CurleySue 27.09.2007, 00:40 Uhr 0 2

Digital Divide

Medien bestimmen unseren Alltag. Doch nicht überall auf der Welt profitiert man von ihnen. Wie aus sozialen Klüften digitale Klüfte werden.

Morgens weckt mich das Klingeln des Handys. Mein Freund. Jetzt aufstehen, waschen, Radio an. Dann erst mal in Ruhe frühstücken – und dabei Tageszeitung lesen. Schon innerhalb meiner ersten wachen Stunde am Morgen komme ich mit drei verschiedenen Massenmedien in Kontakt. Über den Tag verteilt sollen viele weitere folgen: ich arbeite am Laptop, checke im Internet meine Emails und suche ein Hotel für den Wochenendtrip. Kontostand abfragen. Abends telefoniere ich übers Festnetz mit einer Freundin und wir quatschen über die Demonstrationen in Burma. Obwohl ich viele tausende Kilometer davon entfernt bin, war ich dabei. Hab gesehen wie die Menschen sich auf den Straßen versammeln – in meinem Wohnzimmer.

Medien bestimmen meine Welt. Jeden Tag. Von morgens bis abends nehme ich meine Umwelt über sie wahr – vermittelt, indirekt, überfüllt. Privat wie beruflich werden wir mit Informationen, Daten, Botschaften zugeschüttet und sind mit vielen Menschen verbunden. Nicht körperlich, emotional vielleicht, aber ganz sicher technisch. Denn wir leben in der Informations- und Wissensgesellschaft. Einer Gesellschaft, in der Informationen immer zugänglich sind, in der Medienkompetenz und Bildung, nicht physische Arbeitskraft über unsere Zukunft entscheiden. „Der Begriff Wissensgesellschaft … markiert einen qualitativen Bedeutungszuwachs des Wissens in allen Lebensbereichen. Wissen werde insgesamt zur Organisations- und Integrationsprinzip und damit zur zentralen Problemquelle der modernen Gesellschaft“, heißt es dazu in einem Bericht der Enquête-Kommission von 2003.

Während also die Industrienationen kräftig in ihr Bildungssystem investieren, geht dieser Wandel an den Entwicklungsländern vorbei. Und schließt sie damit einmal mehr von Wohlstand und sozialem Aufstieg aus. Denn wo über 50 Prozent Frauen nicht lesen und schreiben können, Familien nicht wissen, von was sie sich am nächsten Tag ernähren sollen, sich täglich viele Menschen mit Aids anstecken, Bürgerkriege herrschen und die Männer als Kaffeebauern von westlichen Firmenriesen ausgebeutet werden – da ist weder Platz noch Geld für Internet.

Beispiel Afrika: Wo 13 Prozent der gesamten Weltbevölkerung leben, hatten im Jahr 2005 nur zwei von hundert Einwohnern auf irgendwelche Art und Weise Zugang zum Internet. Die Infrastruktur fehlt, vor allem auf dem Land. Und selbst wo ein öffentlicher Zugang vorhanden wäre, ist dieser entweder enorm langsam oder die Menschen wissen nicht damit umzugehen – woher auch? So wird aus der Kluft zwischen Arm und Reich eine Kluft zwischen Informierten und Nicht-Informierten, zwischen Onlinern und Offlinern.

„Afrika hat die einmalige Chance, die Industrialisierung zu überspringen und in der Informationsgesellschaft zu landen“ – woher Rüdiger Eisele, Justiziar des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft diese positive Einschätzung nimmt, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass er Recht hat. Zu viele Probleme erschüttern den Schwarzen Kontinent. Ein Allheilmittel sind die Informations- und Kommunikationstechnologien nicht. Aber wäre nicht ein Anfang gemacht, wenn sich der Bauer im Netz über die aktuellen Preise auf dem Weltmarkt informieren könnte und seine Frau die vier Buchstaben A I D S in eine Suchmaschine tippen kann?"Wichtige Links zu diesem Text"
Website zum UNO-Weltinformationsgipfel 2005
Zahlreiche Publikationen zu diesem Thema - auch von Angela Merkel

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