nutella 01.12.2009, 23:28 Uhr 1 1

Das ungeliebte Kind

Eigentlich eine ganz alltägliche Geschichte: Mami und Papi wollen ein Baby.

Und auch nicht ganz selten kommt es vor, dass die Umgebung was dagegen hat: Mama hätte doch von Kindererziehung doch keine Ahnung, überdies sei sie auch nicht in der Lage ein Kind zu gebären. Und Papa sei doch sowieso nie da, könne sich um das Kind auch nicht kümmern, und naja, so ein bißchen einfältig ist auch der Papa. Es brechen also heftige Proteste aus, große Diskussionen in der Gesellschaft, ob man den beiden überhaupt das Kinderkriegen erlauben sollte.
Schließlich schaltet sich sogar das Regierungsoberhaupt ein und dekretiert: die beiden haben ein Recht auf ihr Baby und dann sollen sie es auch kriegen. Wie sähe denn dieses Land aus, wenn Kinder in ihrer Entstehung und bei ihrem Aufwachsen nicht geschützt würden. Das sei doch eigentlich das wichtigste in der Gesellschaft, der Schutz der Kinder.
Da stimmen die Kritiker von Mama und Papa voll zu und ergänzen, dass aber vor allem Kinder vor Mama und Papa geschützt werden müssen, die ihnen mehr schaden als nutzen und überdies nur das Falsche tun werden ohne das Richtige zu tun.
Aber wie es so kommt: die Mutter der Nation setzt sich durch, Mama und Papa zeugen ihr Kind und es wird ausgetragen.
Und dann, ganz plötzlich, wollen Mama und Papa das Kind doch nicht mehr. Irgendwie ist es ihnen peinlich, sie sind sich plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob das mit dem Kind eine gute Idee war. Dummerweise ist es jetzt aber schon gezeugt und abtreiben können sie es ohne fremde Hilfe auch nicht mehr. Nach fremder Hilfe fragen geht aber auch nicht, wie sähe das denn aus, und überdies stünde dann ja auch die Mutter der Nation ziemlich dämlich da. Tja, was tun?
Dann haben sie die beste Idee: sie tragen das Kind aus und setzen es aus, vielleicht (sie sind ja doch irgendwie christlich, jedenfalls dem Namen nach) in ein Schilfbötchen und verstecken es irgendwo. Und nach einem Jahr schauen sie, ob es noch lebt, ob es nicht doch jemand getötet hat, so ganz aus Versehen und wenn es noch da sein sollte, überlegen sie, was sie tun sollen.
Und was tut die Öffentlichkeit bei solchen Überlegungen? Schweigen. Und die Mutter der Nation? Nichts.

Das klingt irgendwie absurd? Ja, in der Tat. Und doch ist es die Realität. Man ersetze nur "Mama" durch die ehemalige Familien- und jetzige Arbeits- und Sozialministerin, Papa durch den ehemaligen Wirtschafts- und jetzigen Verteidigungsminister, das Kind ist das "Zugangserschwerungsgesetz" und die Mutter der Nation die Angie. Und schon ist die absurde Geschichte Realität geworden: das Zugangserschwerungsgesetz wird verabschiedet, soll in Kraft treten und die Regierung, die sonst immer so viel auf Rechtsstaatlichkeit, Ordnung und Sicherheit achtet, beschließt einfach, das Gesetz nicht anzuwenden. Wozu sie gar nicht berechtigt ist, als Exekutive muss sie Gesetze ausführen, ob sie sie mag oder nicht. Aber am liebsten wäre es den Protagonisten, die noch vor wenigen Wochen mit der großen Moralkeule auf jeden Gegner eingehauen haben, wenn entweder der Bundespräsident oder das Verfassungsgericht (mal wieder) das Baby über den Jordan schicken würden. Dann könnten Mama und Papa ein paar Krokodilstränen weinen und innerlich jubeln, dass der Schandfleck von Baby endlich weg ist.

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Kommentare

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    Nutella? Hallo?

    Eine Sperrungsverfügung, welche zum Beispiel die Sperrung von IP-Adressen vorsieht, ist nur dann rechtmäßig, wenn sie auch verhältnismäßig ist. Das ist dann der Fall, wenn die Maßnahme zur Erreichung des Zieles geeignet, erforderlich und angemessen ist. Hält man sich das große Missbrauchspotenzial, das gerade bei zentralen technischen Filtersystemen besteht, und die Bedeutung der Kommunikationsfreiheit für eine freiheitliche Demokratie vor Augen, so muss diese Gefahr als besonders schwerwiegend angesehen werden.

    02.12.2009, 08:09 von Steifschulz
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