Wie entsteht Gewalt?
"Mit welcher Leichtigkeit Nachbarn einander umbringen"
So beschreibt eine Freundin meiner Eltern ihre schreckliche Erfahrung, als sie zum ersten Mal afrikanischen Boden betritt und in Mosambik der Bürgerkrieg tobt.
Grausamkeit ist keine afrikanische Besonderheit. Wer Europas Geschichte kennt, weiß, dass Hochmut hier fehl am Platz ist.
Gelegenheit macht Diebe, heißt es im Volksmund, und ähnlich verhält es sich wohl mit der Gewalt: Gelegenheit macht Gewalt, so könnte man sagen. Oder, anders formuliert, Menschen quälen und töten, nicht weil sie müssen, sondern weil sie es dürfen. Oder sie üben Gewalt aus, weil sie einer großen Idee dienen wollen. Oder sie tun es einfach, laufen Amok und kein Experte kann erklären, warum.
Ein gutes Beispiel hierfür ist der Film “Das Experiment”:
Zwanzig junge Männer werden für ein zweiwöchiges Psycho-Experiment engagiert. Sie sollen in einer simulierten Gefängnissituation die Rollen von Häftlingen und Wärtern übernehmen. Unter den Testpersonen ist auch der ehemalige Journalist Tarek Fahd, der sich von diesem Experiment eine spannende Story verspricht. Doch genauso wie alle anderen Teilnehmer wird auch er von der Dynamik der Ereignisse mitgerissen. Er zählt zu den Häftlingen und seine bewussten Provokationen prallen auf den Sadismus einer der Wärter und führen letztlich zu einer völlig wahnwitzigen Eskalation. Das Experiment entgleitet den Wissenschaftlern und verwandelt sich in einen Kampf um Leben und Tod.
Vorbild für Mario Giordanos Roman und die Verfilmung war ein reales Experiment, das 1971 an der Stanford University durchgeführt wurde und schon nach wenigen Tagen abgebrochen werden musste.
Der Film gibt einen sehr schockierenden Überblick über die Entwicklung menschlicher Aggressionen, bis hin zur Eskalation. Das gleiche Schema ist immer wieder in der wirklichen Welt zu beobachten. Alles beginnt mit geistigen Diskrepanzen, welche zu psychologischer Streitsucht führen. Da es offenbar ein Instinkt des Menschen ist, sich dagegen mit noch mehr Aggression zu wehren, steigert es sich immer weiter, bis die Grenze zur körperlichen Offensive durchbrochen wird.
„Das gern verleugnete Stück Wirklichkeit ist, dass der Mensch nicht ein sanftes, liebebedürftiges Wesen ist, das sich, höchstens, wenn angegriffen, auch zu verteidigen vermag, sondern dass er zu seinen Triebbegabungen auch einen mächtigen Anteil von Aggressionsneigung rechnen darf. Infolgedessen ist ihm der Nächste nicht nur der mögliche Helfer und Sexualobjekt, sondern auch eine Versuchung, seine Aggression an ihm zu befriedigen,(...) ihn zu demütigen und zu töten.“ Das ist es, was uns der liebe Herr Freud zu diesem Thema sagt.
Doch auch schon andere Philosophen wussten: Menschen tun Menschen Böses an. Der Mensch ist des Menschen Wolf.
Wir lernen also, dass eine Welt ohne Gewalt, Illusion ist. Und dennoch: Wir müssen alles tun, was in unserer Gewalt steht, um Gewalt abzuwenden. Siegmund Freud versucht dies mit Kultur. Sie müsse alles aufbieten, um den Aggressionstrieben der Menschen Schranken zu setzen, ihre Äußerungen durch psychische Reaktionsbildungen niederzuhalten.
Doch das allein reicht nicht aus, so zeigt es uns die Vergangenheit. Wir müssen nach Erklärungen suchen und erkennen, dass wir vieles nicht erklären können. Hüten sollten wir uns vor der Sehnsucht nach einer Zeit, die gut war.
Die gab es nämlich nie."Wichtige Links zu diesem Text"
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Kommentare
Dass der Mensch instinktiv zur Aggression neigt, ist eine gewagte These. Intinktiv vorhanden ist die defensive Aggression, sich - im schlimmsten Fall mittels eines Mordes selbst zu verteitigen. Der primitive Mensch lebte durchaus friedlich. Selten kam es zu einem Krieg aufgrund von Eroberungszügen, weil diese oft aus religiösen Gründen an einen Ort gebunden waren und es ferner nicht nötig hatten, ein weiteres Territorium für sich in Anspruch zu nehmen, - abgesehen davon, dass es zu dieser Zeit (oder auch zur heutigen Zeit bei primtiven Völkern) keinen festgelegten Wert an Gegenständen gab (Geld beispielsweise), insofern kein wirkliches Besitztum herrschte, was eben zur heutigen Zeit, religiöse Gründe außer Acht gelassen, Grund für Gewalt oder Krieg ist. Die Geschichte zeigt, je mehr sich die Menschheit vom Primitven abwändtet, steigt auch die Zahl der Kriege. Macht. Besitztum. Aber dort kann man wiederum nicht auf jeden einzelnen Menschen schließen, er sei von Grund auf gewalttätig. Viel mehr sollte man der Frage nach gehen, inwiefern der Mensch durch äußere Umstände zu beeinflussen ist wie beispielsweise Moralvorstellungen, Staat oder jegliche Form von Hierarchieebenen. Nennenswert wäre zusätzlichen zu dem Stanford-Experiment das Milgram-Experiment (http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment).
29.05.2009, 14:10 von I-Am-Hollywood