steffeke 26.10.2005, 11:33 Uhr 16 1

Erdbeben im "Land der Terroristen"

Ein Besuch im Katastrophengebiet von Pakistan und das, was im Fernsehen nicht gezeigt wird....

Nachdem wir 5 Tage zuvor in Muzaffrabad waren, besuchten wir gestern eine kleine Stadt namens Balakot, oder zumindest dass, was noch davon uebrig geblieben ist. Truemmer und Schutt wo man hinsah. Riesige Gebaeude in sich zusammengesackt als waeren es Kartenhaeuser. Das Auto ohne Mundschutz zu verlassen, war wegen des uebelriechenden Dunstes, welcher immernoch ueber der Stadt hing nur bedingt moeglich.
Man koennte meinen, dass nach einem solchen Desaster die Bevoelkerung zusammensteht und gemeinsam versucht, wieder Ordnung herzustellen, doch dem ist nicht so. Raeuberische Banden, welche die Situation kontrollieren, treiben ihr Unwesen. Sie reissen sich alle Hilfsgueter unter den Nagel und pluendern die Ueberresten der Haeuser.
Die Hilfsorganisationen scheinen sogar zwei Wochen nach der eigentlichen Katastrophe noch nicht die Zeit gefunden zu haben, sich untereinander zu koordinieren. Immernoch fahren staendig Trucks mit Hilfsgueter vor. Sie tragen riesige Banner mit den Namen der jeweiligen Hilfsorganisation. Die Frage, ob es ihnen wirklich um Hilfe oder nicht viel mehr um Werbung geht, draengt sich spaetestens dann auf, wenn man sieht, wie die Waren nicht etwa gerecht unter den Beduerftigen verteilt, sondern achtlos an den Strassenrand geworfen werden. Nur die Staerksten kommen zum Zuge, waehrend die Schwaecheren sich um die Resten zanken koennen. Von den tausenden von UNHCR-Zelten welche angeblich verteilt worden sind, haben wir bestenfalls hundert gesehen. Wo die restlichen geblieben sind weiss kein Mensch. Ausserdem ist die Stadt voll von Kleiderbergen, welche im Regen verschimmeln oder in den kalten Naechten vor den Zelten verbrannt werden. Denn es wird Winter und die Zelte bieten nur ein geringen Schutz gegen die eisige Kaelte.
Die westliche Welt scheint dies alles aber nicht sonderlich zu interessieren. Seit dem 7.7.2005(london)scheint Pakistan fuer viele ein Land der Terroristen und Extremmisten geworden zu sein. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Spenden aus Europa eher mager ausgefallen und Europaeische Hilfsorganisationen nur sehr spaerlich im Katastrophengebiet vertreten sind. Die einzige Hilfe welche wirklich zu funktionieren scheint, kommt von den Regierungen der VEA, der Tuerkei und des Iran. Leider machen auch verschiedenste fundamentalistische Organisationen einen gut organisierten Eindruck und gewinnen so weitere Anhaengerschaft und immer mehr Sympathisanten.
Nach dem Besuch in Balakot fuehrte unser Weg uns erneut nach Muzaffrabad. Waehrend der Fahrt dorthin begegneten uns unzaehlige Fluechtlingszuege. Familien, welche mit vollbepackten Eseln loszogen und in der Ferne eine Zukunft suchen, welche sie in Mitten der Truemmer ihrer alten Heimat nicht mehr sehen konnten.
Waehrenddessen scheint Muzaffrabad almaehich wieder zum Leben zu erwachen.
Hier und dort haben Gemuesehaendler ihre Staende aufgebaut und es waren deutlich mehr Helfer zu sehen als bei unserem ersten Besuch, 5 Tage zuvor.
Es ist wirklich zu hoffen, das jetzt, wo die meisten Organisationen eine Kontaktperson im Krisengebiet haben, die Situation etwas ueberblickt und so die Hilfe langsam einigermassen koordiniert werden kann, denn rueckblickend stellen wir uns die Frage: "Was ist die eigentliche Katastrophe, das Erdbeben oder das menschliche Unvermoegen, einander in Situationen wie dieser, hilfreich zur Seite zu stehen?""Wichtige Links zu diesem Text"
Schule fuer armen- und Waisenkinder aus Pakistan.

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16 Antworten

Kommentare

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    @impulsive:
    langfristig folgt auf explosion die implosion. nachdem wir also reichlich viele geworden sind, sodass ein kleines sahnehäubchen das gemütlich obendruff schwimmt, sich über dinge wie humanismus auskotzen kann, müssen wir stetig wieder richtung horden und sippenverbände gehen, falls wir uns nicht vorher auslöschen.

    kaschmir ist wieder in der steinzeit (falls es jemals woanders war) und das heisst: "ich hab die grössere keule, ich überlebe und dünge mit dir meinen boden" ... biologisch macht es sinn, dass die stärkeren unterstützt werden, wer jetzt schon zu schwach ist um im kampf um die hilfsgüter mitzuhalten wird den winter dort eh nicht überstehen, müsste ausgeflogen werden.

    @steffeke: die kinder studieren in amerika sprengtechnik, gucken schonmal wo die ladungen im UN gebäude hinmüssen, wieviel kohle sie noch aus deutschland brauchen für ihre neue ich-mach-alle-platt-ag und denn gehen se zu ihren 1000 jungfrauen.

    ich hab keine lust mehr mir einen kopp zu machen wie man tollwütige hunde zum männchen machen bringt. scheiß religions-zeug. dämliche christen,islamisten, ach und der rest hat och nen knall (aber ich schweife ab...)

    PS: eine frage.... humanität -> was zum f** soll das eigentlich sein?! irrationales handeln in gruppen ?

    15.11.2005, 22:45 von xzess
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    wieviel prestige wird einem zu teil, der hilft??

    die zeit wird zeigen, dass katastrophen immens zunehmen und die hilfe langsam und stetig schwindet, der mensch gewöhnt sich - leider - an alles

    08.11.2005, 00:17 von impulsive
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    r =)

    07.11.2005, 17:46 von ulf
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      @ulf haha, da hast du recht, verwechslungsgefahr besteht.
      ist doch irgendwie lustig, dass die kinder der bedeutenden fundamentalisten ( welche amerika doch so sehr hassen) in amerika studieren (anstatt in den heiligen krieg zu ziehen...).

      07.11.2005, 19:10 von steffeke
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    Als ich die Übeschrift las dachte ich es geht um Florida!

    07.11.2005, 16:04 von ulf
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    Hoi steffeke! Sehr guter Text. Die Anspielung auf die Terrorscheiße ist, meiner Meinung nach, etwas daneben. Wenn man mal schaut was so abgeht, bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass dieser Akt der Selbstaufgabe (Terror) keines Falls mehr einem reinen politischen Zweck dient. Mir stellt sich viel eher die Frage, wo denn die obere Gesellschaft, sprich die wirklich Reichen, Ihre Moneten verprassen. In Hilfsgüter? Es wird in näherer Zukunft ein wenig unangenehm. Jeder wird sich dann daran erinnern, dass die Natur sehr gut Antworten kann. Die Folgen der Klassengemeinschaft werden komplett sein. Und hier und da werden die restlichen Überbleibsel der einztigen Lebenslage unter den Teppich gekehrt. Die Frage ist dann, welche Art von Umgang gepflegt wird. Ansonsten bin ich echt Optimist! lg

    02.11.2005, 17:56 von bR4iNST0RM
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    Hey Steffeke!
    Ich meine es ECHT (Indianerehrenwort) nicht böse, aber Du bist auf der Startseite: editier doch noch mal kurz den Text. Du hast im Teaser leider einen Fehler drin: "dass" muß mit einem s geschrieben werden, da sich das "was" auf das "das" bezieht.
    Sorry fürs Klugscheißen, aber wie gesagt: Startseite und so...
    Beste Grüße,

    barcafan

    31.10.2005, 17:09 von barcafan
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      @barcafan danke fuer den hinweis! im moment bring ich es aber leider nicht fertig, den text zu editieren (peinlichpeinlich...) weiss nicht warum, bei den anderen texten klappst, bei diesem nicht. werds aber weiterhin versuchen, hast vollkommenrecht vonwegen startseite und so...

      01.11.2005, 09:09 von steffeke
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    das erdbeben ist eine katastrophe und, wie dein schlusssatz anmerkt, ist die noch größere katastrophe, dass die hilfe zu langsam kommt.
    wenn man bedenkt, dass es die usa innerhalb von 48 stunden schaffen, den irak anzugreifen, ist das eine absolute katastrophe (ja, das katastrophengebiet liegt in einem schwer zugänglichen gebiet - trotzdem kann man so etwas schneller wenn man nur will!).
    was auch bei dieser katastrophe wieder deutlich wird, ist die ungeheure macht der medien. ich habe im radio gehört, dass es nach ersten einschätzungen mindestens genau so viele opfer gibt wie bei der tsunami - aber es wird nicht annähernd so viel darüber berichtet! es ist das gleiche leid, es sind die gleichen armen menschen, die betroffen sind - und trotzdem wird das land ganz anders behandelt. jetzt müssen die menschen ausbaden, was die politik verschuldet hat.
    was für eine scheiß-moral...

    31.10.2005, 00:18 von josie
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      @josie klar ist das ganze eine katastrophe, keine frage! aber ich finde man darf langsam mal wieder mit der "scheiss amerika hier und scheiss amerika da" haltung aufhören (das heisst nicht das ich alles was "dieses land" so treibt befürworte). ich finde nur man darf genauso gut auf anderen ländern rumhacken wenn es um hilfeleistungen geht! man kann nicht dauernd jemanden kritisieren und selbst genauso glanzlos sein... meine meinung!


      31.10.2005, 15:09 von collar
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      @collar hey! nee, meine kritik war auch auf keinen fall nur auf die usa bezogen, sondern ganz allgemein auf alle westlichen länder und vor allem auf den einfluss der medien. also, ich bin da ganz deiner meinung.

      31.10.2005, 18:36 von josie
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    das Katastrophengebiet besuchte ich, weil LivingEducation beschlossen hat, min. 40 vom Erdbeben betroffene Kinder im Internat aufzunehmen, um diesen weiterhin Bildung und Obdach zu bieten.

    30.10.2005, 06:38 von steffeke
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    ich bin absolut zufaellig in Pakistan, absolviere hier ein Praktikum in einer Schule fuer armen-und waisenkinder.
    fuer interessierte: www.livingeducation.org

    30.10.2005, 06:31 von steffeke
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    ich schließ mich der frage an, mir gefällt dein bericht, aber ich hoffe doch mal dass du mit ner hilfsorganisation da bist, ich hoffe nicht, dass du einer von vielen bist die nur wegen der show da sind sonder auch wirklich was leisten willst

    28.10.2005, 13:49 von sima
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