batida.de.coco 05.12.2007, 20:26 Uhr 3 1

Wozu Drogen?

Der Neon-Artikel und ich. Es gibt da einen achten Grund...

Ich stehe an der U-Bahn-Station "Zoologischer Garten" und warte auf meine Bahn. Ich betrachte die Menschen um mich herum, wie sie wild herum wuseln und mich erneut an eine Horde Ameisen erinnern.

Ich schauen mich um, sehe das Kiosk und mir fällt die aktuelle "Neon"-Ausgabe ins Auge. Nicht nur, wegen dem schönen Cover. Die Farben gefallen mir äußerst gut. Nein, auch der Titel spricht mich sofort an. "Wozu Drogen?"

Ich höre meine Bahn schon anfahren, sehe schon das Licht im Tunnel. Trotzdem schnappe ich mir die letzte Ausgabe der "Neon", renne zum Kiosk-Inhaber, bezahle hektisch und schaffe es gerade noch rechtzeitig in die Bahn zu hüpfen. Voller Vorfreude auf den Artikel setze ich mich hin und schlage das Magazin auf.

"Drogenkonsum hat nichts mit Genuss zu tun und auch nicht mehr viel mit Realitätsflucht."

Der erste Satz und ich werde schon skeptisch. "Aha... Nun gut..." flüster ich leise und lese weiter.

"Wir sind aufgeklärter denn je."

Es folgen "sieben Geschichten über die oft nüchternen Gründe, aus denen wir Rausch suchen. Und über das, was vom High übrig bleibt." Neugierig lese ich weiter, grinse während dem Lesen ab und zu, manchmal werde ich nachdenklich und verspühre diesen besonderen Respekt gegenüber Drogen.

Irgendetwas fängt an, mich an dem Artikel zu stören. Müdigkeit, Gewohnheit, Neugierde, Kontrolle, Übermut, Verzweiflung, Langeweile. Sieben Gründe, warum die Menschen Drogen nehmen. "Da fehlt was!" denke ich mir, da ich keinen dieser sieben Gründe als Hauptgrund meines Drogenkonsums nennen kann. Ich bin wohl eine der wenigen Ausnahmen, was?

Nun, Neugierde spielt immer eine Rolle. Was das Kiffen angeht, sind Gewohnheit und Langeweile mittlerweile auch Gründe... aber irgendetwas stört mich noch immer.

Beim Lesen des Interviews mit dem Soziologen Günter Amendt wird mir klar, was mich stört. "In den 60ern" sagt Amendt, "war die Suche nach Genuss das Hauptmotiv, Drogen zu nehmen. Von LSD erhoffte man sich eine Erweiterung des Bewusstseins. Heute sind die Motive nicht mehr so eindeutig." Ich lese das Interview fertig und merke, dass mir Herr Amendt sympathisch ist.

Trotzdem lässt mich nicht in Ruhe, dass der Aspekt des Genusses und der der Bewusstseinserweiterung nur in Bezug auf die 60er Jahre zum Ausdruck kommen.
Sicher ist der Prozentsatz der Konsumenten, die nach Genuss und Bewusstseinserweiterung suchen heutzutage kleiner, aber er existiert und sollte meiner Meinung nach berücksichtigt werden.

Der Genuss. Der Spaß. Lach- und Fressflashs. Wärme. Geselligkeit, die durch gemeinsamen Konsum entsteht. Das Kribbeln im Bauch, da man etwas Verbotenes macht. Erinnerungen, die einen ein Leben lang ein Grinsen ins Gesicht zaubern wird. Aufregende, bedeutende Erfahrungen.

Abgesehen von diesen Spaß-und Genussfaktoren, die Drogenkonsum auch mit sich bringen, gibt es aber noch etwas, was für mich ganz wichtig ist. Und der Hauptgrund, warum ich (und sicher auch einige andere) Drogen konsumiere.

Es ist eben diese Bewusstseinserweiterung. Dieses Gefühl, "mehr zu sehen". Dieser Grund stand anfangs hinten an, hinter dem Spaß, mittlerweile hat er aber den Führungsposten übernommen.

Ich dachte schon immer, dass es in der Welt, in der wir leben, so viel mehr zu erfahren und zu sehen gibt als wir es uns vorstellen können. Ein unsichtbarer Vorhang hängt in unserer Welt, hinter welchem sich dieses "so viel mehr" befindet. Diesen Vorhang zur Seite zu schieben, hinter ihn zu linsen, das waren und sind meine Absichten und mein Wunsch.

Natürlich sind viele Gedanken und Erfahrungen, die mir im Rausch kamen und kommen der größte Müll, allerdings gibt es auch solche, die ich ohne Rausch wohl nie bekommen hätte und die mir sehr wichtig sind und mich auf eine recht harmolse Weise geprägt haben und vor allem fasziniert.

Faszination. Eine gute Ergänzung für den Grund von Drogenkonsum, den ich hier beschrieben möchte und den ich für wichtig befinde. Faszination über das, was man erleben kann, was man sehen, riechen, hören, fühlen kann. Als "normaler" Mensch.

Drogenkonsum mit dem Wunsch, neue Sichtweisen zu erlangen. Schöne Momente zu genießen, die Welt in all ihrer Schönheit zu erleben. Sich selber neu zu erleben und seine Umwelt anders wahr zu nehmen. Unter anderem auch die Realität mehr schätzen zu lernen und zu begreifen, was sie bedeutet. Neugierde würde ich das nicht nennen. Genauso wenig Müdigkeit, Gewohnheit, Kontrolle, Übermut, Verzweiflung oder Langeweile. Ich will keinesfalls sagen, dass diese Gründe falsch sind! Nur, dass ein bedeutender fehlt.

Der Genuss. Es gibt noch immer Menschen, die Drogen nehmen, um in den Genuss zu kommen, zu erfahren und zu erleben. Die Welt und sich neu zu entdecken und kennen zu lernen. Neue Sichtweisen zu erlangen. Kreativ zu werden und sich vom Rausch inspirieren zu lassen.

Wie viele Künstler nehmen auch noch heute Drogen, um aus ihrem Rausch Ideen zu ziehen? Einige! Wird man sich darüber bewusst, dann versteht man mich vielleicht.
Wie viele Bilder, Lieder, Geschichten sind im Rausch entstanden, der nicht durch Drogenkonsum aufgrund von Müdigkeit, Gewohnheit, Kontrolle, Übermut, Neugierde, Verzweiflung oder Langeweile hervorgerufen wurde? Macht man sich das klar, dann versteht man vielleicht, was ich meine...

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3 Antworten

Kommentare

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    böses mädchen! aber recht hast du ;)

    24.12.2007, 02:13 von NeonBlond
    • 0

      @NeonBlond hehe :)

      26.12.2007, 12:31 von batida.de.coco
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