hanhel 19.01.2009, 10:54 Uhr 0 2

Alles wieder gut

Israel unterzeichnet Waffenstillstandsabkommen und die Welt ist von einem weiteren Problem befreit – oder etwa nicht?

Am 17.01.2009 stimmte das israelische Sicherheitskabinett dem ägyptischen Waffenstillstandsentwurf zu. Hamas war an den Verhandlungen nicht beteiligt, hat dementsprechend auch keine Verpflichtungen. Ein Ende des Waffenschmuggels in den Gazastreifen wird in dem Abkommen in keinster Weise erwähnt. Nichts deutet darauf hin, dass der Raketenbeschuss auf Israel eingestellt wird. Gilad Schalit wurde nicht befreit. Und dennoch verließ ein Großteil der israelischen Truppen am 18.01.2009 um 02:00 Uhr den Gazastreifen, von nun an werden die übrigen Kräfte dort nur noch, wenn möglich, verteidigend agieren.

Operation Gegossenes Blei an sich war auf einen längeren Zeitraum betrachtet aus militärischer Perspektive aussichtlos. Hamas hätte vermutlich vorübergehend geschwächt werden können, doch es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Waffenvorräte wieder aufgefüllt und Institutionen wieder aufgebaut worden wären.

Gerade diese Aussichtlosigkeit hätte aber vielleicht internationale Kräfte und Nachbarländer darauf aufmerksam machen können, dass hier andere Maßnahmen nötig sind. Stattdessen schrie die Welt auf, weil Zivilisten getötet wurden, kümmerte sich aber keine Sekunde darum, eine Lösung für das Problem, das hier bekämpft wurde, zu finden. Radikalismus, Fanatismus, Terrorismus.

Beeinträchtigung von Zivilisten ist bedauerlich und sollte so weit wie möglich von allen beteiligten Kräften vermieden werden. Israel verteilte vor Angriffen Warnflugblätter und warnte in palästinensischen Radio- und Fernsehsendern, damit die Zivilbevölkerung die Gegend rechtzeitig verlassen konnte, obwohl dies auch den bewaffneten Terroristen die Möglichkeit gab, sich vorzubereiten. Israel ermöglichte trotz des hohen SIcherheitsrisikos den täglichen Transport von dutzenden Lastwagenladungen mit humanitärer Hilfe in Form von Grundnahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und Öl und Gas in den Gazastreifen. Israel räumte täglich eine dreistündige Waffenruhe ein, um die Verteilung dieser Güter zu ermöglichen, obwohl Hamaskämpfer während dieser Zeit weiter israelische Soldaten und Zivilisten angriffen. Israelische Ärzte und Sanitäter behandelten teilweise auch palästinensische verletzte Zivilisten. Jede im Gazastreifen operierende Truppe beinhaltete auch eine Gruppe von Spezialisten, die vor einem Angriff abwog, ob der Schaden, der der Zivilbevölkerung zugefügt würde, proportional zu hoch wäre, um den Angriff durchzuführen, trotz der Tatsache, dass Hamas bewusst Terroristen und Bomben mitten in Zivilbevölkerungszentren einsetzte. Während der Operation feuerte Hamas über 700 Raketengeschosse auf israelischen Boden – auf Kindergärten, Busbahnhöfe und Wohngegenden. Jedes Menschenleben ist wertvoll und lässt sich nicht mit Zahlen und Statistiken entwerten, aber keine Armee außer der israelischen hat jemals auch nur annähernd solche Schritte unternommen, um die Zivilbevölkerung des Gegners zu schützen und zu unterstützen.

Und jetzt steht Israel also nach 22 Kampftagen mit einem komplett einseitigen Waffenstillstand da. Keines der Ziele, die für Operation Gegossenes Blei gesetzt wurden, wurde wirklich erreicht. Soldaten wurden getötet und verletzt zum Preis für nichts.

Die israelische Bevölkerung will, dass es vorbeigeht, sie will ihre Kinder wiedersehen, sie will in Frieden leben, sie will keine unschuldigen Menschen mehr sterben sehen. Ein friedvolles Ende ist der Wunsch aller. Aber nicht so. Mit diesem Waffenstillstand wird der Sinn verfehlt, nichts hat sich geändert.

Und die restliche Welt kann sich jetzt ruhigen Gewissens wieder anderen Dingen zuwenden, bis sie dann das nächste Mal aufschreit, weil vollkommen unvorhersehbar Militäraktionen eingeleitet werden.

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