Jonas_Keller 13.08.2017, 23:40 Uhr 23 3

Die Schande von Charlottesville

Vor den Toren von Washington übernehmen Neonazis vorübergehend einen Ort und töten eine Frau. Trump schweigt dazu - und das darf uns nicht egal sein.

Ich bin es leid, meine Artikel damit anzufangen, dass jemand weint. Ich habe das schon nach den US-Wahlen getan und muss es nun wieder tun. Dieses mal bin ich es, der geheult hat. Nicht, dass ich nahe am Wasser gebaut wäre. Aber was ich diese Freitagnacht gesehen habe, kann ich nicht ungesehen machen. Was ich gesehen habe, hätte ich nicht für möglich gehalten zu meinen Lebzeiten. Denn was ich gesehen habe, habe ich schon einmal mitangeschaut. Nicht live, sondern in Dokumentationen aus dunklen Zeiten. Hunderte junge Männern, dieses mal gekleidet in zivil und unmaskiert, mit Fackeln bewehrt, marschieren in eine Ortschaft etwas landeinwärts von Washington DC ein und übernehmen den Platz vor der Universität. Marschierend brüllen sie im Chor: „Ihr werdet uns nicht ersetzen!“, „Blut und Boden!“, „Sieg Heil!“, „Ein Volk, eine Nation, keine Immigration!“ und „So sieht der Sieg auf diesen Strassen aus!“

Ja, so sieht Trumps Sieg auf diesen Strassen aus. Denn dass diese jungen Männer mit Trump stehen, daraus machen sie keinen Hehl. Einige tragen „Make America Great Again“ Mützen, andere Shirts mit Trump-Slogans darauf. Der ehemalige Ku Klux Klan Anführer David Duke ist dort, er hatte Trump zum Präsidenten empfohlen. Am nächsten Tag wird er erklären, dies sei ein Wendepunkt. Man sei zusammengekommen, um „Donald Trumps Versprechen zu erfüllen“. Wie das ausgeht, sieht man schon in der ersten Nacht. Eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten erwartet die Schar Neonazis. Schnell wird sie umringt und bald schon sind die hilflosen Bürger mit Pfefferspray eingesprüht. „Diese Strassen gehören uns!“, rufen die Neonazis triumphierend.

Das ganze Szenario spielt sich ab bei der Statue von Thomas Jefferson, einem Expräsidenten mit einer zwiespältigen Einstellung zur Sklavereifrage, die schliesslich zum Bürgerkrieg von 1861 – 1865 führte. Die Neonazis hingegen sind gekommen, um die Statue von Südstaatengeneral Robert Lee zu verteidigen, die laut Beschluss des Stadtrates von Charlottesville niedergerissen werden soll. Solche Statuen, genauso wie die Konföderierten-Flagge, sind immer wieder Treff- und Identifikationspunkte für rechtsextreme Gruppen in den USA. Und nun, da Trump im Amt ist, fühlt es sich so sicher wie schon lange nicht mehr an, als Rechtsextremer Macht durch Gewalt auszuüben. Am Abend sind nur einige hundert zusammengekommen. Am nächsten Tag sollen es tausend werden. Sie schwenken das Sternenbanner und die Konföderierten-Flagge zusammen mit dem Hakenkreuz.

Doch der Widerstand schläft nicht. Eine ebenbürtige Zahl von Gegendemonstranten, darunter auch viele Kirchengruppen, erscheint am Samstagvormittag im kleinen Charlottesville in West Virginia. Mit ihnen kommt auch, wer immer zu solchen Dingen kommt. Antifaschistische Gruppen, ebenfalls bewaffnet mit Pfefferspray. Ihnen wird man in rechten und Regierungskreisen mehrheitlich die Schuld an allem folgenden anlasten. Auch hier widersprechen europäische Medien tendenziell. Die Neonazis, bewaffnet mit Helmen, Schutzwesten, Stöcken und zum Teil Schusswaffen, treffen auf hunderte Demonstranten ausgerüstet mit antifaschistischen Plakaten, Sprechchören und Friedensliedern. Die Faschisten werfen gefüllte Wasserflaschen und andere Wurfgeschosse gegen die friedliche Menge, setzen Pfefferspray ein. Die Antifaschisten zücken ihren Pfefferspray und schlagen zurück, die Lage eskaliert. Der Bürgermeister, ein Jude, der erst von der American Civil Liberties Union per Gerichtsverfahren dazu hatte gezwungen werden müssen, die Rede- und Versammlungsfreiheit der Neonazis zu respektieren, sagt die hochbewaffnete Veranstaltung nun endgültig ab. Doch es ist zu spät, hunderte gewaltbereiter Faschisten haben die Ortschaft bereits überflutet.

Die Polizei steht bei der ganzen sich entfaltenden Gewalt meist tatenlos daneben. Sind auch sie verwirrt von Trumps Amerika, in dem der Präsident sie erst vor kurzem zur Gewalt gegen Verdächtige aufgefordert hatte? Die grossen Polizeiverbände hatten sich vor der Wahl pro-Trump gezeigt. Und Polizeigewalt gegen Minderheiten ist in den USA zwar im Vergleich zur Gesamtzahl der Gewalttode ein geringer Faktor, aber trotzdem ein chronisches Problem. Auf jeden Fall stehen die Ordnungshüter dem Geschehen eher hilflos gegenüber, bis endlich der staatsweite Notstand ausgerufen und die Räumung der Versammlung angeordnet wird. Die Neonazis seien dann mehrheitlich friedlich mitgegangen, erklärt die Polizei. Doch die faschistische Kundgebung war damit ebenso wenig zu Ende wie die Gegendemonstration. Die 32-jährige Justizassistentin Heather Heyer war eine der Teilnehmerinnen bei letzterem. Sie war gekommen, um den Neonazis zu widersprechen, wenn sie sagen: „Das hier sind unsere Strassen.“

Heather Heyer lebt nicht mehr. Ein grauer Sportwagen fährt mit Schuss und Absicht in eine Menschenmenge. Leute fliegen durch die Luft, Schreie überall. Das Auto setzt zurück und rast rückwärts davon. Doch das Kennzeichen ist gefilmt worden. Später wird ein 20-jähriger Hitlerverehrer als Fahrer verhaftet. Die Katastrophe ist allerdings schon angerichtet. Die 32-jährige ist tot, 19 weitere Menschen sind verletzt. In Neonazikreisen wird schnell das Gerücht gestreut, der jüdische Finanzier George Soros, ein Lieblingsfeind von Machthabern wie Orban, Erdogan und Trump, habe das ganze inszeniert. Währenddessen melden sich immer mehr Politiker zu Wort. Der demokratische Governeur des Staates sagt den Rechtsextremisten, darunter der schon erwähnte David Duke und der notorische Hitler- und Trump-Verehrer Richard Spencer, sie seien in seinem Staat nicht mehr willkommen. Der Bürgermeister von Charlottesville, ebenfalls ein Demokrat, ist noch direkter: Die Schuld für all dies sei im Weissen Haus zu suchen. Seine Parteikollegen stimmen ihm zu, sie beschuldigen Trump und seine seit zwei Jahren andauernde Hetze gegen Minderheiten sowie davor seine jahrelange rassistische Kampagne um Barack Obamas Geburtsort für die Hasseskalation. Doch nun ist es für einmal auch Republikanern nicht mehr wohl dabei. Insbesondere Politiker mit Wurzeln in Mittelamerika melden sich zu Wort.

Und wo ist Trump in all dem? In seinem Golfklub erholt er sich von nuklearen Kriegsdrohungen und weigert sich beharrlich, Stellung zu nehmen. Am Samstagvormittag schliesslich, nach Fackelzug und ersten Gewalteskalationen, twittert seine Frau Melania eine allgemeine Botschaft gegen Gewalt, doch der Präsident interessiert sich immer noch nicht für den verhängten Notstand im Nachbarstaat der Hauptstadt. Schliesslich ein dezidierter Tweet, man verurteile Gewalt. Traurig sei es – einer seiner konstanten Aussagen zu allem und jedem. Es reicht nicht, die Wut in der Bevölkerung brodelt. 67 Prozent sind gegen den Präsidenten, nach sieben Monaten glauben nur noch 33 Prozent dem notorischen Lügner und Antidemokraten. Dass er, der sich in alles einmischt, es nicht schafft, Stellung zu einem heimischen Terrorakt zu nehmen, der in seinem Namen verübt wurde, ist für viele zu viel. Die Republikaner Marco Rubio, Ted Cruz und Cory Gardner fordern ihn auf, es endlich einen rassistischen Terrorakt zu nennen. Auch die notorischen Trump-Entschuldiger Mitch McConnell und Paul Ryan zeigen sich entrüstet und verurteilen das rechtsextreme Gedankengut. Der dienstälteste Republikanische Senator, Orrin Hatch, twittert, dass sein Bruder nicht im Kampf gegen die Nazis gestorben sei, um ihnen hier das Feld zu überlassen. Und inmitten dieses Entrüstungssturms hat auch Trump sich nun endlich zu einer Stellungnahme bemüht.

Man verurteile „die Intoleranz, den Hass und die Gewalt auf vielen Seiten“, liest er seine Botschaft ab. „Auf vielen Seiten“, wiederholt er, für diejenigen, die noch nicht mitbekommen haben, dass er den Neonazis keine direkte Schuld zuschieben möchte. Die Ermordete erwähnt er nicht. Das tut er erst am Abend, nachdem noch ein Polizeihubschrauber abgestürzt ist und zwei Polizisten in den Tod gerissen hat. Ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelt, ist noch nicht klar. Trotzdem betrauert Trump die Polizisten per Twitter noch vor der ermordeten Demonstrantin. Irgendein Berater erzählt ihm wohl, wie grauenhaft das aussieht und Trump twittert schnell noch eine deutlich weniger freundlich formulierte Kondolenzbekundung hinterher. Irgendein Verweis zu Neonazis oder Rechtsextremismus fehlt weiterhin. In den Zeitungsforen laufen die Köpfe heiss. Man erinnert sich daran, dass er bei muslimischem Terror sofort Millionen unter Verdacht stellt und Vergeltung fordert, aber bei rechtsradikalem Terror, der nun oft durch ihn inspiriert ist, meist schweigt. Erst vorletzte Woche wurde in Minnesota eine Moschee mit Sprengstoff angegriffen, ohne dass er dies auch nur zur Kenntnis genommen hätte. Es wird zu tausenden der Ausruf laut, dass er seine rechtsradikale Basis nicht verärgern wolle.

Die Neonazis sehen das anders. Sie glauben zwar auch, dass sie seine Basis sind. Ihnen aber geht Trumps Statement, dass beide Seiten Schuld seien, nicht weit genug. David Duke twittert ihn an, er solle nicht vergessen, dass es „weisse Wähler“ gewesen seien, die ihm die Präsidentschaft eingebracht hätten, und nicht „radikale Linke“. Doch Trump schweigt, seine beidseitigen Schuldzuweisungen sind alles, was er an diesem Wochenende dazu zu sagen hat. Auf die Frage eines Journalisten, ob er die Unterstützung der Neonazis ablehne, gibt er keine Antwort. Lieber wirbt er in einem seiner Golfklubs um die Gunst von Armeeveteranen. Auf den Fernsehkanälen wackelt derweil seine Präsidentschaft. Der Tenor ist einhellig: Ein Präsident, der nicht Stellung gegen Nazis beziehen kann, ist nicht akzeptabel. Selbst der Anwalt und Republikaner Richard Painter, der in der Bush-Regierung gearbeitet hatte, fordert ein Amtsenthebungsverfahren, falls Trump nicht augenblicklich sämtliche Nazi-Sympathisanten aus seiner Regierung entfernt.

Die Chance, dass Trump abgesetzt wird, ist trotzdem gering. Die Mehrheit der Republikanischen Wähler steht hinter ihm, auch wenn es die Mehrheit der Bevölkerung noch nie getan hat. Und die Republikaner kontrollieren die Exekutive, die Legislative und zunehmend die Judikative. Denn je länger Trump im Amt bleibt, desto mehr Richter kann er ernennen. Diese sind beinahe ausschliesslich jung und extremistisch. Weiterhin hängt Trumps haltloser Vorwurf in der Luft, das verpasste Volksmehr sei auf illegale Wähler zurückzuführen. Eine Kommission, geführt von einem berüchtigten Gegner des allgemeinen Wahlrechts, ist eingesetzt und hat die Personendaten aller Wähler der verschiedenen Staaten angefordert. Generell wird angenommen, dass die Republikaner mit systematischem Wahlrechtsentzug für Minderheiten die nächsten Wahlen zu gewinnen versuchen werden. Und die Schande von Charlottesville war, bei allen Verurteilungen von Republikanischer Seite, schliesslich auch kein Einzelfall. Rechtsextreme Gewalt ist eine regelmässige Erscheinung in der amerikanischen Politik seit mindestens der Ermordung von Bürkerkriegspräsident Abraham Lincoln. Unter Trump hat dies nun noch einmal massiv zugenommen. Immer wieder werden Moscheen angegriffen oder niedergebrannt und Muslime von Fanatikern ermordet, auch andere Minderheiten haben zu leiden. Republikaner wie diejenigen im an der Westküste gelegenen Portland sind sogar dazu übergegangen, direkt Neonazis als Politiker anzuheuern, um „die Kontrolle über die lokalen Schulbehörden und jeden lokalen Distrikt“ zu erlangen. Das alles spricht nicht für ein schnelles und glimpfliches Ende des Trumpismus.

Dass Trump selbst nicht ganz normal ist, merkt jeder schnell. Doch immer mehr Psychologen überwinden nun ihre professionelle Zurückhaltung und attestieren Trump eine kombinierte narzisstische und antisoziale Persönlichkeitsstörung. Weder Appelle an seine Empathie noch der Appeasement-Ansatz, den die meisten internationalen Politiker mit Trump fahren, werden bei ihm deshalb Erfolg haben. Er wird nicht nachgeben, und er wird immer mehr Raum für sich einfordern. Das ist mental zu verstehen, wie er es jetzt schon tut, indem er ständig unsere Aufmerksamkeit erzwingt durch sein verantwortungsloses Verhalten. Es ist aber auch militärisch zu verstehen – mit „Blut und Boden“. Der verbal-nukleare Schlagabtausch mit Kim Jong Un ist ein Vorgeschmack darauf. Bannon, einer der Neonazi-Sympathisanten im Weissen Haus, hat schon vor der Wahl erklärt, ein Krieg gegen China sei unausweichlich. Ein weiter ist Stephen Miller, der Trumps „der Westen gegen den Rest der Welt“-Rede in Polen letzten Monat geschrieben hatte. Und dann ist da noch Sebastian Gorka, der schon an offiziellen Anlässen mit einem Orden einer ungarischen Nazi-Gruppe gesichtet worden ist. Er erklärte kürzlich, die USA sei unter Trump keine Supermacht mehr, sondern eine Hypermacht. Ob aber super oder hyper – die Welt kann es sich nicht leisten, dass im Weissen Haus der braune Sumpf brodelt. Und dieser Sumpf geht nicht nur von den Angestellten, sondern vom Präsidenten selbst aus. Europa muss deshalb klarmachen, dass es keine gemeinsame Zukunft mit Trumps Amerika gibt. Wenn „Niemals wieder“ wirklich "Niemals wieder" heissen soll, dann darf die Schande von Charlottesville nicht ohne Folgen bleiben.


Tags: Trump, Charlottesville, Rassismus, Neonazis, Südstaaten, Terrorismus, Faschismus, Rechtsextremismus, Washington, Krieg
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23 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Georg Seesslen: "Trump! POPulismus als Politik"
    könnte man dazu mal lesen.
    Oder auch "Hillbilly Elegie" von J.D. Vance.

    13.09.2017, 13:55 von smillalotte
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  • 0

    Gerade gelesen: Die gewaltbereiten Linken haben die Rechten Demonstranten angegriffen... Die bösen.
    Die sind quasi also selbst schuld...

    15.08.2017, 17:22 von sailor
    • 1

      ich habe noch nie verstanden, warum es menschen so schwer fällt, verschiedene probleme auch dann als verschiedene probleme zu betrachten, wenn sie sich teilweise überlagern.


      nazigewalt ist ein problem. es braucht eine lösung. linke gewalt ist ein anderes problem. es braucht eine andere lösung. beide lösungen werden ähnliche & gleiche komponenten enthalten müssen, weil es sehr offensichtlich eine gemeinsamkeit gibt: das akzeptieren von gewalt gegen andersdenkende.

      21.08.2017, 21:25 von robert_suydam_reloaded
    • 0

      mal ganz abgesehen davon, das immer wieder im nachhinein die schlichte notwehr mit der tätergewalt gleichgesetzt wird. als könnte man sich mit übersteuernden schlägern mal eben hinsetzten und reden ...  

      21.08.2017, 21:27 von robert_suydam_reloaded
    • 0

      Aber die haben doch angefangen. Vollkommen angemessen, mit einem Auto in die Menge zu preschen. Ist ja eh in gerade. 


      Aber im Ernst: wenn ich diese vor sich hin bröselnde diskursive Problemlösungskompetenz beobachte, kriege ich regelmäßig migräneanfälle...

      22.08.2017, 06:55 von sailor
    • 0

      "Aber die haben doch angefangen."


      das ist ja schon in kindergartensandkästen die beliebteste rechtfertigung für die meisten stänkereien. allein das sagt eine menge über den zustand erwachsener, die damit um die ecke kommen. 

      dumm nur, dass für einen extremisten mit hang zur gewalt das gegenüber schon allein deshalb "angefangen hat", weil es einfach nur existiert. ich finde die andauernde unterschätzung des darin verborgenen wunsches nach der auslöschung, nach dem verschwindenlassen angeblicher oder tatsächlicher feinde wirklich gefährlich. überall auf der welt wird seit einer halben ewigkeit durchgespielt was passiert, wenn man solche leute mit macht ausstattet. es ist immer nur schreckliches unheil dabei rausgekommen. trotzdem gibt es auch heute noch genügend menschen, die ernsthaft glauben, extremisten hätten lösungen für probleme anzubieten & ein bisschen gewalt könne dabei ja nicht schaden ... *manchmal geht es eben nicht anders* ... *und die haben ja angefangen* ...

      "migräneanfälle"

      kotzkrämpfe


      23.08.2017, 05:58 von robert_suydam_reloaded
    • 1

      Das ist ein sicheres Zeichen für schwierikeiten in der Konfliktbewältigung. Zum einen die Auslagerung von Verantwortung. 'Der ist ist schuld' verbunden mit einem optionsreduzierten Lösungsansatz (wie du schon sagtest): 'Der muss weg' und magischem Denken 'Dann gehts mir besser'.

      Ein weit verbreiteter Irrglaube (auch wenn schauby mich gleich wieder liebevoll in die Mangel nehmen könnte): Andere sind für meine Emotionsregulation zuständig und verantwortlich und wenn meine Emotionen nicht so sind, wie ich es gerne hätte, ziehe ich andere zur Verantwortung.
      Das hat was infantiles, in der Tat.

      23.08.2017, 07:17 von sailor
    • 0

      Das ist -> Ich halte das für...

      23.08.2017, 07:18 von sailor
    • 0

      Naja, die G20 - Krawalle wurden ja auch von V-Leuten des Verfassungsschutzes initiert...^^

      Ich hätte ja mehr Lust über den grundsätzlichen Sinn und Unsinn des enfernen von Denkmälern zu diskutieren...

      23.08.2017, 13:26 von chiral
    • 1

      Mir gehts ja auf den Zeiger, dass der Lee pauschal als 'der Südstaatengeneral, der die Sklaverei verteidigt hat' reduziert wird. Seine Haltung zur Sklaverei war mindestens ambivalent bis ablehnend, wird gemunkelt. Rassist war er, dem Zeitgeist entsprechend allemal. Das ihm von Lincoln der Oberbefehl über das Unionsheer angetragen wurde, wird ja gerne unter den Tisch fallen gelassen...

      Aber egal...
      Ich hab gerade andere Sorgen.

      23.08.2017, 14:09 von sailor
    • 1

      Das ist aber mal eine fundierte Kenntnis der amerikanischen Geschichte... Thomas Jefferson war übrigens auch Sklavenhalter, aber das sagt man nicht, außerdem will man ja die ursprüngliche US-Verfassung nicht abschaffen deswegen...

      Ich kann die Intension hinter so einem Vorgehen grundsätzlich nachvollziehen, in Großbritanniens Cambridge gibt es ja auch diverse Denkmäler, die man deswegen demontieren will (Cecill Rhodes Statuen etc...s. auch Südafrika).

      Mich würde trotzdem eine Adolf - Statue, sehr irritieren, oder ist das dasselbe? Müsste man dann nicht auch alles römische mit der selben Intension demontieren/vernichten/aus dem öffentlichen Raum verbannen und wie ist das mit den Sachen von Martin Luther (dem alten Antisemiten), oder Richard Wagner, der nicht nur Judenhasser war, sondern dessen Musik auch gerne von den Nazis "vereinnahmt" wurde?

      Ich finde das schwierig. Auf der einen Seite finde ich es nicht gut (jetzt wieder Charlottesville), dass sich die faschistischen Rednecks und der KKK auf die Südstaaten berufen und den feiern. Auf der anderen Seite mutet es schon wie eine Art Revisionismus Orwellscher Machart an, wenn man das ganz dann doch entfernen will...

      Ich denke die Schweizer hätten das über einen Volksentscheid entschieden.

      23.08.2017, 18:22 von chiral
    • 1

      Naja... Kenntniss... Es gibt doch jetzt dieses neues Ding, was Internet heisst... Da kann man recherchieren und wenn man kein Digital Native ist, kann man sogar noch Fake News von echten unterscheiden und hat mal gelernt, das ein Fakt ohne Beleg kein Fakt ist, sondern eine Behauptung...

      Braucht man Denkmäler? Ich weiß es nicht. Man braucht Geschichtsbewusstsein, dafür brauche ich keine Denkmäler. Orte schon. Orte der Geschichte und Orte des Gedenkens. Gedenken darf auch kontrovers sein. Personenkult brauche ich persönlich nicht.

      In Münster wurde letztens der Platz vor dem Schloss von »Hindenburgplatz« in »Schlossplatz« umbenannt. Da gabs (abgesehen davon, dass er seit WKII nicht mehr Hindenburgplatz hätte heißen dürfen) ein relatives Gewese drum... Aber keine Toten, nur eine Bürgerinitiative, die »Hindenburgplatz« voll prima fand.

      Und es gab die Dikussion, ob die drei Käfige an der Lambertikirche, die dort seit der Befreiung der Stadt von den Wiedertäufern durch Franz von Waldeck an den zweifelsohne nicht der Schweizer Menschenrechtskonvention entsprechend herbeigeführten Tod der drei als Hauptspitzbuben erkannten Menschen erinnert, entfernt werden sollten, weil Folter und Grausam und so...
      Das finde selbst ich übertrieben...

      200 Meter weiter ist der Friedenssaal, der als Ort an das Ende des 30jährigen Krieg erinnert. Der soll nicht weg...

      Gedenken ist halt schwierig... Vielleicht weil da irgendwie 'denken' drin ist.

      23.08.2017, 18:43 von sailor
    • 0

      Heute auf Zeit.de gelesen, dass einer meinte das Denkmal von "denk mal" kommt (fand das sehr gut), passt also...

      Ich weiss es nicht... ich kann es nicht sagen. Das Colosseum fand ich super, damals in Rom... bin ich jetzt "Natzi", weil ich ein offensichtliches, ausschließlich für einen (miesen) Zweck konstruiertes Bauwerk toll fand? Wo fängt das an, wo hört das auf? Tja, wir können ja nochmal etwas über das Christentum philosophieren... und was die alles verbockt haben...  

      Cecille Rhodes Stauen in Kapstadt entfernen kann ich verstehen, aber die PC-Bewegung hat ja vor in ganz Cambridge eine lange Liste von Statuen entfernen zu lassen... führt das nicht irgendwo etwas zu weit? Oder ist das korrekt? Würde es nicht ein großes aufklärendes Messingschild auch tun?

      Viele wissen auch nicht, dass sich damals viele Afrikaner am Sklavenhandel beteiligt haben (ich will das damit auf gar keinen Fall relativieren!), oder das Afrika auch heute noch in vielen Teilen sehr übel rassistisch ist... (was das alles nicht besser macht).

      Ich habe da keine Antwort drauf...?

      23.08.2017, 19:02 von chiral
    • 1

      "Würde es nicht ein großes aufklärendes Messingschild auch tun?"


      klar. da kann man draufschreiben "gestern war gestern & heute ist heute" und dann bekommt es jeder mensch bei seiner geburt auf die stirn geschraubt. 

      geschichte ist deutung. schon wenn ein liebespaar nach drei jahren auf die gemeinsame beziehung zurückschaut, sehen zwei menschen eine unterschiedliche geschichte in der gleichen vergangenheit. wenn millionen menschen auf jahrhunderte schauen, können sie keine "wahrheit" sehen. sie sehen ihre deutung; wünsche, hoffnungen, ängste, bedürfnisse. 

      gerade deshalb ist es ja so wichtig, sich dem latenten zerstörungswillen entgegenzusetzen. wer statuen, bücher, bilder und gebäude um ihres wesens als projektions- & identifikationsfläche willen zerstören will, der will gedanken zerstören. man kann gedanken aber nicht zerstören, es sei denn, man tötet den denkenden menschen. und genau da führt dieses verhalten in der regel hin. ganz gleich, ob man ein statue von lee vom sockel holen will, aus angeblich religiösen gründen buddhastatuen sprengt, oder ein gemälde zu zerstören verlangt. gewalt ist immer das ende der freiheit & im grunde ohnehin nur ein ausdruck von furcht: wenn ich den anderen widerwärtig finde & das zulasse, muß ich die möglichkeit hinnehmen, selbst für ein paar menschen als widerwärtig zu gelten. für manche menschen fängt es an diesem punkt an, für manche hörts da auf.     

      24.08.2017, 22:52 von robert_suydam_reloaded
    • 0

      Das mit dem Bild finde ich interessant. Müsste dann nicht konsequenterweise auch die Indizierung eines Songs von Bob Dylan medienwirksam gefordert werden?
      Oder bin ich da schon wieder zu penibel...?

      25.08.2017, 08:24 von sailor
    • 0

      Schön gesagt, Robert und ein passendes Statement zu der ganzen Sache...

      25.08.2017, 09:04 von chiral
    • 0

      nee, da biste nich zu penibel, sailor. ich seh das auch so. ein grund mehr, skeptisch gegenüber radikalen gewaltphantasien zu sein: die ihnen innewohnende wahllosigkeit & inkonsequenz.

      25.08.2017, 16:48 von robert_suydam_reloaded
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  • 3

    "Aber was ich diese Freitagnacht gesehen habe, kann ich nicht ungesehen machen. Was ich gesehen habe, hätte ich nicht für möglich gehalten zu meinen Lebzeiten. Denn was ich gesehen habe, habe ich schon einmal mitangeschaut. Nicht live, sondern in Dokumentationen aus dunklen Zeiten. "


    *boah* ... *krass* ... *uiyuiyui* ... hinter welchem mond lebst du denn? weißt du wie viele (schwer)verletzte die neonaziszene in ostdeutschland seit den neunziger jahren zu verantworten hat? deren gewaltexzesse können mit deiner "schande von charlottesville" locker mithalten. nicht das ich charlottesville kleinreden mag. was mich aber wirklich ankotzt ist dieses ständige getue im angesicht  von aktuellen nachrichten, als würde da gerade eine sensation aus dem wiedergeborenen arschloch von hitler höchstselbst geboren werden. obwohl die traurige wahrheit seit jahrzehnten ist, das gewaltorgien von rechts so ziemlich in allen westlichen ländern einfach zur tagesordnung gehören. außer in der wahrnehmung deutscher politiker & empörungsschreiber - da sind das alles nur unglaubliche einzelfälle.

    ja, es gibt auch jede menge gewalt von links. und gewalt von religiösen spinnern. 

    viele menschen haben ein grundsätzliches gewaltproblem in ihrem leben & ein idiot bleibt ein idiot, egal zu welcher überzeugung er sich bekennt.

    aber:

    "Wenn „Niemals wieder“ wirklich "Niemals wieder" heissen soll, dann darf die Schande von Charlottesville nicht ohne Folgen bleiben."

    nee ... dann sollte man vielleicht erstmal das "andauernd" & "vielerorts" anerkennen und hinterfragen.

    14.08.2017, 23:47 von robert_suydam_reloaded
    • 0

      "außer in der wahrnehmung deutscher politiker & empörungsschreibe"

      Naja, die sagen und schreiben schon etwas dazu - Man kann nun wirklich nicht sagen dass die deutsche Presse oder auch Politik rechte Gewalttaten unter den Teppich kehrt....

      Nachdem was ich so lesen sind die Journalisten doch generell eher links zu verorten.

      Mal davon ab das ich den Textverfasser als in USA lebend wahrgenommen hatte, so finde ich den "Clash" gerade in den USA besonders prägnant, zeigt es doch einma mehr die tiefe Spaltung, des einst mächtigsten Landes der Erde.

      Aber nun sind ja nicht 50% der Amerikaner die Trump gewählt Anhänger des KluKluxKlans, oder einer Neo-Nazi Bruderschaft - Was ist da passiert, dass ein Land mit Trump so dermaßen abrutschen konnte. Und steht uns Deutschen das auch bevor?

      15.08.2017, 08:54 von chiral
    • 1

      Keine Angst, ich lebe nicht hinter dem Mond (wobei es da ja von Nazis nur so wimmeln soll ;)


      Das konstante Problem rechtsextremer Gewalt ist mir bewusst. Was anders war in Charlottesville ist aber eben, dass diese Gewalt offen und auf Ermunterung des Präsidenten hin passiert ist. Die gesamtgesellschaftliche Gefahr geht natürlich nicht direkt von einzelnen Gewalttätern aus, sondern davon, dass deren gewaltverherrlichende Ideologie von oben mitgetragen wird. Trump, auch nach der endlich erfolgten Stellungnahme gegen Rechtsextremismus, hat viel dafür getan, diesen Gruppierungen seine Unterstützung zuzusichern. Das ist definitiv anders als alles, was im Deutschland der letzten 70 Jahre zu sehen war.

      15.08.2017, 10:38 von Jonas_Keller
    • 0

      ich sehe keinen unterschied im verhalten von trump & co. zum verhalten vieler bewohner, lokalpolitiker, staatsanwälte, richter & polizisten in sachsen, thüringen und bayern während der letzten 25 jahre: es wird verharmlost, abgewiegelt, abgelenkt & mehr oder weniger offen mit mehr oder weniger sympathie gehandelt. genau dadurch entsteht eine grundlegende form stillschweigender ermächtigung: täter glauben/wissen, sie sind stellvertreter für eine schweigende menge.


      außerdem ist das thema rechte gewalt ja überhaupt erst ein thema, auch überregional in den medien, seit es sich sehr drastisch auf "ausländer" ausgeweitet hat. das tägliche bedrohen, belästigen & auf die fresse hauen, das für tausende leute teil ihres lebens war und ist, einfach weil sie die falsche haarfarbe, den falschen musikgeschmack, die falschen freunde oder die falschen gedanken im kopf haben, wurde noch nie angemessen thematisiert. einzelfälle werden regional thematisiert. struktur und system bleiben das spielfeld spezialisierter fachleute ohne wirkkraft & das problem der menschen vor ort, die davon betroffen sind & sich wehren so gut sie können, aufgeben, stillhalten, weil sie angst um sich und anghörige und freunde haben. oder sie ziehen einfach weg. es gibt ja auch gründe für die überproportionale idiotenkonzentration in manchen gegenden. 

      21.08.2017, 21:17 von robert_suydam_reloaded
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  • 0

    Danke schön, gut geschrieben

    Mich wundert so langsam nichts mehr, was in den USA/auf der Welt passiert. Da kommen wir auch noch hin, wenn man weiterhin meint 1/3 der Bevölkerung stumpf zu ignorieren... und offensichtliche Widersprüche totzuschweigen.




    14.08.2017, 09:49 von chiral
    • 0

      (mit "abgehängten Bevölkerungsgruppen" sind nicht die Leute vom KluKluxKlan, oder anderen Nazivereinen gemeint - da sehe ich Hopfen und Malz als verloren an, sondern die anderen "normalen" Leute, die Trump mit ins Amt gewählt haben -> Analog zu den Wählern in Deutschland, die (s.Sachsen -Anhalt) aus "Protest" mal eben die Faschos der AfD gewählt haben...).

      16.08.2017, 13:09 von chiral
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