BILD informiert? Leider schon seit 1952.
Abgesehen von Tieren, Titten und Toten, versorgt sie die Menschen mit vorgekauten, unreflektierten Meinungen...
Zugegeben, die BILD-Zeitung führte schon einige seltsame Werbekampagnen. Man erinnere sich nur an den Slogan “Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht”. Hier stellte sich die meistgelesene Tageszeitung doch tatsächlich auf eine Stufe mit Humanisten wie King oder Gandhi, ja suggerierte sogar sie würde ähnliche Wahrheiten aussprechen wie Galilei oder Einstein. Diese Demagogie ist für jemanden, der tatsächlich an Wahrheit und Menschlichkeit interessiert ist natürlich äußerst ärgerlich. Immerhin ist die BILD-Zeitung ein Ausdruck der von Fromm beschriebenen Furcht vor der Freiheit.
Abgesehen von Tieren, Titten und Toten, versorgt sie die Menschen mit vorgekauten, unreflektierten Meinungen, die der zu Unmündigkeit neigende Leser schlicht und einfach nur noch übernehmen braucht. Zudem bietet sie simple Lösungen für jedes Problem der Weltgeschichte und Deutschlands. Die Schuldigen sind dabei immer schnell gefunden - Politiker, Manager und Sozialhilfeschmarotzer. Diese werden somit zu Objekten der Übertragung für Aggressivität, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Hass auf sämtliche Autoritäten. Autonomie, Bildung und kritisches Denken, für die der Leser sich anstrengen und selbst Verantwortung übernehmen müsste, bleiben dabei auf der Strecke.
Ja, auch die neueste Werbekampagne “Bild informiert. Leider erst seit 1952.” strotzt nur so vor Halbwahrheiten. So werden der Garten Eden und das Trojanische Pferd schnell zu historischen Ereignissen deklariert. Nun fragt man sich, was ist an dieser Kampagne denn so neu? Ganz einfach, der Springerkonzern liefert hier eine ausgesprochen ironische Darstellung der eigenen “journalistischen” Arbeit. So sieht man auf einem der Plakate Adam und Eva, die eine Frucht vom Baum der Erkenntnis in den Händen halten. BILD titelt nun “ACHTUNG! NICHT ESSEN!”. BILD vermittelt mit dem Plakat treffend woran sie interessiert ist, die Menschen in Unmündigkeit und im scheinbaren Paradies zu halten. Doch Freiheit, Autonomie und wahre Humanität muss erst erarbeitet werden. Das ist leider unbequem, das ist anstrengend, dafür aber auch befriedigend. Doch der Springer-Verlag wird das wohl nie verstehen. Sei es drum, er hat mir mit dieser wohl unbeabsichtigten Selbsterkenntnis im Werbeformat zumindest ein fettes Grinsen aufs Gesicht gezaubert.





Kommentare
Die Kampagne ging von Jung von Matt aus....
14.04.2008, 17:13 von Praktikant_x