kantwaeresauer 14.10.2015, 22:14 Uhr 1 2

Fünf Schekel und der Nahostkonflikt

Nachts in einer Bar in Jerusalem mit Thoraschülern

Donnerstagabend in Jerusalem. Es gibt Getränke für fünf Schekel (entspricht etwa 1,25 €), daher heißt die Bar auch 5-Schekel-Bar. Die Stimmung ist ausgelassen, man trinkt gerade sein erster, zweites, drittes oder viertes Bier und schnackt ein bisschen über die neuesten Erfahrungen, Eindrücke, etc..

Doch was passiert dann? Es gesellen sich zwei Amerikaner und ein Südafrikaner an den deutschen Tisch. Nach minimalen Smalltalk ist ein Thema gefunden. Amerikanische Politik. Der Südafrikaner verlässt den Tisch wieder. Die Amerikaner sind Tora-Schüler und stehen eher rechts in der amerikanischen Politiklandschaft. Man redet über Gott, Religion, Sozialpolitik und -natürlich- den Nahostkonflikt. Die Diskussion wird hitziger. Der Brite wird auf uns aufmerksam.

Er lebe seit sechs Jahren in Israel, habe Armeedienst geleistet. Von den Ansichten ist eher für einen Religiösen sehr liberal. Trotzdem war einer der häufigsten Aussagen an diesem Abend “Ich will dich ja nicht vom Judentum überzeugen, aber…”.

Es spielt keine Rolle wie oft ein Themenwechsel versucht wurde, am Ende war man sowieso wieder beim Konflikt. Es wurden die klassischen Argumente ausgekramt: “Israel will sich nur verteidigen” bzw. “Die Palästinenser benutzten Kinder als Schutzschilder”. Es wurde jedoch auch versucht kontrovers über Vergangenes zu diskutieren. Wir sprachen über die Balfour-Erklärung, das Faisal-Weizmann-Abkommen und die Al-Husseini-Korrespondenz. Interessanterweise machte der Brite die Franzosen für das Desaster der falschen Versprechen verantwortlich. Das brachte uns kurz auf Franzosenwitze, lenkte aber nicht wesentlich vom Thema ab.

Die Diskussion gerät ins Stocken. Die einen glauben an Gott, die anderen eben nicht. Die einen unterstützen Israel, die anderen sehen Israels Politik/Geschichte kritisch. Genervte Blicke, ab und an mal wird’s mal ein bisschen lauter.

Im Endeffekt, war es spannend zu hören, welche Meinung jeder hatte und wie er/sie sie jeweils begründete. Wir hörten die israelisch-jüdische Seite. Heute nachmittags gehts nach Ramallah, dort wollen wir uns die anderen Seite anhören.

https://kantwaeresauer.wordpress.com

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Kommentare

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  • 1

    “Ich will dich ja nicht vom Judentum überzeugen, aber…”.

    Wat? Hab gedacht, dass es solche Satzkonstruktionen nur in Deutschland jibt. Kurios.

    17.10.2015, 22:47 von mirror87
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