Deris-Tes 23.02.2010, 11:26 Uhr 2 0

Bildungssystem in Deutschland

Viel zu große Klassen, viel zu wenige Lehrer und viel zu viel ausfallender Unterricht.

“Bildung ist unser höchstes Gut” , “Unser Wissen ist unser letzter Rohstoff”, “Die Zukunft Deutschlands liegt in der Bildung” -ein Haufen abgedroschener Phrasen die von Politikern gerne alle naselang Verwendung finden und inhaltlich auch größtenteils korrekt sind.
Doch trotz der inflationären Verbalisierung der Wichtigkeit von Bildung heißt es immer wieder, dass unser Schul- und Bildungssystem ungerecht und uneffizient sei. Wie es zu solchen Meinungen kommt, muss man nicht lange fragen wenn man sich einige Statistiken und Hauptkritikpunkte ansieht.

Viel zu große Klassen, viel zu wenige Lehrer und viel zu viel ausfallender Unterricht. Veraltete Bücher, wenig mediale Möglichkeiten und ein immer weiter abnehmendes Angebot an musischen Fächern wie Theater oder Kunst. Unser letzter Rohstoff scheint wenig Wertbeständig zu sein, selbst die OECD schreibt in einem Bericht, dass die Bundesrepublik Deutschland jährlich rund 32 Millarden Euro mehr für Bildung ausgeben müsste als sie es momentan tut.

Klar, jeder der im Deutschen Bundestag sitzt würde sich gerne für diese Summe einsetzen aber wie Fr.Merkel bereits 2006 zu sagen pflegte: “Bildung ist Ländersache”. Stattdessen gibt es 2010 eine Rekordneuverschuldung von 86 Milliarden Euro, die später von der Generation bezahlt werden muss, in die man heute nicht bereit ist zu investieren.

Der Druck auf die Schüler wächst und wächst: Das Wegfallen der Orientierungsstufe, Abitur in 12 statt 13 Jahren und ein immer komplexerer Unterrichtsplan werden direkt mit in die Schultüte gepackt. Auch wenn ein Schüler mangels Vertretungslehrer nur 25 Prozent seines eigentlichen Wochenunterrichts wahrnehmen kann wird von ihm erwartet top Leistungen zu bringen, die sich unter anderem auch in der Pisastudie wiederspiegeln sollen. Die Prämisse lautet nach wie vor: Der Deutsche Nachwuchs muss in einem globalisierten Markt international Wettbewerbsfähig sein.
Diese Faktoren führen dazu, dass die Schülerinnen und Schüler unter enormen Stress stehen und mittlerweile jeder fünfte psychologischer Hilfe bedarf. Um die Erwartungen zu erfüllen ist die Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht, gerade auf Gymnasien, längst keine Besonderheit mehr.

Noch problematischer wird es, wenn niemand die Nachhilfe zahlen kann und die soziale Ungerechtigkeit auch vor dem Bildungswesen keinen Halt macht.
So ist neben der Leistung eines Kindes seine soziale Herkunft ein entscheidender Faktor für seine Schullaufbahn. Beispielsweise muss ein Schüler aus einer sozial schwachen Familie etwa 50 Prozent mehr Leistung bringen um eine Empfehlung für ein Gymnasium zu erhalten als ein Mitschüler dessen Eltern Ärzte sind. Vergleicht man die letzten Zeugnisse von zwei Schülern, bevor einer auf die Hauptschule und der andere auf das Gymnasium geschickt wurde, kann man in vielen Fällen feststellen, dass der Hauptschüler einen equivalenten oder besseren Notenschnitt hatte. Kinder aus Arbeiter- oder Arbeitslosenfamilien sind also generell benachteiligt und ihr Weg ist in den meisten Fällen schon vorgezeichnet.
Diesen Umständen zur Folge erreichen nur 20 Prozent aller Schüler aus der Unterschicht das Abitur, während es bei Kindern deren Eltern Studiert haben 80 Prozent sind. Die Aufstiegschancen sind sehr beschränkt und vorhandene Strukturen gefestigt.

Eine Hochburg dieser Selektion ist das reine Gymnasium. Die Chancen dort auf eine Facharbeitertochter zu treffen ist 4,25 mal geringer als sich mit einer Akademikertochter zu unterhalten. Ein großer Teil dieser Zahlen ist den Lehrern zu Lasten zu legen.

Es ist psychologisch erwiesen, dass man sich am liebsten mit Menschen umgibt die sich ähnlich kleiden, bewegen und mit deren Sprachgebrauch man vertraut ist- selbst Richter lassen in ihr Urteil einfließen ob der Angeklagte ihnen symphatisch ist oder nicht, auch Lehrer sind gegen diese Subjektivität nicht immun. Aufgrund dessen ändern sich mit einem Lehrerwechsel in einem Schulfach häufig die Noten trotz gleichbleibender Leistung.
Wegen dieser Tatsache und der relativ monopolen Machtstellung der Lehrkräfte ist beispielsweise das Erwähnen von Ungerechtigkeit, bei der Besprechung von mündlichen Noten, seitens der Schüler kein pures gejammer sondern Fakt.
Kennt man Schüler A seit 9 Jahren (Klasse 4-13), findet ihn symphatisch und hat schon ein paar Dinge mit ihm erlebt (Klassenfahrten, Ausflüge etc.) und vergleicht ihn mit Schüler B, einem aufgestiegenen Haupt- bzw. Realschüler den man seit 3 Jahren (Klasse 10-13) kennt, dessen Kleidungsstil einem nicht passt und zu dem man sonst keinerlei Bezug hat, wird man Schüler A tendenziell wohlwollender benoten als Schüler B.



Betrachtet man nun all diese Punkte muss man zur Kenntnis nehmen, dass
dringend etwas getan werden muss, denn: “die Zukunft Deutschlands liegt in der Bildung”…

(Deris Tes / 2010)"Wichtige Links zu diesem Text"
http://boothbrothers.de/2010/02/22/bildungssystem-in-deutschland/

2 Antworten

Kommentare

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    ich habe hier erstmal nur kritik geübt ohne verbesserungsvorschläge zu machen, bezüglich der psychologischen erwiesenheit müsste ich noch mal die quelle raussuchen.

    23.02.2010, 13:09 von Deris-Tes
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    Und?
    'psychologisch erwiesen'?
    Wie ist das zu verstehen?

    Und vor allem: WAS muss den getan werden?

    23.02.2010, 11:53 von sailor
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