venezuela nicht die Eltern, sondern der Staat.

Seit sie mit dem Gedanken spielt, nach Deutschland auszuwandern, war sie wieder in Würzburg zu Besuch bei Verwandten. „Ich war geschockt, wie wenig man dort über unsere Situation weiß“, erinnert sich die 24-Jährige. Dabei ist man hier nicht unschuldig an der Misere. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium kauft Deutschland 1,2 Prozent seines Öls nämlich in Venezuela. Viel Geld, das direkt in die Hände von Hugo Chávez fließt. Was er genau damit macht, weiß niemand. Seit vier Jahren hat die Regierung keinen Haushalt mehr vorgelegt. „Fest steht aber, das nur die Leute etwas von den Ölmilliarden abbekommen, die sich auf die Seite von Chávez stellen“, meint Daniela. In dem armen Land könne es sich im wahrsten Sinne des Wortes eben kaum jemand leisten, gegen Chávez zu sein. „Ich weiß nicht, wie das hier alles enden soll...“, sagt die Exildeutsche resigniert.

Chávez kennt die Antwort und er macht kein Geheimnis daraus. Auf einem von Millionen von Propaganda-Plakaten prangt neben seinem Konterfei sein Wahlspruch: „Eine sozialistische Heimat oder der Tod – Wir werden siegen!“"Wichtige Links zu diesem Text"
Chavez Propaganda

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23 Antworten

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    Ich finde ehrlich gesagt auch, dass bei Herrn Chavez langsam Realitätsverlust einsetzt. Er ist schwer dabei sich zum Diktator aufzuschwingen. Seine (vermuteten) ehemals noblen Intentionen in Ehren, aber Macht korrumpiert halt...

    24.02.2010, 10:01 von mixtapeape
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    hola Mephy,

    genau so isset. Die vollgefressenen Deutschen bei euch, wissen alles besser als ich, der hier schon seit ueber 10 jahren lebt.

    Sie haben doch mehr Probleme mit Ueberwachungen als wir. Ich besitze mehr Freiheiten, als sie jemals wieder in Deutschland moeglich sein werden.

    Ein Diktator, der ein Referendum abhalten laesst, um sich eins in die Fresse hauen zu lassen, gab es bisher noch nicht.

    Wer von Diktatoren spricht, sollte auch wissen, wie die sich verhalten.

    25.05.2008, 02:48 von steam
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    Verzeihung, aber der Vergleich mit Hitler hinkt. Chavez ist mit Sicherheit kein Demokrat, aber zwischen dem Gaucho einer Bananenrepublik, der Opposition und Medien unterdrückt, und systematischer Ausrottung des jüdischen Volkes besteht immer noch ein qualitativer Unterschied.

    28.12.2007, 18:49 von Adrian88
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    Sehr interessanter Artikel. Nur: da entsteht "langsam" eine Diktatur?? Ich war vor ca. 6 Jahren da und da gings schon drunter und drüber...
    Ist jetzt natürlich noch schlimmer.
    Wie auch immer gut und interessant geschrieben.

    08.11.2007, 13:20 von on.the.road.again
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    ich bin gerade seit zwei monaten in san cristobal, einer grossstadt an der grenze zu kolumbien und muss sagen, dass es ein interessanter bericht ist aber: die gehirnwaesche in den schulen gibt es (noch) nicht. es wird zwar dafuer gesorgt, dass die direktoren der staatlichen schulen chavistas sind, aber es gibt keinen wirklichen unterricht, der einen zu einem chavista trimmt. ich habe einen chavista im spanischunterricht und er unterrichtet nur ueber das tolle 'bolivarianische bildungssystem' aber es wird diskutiert und man darf offen seine meinung sagen. die anderen lehrer sind antichavistas, so wie fast alle...
    ich habe nur leute aus der unteren mittelschicht und aus der unterschicht an meiner schule und in meiner klasse sind von 32 leuten nur 2 chavistas.
    es fragen sich alle wie der liebe her hugo zu 60% der stimmen gekommen ist und wie er bitte seine verfassungsreform durchkriegen will... aber er wird es wohl genau so machen wie er zu eben diesem ersten wahlergebnis gekommen ist, auch wenn es keiner genau weiss...
    also liebe gruesse aber bitte stempelt die armen in euren texten nicht immer als die not-chavistas ab, denn sie sind es, die im moment auf der strasse sind, die reichen sind viel zu behuetet und mami und papi erlauben ihnen nicht auf die demonstrationen zu gehen.

    07.11.2007, 20:35 von pokoloko
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      @[Benutzer gelöscht] ja super, wir haben uns natürlich alle noch nie diese Frage gestellt, gut, daß du uns drauf hinweist. Der Zweck könnte ja die Mittel heiligen, das hatte ich vergessen. Das vergisst man bei autoritären Regimen ja oft, die machen das nicht nur, um ihr Volk zu ärgern, die wollen nur gutes.

      28.10.2007, 17:06 von Ghandi
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    hallo, ich lebe seit dem 7. sept. 07 fuer ein jahr in San Cristobal, Venezuela. meine Gastfamilie ist extrem gegen Chavez das liegt natuerlich auch daran dass sie sehr reich sind, ich bekomme nicht wirklich viel mit, da ich noch nicht so viel verstehe aber ich habe hier noch niemanden getroffen der Chavez befuerwortet.... ich bin gespannt was im Dezember passiert.. gut dass du den artikel geschrieben hast ! lg sophie

    10.10.2007, 00:29 von philomena8
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      @philomena8 liebe sophie, dann wohnst du ja richtig weit vom "Schuss", um ueberhaupt etwas beurteilen zu koennen.

      Wenn du noch niemanden getroffen hast, der Chavez befuerwortet, geh einfach mal zum Gobernador, der sagt dir dann, wer die Zuegel in eurem Staate in der Hand haelt. Das sind die Chavistas. Und die haben die Mehrheit. Bis auf zwei Staaten: Zulia und Isla Margarita, sind alle anderen, und das sind zwanzig, von Chavistas besetzt. So, nun bist du wieder dran.

      10.10.2007, 18:57 von steam
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    Wie einst Adolf Hitler....gähn. Langweilig und mindestens so polemisch wie die Reden von Meister Hugo selbst. Und der erhobene Zeigefinger ist ja sowas von piefig deutsch. Igitt.

    08.10.2007, 16:35 von groovejunkee
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