Mann_vom_Meer 18.11.2012, 11:49 Uhr 1 0

Der virtuelle Krieg auf twitter

Wer derzeit auf twitter dem Nahost-Konflikt und dabei @IDFspokesperson und @alqassambrigade folgt, wähnt sich in einem schlechten Film.

Propaganda gab es schon immer in der Geschichte. Nicht nur, wenn Krieg herrscht, vor allem aber dann. In heutigen Zeiten wundert es daher nicht, dass die moderne Propaganda des Nahost-Konflikts nun auch Social Media entdeckt hat und zunehmend nutzt.

Ein Bild davon, wie das aussieht, kann man sich derzeit auf twitter machen, wo die israelische Armee (@IDFspokesperson) und die palästinensischen As-Qassam Brigaden (@alqassambrigade) propagandatechnisch seit einigen Tagen aus vollen Rohren schießen. Unfreiwillig komisch mutet das an, wie ein Streit unter Kindergartenkindern oder aber pubertären Jungs. Die israelische Armee postet ein Video, auf dem der Mord an Ahmed Said Khalil al-Jabari, der Hamas Militärchef, zu sehen ist. Die Brigaden antworten mit einem Video, das Raketen zeigt, die angeblich in Richtung Tel Aviv abgeschossen werden und schreibt „... Ihr habt die Tore zur Hölle geöffnet.“ Lächerlich? Ziemlich, doch das Lachen bleibt einem im Halse stecken, da fast täglich Menschen in diesem Konflikt sterben. Für einen kurzen Moment komme ich mir vor wie in einem Chatraum von Call of Duty oder Battlefield, derzeit populären PC-Kriegsspielen.

Zum Glück hat twitter eine „Report for Spam“ Funktion hat, die ich nun für beide Parteien in Anspruch genommen habe. So ziemlich alles, was derzeit auf diesen Accounts getrieben wird, widerspricht nämlich den Nutzungsbedinungen von twitter (Beispiel: „Violence and Threats: You may not publish or post direct, specific threats of violence against others."), trotzdem sind beide Accounts seit Tagen dabei, sich an Haßtiraden und Drohungen zu überbieten.

Schön ist auch, dass twitter ein offenes Medium, in welchem grundsätzlich jeder seinen Senf zu jedem Thema geben kann. Und es ist erfreulich zu sehen, dass viele User beide Parteien aufrufen, über Frieden zu sprechen anstatt gegenseitige Drohungen auszusprechen oder sich für das Töten von Menschen zu rühmen. Oder mal in ihre heiligen Schriften zu schauen, was dort so über das Töten von Menschen geschrieben wird.

So bleibt zu hoffen, dass möglichst viele User von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen und Zeichen setzten, die vielleicht irgendwann gehört werden. Ich bezweifle, dass das jemals zu meinen Lebzeiten passiert. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.


Tags: Israel, Palästina, Nahost, Krieg, Propaganda
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