Fiona_Weber-Steinhaus 30.11.-0001, 00:00 Uhr 14 0
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Zufriedene Einsamkeit

Die Anonymität hat auch ihre guten Seiten, oder?

Samstagmorgens einen Stadtbummel machen, Nachbarn und Bekannte treffen, ein Kaffee trinken und das Neueste mit ihnen austauschen: Für viele ist ein festes soziales Netzwerk ein entscheidendes Kriterium für die Zufriedenheit mit ihrem Wohnort. Anonymes Großstadtleben ist dagegen herzlos und schrecklich einsam. Einsam vielleicht, aber schrecklich?

Theresa Bäuerlein schreibt dazu in ihrem Buch "Das war der gute Teil des Tages" einen schönen Satz:
"Zu Hause habe ich mich oft fremd gefühlt, hier bin ich es tatsächlich. Das ist das Beruhigende, wenn man weit weg ist.".
Als Fremder in einer Großstadt ist man nicht traurig, wenn Freitagabend nicht die Freundin mit einer Flasche Wein vor der Tür steht, man schaut in der Fußgängerpassage nicht angestrengt nach bekannten Gesichtern, sondern kann sich inkognito von den einkaufswütigen Masse mitreißen lassen. Der morgendliche Gruß vom vorbeijoggenden Nachbarn fehlt nicht - man hat ja keine Erwartungen an seine anonymen Mitmenschen auf Zeit.

Zurück zu Hause im festen Netzwerk ist das gewollte Einsamsein bei vielen verpönt; wofür hat man schließlich seine Freunde, Bekannten und Kollegen? Und wenn dann Freitag Abend keiner anruft, fühlt man sich fremd.
Das wäre in der Anonymität nicht passiert.


Wie seht ihr das? Kann man der zeitweiligen Anonymität auch manchmal etwas Positives abgewinnen?Oder könnt ihr euch nichts Schlimmeres vorstellen, als alleine in einer Großstadt zu sein?

14 Antworten

Kommentare

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    anonymität hat etwas unheimlich reinigendes - man wird auf sich selbst zurück geworfen und muss/kann sich neu überdenken und erfinden. das nenne ich dann mal produktiven umgang mit sich selbst. ich suche ab und zu danach, nehme mich damit bewusst raus aus meinen netzwerken und kann plötzlich wieder dinge sehen, die mir verloren gegangen sind. großstadtanonymität: eine wunderbare sache - ab und zu.

    03.10.2008, 15:50 von Brainfucker
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    schwer nachzuvollziehen, weil ich eine "daheimgebliebene" bin, in der stadt.
    aber ich kenne kaum leute, die an ihrem jetzigen wohnort (stuium etc.) weniger sozial vernetzt sind als bei muttern und vattern und den allweihnachtlichen stammtischen ("ey echt, schon das zweite kind? und die firma von vati übernimmste jetzt? ich? nee... kein mann, kein job, ich überleg nochmal zu studieren...." - mitleidige blicke...)
    home is where your heart is, und wenn das die freunde, straßen, bahngleise sind, sind sie's halt und anonymität wird zur geborgenen zuflucht vor einer amputierten vergangenheit. denk ich.

    25.09.2008, 17:55 von sophietrauer
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    Aber was bleibt den Menschen, die überall anonym sind? Ich kenne kaum wen bei mir "zuhause"...

    Und das ist doch so wie das Verhältnis zur Ruhe. Man soll sie sich mal nehmen. Aber wenn sie ständig präsent ist, also ein Zustand, Ruhe und immer alleine bzw. sogar anonym, dann wird das auf Dauer nicht happy machen. Und nicht schön sein. Die Dosis macht das Gift...

    13.09.2008, 23:34 von LifeInANick
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    Ich habe die Großstadt immer geliebt. Schließlich bin ich da aufgewachsen und kannte darum auch immer genug Leute. Was du sagst, hab ich nich richtich verstanden - Sind denn nur nicht erfüllte Erwartungen schrecklich, Einsamkeit aber ok? Ich finde das ganz furchtbar: Keine Freunde, keine Liebe.

    11.09.2008, 15:47 von Alf_Geertz
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    Also mal langsam. Die Anonymität hat ihren Vorteil insofern, dass eben nicht jeder jeden kennt..komme vom Dorf und weiß, wie ätzend das ist. In der Stadt ist das natürlich angenehmer.
    AAAAAber: Einsamkeit ist doch immer schrecklich. Alleinsein, DAS kann man genießen. Aber genussvolles Alleinesein, das geht nur, wenn man eben NICHT einsam ist, sondern die Wahl hat. Das hat für mich aber nichts damit zu tun, ob ich ein soziales Netz habe. OHNE ist es doch einfach nur deprimierend.

    10.09.2008, 15:25 von Pirkko
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    Alleinesein ist doch nicht gleich zu setzen mit Einsamsein.
    Das Alleinesein brauche ich hin und wieder.Das ist dann von mir so gewollt.Einsam bin ich doch nur, wenn ich mich nach Gesellschaft sehne,aber niemand da ist, um sie mir zu leisten.

    10.09.2008, 15:21 von hexana
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      @oceaneyes aber recht hast du, man ist so oder so einsam. Egal wo man sich befindet.

      10.09.2008, 15:10 von mondkuss
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