Feriengast 19.02.2013, 16:01 Uhr 4 2

Wo sind die ganzen Pandabären?

Meine alltäglichen, dänischen Stolpersteine im Land mit den glücklichsten Menschen der Welt.

Seit etwa sieben Monaten lebe ich nun schon bei unseren Nachbarn im kalten Dänemark. Genauer gesagt, studiere ich sogar in der Hauptstadt des Landes, dem man nachsagt es beheimatet die glücklichsten Menschen der Welt. Doch jede Eingewöhnung in ein neues Land bringt eben nicht immer nur freudige Überraschungen, sondern lässt einen auch das ein oder andere Mal ins Stolpern kommen.

Heutiger Stolperstein: eine neue Sprache lernen

In unserer montäglichen Mensapause diskutierten wir diesmal die Vor- und Nachteile Dänisch zu lernen. "Wir" meint in dem Fall, unsere internationale 4er Gruppe, in der eines der Mädels (nennen wir sie Ewelina) erst vor kurzem ihren Sprachkurs angefangen hatte. Meine Freundin und ich hatten bereits einen vierwöchigen Intensivkurs hinter uns, hatten den Fortgeschrittenen Kurs aber auf „später“ verschoben (zwecks exorbitantem Workload im Hauptstudium versteht sich). Der einzige Mann in der Runde, überlebt ganz in MacGyver-Manier von den wenigen Vokabeln, die er auf der Straße aufschnappt – und das schon seit zwei Jahren.

Elli teilte uns also zwischen Smørrebrød und Nudelauflauf mit, dass sie den Dänischkurs schmeißen wolle. Für mich unverständlich. Ich argumentierte mit den Klassikern, dass sie in ihrem eigenen Land auch wollen würde, dass die Leute die Sprache lernen, dass das was mit Respekt zu tun habe und so weiter. Zudem hatte sie gerade erst einen Nebenjob als Kellnerin angefangen, für den sie doch sicherlich ein paar Vokabeln Dänisch können müsste. Nein, das sei ein australisches Restaurant. Das ganze Personal spreche nur Englisch. OK, akzeptiert. Und überhaupt spreche hier jeder Englisch. Es sei gar nicht notwendig sich monatelang durch die dänische Grammatik zu quälen, denn selbst bei dem Versuch in der Öffentlichkeit Dänisch zu sprechen, durschaut jeder Däne unser klägliches Gestotter sofort und wechselt – in dem Glauben uns damit zu helfen – zurück ins Englische. Das ist jedes Mal wie ein bildlicher Sturz vom Pferd – nur steigen wir internationale Studenten dann oftmals nicht mehr in den Sattel.

Ok, ich war bereit für mein Totschlag-Argument. Mit dem Wissen, dass Elli Single ist, sagte ich triumphal: "Aber was…..(theatralische Pause), wenn du einen süßen Dänen kennen lernst, und das einzige was du sagen kannst ist hej (hallo) und undskyld (entschuldigung)?"

Und damit entfachte ich überraschend eine flammende Diskussion in meinem Single-Freundeskreis.

„Ja wo sind denn die süßen Dänen, für die ich Dänisch lernen soll?“, mischt sich meine amerikanische Freundin plötzlich in einem aufbrausenden Ton ein. Ok, ich hatte da offensichtlich einen wunden Punkt getroffen. „Sie sind wie Pandabären. Sie sollen zwar existieren, aber sie sind schwer zu finden. Und wenn, dann sind sie in einem Zoo hinter einer Glasscheibe und spielen mit anderen Pandabären.“ Die Glasscheibe steht wohl sinnbildlich für die Sprachbarriere. Und sie hat Recht. Für internationale Studenten ist  es unglaublich schwer, „Dänische Freundschaften“ zu knüpfen und so enden wir in unseren internationalen Gruppen  und gelten damit als unangepasst.

Also liebe Pandabären, hört auf nur mit anderen Pandabären zu spielen und wir versprechen, eure Sprache zu lernen, denn wir möchten euch wirklich gerne besser kennen lernen.





Tags: Dänemark, Sprache lernen, Kopenhagen, Reise, Kulturschock
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4 Antworten

Kommentare

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  • 1

    fettes video^^

    20.02.2013, 17:24 von kippchen
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  • 0

    Jeg din tekst

    20.02.2013, 00:23 von SteveStitches
    • 0

      Du er min tekst? :)

      20.02.2013, 00:32 von Feriengast
    • 1

      Men sørg for, at din tekst er meget informative

      20.02.2013, 00:35 von SteveStitches
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