julia-sophie 17.07.2012, 18:02 Uhr 3 1

Die südlichsten Briten der Welt

Großbritannien und Argentinien streiten sich um eine kleine Inselgruppe im Südatlantik - die Falkland-Inseln.

Die Falkland-Inseln – eine Inselgruppe im Südatlantik, deren komplizierte Lage seit kurzer Zeit vor allem Großbritannien und Argentinien entzweit. Das Problem: Die rund 200 Inseln hören auch auf den Namen Islas Malvinas. Argentinien beansprucht sie für sich, ebenso die britische Krone. Heute gehören die Falkland-Inseln zu Großbritannien, die Amtssprache ist Englisch, es gibt die berühmten roten Telefonzellen und Briefkästen der Royal Mail, man fährt links.

Was hat es mit dieser britischen Enklave 500 Meilen vor der argentinischen Küste auf sich? Angeblich wurden die Inseln 1592 von einem Briten entdeckt, dies bezweifelt die argentinische Sicht der Dinge jedoch stark. Bis heute streiten Großbritannien und Argentinien, das die Inseln mitunter aufgrund der Nähe zu seinem Land als eigenes Territorium ansieht bzw. den Anspruch auf die Inseln von ihren Kolonialherren, den Spaniern „geerbt“ haben, um die Inseln. Das wohl einschneidenste Jahr der falkländischen Geschichte ist das Jahr 1982: Die argentinische, damals Militär-, Regierung besetzte die Inseln, Großbritannien reagierte und zwang Argentinien nach kurzen und blutigen Kämpfen zur Aufgabe. Dem Krieg fielen rund 1.000 Menschen zum Opfer, ein Großteil davon Jugendliche, die die argentinische Militärdiktatur in den Krieg schickte.

Heute leben rund 2.500 Falkländer, auch Kelper genannt, auf den Inseln, die mehrheitlich britische Staatsbürger sind und es auch sein wollen. Für die britische Regierung beantwortet sich mit dieser Zustimmung zu Großbritannien auch die Frage nach der Zugehörigkeit: Das Stichwort ist Selbstbestimmung.

Was denken aber die Argentinier und die Briten über diese Inselgruppe, einmal abgesehen von Präsidentin Kirchner und David Cameron? Unter den jungen Argentiniern ist die vorherrschende Meinung: „Las islas Malvinas son argentinas“ – sie sind argentinisch. Für Jonatan, Student, ist klar, dass die Briten vor allem wegen des Öls an den Inseln interessiert sind. Und er findet: „In der heutigen Zeit sollte es keine Kolonien mehr geben“, für ihn gehören die Inseln ganz natürlich zu Argentinien. Mauricio, Musiker, sieht dies genauso. Aber der Krieg 1982 sei falsch gewesen, vor allem weil dies nur ein Versuch der Rettung der Macht der Regierung Thatcher und der argentinischen Militärdiktatur gewesen sei. Mosta, Student aus Buenos Aires, findet, dass man nicht genau weiß, zu wem die Inseln gehören. „Wir haben irgendwie das Gefühl, dass sie zu Argentinien gehören, aber wir haben kein solides Argument, um zu begründen, warum.“

In Großbritannien, dem Land, zu dem die Malvinas gehören, ist das Thema weit weniger allgegenwärtig. In der englischen Schulbildung zum Beispiel wurden die Falkland-Inseln überhaupt nicht erwähnt. Emily, eine englische Studentin, hat sich dann irgendwann selbst informiert und Naomi Kleins „The Shock Doctrine“ gelesen. Sie ist ganz Kleins Meinung, dass der Falkland-Konflikt ein „menschengemachter“, geplanter Konflikt ist, mit dem zur Thatcher Zeit unpopuläre wirtschaftliche Reformen durchgesetzt werden sollten. Kieran, der in seinem Beruf recht international arbeitet, kann, das muss er ganz ehrlich sagen, den Anspruch der Argentinier einfach nicht verstehen. Er fühlt sich angegriffen davon, dass die Briten von den Argentiniern als „Kolonialisten“ bezeichnet werden. „Die meisten Falkländer können ihre Ahnen bis zu einer Zeit zurückverfolgen, lange bevor Argentinien ein Land war“; meint er. Das durchschlagendste Argument ist für die Zugehörigkeit der Falkland-Inseln zu Großbritannien ist der Wunsch der Inselbewohner zu Großbritannien zu gehören und das habe nichts mit Kolonialismus zu tun Kieran persönlich interessiert sich für das Thema, viele andere Briten seiner Meinung nach jedoch nicht besonders: Für viele sei es nur „ein Streit um 500.000 Schafe.“

In den vergangenen Jahren ist der Konflikt um die Inseln wieder verstärkt an die Oberfläche gekommen. 2010, als Großbritannien begann auf den Falkland-Inseln wieder nach Öl zu bohren, fühlte sich Argentinien angegriffen, versuchte die Bohrungen zu stoppen und initiierte ein Verbot von Schiffen, die unter Falkland-Flagge fuhren, in südamerikanischen Häfen. Anfang 2012 kündigte Großbritannien an, Prinz William im Rahmen seines Militärdienstes auf die Inseln zu schicken und entsendete eines seiner modernsten Kriegsschiffe. Nach Angaben Londons ein Routineeinsatz, für Argentinien die Spitze des Eisberges. Anfang Mai veröffentlichte die argentinische Regierung einen Werbespot, in dem ein argentinischer Hockeyspieler auf den Malvinas für Olympia trainiert. Aussage: „Um auf britischem Boden am Wettkampf teilzunehmen, trainieren wir auf argentinischem Boden."

Auch auf dem G-20-Gipfel Ende Juni wurde das Thema zwischen Cristina Kirchner und David Cameron wieder einmal thematisiert, als Kirchner und Cameron in Mexico aneinander gerieten und die argentinische Präsidentin dem Premierminister einen Brief übergeben wollte, den dieser aber nicht annahm. Wortgefechte folgten, aber keine tatsächlichen Gespräche.

Warum aber jetzt, warum wird das Thema nun wieder so stark thematisiert? Um, wie 1982, von der Innenpolitik abzulenken? In Großbritannien läuft zur Zeit die Wirtschaft alles anderer als rund und auch Argentinien hat mit großen Problemen zu kämpfen. Also die Frage an beide Seiten: Notwendigkeit oder Provokation, um von anderen Themen abzulenken? Vor allem das allgegenwärtige Streitgut Öl, das die Inseln bergen, scheint nicht ganz nebensächlich zu sein. Bleibt zu hoffen, dass dieser  Streit um die Inseln, der sich zumindest in den letzten Jahren und Wochen über Wortgefechte ausgetragen hat, nicht noch von bloßer Provokation in tatsächliche Gewalt umschlägt.

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3 Antworten

Kommentare

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    Es geht um ganz viel Öl, etwas Rache und ein kleines bisschen Nationalismus/Nationalstolz.
    Ein ähnliche Geschichte, die aber (in der Neuzeit zumindest) unblutig gelöst wurde, sind die Åland-Inseln.

    17.07.2012, 19:50 von wordmage
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