hey_hey_wickie 05.06.2007, 21:12 Uhr 16 2

G8: Was bleibt für Mecklenburg-Vorpommern?

Der G8-Gipfel in Heiligendamm kostet rund 100 Millionen Euro. Die Ausgaben sind zwar riesig, für die Region aber vielleicht nicht umsonst.

Der Eventzirkus zieht um die Welt – Olympische Spiele, Fußballweltmeisterschaften, die EXPO. Städte und Regionen rund um den Globus bewerben sich eifrig um diese Ereignisse, die die Aufmerksamkeit von Millionen oder sogar Milliarden von Menschen auf sich ziehen. Im globalen Gerangel um Wirtschaftsinvestoren und Touristen ist die Durchführung eines solchen Großereignisses ein in den letzten Jahren fleißig eingesetztes Mittel. Nach der WM im letzten Jahr erscheint Deutschland jetzt wieder groß auf den Fernsehbildschirmen der Welt. Es ist G8-Gipfel in Heiligendamm.

Der Gipfel kostet vor allem das Land Mecklenburg-Vorpommern gigantische Geldsummen, hauptsächlich verursacht durch die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen. Doch Politiker werden dieser Tage nicht müde zu betonen, was für eine große Chance dieses Zusammentreffen der Regierungschefs für ganz Mecklenburg-Vorpommern darstellt. Von Wirtschaftsinvestitionen und deutlich steigenden Übernachtungszahlen ist die Rede. Aber kann diese Rechnung aufgehen?

Geschlafen hat das Land jedenfalls nicht, die PR-Maschinerie ist angelaufen. Während die Wirtschaftsmächte über Globalisierung und Entwicklungshilfe reden, ist man in Mecklenburg-Vorpommern ganz darauf konzentriert sich der Welt zu präsentieren. Die Ehepartner der Regierungschefs werden im üblichen Programm werbewirksam durch das Land gefahren, Journalistenreisen organisiert, Broschüren verteilt. Von den 5000 zum Gipfel angereisten Journalisten sollen möglichst viele nicht nur vom Treffen selbst berichten, sondern auch über die Schönheit des Landes schreiben, Kameras über Steilküsten schwenken lassen, in ihren Sendungen von regionalen Spezialitäten berichten. Der mecklenburg-vorpommersche Tourismusverband hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt mithilfe des G8-Gipfels in den nächsten drei Jahren die Anzahl der Übernachtungen ausländischer Gäste auf deutlich über eine Million pro Jahr zu erhöhen. Derzeit liegen sie bei ca. 700.000. Schon jetzt brüstet man sich mit Einnahmen von 25 Millionen Euro für die Branche, die direkt mit der Durchführung des G8-Gipfels zusammenhängen. Die Hotels entlang der Küste sind ausgebucht, Journalisten und Globalisierungskritiker sorgen dafür. 25 Millionen, das klingt nach viel Geld, allerdings muss man dabei auch bedenken: Es ist Juni, viele Hotels sind um diese Zeit auch ohne G8 voll belegt.

Und dann ist da noch das große Risiko, dass kein PR-Stratege der Welt planen kann: Eskalation von Gewalt. Wenn der Name „Genua“ fällt, denkt kaum jemand daran, mal wieder schön Urlaub in Italien zu machen. Als erstes fallen einem da die blutigen Auseinandersetzungen am Rande des G8-Treffens im Jahr 2001 ein. Auch in Rostock wird man alles andere als begeistert darüber sein, nun weltweit mit Straßenschlachten assoziiert zu werden. München 1972? Kein Gedanke an friedliche olympische Spiele. So lange bleibt das in den Köpfen. Wenn etwas passiert, können auch die Hochglanzprospekte des Tourismusverbands das nicht mehr rausreißen.

Wenn die PR-Aktionen also von negativen Ereignissen überschattet werden oder auch so nicht die gewünschte Wirkung erzielen, steht Mecklenburg-Vorpommern mit leeren Händen da. Andere Großereignisse hinterlassen oft ihre Spuren in den Veranstaltungsorten. Eins der berühmtesten Beispiele dafür ist Barcelona. Für die olympischen Spiele 1992 wurde die vorher von Industrie- und Hafennutzungen belegte Uferzone komplett umgebaut und Stadtbewohnern und Touristen zugänglich gemacht. Für die spanische Stadt war vor allem das die Wende hin zum beliebten und viel frequentierten Reiseziel. Bei G8-Gipfeln sieht das jedoch anders aus. In Heiligendamm wurde vor allem eins gebaut: Ein Zaun. Es bleibt zu hoffen, dass eins der strukturschwächsten Bundesländer Deutschlands allen Risiken zum Trotz durch das G8-Treffen Fahrt aufnimmt, neue Besucher auf sich aufmerksam macht, Investoren anzieht. Dann hätte das G8-Treffen mindestens einer Region geholfen.

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    nun, förderungen werden monate bis jahre vorher beschlossen.... sprich.. man wusste genau wo der polizei einsatz stattfinden würd... und das man teure verstärkung brauchen würde.... siehe andere Gipfel...
    McPomm hatt gerade weitere Hilfe von anderen Bundesländern angefordert... rat mal wer das bezahlt?

    08.06.2007, 00:41 von andihamburg
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    Bitte bitte nicht! Ich wollte in meiner Heimat irgendwann nochmal Urlaub machen und noch sind die kleinen Pensionen und Ferienhäuser bezahlbar. Wenn erst die große Touristenschwemme einsetzt, wirds schnell teuer, weil man sichs leisten kann, unverschämte Preise zu nehmen, schließlich ist man eh ständig ausgebucht. Und ganz zu schweigen vom Schaden in der Natur, den Trampeltouristen anrichten. Neulich in der Lewitz... nix mit idyllischer Ruhe, überall Leute in Shorts und bunten Hemden mit Autokennzeichen von jwd. Auf den Landstraßen wimmeln jetzt schon die touristischen Radwanderer, auf den Flüssen und Seen die Paddeltouristen.

    Vielleicht sollte man aus dem Zaun um Heiligendamm einen Zaun um MeckPom machen?

    08.06.2007, 00:37 von chessige
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    @ andihamburg:
    Der G8-Gipfel findet natürlich nicht statt, damit hin und wieder mal irgendeiner Gegend geholfen wird, aber für Mecklenburg-Vorpommern ist der wichtigste Grund für die Ausrichtung des Gipfels definitiv die dadurch erhoffte Wirtschaftsförderung. 60 Millionen Euro (das ist die Zahl, die kursiert) gibt man nicht aus, wenn man sich davon nicht auch etwas erhofft.

    07.06.2007, 23:31 von hey_hey_wickie
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    nun, in manchem hast du ja recht. allerdings:
    die "PR-Maschinerie" vermag sehr wohl zu wissen, was bei einem solchen Treffen geschehen mag. Den Beweis hast du ja selbst durch die Nennung der anderen Gipfel und deren Auswirkungen genannt.

    Und DAS Heiligendamm ist nun auch kein Urlaubsort für Jedermann. Ist leider so, stimmt aber! Nicht umsonst findet der Gipfel dort statt, oder?
    Wer Ruhe beim G8-Gipfel will, der richtet diesen auf den Virgin Islands (bzw. vergleichbares) aus, und nicht
    dort, wo viele Journalisten hinkommen können, oder?
    Ach: Und die bezahlt der Steuerzahler nicht; also nicht direkt... ;-)
    Damit wären wir beim nächsten.
    Der Gipfel ist nichts ohne den Medienrummel. Und wäre auch nichts ohne die (friedlichen) Demonstranten und die Schwachköpfe, die Steine gegen einen Gitterzaun werfen.
    Was sonst hat dieses Treffen für das Masseninteresse zu bieten? Relativ wenig.
    Die Interessierten kennen die Inhalte. Und wer glaubt, weltpolitische Beschlüsse seien in Heiligendamm besonders leicht zu fassen, der irrt. Genauso wie diejenigen, die glauben, dass politische Berater und Sekretäre, die sich per Luftfracht einfliegen lassen, sich von ein paar Steinwürfen beinflussen lassen.
    Nein. Sportler bei den Olympics lassen sich auch nicht von ein paar "buhh"-Rufen am Weltrekord hindern.
    Dazu ist zu sagen: Doping in der Politik ist absolut willkommen. Und sei es durch das Vitamin B!
    Nein. Beschlüsse und Ratifizierungen darf und kann man nicht erwarten...Hey es sind 8! Länder...und zwar die größten (und besten) der Welt...

    Nun, sicherlich hat der Standort McPomm keine echten Vorteile davon. Aber ist das der Sinn? Aufbau-Ost durch den Gipfel? Welcome back Marshall-Plan! Kein wunder das die Russen gleich wieder auf "kalten Krieg" machen! ;-)

    McPomm kann doch froh sein, dass es es soetwas wie Heiligendamm hat und noch viel mehr! Für jedermann. und jede Mediengattung,

    soweit.

    vg

    07.06.2007, 23:18 von andihamburg
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    na ja, gut, mag den artikel, aber bei genua, nun ja, da denk ich dann doch nicht "nur" an die ausschreitungen. und das wird vielen ebenso gehen. anders als in klassischen badeorten, aber dort eben auch, will man nun ja auch nciht jede klientel haben. und genua ist überhaupt nicht unbedingt auf tourismus spezialisiert. eine hafenstadt mit industrie.
    und bei münchen: das oktoberfest dürfte sich doch tiefer ins globale gedächtnis eingegraben haben als die ausuferungen zu olympia.
    das mit dem zaun is wieder was anderes, bin aber froh, den artikel doch noch gelesen zu haben, gibt ne empfehlung
    *p

    07.06.2007, 22:52 von PDK
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    Erstmal, bitte bitte nicht von Macpomm schreiben!!! Das ist grausam! Wenn schon Abkürzung, dann lieber Meck-Pomm...

    So schlimm ist Anklam auch nicht, es gibt Ecken mit mehr Rechtsradikalen. Gerade einige Dörfer sind da aber sicher unangenehmer.

    Nun noch mal zum Thema: ich glaube kaum, dass sich nachhaltig durch den Gipfel was für MV tut. Selbst wenn es jetzt nicht noch mehr Gewaltausbrüche gibt. Allein die Sicherheitsvorkehrungen und die bisherigen Proteste haben ja schon genug negative Presse gebracht. Und mehr als Bilder aus Heiligendamm und Rostock sieht man in den Medien ja eigentlich auch nicht. Keine Ahnung, welchen Tourismus sie damit fördern...

    06.06.2007, 15:46 von mariken
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    "aber ich habs ja auch leicht - mit weißer haut." was für eine tolle pauschalisierung schon wieder für das bundesland. als wenn da an jeder ecke nazis rumlaufen, alle aus meck-pom rechts wären und farbige nichts zu lachen hätten dort. gut, es gibt beispielsweise anklam, das sich als eine art hochburg der rechten szene herauskristalisiert hat. aber in gesamt meck-pom gibt es auch nicht mehr neonazis als in vielen anderen bundesländern. nur passt das ja immer schön in die schublade - neue bundesländer, frustration, rechtradikalismus. ich will nichts beschönigen, aber ich krieg echt n anfall wenn ich sowas lese hier.

    06.06.2007, 15:29 von noerle
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      @noerle cry me a river. jetzt haben wir tatsächlich grade gelernt wie zuschreibungen funktionieren?
      wenn gebürtige mecklenburger wohlmeinend zu meinen freundinnen sagen, dass es ecken gibt, wo sie nicht sein sollten, dann kann ich darüber nachdenken und feststellen, dass mir das als generische person in diesem maße noch nicht aufgefallen ist. komisch auch.
      wenn es dir nicht auffällt, schau dir mal dein bild an und stell dir nur kurz vor, du denkest meinen gedanken...

      04.07.2007, 04:24 von vert
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    g8-gipfel 2001 in genua.
    aussetzung des schengener abkommens.
    20000 polizisten, provokation.
    brutale stürmung einer schlafstätte (diaz-schule).
    folter im bolzaneto-gefängnis.
    kopfschuss für einen demonstranten.
    freispruch für alle polizisten.
    das ist "genua".

    ich mag die gegend landschaftlich auch weiterhin.
    aber ich habs ja auch leicht - mit weißer haut.

    06.06.2007, 14:46 von vert
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