Wie weltfremd ist der Papst?
Benedikt XVI. behauptet: Kondome sind keine Lösung für die AIDS-Epidemie in Afrika. Wie falsch ist das?
Der Papst reist nach Afrika. Und da die Immunschwächekrankheit AIDS eines der größten Probleme des Landes ist, hat er zu diesem Thema bereits auf seinem Hinflug nach Kamerun vor Journalisten Stellung bezogen. Seine Aussage war keine Überraschung, denn sie spiegelt die Lehre der katholischen Kirche wieder. Der Papst sagte: "Die Aids-Epidemie in Afrika kann nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, das vertieft die Probleme nur."
Ist das falsch? Dumm? Erschreckend?
Nach Meinung von Grünen-Chefin Claudia Roth durchaus. Sie sagte gegenüber der Tageszeitung "Die Welt": "Der Papst setzt damit eine kontraproduktive, destruktive, lebensfremde und liebesfeindliche Politik fort, die jeglichen vernünftigen Ansatz bei der Bekämpfung der HIV- und Aids-Epidemie zunichte macht."
Kontraproduktiv, destruktiv, lebensfremd, liebesfeindlich. Ich will mir diese Vorwürfe mal im Einzelnen anschauen und auf ihre Stichhaltigkeit überprüfen.
Beginnen wir mit "lebensfremd". Welches Leben meint Frau Roth hier? Ihr eigenes? Das Durchschnittsleben des deutschen Mittelstandes? Was weiß Frau Roth über das Leben der Menschen in Afrika?
Vor kurzem sprach ich mit dem Benediktinerpater Gerhard Lagleder, der in Afrika ein AIDS-Hospiz gegründet und geleitet hat. Was er über das Leben der einfachen Menschen in Afrika zu berichten hat, das kann verstörend sein für die Weltsicht eines zivilisierten Mitteleuropäers. Er berichtet von einem achtjährigen Mädchen, das von seinem Vater vergewaltigt wurde. Der Mann hatte AIDS - und sein Schamane hatte ihm versprochen, dass die Jungfräulichkeit seiner Tochter in der Lage wäre, seine Krankheit sozusagen durch Geschlechtsverkehr zu heilen. Also tat er, was er für nötig erachtete, um sein Leben zu retten. Was würde das Mädchen sagen, wenn es Frau Roth hören würde? Würde es nicken und sagen: Ein Kondom hätte mich geschützt?
Fälle wie dieser sind es, die Papst und Kirche zu der Auffassung bringen, dass beim Kampf gegen AIDS tiefer anzusetzen ist. Sex kann eine Waffe sein - und der Mensch muss erst moralisch und charakterlich reifen, bevor er mit seiner Sexualität verantwortungsbewusst umgehen kann. Um diese Reifung zu ermöglichen, vertritt die Kirche was sie vertritt: Die Enthaltsamkeit bis zum Eintreten dieser Reife und die feste Entscheidung für einen Menschen, den ich liebe und für den ich einstehe - in allen Belangen, auch beim Sex.
Womit wir bei einem weiteren Vorwurf von Frau Roth sind: Der Papst ist "liebesfeindlich". Frau Roth sollte nicht von "Liebe" sprechen, wenn sie "Sex" meint. Und selbst dann würde sie sich irren. Was ist liebesfeindlich daran, auf den Menschen warten zu wollen, dem man sich ganz schenken möchte? Oder - wem diese christliche Sicht zu weit geht: Was ist liebesfeindlich daran, wenigstens die Zeit bis zum AIDS-Test abwarten zu können, um sich dann ganz dem geliebten Menschen zu schenken? Ist es liebesfeindlich, diesem Menschen - selbst aus der nichtchristlichen Perspektive einer "Lebensabschnittspartnerschaft" - zumindest so lange treu zu sein, wie ich mit ihm schlafe? Nicht aus religiösen Gründen, sondern einfach, weil ich ihn/sie nicht umbringen will.
Der Papst hat seine erste Enzyklika über die Liebe geschrieben. Leider hatte sie den lateinischen Titel "Deus Caritas Est" - also steht zu vermuten, dass Frau Roth sie als Propaganda für ein katholisches Sozialwerk abgetan und nicht gelesen hat - sonst würde sie den Papst nicht "liebesfeindlich" nennen.
"Destruktiv" nennt Frau Roth außerdem die Bemerkung des Papstes. Hier benutzt und versteht sie ein lateinisches Fremdwort: De-struere ist das Gegenteil von Con-struere. Nichts wird durch die Aussage des Papstes auf-gerichtet, nein es wird etwas zerstört, niedergerissen. Was denn? Abgesehen vom Weltbild der Grünen-Chefin nicht viel. Ich will mal einen meiner zugegeben weit hergeholten Vergleiche anbringen: Wenn ich sage, "ein Airbag schützt Dich nicht davor, mit Deinem Mercedes bei Tempo 200 gegen einen Pfosten zu donnern", bringe ich damit Prinzessin Diana um? Was der Papst sagt, geht in eine ganz ähnliche Richtung. Keiner, auch er nicht, bestreitet, dass Kondome das AIDS-Virus unter Umständen auf seiner Reise von A nach B behindern können - wenn sie nicht reißen, nicht in einem Drittweltland hergestellt wurden und darum bei Hitze spröde werden, nicht aus den USA importiert wurden weil sie dort wegen jahrelang überzogenem Haltbarkeitsdatum nicht mehr verkauft werden dürfen und wo weiter und so fort. Was Benedikt bestreitet ist, um bei meinem weithergeholten Vergleich zu bleiben, dass ein Airbag jeden Fahrstil rechtfertigt. Und das ist alles andere als "destruktiv". Das ist lebensrettend.
Ähnlich sinnvoll ist die Kritik, die Aussage des Papstes sei "Kontraproduktiv". Gegenfrage: Was wäre produktiv in Sachen AIDS-Bekämpfung? Ich würde mal sagen: Wenn der Vater des achtjährigen Mädchens von vorhin seinem Schamanen dessen Regenmacher-Stock - rein metaphorisch gesprochen natürlich - in den Allerwertesten gerammt hätte und eine Entscheidung aus Liebe getroffen hätte: "Nein, mein Kind fasse ich nicht an, auch nicht, wenn dadurch mein Leben gerettet werden könnte." So eine Haltung ist noch nicht mal christlich, sie ist humanistisch - das hätte auch ein Albert Camus so gefordert. An welcher Stelle widerspricht die Papst-Aussage denn bitteschön diesem richtigen Handeln, wo ist sie "kontraproduktiv"? Der Papst sagt: Kondome lösen das Problem nicht. Und damit liegt er verdammt richtig.
So viel zu Frau Roth.
Jetzt zum Schluss nochmal kurz zum Papst.
Also, nochmal zum mitschreiben. Er ist auf einer Reise nach AFRIKA. Er weiß, dass AIDS dort DAS Problem ist, das das Leben der Menschen bedroht. Und er sagt: "Die Aids-Epidemie in Afrika kann nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, das vertieft die Probleme nur."
Zumindest dem ersten Satz kannst Du, lieber Leser, nach meiner bisherigen Argumentation nun hoffentlich nachvollziehen. Was aber nun mit der zweiten Aussage - mit dem "vertiefen" der Probleme durch Kondome? Was meint der Papst? Ist es falsch, sich zu schützen? Nein. Aber wie im Mercedes-Beispiel gezeigt: Vor manchem können wir uns nicht schützen, so lange wir uns falsch verhalten. Und Kondome haben nun mal bei aller Schutzfunktion eine Eigenschaft: Einmal übergezogen sind sie - zumindest wenn gut verarbeitet, in der richtigen Größe und nicht in den Händen von Frauen mit grotesken Fingernägeln - ein "Rundum-Sorglos-Paket": Keine Angst mehr vor Krankheiten, Schwangerschaft, Ungemach. Einfach nur Spaß. So - und jetzt sind wir am Punkt: Sex macht Spaß. Aber Sex hat auch was mit Verantwortung zu tun. Ich habe eine Verantwortung für meinen Ehe-, Liebes-, ja sogar auch nur für meinen Hippie-Sexpartner. Ich will und darf nicht sein Leben zerstören. Jetzt könnte man argumentieren: Ja genau darum sollte ich ja Kondome verwenden! Ach ja? Ich kann nur von mir selbst reden...ich habe genau eine Zehnerpackung Kondome in meinem Leben verwendet. Von diesen zehn sind drei geplatzt. Andere Erfahrungen? Nur her damit. Kondome sind sowohl, was den Schutz vor Schwangerschaften, als auch vor Krankheiten angeht alles andere als sicher. Dennoch gaukeln sie einem diese Sicherheit vor - und DAS ist unverantwortlich.
Benedikt XVI. hat also völlig recht: Falsche Sicherheit ist gefährlicher als Unsicherheit.
Zwei Sätze des Papstes - und so viel und noch viel mehr steckt dahinter. Bitte: Lasst Euch nicht vom Geschrei einiger uninformierter Medien manipulieren. Der Papst ist alles andere als ein Idiot - er ist einer der größten Gelehrten unserer Zeit. Wenn er spricht, könnte es sich lohnen, auch mal zuzuhören und etwas anzunehmen. Auch wenns der eigenen Meinung zunächst scheinbar widerspricht. Es lohnt sich."Wichtige Links zu diesem Text"
Unreflektiertes Aufschreien ist ein Muss in der Medienlandschaft...
Ein sehr guter Neon-Artikel zu dem Thema
So "lieblos" ist der Papst.





Kommentare
Wer weiss was über die Hexenjagden in Afrika?
19.03.2009, 09:14 von netterWo bleibt die Gruppe dagegen?
Man könnte viel zu diesem Beitrag sagen, leider fehlt mir die Zeit.
19.03.2009, 07:32 von Flocke84Zum Thema Sicherheit: Natürlich kann ein Kondom platzen. Muss es aber nicht. Mir ist das noch nie passiert.
Zum Thema Verhinderung der Verbreitung von Aids durch Kondome: Geht man von der Ideologie der katholischen Kirche aus, wäre der richtige Umgang mit der Bekämpfung der Seuche Enthaltsamkeit. Das ist für sich nicht schlimm, man kann es gerne predigen. In der Realität leben viele Menschen - auch gläubige Katholiken - nicht enthaltsam. In dieser Istsituation, beim einvernehmlichen geschlechtsverkehr, bieten Kondome definitiv eine massive Verringerung des Risikos, sich zu infizieren - und für die Frau auch des Risikos, schwanger zu werden. In einer Rehion, in der die Pille nicht verfügbar und die Überbevölkerung grässlich ist auch kein unerfreulicher Faktor. Nebenbei: Aidstest vor dem ersten Sex? In Mitteleuropa kein Problem, aber in vielen Regionen Afrikas?? Da in einer Liebesbeziehung (Istsituation!) oft auch Sex stattfindet, ist die Sicht des Papstes aus weltlicher Sicht durchaus liebesfeindlich, wenn die Vokabel auch leicht überspitzt - da nur auf die romantische Liebe bezogen - ist.
Mit Extremgeschichten wie der von dir geschilderten Vergewaltigung aus Aberglauben (die Wurzel dieses Elends ist die fehlende Bildung der Menschen) kann man immer scheinbar Punkte sameln. Aber - auch in Westeuropa sollen Vergewaltiger gelegentlich Kondome benutzen - wenigstens die HIV-Infektion wäre dem armen Mädchen erspart geblieben.
Die Position der katholischen Kirche verlangt eine Utopie. Das ist in Ordnung, ist aber aus faktischer Sicht lebensfeindlich, weil es vielen Menschen Glaubensgründe/-pflicht gibt, auf Kondome zu verzichten, wobei sie eben nicht auf Geschlechtsverkehr verzichten. Auch hier würde Bildung helfen - sie brach das Diktat kaztholischer Doktrin in Europa - aber diese ist deutlich schwerer zu erreichen als das Verteilen von Kondomen und die Hoffnung, dass die Menschen sie benutzen.
Natürlich ist der Papst nicht dumm. Er ist ein bedeutender Theologe. Aber er ist nur oberflächlich bereit, seinen Gläubigen (v.a.) in Afrika zu helfen. Seine Aufgabe wäre es, eine theologische Rechtfertigung zu finden, sich mit Kondomen vor Krankheiten zu schützen.
Nur als Ahang: Selbst wenn sich zwei Menschen lieben und bis zur Eheschließung enthaltsam waren... wenn nur einer der beiden untreu wird (wofür der Partner nichts kann), besteht ohne Kondom auch in einer kirchlich tolerierten sexuellen Beziehung hohes Ansteckungsrisiko.
@Flocke84 "wenn nur einer der beiden untreu wird (wofür der Partner nichts kann), besteht ohne Kondom auch in einer kirchlich tolerierten sexuellen Beziehung hohes Ansteckungsrisiko. "
19.03.2009, 09:28 von LudwigMartinIn dieser Frage hat der Papst vor kurzem eingelenkt: zum Schutz der Ehefrau wird das Kondom inzwischen nicht mehr negativ bewertet, da die Kirche mittlerweile die Funktion der Sexualität als beziehungsstabilisierend neben der reinen Fortpflanzung erkannt hat.
Wenn der Vater der 8jährigen ein Kondom bei seinem Seitensprung benutzt hätte (oder nicht mit einer fremden Person geschlafen hätter), hätte er seine Tochter nicht auf Anraten eines Schamanen vergewaltigt. (Gilt auch, wenn er sich durch seine Frau infiziert hat: Hätte sie eins benutzt...)
18.03.2009, 17:56 von Charlie_BWenn ich Leute darüber informiere, dass der Airbag sie bei 200km/h nicht retten kann, zerstöre ich keine Leben. Ich kann auch sagen: "Airbag haben mehr Leben gekostet als gerettet" (Stimmt, weil Kindersitze auf dem Beifahrersitz befestigt wurden, was das Kleingedruckte vom Kindersitz und Auto verbieten)
Wenn die Leute daraufhin ihre Airbags ausbauen lassen (und am besten auch die Gurte ("besser nach drausen geschleudert werden als im Auto verbrennen"), bin ich übers Ziel hinausgeschossen. So wird meine Aussage destruktib, ja tödlich.
Und um beim Auto-Beispiel zu bleiben: Vor manchem können wir uns nicht schützen, so lange wir uns falsch verhalten. Richtig! Aber wir legen ja auch unseren Gurt nicht an, weil wir gegen eine Mauer fahren wollen, sondern weil wir nicht wissen, was mit uns passiert! Wenn jemand uns die Vorfahrt nimmt und wir nicht mehr bremsen können, schützt uns der Gurt nicht vor unserem Fehler, sondern vor den Fehlern des Anderen.
Es tut mir leid, dass ich so viel geschrieben habe, aber das musste ich mal sagen!
@Charlie_B
19.03.2009, 17:28 von LudwigMartinIst okay, Deine Beiträge sind gut und wesentlich überzeugender als der empörte Aufschrei von Frau Roth beispielsweise.
Ich teile ja die Auffassung des Papstes auch nicht unbedingt. Aber in Deinen Beiträgen versuchst Du, sie nachzuvollziehen und das fehlt oft.
Die Kirche geht lieber von konsequenten Grundsätzen aus als dem Pragmatismus zu frönen. In der Kondomfrage müßte sie dabei über ihren Schatten springen (die Kirchenführung), weil sie hinnehmen müßte, daß das beziehungsschädigende Verhalten weitergelebt wird und sich lediglich die AIDS-Opferzahl grob verringert.
Und der Aufschrei des westlichen Welt ist aus meiner Sicht auch oft doppelmoralig. Er klingt stets so angepißt, als ob der Papst in ihrem Schlafzimmer sitzen und rummaulen würde. Viele fühlen sich diskreditiert und persönlich angegriffen.
Darum geht es aber nicht.
Es geht um Afrika.
Ich gebe zu, ich habe einen Artikel erwartet, bei dem ich aus vollen Rohren zurückfeuern kann. Den habe ich aber nicht gefunden. In vielen Punkten kann ich sogar folgen.
18.03.2009, 17:54 von T-AABER: Ich habe große Bauchschmerzen damit, vorallem vor dem Hintergrund, dass wir in Deutschland einen Trend erleben, dass die Benutzung von Kondomen vorallem bei jungen Menschen rückläufig ist. Und noch größere Bauchschmerzen habe ich mit Deiner Aussage zu dem kleinen Mädchen, das - hätte der Vater ein Kondom benutzt - zumindest ein "Problem" weniger hätte.
Für mich stellt sich auch die Frage, was aus den Sätzen des Papstes, wenn er sagt, dass Kondome das Problem verschärfe, gefolgert werden soll? Keine Kondome mehr zu verteilen? Ist das die Lösung?
Wir haben hier einige Probleme die sich überlagern:
18.03.2009, 17:45 von Charlie_B-Kirchliche Lehre: "Seid fruchtbar und mehret euch!" Sex dient zur Fortpflanzung und um den Kindern eine gute Chance fürs Leben zu geben soll das in der Ehe stattfinden, am besten in einer katholischen Ehe. Das geht nur ohne Kondome. Und wenn man erst enthaltsam und dann treu ist, braucht man (in der Regel) vor AIDS keine Angst haben. In sich logisch (niemand würde behaupten, dass die Kirche dumm ist), aber mit der Neigung der Menschen Fehler ("Sünden") zu begehen, tödlich.
-Was einzelne Personen unter Liebe verstehen. Wer liebt seinen Partner? Wer liebt seine Eltern? Und was ist der Unterschied zwischen diesem und jenem "lieben"??
"Deus est caritas" bedeutet nicht: Gott ist Liebe und Verlangen, sondern Gott ist Nächstenliebe! So sieht die Kirche ihn: Als den allmächtigen, gütigen Vater, der uns wie seine Kinder liebt und ihnen ihre Fehler verzeiht. Und wenn wir ihm mit Nächstenliebe dienen, zeigen wir unseren Glauben und unsere Hingabe.
Die Grünen sehen sich in der Tradition der 68er, sollen sie ruhig. Diese haben mit der "freie Leibe", das Zusammenleben ohne Trauschein, den häufigen Wechsel von Partner (heute nennt sich das kurz: ONS) bzw. die "offene Beziehung" gemeint. Insofern hat Frau Roth Recht.
Wenn man unter Liebe die feste Bindung und Treue in einer Ehe versteht, dann hat die Autorin des Texts Recht. Auch diese Liebe wird von der Kirche eher hingenommen als gefördert. "Wer heiratet tut gut, wer nicht heiratet (und keusch bleibt) tut besser" schreibt der Apostel Paulus. Und die Kirche hat es lange Zeit so gehandhabt: Keinen Sex am Freitag, am Sonntag, am Mittwoch und in der Fastenzeit; nur nach der Eheschließung und nur um Kinder zu zeugen; am besten auch noch ohne Spaß dabei.
-Die desolaten Zustände in (weiten Teilen von) Afrika.
Der Glaube ist häufig nicht besonders ausgeprägt, sonst würden die Leute nicht zu Schamanen gehen, die ja auch eine religiöse Funktion haben.
Die Bildung ist in einem desolaten Zustand, sonst würden die Leute über AIDS und die Übertragung bescheid wissen.
Der Staat ist häufig korrupt, ineffektiv und unbeliebt. Die Kirche hat eine funktionierende Hierarchie, die Piester und Ordensleute bemühen sich redlich und sind häufig Ansprechpartner von Hilforganisationen.
Wie sollen die Leute da glauben können, Kondome könnten die Ausbreitung von AIDS einschränken, wenn der Staat sie verteilt und die Kirche sie verbietet?!?
In Afrika herrscht (teilweise) eine völlige Doppelmoral: Die Frauen kümmern sich um ihren Mann, seine (und ihre) Kinder, das Haus, das Feld oder den Marktstand. Der Mann ist für das Grobe zuständig: Häuserbauen, Jagen, Geschäfte in der Ferne. Wenn er dann weit weg ist, kann er sich ja mal eine Hure gönnen, seine Frau ist ja nicht da. Und weil die Ausbreitung von AIDS umstritten ist (zumindest in Afrika), meint er nach einer heißen Dusche, er habe sich nicht anstecken können. Wenn er homosexuell veranlagt sein sollte, geht er seiner Neigung im Geheimen nach. Und wenn er dann zurückkehrt steckt er seine Frau an.
Räuberbanden und Rebellen entführen in Kriegen gerne mal Jung Frauen und Mädchen, vergewaltigen sie und lassen sie wieder frei: Biologische Kriegsführung auf afrikanisch.
Welche Frau, die vergewaltigt wurde, wird die öffentliche "Schande" riskieren und ihren Mann vor einer möglichen Infektion warnen?
Die Warnung vor Kondomen wird in Afrika noch viele Leben kosten, schuldige wie unschuldige. Wie die Kirche das vor Gott verantworten will, weiß ich nicht.
Anmerkung: Alle "Vorurteile" die ich von Afrika habe, habe ich aus Gesprächen mit Leuten die vor Ort waren. Oft habe ich von den Misständen auf Seiten des Staats und auc der Hilfsgesellschaften, vom Einfluss der Kirche und der Doppelmoral gehört. Die meisten wollten ihre Erfahrungen nicht laut äußern, um nicht als "Rassisten" oder "Neokolonialisten" zu gelten. Aber in den Gesprächen kamen sie um die Zustände nicht herum.
mit dem verteilen von kondomen lehrt man keine verantwortung.
18.03.2009, 16:30 von MisterGambitda hat er schon recht.
ich weiß nicht, wie es in afrika so ab geht, ich war da nie und auf ein paar bilder aus den medien kann ich meine meinung nicht stützen. soweit ich seine argumentation nachvollziehen kann, stimme ich ich ihr aber zu.
@MisterGambit
18.03.2009, 16:44 von LudwigMartinMir fehlt auch der Hintergrund, um 100%ig dafür oder dagegen zu stimmen. Aber man kann aus dem Text ersehen, über welche Punkte man bei der Bewertung der Frage nachdenken und sich informieren müßte - bevor man pauschal verurteilt.
"Von diesen zehn sind drei geplatzt. Andere Erfahrungen?"
18.03.2009, 16:24 von derHerrMitDemPixelJa. Nachdem ich erstmal den Dreh mit den Dingern raushatte ist praktisch keines mehr gerissen, geplatzt...usw. usf. .
Ansonsten...der Argumentation kann ich im Kern soweit folgen...zwar ist gerade das Beispiel mit der Vergewaltigung ein bischen sehr schlecht...aber naja.
Bleibt dann allerdings anzumerken, dass
der Papst sich häufig sehr unbedacht äussert. Vielleicht ist's Kalkül um kontroverse Diskussionen anzuregen.
Glaube ich aber nicht. Sein Habitus entspricht dann doch
dem eines dogmatischen Katholikenknochens. Könnte ja auch kaum anders sein....sonst wär er kein Papst.
Davon ab : Sich gegen Kondome auszusprechen ist, obwohl wir jetzt ja alle wissen wie's der Papst tatsächlich gemeint haben soll, auch keine besonders gelehrte Herangehensweise. Denn kein Kondom ist erst recht
keine Lösung, aber mit absoluter Sicherheit eine neue
Infektion. Man könnte versucht sein dem Papst hier eine gewisse Fahrlässigkeit zu unterstellen...
Ein katholisches Moralverständnis würde hier natürlich
wahrhaft Wunder wirken. Da das katholische Moralverständnis für eine Gesellschaft ein, leider Gottes,
genauso unüberwindbares Hindernis bleibt, wie jede
andere Utopie, muss man sich wohl oder übel an die finsteren Realitäten halten : Menschen haben Sex und kümmern sich dabei mal gerade nicht um Gott und den Papst. Und bei 'ner Pandemie wie Aids gehört da gefälligst ein Gummi dazu...
Aber der Papst muss eben tun, was der Papst tun muss.
Und -mal ehrlich- mir würde irgendwie was fehlen, wenn
der nette KatholenOpi nicht immer mal wieder was zum Stand der Dinge sagen würde. Ein bischen reaktionär muss er schon sein, der Gute. :).
Werden Kondome grundsätzlich erlaubt, zugelassen, bedarf es keiner Enthaltsamkeit mehr. Das Suchen der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage findet nicht statt bezioehungsweise wird das Finden immer schwieriger.
18.03.2009, 15:38 von netterNach Aussagen in dem Buch "Zu Fuß durch Afrika" ist Aids ein Problem von vielen in Afrika und wird dort nicht unbedingt auf den geschlechtsverkehr zurückgeführt.
Treue hat ihren lohnenswerten Preis.
@netter Ich frage mich allerdings, wie man bei Familienvätern, die ihre Töchter auf Schmanenaufruf hin vergewaltigen, von Treue sprechen kann.
18.03.2009, 15:44 von frl_smillain Afrika ist AIDS natürlich nicht nur ein geschlechtsverkehrstechnisches Problem, aber die Trümmerfrauen mussten früher auch jeden einzelnen Stein wegräumen und hatten nicht den handlichen "Ich spreng mir alles sauber mit einem Arbeitsschritt"-Sprengsatz dabei.
@frl_smilla Das ist kein Kondompoblem, sondern ein menschlich verwerfliches, egal ob Vater oder ein anderer Erwachsener sich an Kindern vergeht.
18.03.2009, 15:49 von netterDie Trümmerfrauen lassen wir mal aussen vor.
@netter frl.
18.03.2009, 15:54 von netterAusserdem herrscht in verschiedenen Gebieten in Afrika der Glaube, dass der,m der eine Jungfrau vergewaltigt, rein von anderem Übel wird.
Nur weil Kondome nicht hundertprozentig sicher sind heißt es noch lange nicht, dass man automatisch darauf verzichten soll. Oceaneyes hat recht, dass es besser als nichts ist.
18.03.2009, 15:16 von frl_smillaUnd die Zeit, die ich darauf verwende, die Leute moralisch zu bearbeiten, kann man sehr wohl nutzen und predigen, dass Kondome genutzt werden sollen.
Im Übrigen ist AIDS keine Epidemie sondern eine Pandemie.
Und wenn die Kirche nun anfängt, gegen ihre Moral FÜR Kondome zu propagieren, dann ist das nicht verwerflich, sondern vielleicht auch ein gewisser Grad an Moderne, der erst mal nicht zu verurteilen ist.
Ich zitiere dich:
"Ich persönlich hätte überhaupt keine Bauchschmerzen, wenn in Afrika von staatlicher Ebene aus Kondome propagiert und verteilt würden - ich zweifle an der Wirkung, aber würde das nicht schlecht finden. Jedoch die Kirche sollte das schön bleiben lassen, da einen die moralischen, ethischen und theologischen Widersprüche in die man sich dadurch begibt schnell unglaubwürdig machen würden."
Was ist das Problem? Jeder bleibt in seiner Ringecke und kümmert sich nur noch um seine Belangen? Wenn das so gefordert ist, gibt es auch keinen Grund für den Papst, nach Afrika zu reisen.
Ich habe den Eindruck, dass du sehr emotional auf jede Kritik reagierst, die den Papst betrifft und du dich irgendwie persönlich angegriffen fühlst.
@frl_smilla Aha - da hätten wir endlich mal eine Schublade in die ich reinpasse :-) . Ich reagiere sehr emotional darauf, wenn Dinge behauptet werden, die einfach nicht stimmen. Und das bemerke ich halt hauptsächlich in den Bereichen, in denen ich mich auskenne.
19.03.2009, 06:48 von rufuszofenluderAllerdings versuche ich dann zu erklären, warum sie nicht stimmen.
Du hast auch meine Aussage falsch verstanden - sie fußt auf dem von mir ausgeführten Argument, dass Kondome gegen AIDS nichts bringen. Die Regierungen in Afrika können meinetwegen auch Regentänze gegen AIDS aufführen - es hilft nur nichts. Nur ein nachhaltiger gesellschaftlicher Sinneswandel kann diese Pandemie - danke für die richtige Verbesserung - stoppen. Und dieser Sinneswandel kann in Afrika nur von der einzigen funktionierenden zivilgesellschaftlichen Infrastruktur aus geschehen: Von der Kirche aus.
@oceaneyes Das sind natürlich ernstzunehmende Argumente - und gerade Deine letzte Anmerkung zum Schutz innerhalb der Ehe kann ich nur unterstützen. Dennoch finde ich es wie beschrieben problematisch zu sagen, dass die Leute "wenigstens" Kondome benutzen sollten. Denn meiner Ansicht nach stoppt das nicht die Ausbreitung von AIDS sondern wiegt die Menschen in falscher Sicherheit. Prinzipiell geht Deine Bemerkung auch in die Richtung, dass das Problem so immens ist, dass man keine Zeit für eine wirklich nachhaltige Lösung hat und darum eine schnelle Lösung bevorzugt werden müsse. Wenn Du die Frage auf andere Nachhaltigkeits-Probleme wie z.B. Klimaschutz überträgst werden Dir die argumentativen Schwierigkeiten schnell auffallen...denn Nahhaltige Veränderungen sind nun mal nur sehr bedingt durch kurzfristige Handlungen zu bewirken.
18.03.2009, 13:15 von rufuszofenluderUnd noch ein Gedanke: Der Papst wendet sich an die KIRCHE in Afrika und das ist auch gut so. Die Politik ist an seine Weisung nicht gebunden. Ich persönlich hätte überhaupt keine Bauchschmerzen, wenn in Afrika von staatlicher Ebene aus Kondome propagiert und verteilt würden - ich zweifle an der Wirkung, aber würde das nicht schlecht finden. Jedoch die Kirche sollte das schön bleiben lassen, da einen die moralischen, ethischen und theologischen Widersprüche in die man sich dadurch begibt schnell unglaubwürdig machen würden.
@oceaneyes
18.03.2009, 15:29 von LudwigMartinWas ist ein "normales Liebesleben", welches bei jedem Menschen "anders" ausgeprägt ist - vor dem Hintergrund des Sexualpraxis-Unterschiede in Europa und Afrika?
Beachtet bei der Frage sollte werden, daß es ein Einlenken der kirchlichen Meinung bisher an der Stelle der Ehepartnerschaft gab: ein infizierter Ehemann darf/soll sehr wohl Kondome benutzen, um seine nicht infizierte Ehefrau zu schützen.
Sprich: es ist zumindest kein Pauschalurteil, sondern die Kirchenspitze macht sich schon im Detail Gedanken und es sich nicht einfach.
Man muß die Meinung nicht teilen, aber sollte wenigstens anerkennen, daß der Papst nicht leichtfertigt redet und handelt.
@oceaneyes Teile Deine Definition für mich auch.
18.03.2009, 16:13 von LudwigMartinBei dem, was meine Wahrnehmung hinsichtlich der "Normalität" (Norm ist nicht das, was Du gut findest, sondern das, was verbreitet und anerkannt ist) in Afrika erreicht, gibt's da große Unterschiede.
Sex ist in der Männerdomäne auch Machtausübung. Den Begriff "Vergewaltigung in der Ehe" wird es in Afrika sicherlich nicht geben (für mich ist er als Straftatbestand selbstverständlich). Sexuelle Treue (hierzulande einer der höchsten, allgemein anerkannten Werte) kann dort nichts bedeuten, wenn sich Ansteckungen vorrangig über die Sexualkontakte häufen. Vergewaltigungen, Unzucht und das Vergehen an Minderjährigen (in Europa alles Straftatbestände) sind verbreitet und legitimiert, wie der Autor und netter anführt.
Findest Du nicht, daß es eine Farce ist, von "Freiheit und Selbstbestimmung" zu sprechen und mit ner Art Rosinenbomber zur Gewissensberuhigung Kondome über Afrika auszuschütten?
Und eine Institution schlimmstens zu diskreditieren, die eine Veränderung in der Gesinnung herbeiführen möchte?
@oceaneyes
18.03.2009, 16:55 von LudwigMartinNein, der Artikel richtet sich aber gegen Diskreditierungen, die mit dem Argument "Die Kirche hat sich aus Sexualfragen rauszuhalten" einhergehen, welches seinerseits natürlich auf einem Verständnis von sexueller Selbstbestimmung und Freiheit basiert.
Ich wollte prägnant darauf hinweisen, was unsere Anwendung von Freiheit in Gesellschaften bedeutet, die unsere Vorstellungen längst nicht teilen.
Konkret: Die Zurückhaltung der Kirche aus Respekt vor der sexuellen Freiheit würde das Patriarchat und die Unterdrückung von Frauen und Kindern in diesen Gesellschaften unterstützen.
Ich wollte eigentlich darauf hinaus, daß die Normalität in Afrika nicht dem entspricht, was wir als normal empfinden, was die Freiheit und Unversehrtheit ALLER Beteiligten einschließt.
@[Benutzer gelöscht]
19.03.2009, 09:22 von LudwigMartinSorry, ich hab die Anführungszeichen vergessen, es müßte "sexuelle Freiheit" heißen - denn das, was da herrscht, bedeutet lediglich Freiheit der Männer, so mein Eindruck.
Das mit der NPD hab ich nicht verstanden...