Where the people have no names
Millionen von Jahren Evolutionsgeschichte und trotzdem gibt es Dinge, die sterben nie aus: Hausnamen sind so ein wundervolles Phänomen.
Da gibt man sich so viel Mühe es seinen Mitmenschen und dem Postboten möglichst einfach zu machen: übernimmt bereitwillig den Namen seines Partners bei der Hochzeit – damit nur ein Name auf dem Klingelschild steht -, gibt überall brav die Adresse an, der Name wird extra noch mal buchstabiert: „Schmidt mit „dt“, nicht mit „tt“, bitte.“
Unnötiger Aufwand eigentlich, denn das Problem bleibt dasselbe: Auf dem Land sind alle amtlichen Adressen und Namenszugehörigkeiten nutzlos. Das System funktioniert wie früher: An der Haustür steht zwar „Schmidt“, unsichtbar über dem Haus hängt aber ein anderer Name: Harms, Rumken, Dirks… Die Beziehung von Hausnamen und Bewohnern ist für Außenstehende nicht immer gleich ersichtlich – das liegt daran, dass es meistens keine gibt. Trotzdem bekommen ihn alle Bewohner eines Hauses übergestülpt. Eine mehrschichtige Lage aus Namen und mit ihm eine Decke von Vorurteilen, die damit verbunden sind. Darunter eingegraben der eigene Name. Natürlich nur der Vordere – Zunamen zählen nicht. Das macht Sinn: Wechseln die Bewohner eines Hauses muss man sich nicht mühsam neue Namen merken, man stülpt einfach den alten über. Das Gesicht dazu merken und fertig ist das neue Paket.
Was also tun mit der ganzen eigens erkämpften Identität, die unter einem muffigen Mantel von Namen liegt, der seit Jahren im Schrank des Hauses hängt? Man versucht zu rebellieren: nennt in der Nachbarschaft, am Telefon, im Einkaufsladen seinen eigenen Namen immer zuerst – und läuft gegen eine Wand. Nach der fünften verdutzen Nachfrage dann Aufgeben: „Wer sind sie nochmal?“ „Harms Nina.“ Fragender Blick. „Von Harms Manfred.“ Fragender Blick. „Dem Sohn von Harms Hermann.“ Volltreffer: Erkannt und zugeordnet!
„Achso, warum sagst du das denn nicht gleich?“
Ja, warum eigentlich nicht? Weil man man selbst sein will! Weil man den Namen, mit dem man sich da schmückt oft gar nicht kennt! Und trotzdem tut man es täglich wieder. Das Gute stückt wird aus dem Schrank genommen, entstaubt und widerwillig mitgenommen – immer bereit es wieder rauszukramen.
So funktioniert das System am besten.






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