system 08.11.2006, 12:33 Uhr 42 6

Gebt uns das gute Amerika zurück!

Aber was genau war noch mal das gute Amerika? Kommentar einer Generation, die vielleicht nicht den American Dream träumt.

DIE ZEIT forderte letzte Woche in ihrem Politikteil vehement die Rückkehr des „guten Amerika“ und hoffte dabei auf die Kongresswahlen.
Mich stellt diese Aussage spontan vor eine grundsätzliche Frage: Was WAR noch gleich das gute Amerika?

George W. Bush schlägt Al Gore in den Präsidentschaftswahl, der omnipräsente Bill Clinton verschwindet nach dubiosen Gerüchten aus dem Amt und in den Kommentaren der Erwachsenen klingt an, dass dieser Präsident aus Texas wohl nicht viel zu Stande bringen wird. Amerika ist der große Bruder, der über Europa wacht und dessen Essen, Mode, Musik und Bräuche man gerne übernimmt.
Ist das das gute Amerika? Es ist das Amerika meiner Kindheit, die mit dem 11.9.01 ihr unwiderbringliches Ende findet. Schluss mit lustig!
George W. Bush zeigt, warum er Republikaner ist und bläst zum Angriff, erst auf Afghanistan, dann den Irak. Protest liegt in der Luft, das Allmachtsgebaren dieser Großmacht passt den Europäern nicht und auch unser langsam erwachendes politisches Bewusstsein als Jugendliche sträubt sich gegen so offensichtliche Kriegstreiberei.
Meinen Rucksack ziert ein Button “Drop Bush, not bombs“, Friedensdemos füllen die Straßen und die abwertende Bezeichnung als „altes Europa“ nehmen wir Zehntklässler als Kompliment auf. Deutschland als Teil der „Achse des Bösen“ – mein lieber George W., wir hatten hier schon Zivilisation, da habt ihr noch im Urwald gesessen. Die bedingungslose Vermarktung des Krieges in Amerika, die in unseren Augen fürchterlich hohlen Parolen und nicht zuletzt eine intensive Projektarbeit zum Thema „Guantanamo Bay – Kriegsgefangenschaft heute“ sorgen dafür, dass der große Bruder USA als Vorbild ausgesorgt hat. Lange vor den ersten Bildern aus Abu Ghraib. Vor unseren Augen verletzt hier eine Weltmacht so offensichtlich grundlegende Menschenrechte, dass es manchem die Sprache verschlägt. Und bei wem dies nicht so ist, der diskutiert im Politik- und Geschichtsunterricht über Recht und Gerechtigkeit und arbeitet sich durch Belange der großen Nation, die 1998 keinen interessiert hätten, der nicht Politikwissenschaften studiert hat.
Wir lesen Michael Moore und verbringen unseren Schüleraustausch in Australien, Großbritannien oder Neuseeland, „In die USA will ich nicht!“, wo noch vor fünf Jahren unsere Vorgänger sich um Gastfamilien in Texas und Arizona geschlagen haben. Das „Nein“ der deutschen Bundesregierung zum Irakkrieg erfüllt uns mit Stolz und zwischen Peacezeichen und Regenbogenfahnen sehen wir fast mit ein bisschen Verachtung herab auf diese verunglückte Großmacht, der nicht nur die Verbündeten, sondern langsam aber sicher auch die Unterstützung aus der Heimat abhanden kommt.
Kaum eine Generation war wohl europäischer als die unsrige, denn nichts schweißt mehr zusammen als ein gemeinsamer Gegner. Im Licht des Irakkrieges werfen auch andere Schwachstellen der USA übergroße Schatten – die Todesstrafe, übertriebene Homophobie und die fortwährende Einschränkung der Pressefreiheit. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird zum Land des sehr begrenzten Horizonts.

Amerika ist für eine wachsende Generation Jugendlicher in Euopa nicht mehr automatisch das “land of dreams“ und anstatt uns einfach das gute Amerika „zurück“zugeben, muss man uns erst einmal beweisen, dass es existiert. Hoffen wir, dass dies spätestens zu den nächsten Wahlen gelingt.

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42 Antworten

Kommentare

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    ich verbringe mein auslandsjahr gerade in amerika in seattle. und wie du erwähnt hast ist washington eigentlich demokratisch aber ich lebe in einer sehr republikanischen familie und ich ganz der sache mit dem begrenzten horizont nur beipflichten und die amerikanischen wahlen und die debatten von Obama und McCain sind sehr enttäuschend.

    10.10.2008, 09:39 von Franzizzle
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    genau das gleiche Gefühl hab ich auch! deshalb fahr ich jetzt auch hin und guck mir die USA und vor allem unsere Generation selber an. Bin echt gespannt, wie dsa vor den Wahlen aussieht.

    25.08.2008, 14:34 von crossroads08
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    das gute amerika ist noch nicht ganz weg!ich verbringe zur zeit ein jahr in den usa und zwar ganz genau dewhalb um zu sehen,wie es wirklich ist.ich bin in upper michigan und ich habe hier mit unglaublich vielen leuten ueber politik und ganz genau obiges diskutiert.glaubt mir,fast alle amerikanischen jugendlichen finden,dass bush und seine entscheidungne sind eine einzige lachnummer sind.in ushistory haben wir uns letztens eine pressekomferenz angesehen und glaubt mir,solch gute stimmung war schon lange nicht mehr in dieser klasse.fast jeder hat kritik an ihm ausgeuebt und sogar der lehrer hat miteingestimmt und seinen schuelern erklaert,dass den usa ein fehler unterlaufen ist,wie er nicht haette passieren duerfen.und eben auch unter den erwachsenen sind viele,die einsehen,dass bush eine,nun ja,falsche wahl war.dennoch muss in amerika viel geschehen um das einst so propagierte amerika zurueckzugewinnen,bzw zu erschaffen.die jugendlichen werden von ihren eltern,der schule,der kirche und besonders dem staat kleingehalten und viele schreckt das vom protest zurueck.was aber braengen den vielen millionen hinterlaenderln auch protests.fuer viele ist amerika naemlich eine sackgasse,die wahrscheinlichkeit aus den usa,ihrem staat oder gar ihrem county rauszukommen,als dass sich die jugendlichen zu viel hoffnung machen,lieber stuerzen sie sich auf die wahrscheinlicheren dinge.und unter all denen,die in der army sind,sind viele,die es der ausbildung und der hoffnung,doch noch die welt zu sehen tun.
    du hast uebrigens recht,fuer uns ist der gemeinsame "feind" gar nicht schlecht,es ist doch immer schoen auf jemanden zu schimpfen.nein,solange wir in europa nicht alles amerikanische boykottieren sondern mit offenen armen und geldbeuteln empfangen und truppen in afghanistan und leute im irak haben,sind wir nicht viel besser.aber:die amerikanischen leute,die sind trotzdem toll.selbst wenn sie derbste republikaner sind,sie hoeren einem zu und freuen sich ueber jede anregung zum nachdenken.

    17.02.2007, 05:28 von sterntalerkind
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    "Wir hatten hier schon Zivilisation, da habt ihr noch im Urwald gesessen"
    Eine Aussage unglaublicher Arroganz. Frage mich nebenbei was mit "wir", "ihr" und "Zivilisation" gemeint ist.

    26.01.2007, 16:17 von lebefroh
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      @lebefroh achja, und wieder mal jemand, der nur den Artikel und nicht die (zugegebenermaßen zahlreichen) KOmmentare gelesen hat. Ich bin mir doch ziemlich sicher, dass ich auf diesen Satz weiter oben schon mal ziemlich detailiert geantwortet habe.

      greetz system

      30.01.2007, 15:45 von system
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    Ich persönlich habe ja die Hoffnung, dass Barack Obama der nächste Präsident der USA wird.

    Denn dies würde mit sicherheit eine Kehrtwende der amerikanischen Politik bedeuten.

    Und vielleicht hat er gerade deshalb große Chancen, weil Bush so viel Mist gebaut hat.
    Und die große Mehrheit der Amerikaner keine "Lust" mehr auf Krieg hat.

    21.01.2007, 13:56 von weitweg
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    Egal ob die Aussagen über Amerika nun stimmen oder nicht, egal ob die negative Meinungsmache in Deutschland eben mehr zu Buche schlägt oder ob es wirklich so negativ ist, wie man gezeigt bekommt.

    In meinen Augen, die das sehen, was wir in Deutschland über Amerika gesagt und gezeigt kriegen, liegt in Amerika nichts reizvolles für mich. Ich gebe zu, dass ich noch nie dort war und nur weil ich nicht dorthin möchte, heißt das nicht, dass ich die Menschen dort verurteile.
    In Deutschland haben wir sogar mal einen Hitler unterstützt. Warum sollten die Amerikaner dann nicht auch einmal einen falschen Mann an ihre Spitze wählen dürfen? (Nicht falsch verstehen, ich setze die beiden hier nicht gleich. Ich vergleiche nur die Angehörigen der Nationen.)

    Mich zieht es nicht nach Amerika in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Lieber entdecke ich die kulturelle Vielfalt der verschiedenen europäischen Länder (nicht nur GB!!!) und freue mich darüber nicht Angehöriger einer Nation zu sein, die Krieg im Namen ihrer Religion führt!

    06.01.2007, 02:13 von coquine
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    auf meinem button stand: "give bush the push. say no to war."

    22.12.2006, 20:14 von Sofie_Amundsen
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    Ich sehe das aehnlcih wie Angela CA, was vielleicht auch daran liegt, dass ich gerade in Amerika lebe...

    20.12.2006, 02:46 von DieNin
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    Es ist immer leicht aus der Ferne einen Text zu schreiben, ohne sich mal WIRKLICH mit den Fakten zu beschaeftigen. Natuerlich hat Bush das Bild eines ganzen Landes zu nichte gemacht und natuerlich ist es unverstaendlich, dass er ein zweites Mal wieder gewaehlt wurde. Aber wenn man sich mit Amerikanern unterhaelt, dann bekommt man so gut wie immer die gleiche Antwort. "Was haetten wir tun sollen? Kerry hatte keinen Plan, was er vor hat und Bush ist ein Volldepp". Das ist der einzige Grund, weshalb Bush gewonnen hat und nicht weil ALLE Amerikaner bloede sind und ihn wieder gewaehlt haben! Die letzten Wahlen haben doch gezeigt, dass die Amerikaner die Nase voll haben von Bushs Regierung, also warum sonst wurde der Senat von Demokraten ersetzt?!
    Aber warum ueber Amerika schimpfen? Schauen wir uns doch einfach mal unsere eigene Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahlen. War sie nicht auch auf einem erschreckenden Tiefstand? Und woran lags? Wir hatten da zwei Kandidaten, an die keiner geglaubt hat. Also selbst wenn wir waehlen gehen, waehlen wir doch eh den falschen!
    Von mir aus, geh doch nach GB! Die sind doch eh nur kleine Arschkriecher, die ohne die Zustimmung der USA nichts auf die Reihe bekommen! Nur darfst du nicht vergessen, GB und Australien waren auch im Irak und haben den boesen Bush und verbloedeten Amerikanern unterstuetzt!
    Also wenn man schon ein Land wegen seinem Krieg kritisiert, dann sollte man auch konsequent sein und auch die Mithelfer ebenfalls boykottieren! Ach uebrigens, Deutschland hatte den Afghanistan Krieg ebenfalls unterstuetzt!!!

    25.11.2006, 08:49 von Angela_CA
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      @Angela_CA Jetzt mal schön locker bleiben...
      wenn du vielleicht nen paar von meinen kommentaren oberhalb durchgelesen hättest, würdest du verstehen, dass es mir hier um die darstellung einer entwicklung geht, die ich in den letzten jahren festgestellt habe und nicht (primär) um kritik an amerika und den amerikanern.

      "Von mir aus, geh doch nach GB! Die sind doch eh nur kleine Arschkriecher, die ohne die Zustimmung der USA nichts auf die Reihe bekommen!" - was meinst du, warum tony blair jetzt seinen Hut nehmen musste? und ich habe nicht vor nach GB zu gehen, ich war schon da.

      "Ach uebrigens, Deutschland hatte den Afghanistan Krieg ebenfalls unterstuetzt!!!" - vom krieg in afghanistan ist hier überhaupt nicht die rede, es geht um den Irak. und die aussagekraft eines satzes nimmt nicht proportional zu mit der anzahl der ausrufezeichen.

      lies dir noch ein paar von den anderen kommentaren durch, vielleicht verstehst du dann die eigentlich aussage des textes.

      04.12.2006, 15:14 von system
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      @system ich hatte leider deine kommentare erst hinterher gelesen und da war es schon zu spaet!!! bezieh einfach mein voreiliges kommentar nicht auf dich, sondern auf die, die du in deiner beobachtung beschreibst und naechstes mal lese ich vllt mal alle kommentare, bevor ich was schreibe! sorry!

      05.12.2006, 03:26 von Angela_CA
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      @Angela_CA oder vllt sollte ich einfach das naechste mal meine klappe halten! ist wahrscheinlich fuer alle am besten, besonders fuer mich!

      05.12.2006, 23:31 von Angela_CA
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