Wunderbare Welt der Gene und Klone
Die Klone sind schon lange da. Nur der perfekte Mensch nicht. Aber braucht man den denn auch wirklich?
In Großbritannien lief schon das erste geklonte Schaf fröhlich über grüne Wiesen, in Südkorea bellen seit wenigen Monaten die ersten geklonten Hunde und zwielichtige Wissenschaftler kündigten auch schon an, den ersten Menschen klonen zu wollen. Werden wir also vielleicht irgendwann alle, wie in dem Film „Die Insel” irgendwo einen Klon von uns sitzen haben, der uns jederzeit mit frischen Organen versorgt oder mit dem wir die besten Gespräche führen können, die wir je hatten, weil er immer genauso denkt wie wir?
Wenn wir uns so umschauen, sehen wir sie zwar in der Regel nicht, aber wir sind bereits von Klonen umgeben. Wenn auch nicht so, wie in irgendwelchen Science Fiction Geschichten. Im Grunde genommen sind Klone aber in der Natur ein alter Hut. Klone sind zunächst nämlich genetisch gleiche Zellen, die alle von einer Ursprungszelle abstammen. Wenn sich also Zellen durch Zellteilung vermehren, produzieren sie Klone ihrer selbst. Somit vermehren sich also z.B. Bakterien durch Klone und das schon seit geraumer Zeit. Auch unter höheren vielzelligen Organismen gibt es noch einige, die sich durch sogenannte Jungfernzeugung vermehren und ohne geschlechtliche Fortpflanzung genetisch gleiche Nachkommen produzieren können
Aber irgendwas wird sich Mutter Natur im Laufe der Evolution dann schon gedacht haben, dass sich doch auch eine ganze Menge der heute lebenden Organismen geschlechtlich fortpflanzen und dabei ihre genetischen Informationen vermischen, so dass eben ein Nachkomme entsteht, der eine neue genetische Information besitzt. Veränderungen des Erbgutes kommen auch bei Organismen vor, die sich ungeschlechtlich fortpflanzen, nämlich durch Mutationen, die mit bestimmten Häufigkeiten immer wieder auftreten und Gene verändern, was für den betroffenen Organismus eine Verbesserung bringen kann oder nicht. Das zeigt sich im Laufe der Zeit.
Bleibt immer noch die Frage, warum sich einige Organismen die Mühe machen, sich geschlechtlich fortzupflanzen. Die Antwort liegt sicher in der höheren Flexibilität gegenüber sich verändernden Umweltbedingungen. Klar, verändern die sich meistens nicht so schnell und sich ungeschlechtlich vermehrende Organismen sind ja auch in der Lage sich anzupassen, wobei Bakterien unter schlechten Bedingungen auch schon mal eine Runde Sex einschieben und genetische Information austauschen können. Eine Erklärung, warum sich höhere Organismen meistens geschlechtlich vermehren, geht davon aus, dass es dadurch eben zu einer höheren Flexibilität gegenüber Krankheitserregern kommt. So gibt es eine Schneckenart, die sich unter guten Bedingungen einfach ohne Partner fortpflanzt, die aber, sobald ein bestimmter Wurm da ist, der sich gerne als Parasit an diesen Schnecken labt, sich eilends geschlechtlich fortpflanzen. Und da wir ja dauernd von einer Menge, sich rasend schnell verändernder Krankheitserreger umgeben sind, könnte die geschlechtliche Fortpflanzung da schon einige Vorteile bringen.
Aber zurück zu den Klonen. Was spricht denn nun eigentlich wirklich dagegen, auch mal einen Menschen zu klonen? Die Vorstellung, die sicher immer noch eine Menge Leute haben, dass ein Klon genauso aussieht, sich verhält und denkt wie man selbst, ist sicher falsch. Eineiige Zwillinge, die ja ebenfalls erbgleich sind, sind ja auch nicht völlig identisch und gerade wenn sie getrennt in unterschiedlichen Gegenden der Welt aufwachsen sieht man, dass einfach auch das Umfeld, Wetter, Nahrung und viele andere Dinge eine große Rolle bei der Entwicklung eines Menschen spielen. Ein Klon von mir wäre mir bestimmt sehr ähnlich, aber gleich wären wir sicher nicht.
Abgesehen davon ist es auch rein technisch nicht so einfach mit dem Klonen. Auch wenn es jetzt schon mit Schafen und Hunden funktioniert hat. Ein Grund dafür sind unter anderem unsere Chromosomen, die DNA-Fäden, die unsere Gene enthalten. Für jede Zellteilung werden die Chromosomen kopiert, allerdings geht dabei immer ein Teil der Chromosomenenden verloren, ein Mechanismus, der bei der Alterung eine Rolle spielt. Und wenn man nun einen Klon aus den Zellen eines erwachsenen Organismus herstellt, sind dessen Chromosomen eben auch schon nicht mehr die Jüngsten.
Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion um Klone immer wieder eine Rolle spielt, ist die Veränderung des Erbmaterials um bestimmte Eigenschaften zu eliminieren oder zu bekommen. Dazu muß gesagt werden, dass wir zwar heute schon viele Gene kennen, die für dies oder das Merkmal verantwortlich sind, aber wir sind immer noch weit davon entfernt, wirklich zu verstehen, wie das alles funktioniert. So kennen wir seit ein paar Jahren die Zusammensetzung des menschlichen Erbguts, aber haben kaum eine Ahnung, wie die Gene wirklich zusammenarbeiten. So besteht auch nur ein geringer Prozentsatz des Genoms wirklich aus Genen, der überwiegende Anteil ist sogenannte junk-DNA die aber wohl auch eine noch unbekannte Rolle spielt. Irgendwann werden wir sicher mehr wissen und die Manipulation des Genoms könnte möglich sein, um einen Menschen mit bestimmten Eigenschaften zu erhalten. Aber wann wird das sein?
Und wer vielleicht denkt, der Evolution ein Schnäppchen schlagen zu können, der vergißt, dass die Evolution nicht zielgerichtet abläuft, sondern zufällig Varianten erzeugt, die besser oder schlechter an ihre Umwelt angepasst sind und sich in eben dieser zurecht finden. Und wenn wir uns die Ergebnisse der Zucht in der Landwirtschaft anschauen, wo bestimmte Eigenschaften bei Nutzpflanzen oder -tieren besonders hervogezüchtet werden, sollte man bedenken, dass eben die hochgezüchteten Formen in der Regel auch ihre Schwächen zeigen und z.B. häufig wesentlich anfälliger gegen Krankheitserreger sind, als ihre Urformen.
Wenn wir irgendwann einmal rein technisch in der Lage sein werden, Menschen so zu klonen, wie wir es wollen, bleibt immer noch die Frage, was die Menschheit damit gewinnen würde. Eine Sache ist das therapeutische Klonen. Die Herstellung von perfekten Organspenden. Sicher, davon sind wir auch immer noch weit entfernt und auch wenn immer wieder spektakuläre Schlagzeilen durch die Medien geistern, wie z. B. Stammzellen hier und da helfen werden, ist auch noch einiges an Forschung notwendig, wirklich bis zu dem Punkt zu kommen, dass komplette Organe als Ersatzteile gezüchtet werden können. Aber irgendwann kann eine solche Vision sicherlich Wirklichkeit werden.
Aber was ist mit dem geklonten Menschen? Was gewinnen wir, wenn wir irgendwann in der Lage sind, uns zu klonen? Wir könnten Kopien von uns in die Welt setzen, die Eigenschaften besäßen, die wir toll finden. Kein blöder Hüftspeck mehr, keine Brille mehr, top im Sport und auch noch verdammt schlau dazu. Nur dass wir selbst immer noch mit Bauchansatz und Brille dastehen würden und unseren Klonen zusehen könnten, wie sie Rekorde am laufenden Band brechen oder sich in Stockholm den Nobelpreis abholen.
Okay, aber wir brauchen uns ja auch nicht in dem Sinne zu klonen. Das Design unserer Nachkommen wäre ja auch schon was. Endlich das perfekte Kind, das gut in der Schule ist, blendend aussieht und nie in der Nase popelt. Dazu habe ich neulich in einer Dokumentation eine interesante Meinung gehört. Was, wenn man ein designtes Kind hat und nach ein paar Jahren noch eins will, die Technik ist mittlerweile noch weiter fortgeschritten und es gibt für das neue Kind noch ein paar Gimmicks und Updates mehr. Damit wäre Kind Nummer Eins nur noch ein veraltetes Betriebssystem. Wie wäre es auch irgendwann als junger Mensch zu erfahren, dass man nach bestimmten Gesichtspunkten gemacht worden ist. Klar ist, dass jeder von uns auch durch die Gene seiner Vorfahren und durch sein Umfeld geprägt ist. In einem gewissem Rahmen sind auch wir genetische Produkte. Aber zufällige Produkte, die die Möglichkeit zur Entfaltung einer eigenen Persönlichkeit hatten. Sicher hätte auch ein Klon die Möglichkeit der eigenen Entwicklung, aber die Vorauswahl bestimmter Eigenschaften würde sein Leben vielleicht ganz anders in bestimmte Bahnen lenken. Ob wir gute Sportler werden, Künstler oder Wissenschaftler liegt zu einem gewissen Teil auch in unseren Genen verankert, aber fraglich ist, in welchem Ausmaß. Welche Entfaltungsmöglichkeit hätte ein Mensch, dessen Schicksal durch seinen genetische Auswahl schon in eine bestimmte Richtung gelenkt und „vorbestimmt” wäre? Weiterhin bleibt auch die Frage offen, ob nicht gerade oft unsere Fehler gerade Stärken hervorbringen, die uns zu etwas Besonderem machen.






Kommentare
Wäre doch mal interessant: "Das ist mein Sohn KaiXP und meine Töchter Jenny und Jenny2.0."
25.08.2005, 15:15 von DocFunkenstein