picassu 30.11.-0001, 00:00 Uhr 4 0

Was zählt eigentlich im Leben?

Wenn ich dich jetzt am Anfang frage, was zählt eigentlich in deinem Leben? Was brauchst du? Was macht dich glücklich? Was würdest du antworten?

Einmal mehr ist mir klar geworden, wie wenig doch unser Geld, unser Status und unser Äußeres unser Glück ausmacht.

Ich möchte euch mitnehmen zu einer Begegnung, die mich zum Nachdenken gebracht hat.

Wenn ich dich jetzt am Anfang frage, was zählt eigentlich in deinem Leben? Was brauchst du? Was macht dich glücklich? (Du kannst es gerne in die Kommentare schreiben)

Was würdest du antworten?

Freunde./Familie./Essen. Haus und Sicherheit. Eine feste Arbeit./ Geld.

Was wäre, wenn du das alles nicht hättest?

Es ist ein Samstagabend und wir laufen durch die Straßen. Genauer durch die Septima – dafür ist erstaunlich wenig los. Natürlich sind trotzdem einige Verkäufer da – Schuhe, Kopfhörer, Popkorn, Tee – was auch immer du möchtest, ich glaube du findest es hier. Es begleitet dich durchgängig wechselnde Musik. Wir haben kein bestimmtes Ziel und so sagt Maria irgendwann: „Kommt, ich stelle euch meinen Freund der Straße vor“. Es ist eine lange Geschichte, wie sie ihn kennen gelernt hat – auch schön, doch nicht wichtig für den Moment. Wir laufen weiter und weiter, langsam wird die Straße hässlicher. Wir nähern uns einem nicht so schönen Viertel, deshalb finden sich hier mehr Obdachlose, auf der Straße liegt Müll und auf den Straßen sind Wasser Spuren auch wenn es seit zwei Tagen nicht geregnet hat.

Wir nähern uns einem alten Mann, der gerade auf einer alten Gitarre spielt. Ich kann sein Alter schlecht schätzen, doch er hat weißgraue Haare, einen relativ ungepflegten Bart und ist blind. Was mir auffällt ist, wie gut er angezogen ist, ein Jacket, eine schicke Hose, auch wenn seine Sachen abgetragen sind und ein wenig riechen. Maria kniet sich hin und nimmt seine Hand. „Hola Guliermo. Ich bin es Maria.“ Es braucht ein paar Anläufe, bis er erkennt wer ihn besucht, denn auf dem einen Ohr ist er fast taub. Dann hellt sich sein Gesicht plötzlich auf. „Maria, wie schön!“ Sie stellt uns beide vor und Guliermo drückt auch unsere Hand – seine Art zu sehen, mit wem er spricht. Er beginnt, ihr sein Herz auszuschütten über seine Frau und wir hören zu. Sophia kauft ihm etwas zu trinken und ein paar Chips als Abendessen während Maria seine Hand hält und einfach zuhört. Dann fragt er sie nach ihrem Leben und die beiden beginnen zu lachen wie alte Freunde. Wenn Guliermo einen Witz macht, beginnt auch er selbst so an zu lachen, dass er eine Weile braucht sich wieder zu fangen. Seine Witze sind wirklich gut und er erzählt sie mit Herzen.

Er erzählt uns, wie er nach Kuba reisen will, da er Fidel Castro ähnlich. sieht. Guliermo Castro scherzen wir was ihm gefällt. Er fängt an, ein Lied zu spielen das er für Maria komponiert hat. Die Akkorde sind leicht und der Rhythmus ist ein wenig aus dem Takt. Während er singt, zittert seine Stimme, man merkt wie beansprucht sie ist vom Alter und vom täglichen Singen dort auf der Straße. Doch ich habe eine Gänsehaut und spüre die Tränen in meinen Augen, so berührend ist der Moment. „Die Liebe gibt nie jemand auf in jeder Lage vertraut und hofft sie für andere; alles erträgt sie mit großer Geduld.“ Ich weiß nicht mehr, was er gesungen hat doch es war eine Stimme, die berührt.

Während wir dort hocken und mit Guliermo reden bleiben um uns herum die Leute stehen. Sie fragen sich, was wohl das besondere an diesem Bettler ist. Warum wir dort unsere Zeit verbringen und uns nicht schöneren Dingen widmen an diesem Samstagabend.

Doch Guliermo ist nicht irgendein Bettler. Jemand der von außen so schmutzig und unnahbar aussieht, kann doch innen so schön sein. Die Art, wie er mit uns redete – höflich, unvoreingenommen, nicht urteilend, mitfühlend, aufmunternd. Die Art, wie er lachte und in Gedanken seinen Witz noch weiter auskostete. Und das, obwohl er doch tatsächlich nichts hat.

Ich weiß nicht, was sein Geheimnis ist, dass er das Leben so sehr lieben kann, wenn das Schicksal ihn doch so hart getroffen hat. Ich will davon lernen und etwas mitnehmen.

Wenn er nicht einmal das hatte, was wir als absolut existenziell bezeichnen würden. Essen. Familie. Freunde. Haus und Sicherheit. Arbeit.

Was zählt in deinem Leben?

Was brauchst du?

Was macht dich glücklich?

Was wäre, wenn du das alles nicht hättest?


Tags: Glück, Freude, Bettler, Armut, Sinn, Arbeit
4 Antworten

Kommentare

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    Liebe Menschen um mich.

    Und natürlich NEON...

    12.04.2016, 17:19 von sailor
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Ich finde, das man seine  Grundbedürfnisse schon haben kann. Was ich aber auch wichtig, aber immer seltener finde ist es das man anderen Menschen vertrauen kann. In der heutigen Zeit ist das sehr schwer geworden.

    12.04.2016, 17:00 von bonrollen
    • 0

      Warum ist Vertrauen heute schwerer als früher? 

      19.04.2016, 05:05 von picassu
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  • 1

    Wein, Weib und Gesang...das zählt im Leben.

    12.04.2016, 16:15 von mirror87
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