Querdenker31 11.10.2015, 22:24 Uhr 4 4

Friedensdemo in Jerusalem

Zwischen Hoffnung und Ernüchterung

This demonstration is for everybody who wants to reach peace by talking and dialogue“ mit diesen Worten beginnt die Demo mit dem Namen „breaking the cycle of violence“. Ich stehe mit einem Freund und knapp 700 anderen Menschen seit 20 Minuten auf dem Veranstaltungsort knapp 1,5 Kilometer von der Altstadt weg. Nach der knappen Begrüßung sprechen mehre Rabbis, die alle mehrmals auf die jüdische Tradition verweisen, welche das Leben über alles andere, auch über das Heilige Land, stelle.

Wir kommen mit Yair, einen 30-jährigen Offizier der sich selbst als „left-winged zionist bezeichnet ins Gespräch. Er meint, dass er zwar keinen Kreis der Gewalt, sondern eine einseitige Gewalt der Palästinenser, sehe aber trotzdem hier ist weil er eine friedliche Lösung befürworte. Ich guck mich ein wenig um, mir fällt ein Soldat auf der ein Schild mit den Worten „peace right now in den Händen hält. Ich sehe eine uralte Frau mit Kopftuch, die auf ihrer Gehilfe sitzt. Auch sind viele Jugendliche zu sehen.

Währenddessen versuchen immer mehr rechte Israelis die Demo zu stören. Sie stehen am Rande nahe der Demo, halten Israelflaggen in die Luft und skandieren Deaths to Arabs. Die meisten Teilnehmer ignorieren sie, doch eine junge Frau stellt sich ihnen knapp 10 Meter entfert gegenüber auf. Sie hält ein Plakat mit dem bunten Schriftzug „give peace a chance“ in die Luft. Ich gehe zu ihr. Sie erzählt mir, sie ist hier weil sie den Traum hat, dass ihre Kinder irgendwann mal in Frieden leben können.

Nachdem noch der Bruder von einem Opfer eines Anschlages von vor 18 Jahren spricht, der Brief eines palästinensischen Mitveranstalters vorgelesen wird (der sich auf Grund der aktuellen Sicherheitslage nicht nach Jerusalem getraut hat) und der Vorsitzende einer israelischen NGO, die palästinensischen Farmer bei Streitigkeiten mit den israelischen Behörden untererstützt, sprechen. Kommt am Ende der Demo ein Mann auf die Bühne, der bevor er irgendetwas sagt mit Applaus überschüttet wird. Yair erzählt uns, dass der Mann gemeinsame Gebet mit Juden und Muslime organisiert. Er stimmt ein hebräisches Lied an. Ich verstehe kaum etwas aber Yair übersetzt uns den Text mit den Worten „Who is the man? / the one who decides to turn away from bad / and do good, seek peace and pursue it“ 700 Leute singen dieses Lied. Ich sehe wieder die alte palästinensische Frau mit Gehilfe. Sie weint. Die friedliche Stimmung überwältigt mich. Mir kommen auch ein paar Tränen.

5 Minuten nach Ende der Demo kommt dann aber wieder die Ernüchterung als wir mit Yair Kontaktdaten austauschen und er auf die Frage ob er an ein baldiges Ende der Gewalt glaube trocken mit „nein" antwortet und nach kurzem Schweigen hinzufügt: even if the violence will stop in the next couple of weeks, as long as there is no improvement of the situation or at least a perspective for independence of Palestine the violence will come back and back again."

Blog: https://www.facebook.com/LeonJerusalem


Tags: peace, Israel, Palästina
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4 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Mazzeltoff.

    Ein ergreifender Artikel ...
    Die Demonstranten in Ankara
    letztes Weekend hatten
    nicht so viel Glück wie Ihr ....

    12.10.2015, 13:32 von Alexander13
    • 1

      Moin


      Ja leider nicht eine Freundin von mir der im Türkeiurlaub war meinte im Vorfeld auch ich solle bloß aufpassen

      12.10.2015, 15:57 von Querdenker31
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  • 1

    So siehts aus...

    12.10.2015, 12:35 von sailor
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  • 1

    PS: Ich absolviere einen Freiwilligendienst in Jerusalem und werde bis Augus 2016 in Jerusalem sein.

    11.10.2015, 22:28 von Querdenker31
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