Onur_Yildirancan 09.12.2016, 17:16 Uhr 120 1
Hausmitteilung

110 Fragen ans Jetzt #EsGehtUmUns

Im neuen Heft stellen wir uns (und euch) 110 Fragen zum politischen Alarmzustand: Noch Fragen? Oder Antworten? Dann stellt sie!

#EsGehtUmUns - Und deswegen stellen wir uns und der Welt 110 Fragen zum politischen Alarmzustand: http://bit.ly/esgehtumuns

Habt ihr Fragen oder sogar Antworten? Dann schickt sie uns an redaktion@neon.de, kommentiert unter dieser Hausmitteilung - oder postet sie unter #EsGehtUmUns 

Als Einstimmung haben unsere Autoren Lars und Jurek ein Essay geschrieben, in dem sie die Ereignisse der letzten Wochen verarbeiten. Nehmt euch diesen Text als Inspiration, und erzählt uns, welche Fragen und Antworten euch beschäftigen.

Macht mit, das wird der Hit!

Liebe Grüße aus der Redaktion,

Onur


#EsGehtUmUns - von Jurek Skrobala & Lars Weisbrod

„Nein, das ist nicht noch ein Text über Trump. Kein weiteres Stück Welterklärung, das die Wahlergebnisse am schärfsten seziert haben will. Keine Suche nach dem oder den Schuldigen, keine Urteilsverkündung. Nicht die eine große Antwort auf unsere fragenden Gesichter.

Mit einem weiteren Text über Trump wäre es auch nicht getan. Trumps Sieg ist ein Symptom, so scheint es, für etwas, das tief sitzt und das wir uns nicht erklären können: Die Briten entschieden sich für den Brexit. Die Polen wählten die Rechtspopulisten an die Macht. Im März 2017 stehen Parlamentswahlen in den Niederlanden an, die Partei des Islamkritikers Geert Wilders könnte stärkste Fraktion werden. Im April wählen die Franzosen einen neuen Präsidenten, in Umfragen liegen die Konservativen nur leicht vor der rechtsextremen Marine Le Pen. Und im Herbst dann wir: Bundestagswahl.

Es ist nicht nur Trump, es ist viel mehr: Eine neue politische Ära scheint angebrochen. Eine, die viele von uns ratlos zurücklässt, weil in ihr die alte Gewissheit nicht mehr gilt, dass politische Freiheit selbstverständlich ist. Das ist ein Schock für uns, für eine Generation, die in dieser Gewissheit aufwuchs. Denn wir sind zu jung, um das Lagerdenken des 20. Jahrhunderts erlebt zu haben, in dem es immer um alles ging, Demokratie oder Diktatur; es endete, als wir kamen.

Unserer Generation wurde oft vorgeworfen, sie sei unpolitisch. Dabei stimmt das so nicht, Studien zeigen, dass ein Großteil von uns sich politisch engagieren will. Was stimmt: Wir sind groß geworden in einer Welt, die, so die berühmten Worte des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama, „am Ende der Geschichte“ stand. Die kommunistischen Diktaturen im Osten waren besiegt, die westliche Demokratie hatte sich durchgesetzt. Für uns, Kinder dieser Zeit am Ende der Geschichte, war was anderes als diese Demokratie gar nicht mehr denkbar. Sie war einfach da. Wir mussten, so schien es, nichts für sie tun, außer auch einfach da zu sein.

Wir waren auch politisch, nur anders: Wir konnten nicht mehr in groben Pinselstrichen denken, also verschrieben wir uns den Feinheiten. Wir, aufgewachsen in Freiheit, wurden zu „slaves to the details“, wie die Band Interpol mal sang. Wir wurden zu gewieften Kritikern, konnten Sexismus noch im kürzesten Dialog einer Serie raushören oder, auf der anderen Seite, politisch korrekte Sprechverbote aufspüren, die unserem Sinn für Meinungsfreiheit widersprachen. Wir stritten um Details, um Interpretationen, das konnten wir gut. Aber geriet das große Ganze dadurch nicht in den Hintergrund? Die großen Fragen, überdeckt von einem Haufen aus Details? Vielleicht haben wir uns ja verrannt in den vielen Finessen und bräuchten eine Art neuen Startschuss.

Dafür sollten wir ein paar Schritte zurücktreten, das ganze Bild betrachten, damit wir uns nicht mehr in Details verlieren. Keine schnellen Schlüsse ziehen, sondern Antworten suchen, auf das, was unsere Gesichter so fragend zurückließ. Denn oft haben wir viel zu schnell eine Meinung. So viele, die auf Twitter ihre Sätze beginnen mit „Ich verstehe nicht“, meinen ja eigentlich „Ich finde das dumm“. Besser wäre doch, wir würden uns mit unserer eigenen Ratlosigkeit konfrontieren, da anfangen, wo man ansetzt, wenn man nicht weiter weiß: Man stellt Fragen. 

In dieser NEON lassen wir unsere Ratlosigkeit zu – mit 110 Fragen, auf die wir keine Antworten haben oder ganz viele verschiedene. Fragen, die man nicht nur den anderen, sondern erst sich selbst stellen sollte. 110 Fragen, von denen uns interessiert, wie ihr, die Leser, sie beantworten würdet. Diese Fragen sollen ein Anfang sein, um ein größeres Projekt zu beginnen: Wir wollen herausfinden, was Politik für uns eigentlich bedeutet, wo dieses politische Engagement, von dem die Studien ja sagen, dass wir dazu bereit sind, etwas bewirken könnte.

Es geht um uns, unter dieser Überschrift wollen wir uns in den nächsten Monaten bis zur Bundestagswahl immer wieder mit diesem einen Wort befassen, das so viele mit arg auseinanderdriftenden Bedeutungen füllen: Politik. Es geht um uns, also auch darum, uns zu hinterfragen, um uns besser kennenzulernen. Wir wollen uns immer wieder neue Fragen stellen und öfter sagen, ganz im Ernst: Verstehe ich nicht. Und dann mit Menschen sprechen, Informationen sammeln, Meinungen einholen, Argumente tauschen – damit wir die Welt und uns etwas besser verstehen.“

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120 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Schwupps, Text wech vonne Startseite. War wohl zu negativ?

    13.12.2016, 09:07 von HerrJemine
    • 0

      der text da oben ist auch nicht grade eine journalistische glanzleistung. eigentlich ist er eine pöbelei. 

      13.12.2016, 14:45 von EC_Lino
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  • 0

    Ich verstehe jeden Tag mehr.

    12.12.2016, 16:47 von EliasRafael
    • 0

      Lucky guy!

      12.12.2016, 17:34 von Die.sass.da
    • 0

      Rocky.

      13.12.2016, 00:10 von EliasRafael
    • 0

      Apollo.

      13.12.2016, 09:25 von Die.sass.da
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  • 0

    #EsGehtUmUns


    Wer ist uns? 
    Wie behindern politische korrekte Scheuklappen den Blick auf die Realität?

    12.12.2016, 13:28 von Hattori-Hanzo
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  • 3

    neon's so fucked. shit outta luck. hardwired to self-destruct.

    12.12.2016, 08:51 von zeckenweibchen
    • 0

      Und das Montagfrüh kurz vor dem Aufstehn.

      12.12.2016, 09:55 von alter_hund
    • 0

      Oah, nee, Metallica.

      12.12.2016, 13:18 von Grumpelstilzchen
    • 0

      ich höre sowas zu jeder tag- und nachtzeit, hundi. 


      jaja, grumpy. ich weiß...

      12.12.2016, 17:37 von zeckenweibchen
    • 0

      etwas altbacken, aber die zecke ist ja über 30. für mich wäre es lärm. töne aus dem stroboskop quasi

      12.12.2016, 18:06 von EC_Lino
    • 2

      hapch mit der muddamilch aufgesogen quasi. für mich ist das reinster wohlklang. alles andere is lärm. 

      12.12.2016, 18:09 von zeckenweibchen
    • 0

      Es ist nur noch ein Klischee.

      12.12.2016, 18:19 von Grumpelstilzchen
    • 0

      jaja, grumpy. ich weiß...

      12.12.2016, 18:23 von zeckenweibchen
    • 0

      Ist okay.

      12.12.2016, 18:38 von Grumpelstilzchen
    • 0

      für mich ist muttermilch kim wilde und vatermilch deep purple

      12.12.2016, 19:32 von EC_Lino
    • 1

      Da muss ich Grumpel leider Recht geben mit dem Klischee. Das ist zwar technisch sauber und druckvoll, aber irgendwie vom Reißbrett.

      13.12.2016, 09:08 von HerrJemine
    • 0

      njoa, metallica hat seit master of puppets eh nix preisverdächtiges mehr abgeliefert. gerade der titel ist aber ganz gut zum warmfrickeln. schlicht und mit druck. das album is aber fürn arsch. 

      19.12.2016, 12:43 von zeckenweibchen
    • 1

      Ich find, dass der Albumtitel allein schon der pubertärste Metallica-Albumtitel der Bandgeschichte ist. Die Auslassungspunkte sind der Killer.

      19.12.2016, 16:51 von Grumpelstilzchen
    • 0

      sad but true. :(

      20.12.2016, 00:34 von Freyr
    • 0

      Metallica haben Metal zum Mainstream gemacht. Das hat Rückscheiben-Sticker und Ticketpreise jenseits von Gut und Böse zur Folge gehabt aber auch das Ansehen von Metal als ernst zu nehmendes Genre gesteigert, was wiederum mehr Mittel für ambitionierte Bands bedeutet hat. Ich bin dankbar für all das was damals passiert ist als das Genre aufgrund der plötzlchen Nachfrage unfassbar gute Alben hervorgebracht hat. Gerade die extremen und harten Auswüchse verstehe ich heute auch irgendwie als Antithese zu Metallica´s Erfolgsrezept und somit verdienen sich die Jungs heute noch meinen Respekt auch wenn ich sie musikalisch immer verabscheut habe. 

      14.01.2017, 00:14 von riotsk
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  • 0

    scheinbar überlässt man die gemeinschaft hier ihrem schicksal? wieso werden keine usertexte mehr auf die hauptseite gesetzt? wieso hat man auf den wunsch, das auszeitspiel zu reaktivieren mit keinem wimperzucken reagiert? wieso gibt es keinerlei moderation oder versuch, zielgruppengerecht die seite neu zu gestalten?

    11.12.2016, 22:42 von EC_Lino
    • 0

      Gabs doch seit Jahren alles nicht...
      :D

      12.12.2016, 12:08 von sailor
    • 1

      War technisch nicht mehr möglich!

      12.12.2016, 13:21 von Grumpelstilzchen
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  • 3

    So fühlt es sich also an, wenn Sympathie in Verachtung umschlägt.

    WOW!

    11.12.2016, 11:34 von cosmokatze
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  • 0

    Hier meine 110 Fragen:

    1. Wieso werde ich zu VoIP-Telefonie
    genötigt, obwohl ich mit meinem analogen Telefonanschluss äußerst
    zufrieden war und es auch keinen triftigen Grund gab, den abzuklemmen statt ihn einfach weiter
    laufen zu lassen?

    10. Wieso unterstützen nicht mehr Leute die Entwicklung des FreeCalypso-Mobiltelefons?

    11. Wieso arbeiten Projekte, die versuchen, "fairere" Mobiltelefone herzustellen, nicht direkt mit Projekten wie FreeCalypso und Replicant zusammen, damit die Geräte tatsächlich langlebig werden und auch "fair" gegenüber den Benutzer⭑innen?

    100. Wieso gibt es nicht in jeder größeren Stadt Copy-Shops die 100%-Recycling-Papier verwenden?

    101.
    Wieso hat bio-dynamischer ("demeter") Anbau so einen guten Ruf und so
    einen großen Marktanteil im Bio-Bereich, obwohl das der inhärent
    tierausbeuterische, reaktionäre und quacksalberische landwirtschaftliche
    Arm einer anti-emanzipatorischen Esoterik (Anthroposophie) ist?

    110. Wieso haben so viele Leute anscheinend noch nie zuvor vom Mietshäuser-Syndikat, von buzzn oder von Windgas gehört?

    10.12.2016, 15:05 von b12boy
    • 0

      Ist lustig, weil du die Antworten schon kennst.

      10.12.2016, 16:28 von Grumpelstilzchen
    • 0

      Ich hab nicht dich gefragt, sondern das Jetzt.

      10.12.2016, 17:08 von b12boy
    • 0

      Hee! Noch ist neon.de nicht demselben Schicksal erlegen wie jetzt.de!

      10.12.2016, 17:10 von Grumpelstilzchen
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  • 1

    Abgesang. 

    10.12.2016, 14:28 von schriftstehler
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  • 2

    Wenn ihr ratlos seid, dann geht doch nach drüben!

    10.12.2016, 13:49 von b12boy
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  • 1

    Ich streue noch mal diese Info.

    10.12.2016, 10:56 von HerrJemine
    • 0

      bitte weiter auf dem laufenden halten, auch für jene, die wie ich kein FB nutzen 

      10.12.2016, 17:40 von EC_Lino
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