leno 23.01.2008, 19:43 Uhr 3 6

Weil uns alles eher langweilt.

Ein gescheiterter Versuch einer Generationsbeschreibung.

Es war auch nicht das Erste Mal. Ich kenne das schon. Aber weil es so klein war, war es vielleicht wichtig. Eigentlich wollte ich auch schon längst im Bett sein, da am Dienstag, aber irgendwie ging ich doch noch zu Juli und Paul war auch schon da. Er hatte Jägermeister und Bier dabei und Probleme mit seiner Freundin. Auf Youtube hörten wir Songs aus Filmen und Juli drehte jedem Zigaretten.
Es war Nacht und reden und wie es eben so ist. Es war reden über Liebhaber, die sich nicht melden und Geschichten, die wir schreiben wollen und es nicht tun. Es ging darum, warum wir morgens nicht aufstehen und warum es uns eigentlich nicht interessiert, was übermorgen ist. Es ging um ein Gefühl, das so vage ist, dass man es kaum fassen kann, kaum fühlen. Dabei liegt es auf allem, wie Staub oder Schnee oder etwas, das man in der Nacht vorher verschüttet hat.

Paul erzählte von seiner Freundin, von der er nichts mehr wusste. Er machte sich Sorgen, weil er angefangen hatte ihr weh zu tun und es ihm egal war. Er hat Angst, sagte er. Davor, vor sich und diesem Gefühl in dem er nichts fühlt.

Juli erzählte von den Menschen in ihrem Bett, die ihr nichts ausmachten und davon wie sie sich schneiden würde, wenn sie nicht trinken würde. Sie sagte, mein Herz ist gebrochen und das ist mir egal. All das hier, dieses studieren und dieses, das ist mir egal. Sie wollte die Stadt verlassen, hin zu einer größeren, dort wo mehr ist.
Und ich fragte sie, was sie denn dort tun würde. Sie kann nicht noch mehr trinken, noch mehr tanzen, sie auch kann auch nicht mehr schlafen. In anderen Städten würde sie nicht mehr finden als das hier. Hier, wo wir allein mit uns sind und uns nicht helfen können.

Marla hat es in den Wahnsinn getrieben und sie ist nicht mehr allein, weil sie jeden mit nach Hause nimmt. Das hält sie vom schreien nicht ab und ich erinnere mich an die Nächte, in denen sie weinte unterm Küchentisch und danach doch noch tanzen musste. Sie meint sie kann ihren Schmerz nicht mehr aushalten und alles tut weh, jedes. Und wenn sie fragt, warum sie es nicht anders macht, dann geht es nicht.

Ich bin daran gewöhnt, an eine milde Langeweile und etwas dem alles egal ist. Und weil es egal ist, mache ich einfach weiter, weil auch das keinen Unterschied macht. Und weil ich weiß, dass es auch anders geht. Ich habe Wege mich wach zu halten und Dinge die ich ändern kann. Ich fange an Birnen zu essen oder einer unsinnige Obsession nachzugehen. Ich schreibe Listen und lege mich auf den Boden um es anders zu sehen.

Aber was ist das. Dieses, das ich schon sooft gehört habe, von vielen Menschen. Dieses Gefühl, das nicht viel mehr ist als ein Hintergrundgeräusch. Es ist nicht Trauer, dafür lachen wir zuviel und es ist keine echte Langeweile, dafür passiert zu viel. Aber es ist etwas, das auffällt wenn man zuhört.

Wir haben alles. All dieses aus Büchern. Wir haben Sex und Drogen, und Leben und Freiheit, wir haben Nächte und Sterne und wir sind jung. Ich kann mir vorstellen, wie es von außen aussieht. Wie arrogant, oder sinnlos oder wehleidig. Wie verwöhnt wir wirken müssen. Aber wir können nicht anders. Und wir beginnen große Worte zu nehmen, die wir nicht verstehen können. Weil wir nicht begreifen was es ist, das fehlt und dessen Fehlen so offensichtlich ist. Es muss doch etwas heißen, wenn wir dastehen und anders sein wollen und es nicht können.

Zur Hölle mit Generation Praktikum, das hat nichts mit uns zu tun. Das ist sowenig. Wir sind mehr, es gibt mehr dieses hier, dieses und meine Freunde, das ist mehr, das ist schlimmer weil es nicht so ist, weil es das schon lange nicht mehr gibt.

Nur welches Wort wir sind, wie wir uns fangen können, das wissen wir nicht. Wir sind Generation 0 + X und auch das nicht einmal wirklich.

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3 Antworten

Kommentare

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    Guter Text. Finde ich. Soviel wahres. In Worten und Bilder die mir gefallen. Soviel Verlorensein.

    10.02.2008, 11:48 von roxanne
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    was fuer ein ausserordentlich praeziser text. dabei spielt es keine rolle, wie groß die menge der individuen ist, die sich in diesem gefuehl gefangen findet.
    ich danke fuers veroeffentlichen. es war eine freude, das zu lesen.

    23.01.2008, 20:25 von neongolden
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