jwf 11.04.2008, 16:05 Uhr 3 1

Die Olympischen Spiele 2008 in China

Kein Boykott --- Die richtige Entscheidung?

Ich frage mich seit dem Zeitpunkt "Null - Tibet 2008", ob China die Welt des Sports zu Gast haben und den olympischen Gedanken "dabei sein ist alles" repräsentieren darf, wenn zeitgleich eine Minderheit auf diese Art und Weise unterdrückt, verfolgt, geächtet und gemordet wird. Auch die Zensierung bzw. die Aufoktroierung passender Meldungen in den Medien, um den Blick auf die Realität zu verschweigen, zu verwischen und zu vertuschen sucht seinesgleichen.

Die Reaktionen der sportlichen sowie auch politischen Welt waren eigentlich sehr einheitlich: Ein "klares" Veto gegen den "Aufmarsch Tibet".

Trotz alledem finden die Spiele statt...aber die Frage ist: Wieso? Mit welcher Rechtfertigung können diese Spiele in diesem Land stattfinden?

Sportler argumentieren damit, dass sie sich schon längere Zeit auf die olympischen Spiele vorbereitet haben. Ist das ein Rechtfertigungsgrund? Sollten nicht Sportler durch den internationalen Auftritt dieser Veranstaltung die Möglichkeit nutzen und ein Zeichen setzen?

Politiker, ja....verdammte Politik. Da geht es wieder nur um wirtschaftliche Interessen, Lobby-Arbeit und Wählerstimmen. Wozu? Hinzukommt die Angst vor dem Immer-Größer-Werden Chinas und der steigenden Mitsprache des Industriestaates auf internationalem Parkett. Eine Ablösung der USA in naher Ferne - wieso also das Risiko eingehen und sich mit der (überspitzt) "zukünftigen Weltmacht" anlegen? Wieso haben in der Politik nur die "Kleinen" die Courage zu sagen, dass man China in seine Schranken weisen muss.

Auch Prominente melden sich zu Wort (z.B. Richard Gere). Was ich davon halten soll....ich weiß es nicht. Ist es Publicity, steckt ein wahres Interesse an der Situation Tibets dahinter?

Natürlich lebt die jüngere Generation der (Exil-)Tibeter eine falsche Antwort vor. Gewalt mit Gegenwalt zu beantworten kann keine Lösung darstellen und verursacht mitunter nur eine "Never-Ending-Story" (siehe Palästinenser vs. Israeliten). Der Urvater Dalai Lama zieht sich mehr und mehr zurück. Er möchte mit dieser Art der Antwort nicht in Verbindung gebracht werden. Mehr als das, was er in der Vergangenheit für sein Ziel "Freies Tibet" getan hat, kann er auch nicht mehr tun.

Dennoch, meine Meinung bleibt bestehen: China als Austräger der olympischen Spiele - eigentlich ein Sinnbild der Freude, der Gemeinschaft und des sportlichen Kampfgeistes und des sportlichen Gedanken - NEIN DANKE!"Wichtige Links zu diesem Text"
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3 Antworten

Kommentare

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    Die Israeliten sind ein Stamm aus der Bibel.
    Die Palästinenser haben einen Konflikt mit den Israelis.

    Das die Olympischen Spiel in China stattfinden ist vor 10 Jahren entschieden worden. Das Tibet von China besetzt ist, ist seit 40 Jahren bekannt. Das es die Chinesen mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen, ist ebenfalls bekannt.

    Warum die plötzliche Aufregung? Warum JETZT?
    Wer hat FREE TIBET gebrüllt, als sich die Tibeter freundlich lächelnd unters chinesische Joch gebeugt haben?
    Meines Wissens niemand (von einigen Ausnahmen wie immer abgesehen)...

    12.04.2008, 21:45 von sailor
    • 0

      @sailor Das ist leider völlig richtig! Diesen "Konflikt" (sehr einseitig) gibt es schon sehr lange, wenn auch lange Zeit mit weniger Gewalt, Verletzten, Toten und somit geringerer außenpolititscher Wirkung.

      Es ist doch aber leider immer so, dass die Welt erst dann hinsieht, wenn es fast schon zu spät ist. Dafür könnte man eine ellenlange Liste an Beispielen anführen.

      Konflikte dieser Welt haben nach wie vor etwas schizophrenes und sind für den "kleinen Mann" immer fernab von jeglichem Verständnis.

      Ich gebe Dir Recht, dass ein Scheuklappen-Denken nicht von der Hand zu weisen ist, dennoch finde ich es gut, dass es überhaupt Menschen gibt, die sich einer Sache annehmen bzw. für die gute Sache kämpfen.

      Frei nach dem Motto "Lieber zu spät als nie!"

      Eine Plattform wie die Olympischen Spiele, deren Weltinteresse seit Jahrhunderten besteht, ist die Chance diesem Konflikt entgegenzuwirken. Viele derer, die sich jetzt dagegen aussprechen, tun das natürlich mit dem Hintergedanken des Eigennutzen, aber eine solche Veranstaltung mit internationalem Medieninteresse MUSS nunmal als Aufhänger für ein "multinationales Darübernachdenken" genutzt werden, denn... "wenn nicht jetzt, wann dann" (schizophrenerweise ein Ausschnitt des Handball-WM-Liedes).

      13.04.2008, 10:44 von jwf
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      @jwf Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.
      Politik ist Politik und Sport ist Sport.

      Ich sehe (außer dem medialen Focus) keinen Kausalzusammenhang zwischen chinesischer Repressionspolitik in Tibet und einem Weltweiten Sportfest...

      Ich werde immer sehr zurückhaltend wenn bestimmte Gruppen aus einem bestimmten Interesse heraus Dinge (wie in diesem Fall den Medienfokus der OS) zu instrumentalisieren suchen. Das nervt mich bei den Chinesen ebenso wie bei der Pro-Tibet Fraktion...

      Ein multinationales drübernachdenken wird es nicht geben, solange noch eine Menge Knete aus dem System Olympia zu holen ist.

      Naja... Anyway. Mich haben olympische Spiele eh noch nie großartig interessiert.

      Besonders süß finde ich in dem Zusammenhang Vorschläge, wie: »Dann sollte man die Spiele in ein anderes Land verlegen...«.

      Wir werden sehen, wie es weitergeht.

      13.04.2008, 11:30 von sailor
    • 0

      @sailor Wie immer, völlig konsequenzlos.

      13.04.2008, 11:42 von frolleinmueller
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      @frolleinmueller Richtig... Was evtl. damint zusammenhängt, das ein Sportfest kein funtionsfähiges Politikwerkzeug ist (nicht sein kann und in meinen Augen auch nicht sein sollte...)

      13.04.2008, 12:18 von sailor
    • 0

      @sailor Da bin ich anderer Meinung. Ein internationales Sportfest zeigt doch genau, worum es geht. Mehrere Nationen, vielfältigste Kulturen, mit den unterschiedlichsten Religionen und Weltanschauungen kämpfen unter fairen Bedingungen um den persönlichen Erfolg.

      13.04.2008, 12:39 von jwf
    • 0

      @jwf Ich mag Idealisten.

      Weil die im IOC genausolche Idealisten sind, waren die Jubiläumsspiele 100 Jahre Olympia der Neuzeit auch in Atlanta und nicht in Athen...
      ;)

      Alles richtig. Eine Kuturveranstaltung. Kulturaustausch, die Jugend der Welt etc...
      Was Religion mit Sport zu tun hat, erschließt sich mir jetzt zwar auch nicht sofort, aber es ist eben kein Intrument zur Durchsetzung der Menschenrechte in China.

      Da gibt's doch eigentlich andere Organisationen für...

      13.04.2008, 12:56 von sailor
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      @sailor LOL! Ich mag den hervorgebrachten Sarkasmus :)

      Die Olympischen Spiele sind ja auch nicht das Instrument, sondern die Plattform für alle Organisationen, die sich kümmern (bzw. sollten).

      13.04.2008, 13:05 von jwf
    • 0

      @jwf *hmmm*

      Wenn sie denn Plattform sind oder sein sollten, dann wäre ein Boykott doch kontraproduktiv...?

      Ich dachte da allerdings auch eher an UN oder solche Vereine...
      Aber ich bin ja auch so'n Radikalidealist...

      13.04.2008, 14:09 von sailor
    • 0

      @sailor Um Plattform zu sein, müssen sie nicht stattfinden. Denn genau das "Nichtstattfinden" wäre das Ungewöhnliche und würde Reaktionen hervorrufen.

      Alles Organisationen brauchen Plattformen, um sich zu realisieren, um aufzuwecken, um gehört zu werden (womit wir wieder bei den Medien sind).

      Als Beispiel: Heiligendamm --- Greenpeace-Aktivisten auf Schlauchbooten

      13.04.2008, 14:13 von jwf
    • 0

      @jwf Um die öffentliche Meinung zu erreichen, braucht ma, logischerweise, Öffentlichkeit.

      Greenpeaceaktivisten auf Schlauchbooten sind in meiner Wahrnehmung ein Relikt der 80er...
      Wobei die 'typische' Greenpeaceaktion auch Greenpeaceinteren durchaus in der Kritik steht (wie man munkelt).

      13.04.2008, 14:36 von sailor
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      @sailor Richtig! (Dabei sieht man mal, wie wichtig die Medien geworden sind --- im Positiven, wie auch leider im Negativen beeinflussend)

      Ein Teufelskreis :(

      13.04.2008, 14:39 von jwf
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      @jwf Seh ich nicht so.
      Kann aber nicht recht in Worte fassen, was ich meine...

      Medien beeinflussen jeden nach seinen Kompetanzen.
      Es mag Leute geben, die das chinesische Staatsfernsehen für die Verkündung der reinen Wahrheit halten.
      Das wiederum ist aber nicht 'den Medien' generell anzulasten.
      Dann eher der Neigung der Medienschaffenden zum gegenseitigen Abschreiben und zur Verkürzung...

      14.04.2008, 11:05 von sailor
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    In London gab's riesige Demonstrationen vor ein paar Tagen, aber im chinesischen Fernsehen wurde Friede-Freude und so gezeigt. Das ist mal schön.

    12.04.2008, 11:55 von NeonBlond
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  • 0

    absolute zustimmung!

    12.04.2008, 10:26 von miralii
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