Fingerfarbe 06.06.2012, 00:39 Uhr 0 0

Yes we can.

„Fliegen ohne Fallschirm – Fallen und nichts bereuen"

Lass es uns tun. Komm. Lass uns rastlos sein, die sprudelnden Gedanken raus lassen. Morgen in London jobben, in einem Monat in Rio am Strand liegen und nächste Woche in Wien studieren. Lass uns kopflos sein, alles geben, extrem sein. Es aufsaugen, überflutet werden. Weil ich alles will, mit jeder Pore, jedem Härchen, jeder Zelle. Mittendrin statt nur dabei sein ist die Devise. Ich will die Säure der Zitrone auf meinen Lippen und die Brandblasen an meinen Fingern fühlen. Will mich lebendig fühlen, keinen Krümel übrig lassen, mit Sahne und Schokostreuseln.

Wir wollen lieben, euphorisierende Endorphine prickelnd durch die Blutbahn treiben, den Puls in die Höhe treiben. Dem Risiko ins Gesicht lachen und auch den Schmerz wollen, die ganze Pallette. Weil wir Hunger haben und an allen Früchten kosten wollen, verboten Schilder interessieren uns nicht, denn selbst wenn sich einer die Knie  aufschlägt, glitzert ganz tief in seinen Augen die Überzeugung, es nicht zu tun wäre keine Option gewesen.

Und warum? Weil wir jung sind und triefen vor Zuversicht. Weil wir es können. Und warum eigentlich nicht?

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In einer Gesellschaft die ständig überlegt, Pros und Contras abwägt und alles aber auch wirklich alles dafür tut bloß nicht zu fallen, ist dies ein kleines Plädoyer für die Unvernunft: Von Kind an wird uns beigebracht an die Zukunft zu denken, wir werden mit den Worten „lern, dass du mal einen guten Job bekommst“ schon vor dem 10. Lebensjahr zum Hausaufgaben machen animiert. Sicher, alle meinen es gut. Lehrer, Freunde, Trainer, Eltern, Nachrichtensprecher und die Sendung mit der Maus. Sie wollen nur das Beste für den Nachwuchs. Sie wollen planen, nichts dem Zufall überlassen. Doch dadurch wächst eine Jugend heran, die Angst hat. Angst zu scheitern, sie steht unter dem permanent immanenten Druck nur ja aus allen die beste Option zu wählen. Unsere Lebensläufe werden von der Lesart eben selbiger auf dem Schreibtisch potenzieller zukünftiger Arbeitsgeber bestimmt. Wir geraten in die Maschinerie der vermiedenen Zufälle, vernunftsgeleitet tun wir immer das was uns am klügsten erscheint. Wir haben Angst aufzuschlagen obwohl wir 10 Meter von der Klippe entfernt sitzen und nicht im Traum daran denken zu springen.

Doch was eintritt ist nur „mehr des selben“ – Angst. Kein Glück, wie erhofft. Man nennt dies “Self-Fulfilling Prophecy”. Sportler die (eventuell berechtigter Weise) daran denken das Spiel zu verlieren produzieren genau dadurch ein Verhalten durch das sie keinesfalls gewinnen können. Menschen die Angst haben von ihren Partnern betrogen zu werden, treiben diese möglicherweise gerade durch ihr Misstrauen in eine Affäre.

Dies ist ein Aufruf zu mehr Kopflosigkeit, blindem Vertrauen, ja Naivität – Schmerz nicht persönlich zu nehmen, Scheitern zu akzeptieren, mehr Mut verrückte Ideen umzusetzen. Warum das sein muss? Weil wir es wollen! Weil wir es können! Weil wir uns nicht im Alter vorwerfen wollen nicht das ganze Glas geleert zu haben, denn es ist definitiv mehr als halb voll!

Dies ist ein Aufruf zu mehr Jugendlichkeit. Nicht auf dem Papier, sondern im Herzen. Der Weg windet sich nicht entlang von Gehirnschleifen, der findet sich allein, und so wie es wird ist es gut.

Für mehr Treiben lassen. Wir finden einen Hafen, mit SIcherheit!

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