michalis_pantelouris 30.11.-0001, 00:00 Uhr 31 0

Warum starb Susan Waade?

Eine 26jährige Berlinerin zieht nach Griechenland, um sich ihren Traum zu erfüllen und Sängerin zu werden. Und findet den Tod.

Am Abend des 3. Juli 2007 klingelte die Polizei an der Tür der Familie Waade in Berlin mit der Nachricht, ihre Tochter Susan hätte sich in Athen umgebracht. Es war der Beginn eines Albtraums, der bis heute nicht vorbei ist.

In die Trauer mischten sich Zweifel: Immer mehr Details schienen nicht zu der Geschichte von Susans Selbstmord zu passen. Und dazu kam Wut über Behörden, die einen Fehler nach dem anderen machten und dabei nach Ansicht der Waades rücksichtslos über die Gefühle und Rechte der Angehörigen hinwegtrampeln. Marion Waade, Susans Mutter, setzte Himmel und Hölle in Bewegung, um die wahren Umstände des Todes ihrer Tochter aufzuklären. Heute ist sie überzeugt: Susan wurde umgebracht. Und die Behörden haben so viele Fehler gemacht, dass ihnen heute nicht mehr an der Aufklärung des Falles gelegen ist.

Susan Waade war 26 Jahre alt, als sie starb. Nach Griechenland ging sie der Liebe wegen. Sie studierte dort, unterrichtete Deutsch - aber ihr eigentliches Ziel war es, Jazz-Sängerin zu werden. Und es sah gut für sie aus: Sie hatte Auftritte, nahm ihre ersten Lieder auf. Es gab Ärger in ihrer Beziehung, aber abgesehen davon schien es ihr gut zu gehen in ihrem Abenteuer.

Wie also starb Susan Waade?

Das ist die Geschichte, die wir erzählen wollen: die Geschichte der Menschen, die sich diese Frage stellen, die mit dieser Frage leben müssen, manche von ihnen Tag und Nacht.

Wir haben dazu eine neue Form gewählt, weil sie sich geradezu aufdrängt: Ich werde nach Griechenland fahren und versuchen, mit so vielen Menschen zu sprechen wie möglich, die etwas Sinnvolles zu Susan, ihrem Leben und ihrem Sterben zu sagen haben. Ich werde Akten wälzen und die Orte besuchen, die für diesen Fall wichtig sind - eben das tun, was ein Reporter tut. Aber anders als sonst werde ich nicht nur berichten, sondern möglichst alles, was ich finde, hier zugänglich machen: die Gespräche, die Akten, die Bilder und alles, was ich möglicherweise finde - oder auch nicht. Denn diese Reportage ist tatsächlich live und echt. Es kann sein, dass ich von einer verschlossenen Tür zur nächsten laufe und nichts Neues erfahre. Das ist nicht einmal unwahrscheinlich. Aber es ist auf eine deprimierende Art wahrscheinlich ehrlich: Genau so geht es der Familie von Susan Waade seit drei Jahren.

Am 21. Juli geht's los.

31 Antworten

Kommentare

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    Das hätte ich Euch nicht zugetraut. Enttäuschend. Aber sex and death sell, nicht wahr? Schade, dass das nun auch für Neon gilt.

    Klingt außerdem sehr danach, als ob der "Journalist" sich hier von der Familie instrumentalisieren lässt.

    26.07.2010, 11:59 von bruxelloise
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      @bruxelloise ich finde die berichterstattung, wie herr pantelouris sie gewählt hat, sehr gut. hinzu kommt allerdings auch noch der aspekt der selbstbeobachtung: welche erwartungen habe ich, als leser, jetzt, wie bewerte ich das ganze in 3 tagen usw.? so wird herr pantelouris experiment gleich auch noch zu einem persönlichen. nämlich in wieweit verändert sich die rezeption einer "story" mit zunehmender information.

      die wahl des themas passt dazu durchaus.
      ob das ein thema für die neon.de ist, steht auf einem anderen blatt. das schöne an neon.de im vergleich zur printausgabe ist ja aber, dass diese "fast) nix kostet und man sich deshalb nicht über verschendete seiten ärgern muss.

      29.07.2010, 14:33 von ka.tharina
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    also ich finde das thema spannend. eigentlich habe ich keine ahnung von journalismus, aber nachdem ich mir die kommentare hier so durchlese, stelle ich fest dass ich vielem wiedersprechen müsste.
    woher kommt eigentlich diese grundsatzdiskussion hier? "wie weit darf journalismus gehen? was ist welches niveau?" jetzt lasst ihn doch erstmal schreiben! außerdem scheint es der ausdrückliche wunsch der familie zu sein. in so einem persönlichen fall kann man nicht einfach nach pauschalen antworten suchen.
    ich warte gespannt auf die fortsetzung!

    20.07.2010, 15:43 von isabel_fi
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    Ich kenne Neon nicht (ich bin über den Niggemeier-Blog hierauf gestoßen), kann also nichts über die Passung des journalistichen Kontextes sagen. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist dieses jedoch ein Projekt, welches Herrn Pantelouris selbst sehr am Herzen liegt, und Neon ist nur die Plattform, auf der dieses realisiert werden konnte. Wahrscheinlich haben FAZ, Welt und Süddeutsche schon abgesagt. Vielleicht gehört es auch zur angetrebten Transparenz, die Vorgeschichte und die Konditionen der jetzigen Zusammenarbeit offenzulegen, aber egal.

    Ebenfalls lese ich auch den Kommentaren ein großes Bedürfnis auch die bisherigen Begegnungen mit der Familie und die Umstände, die dazu geführt haben, gerade diesen Fall auszuwählen, nachvollziehen zu können. Vielleicht kommt das ja noch, damit der Leser auf dem selben Stand wie der Autor ist. Mal sehen.

    Abgesehen davon finde ich das Experiment sehr spannend und verstehe es als den Versuch, die Journalistische Arbeit - also das was eh passiert oder passieren sollte, bevor ein Artikel erscheint - zu dokumentieren und dem Leser offen zu legen. Die Zustimmung der Eltern ist hier wohl eher dem Experiment zu verdanken, bzw. der Tatsache, dass durch das Einverständnis auch sehr viel persönlicheres gezeigt werden darf, was normalerweise auf Grund von Personlichkeitsrechten oder dem Pressekodex nicht veröffentlicht wird und so dem Leser nicht zugänglich ist (Es sei den auflagenstarke Boulevardzeitungen sehen darin einen Sensationswerte wie bei "so lebt Kachelmann im Knast").

    Ich finde das Experiment spannend, da die Frage, was ist Wirklichkeit und was nicht, maßgeblich von den Medien mit geprägt wird und im Prinzip am Urteilsvermögen von einzelnen Journalisten hängt. Der Leser kann sich normalerweise auf Grund mangelder direkter Erfahrung kein eigenes Urteil mehr verschaffen und bleibt - im besten Fall - mit einem ausgeprägten Mißtrauen gegenüber Nachrichten und anderen Medienberichtungen alleine gelassen.

    Bei diesem Experiment kann sich nun jeder Leser selbst ein Bild machen. Er ist zwar nicht vor Ort, aber zumindest ein ganzes Stück näher dran an der Wirklichkeit als wenn er nur das Urteil des Journalisten vorgesetzt bekommt. In Fragen der Objektivität kann man Herrn Pantelouris zumindest von Seiten der Konzeption keinen Vorwurf machen. Im Sinne des Konstruktivismus gibt es keine Objektivität, das ist richtig, aber es ist zumindest ein Stück mehr Authentizität - und sei es nur in Bezug auf den Beruf des Journalistens. Ich jeden Fall bin gespannt und würde mich sehr freuen, wenn es die Beiträge auch mittels RSS-Feed zu beziehen gäbe.

    18.07.2010, 20:54 von Maslow
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      @Maslow Den RSS-Feed zur Reportage findet ihr jetzt in der rechten Spalte unter dem bekannten Feed-Logo.

      19.07.2010, 14:09 von Heiko_Bielinski
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    Einer noch nicht geschriebenen Geschichten Niveau-Losigkeit zu unterstellen: Leute, das geht nicht. Zumal der Autor die journalistische Ehtik zum Hauptthema seiner Ankündigung macht. Wartet doch bitte ab, was Michalis erlebt und schreibt, ehe ihr ihn in die Nähe von BILD- oder RTL-Methoden rückt, was immer ihr euch darunter auch vorstellt. Ob ein solches Thema wie Susans Tod grundsätzlich aufgegriffen werden darf, zumal von NEON (Emotionen!, Lifestyle!!, früher war alles besser!!!) ist hingegen eine Frage, die vorab diskutiert gehört: Ich finde: ja natürlich. Seid bitte fair zu unserem Reporter in den nächsten Tagen, auch wenn jetzt schon absehbar ist, dass seine und unsere journalistischen Grundsätze nicht von allen von euch geteilt werden. Beste Grüße aus der NEON-Redaktion, Timm Klotzek

    18.07.2010, 19:04 von Timm_Klotzek
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      @[Benutzer gelöscht] Natürlich nehmen wir diese Kritik ernst, genau so wie der Autor diese Kritik ernst nimmt, das siehst du doch an seinen Kommentaren und seiner Reaktion auf den berechtigten Pathos-Einwand. Und ja, der Tenor hier in den Kommentaren ist eindeutig. Allerdings: Wenn ich mir die Kommentare bei Niggemeier und den anderen Blogs so anschaue, dann ist das alles vielleicht doch nicht so eindeutig. Denn dort gibt es auch zahlreiche Kommentare, und die gehen teilweise in die genau andere Richtung - und das nicht weniger überzeugend. So oder so: Ob der Autor die geäußerten Bedenken zerstreuen kann, ob dieses Thema passend gewählt wurde, ob diese Form eine Alternative sein kann, ob sie überhaupt wirklich neu ist: All das lässt sich letztlich erst hinterher wirklich fundiert bewerten. Und ich finde es nur fair, dem Autor diese Zeit zu geben.

      19.07.2010, 18:29 von Oliver_Kucharski
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    Lieber Michalis Pantelouris,

    jetzt melde mich auch ich mit einem Kommentar und auch auf die Gefahr hin, dass mich jetzt die kritischen Stimmen auf neon.de mit der Tastatur zerreißen: Ich finde die Idee wirklich gut. Warum? - Weil ich wirklich gespannt bin, was raus kommt. Und zwar nicht was bei der Suche herauskommt, sondern wie es Ihnen dabei geht.. Denn was werde ich am Ende des Tages wahrscheinlich lesen? - Dass die Suche mühsam ist? (wirklich?), dass die Leute nicht reden (ach was...), Kommentare verweigern (eeeecht?), Akteneinsichten nicht gewähren (na sapperlot) und dass eine geschlossene Tür, eine geschlossene Tür, eine geschlossene Tür ist. Dass manche was sagen wollen, aber nicht können, dass manche nicht wollen, aber könnten? Ja, wahrscheinlich das alles. Aber vielleicht werde ich auch lesen, wie sie selbst versuchen die Puzzle zusammenzusetzen, wie sie sich an jeden kleinen Fitzel Erklärung oder Spur klammern, neue Leute aufsuchen, Kontakt herstellen, an Sprache (jaja, der Bauer) und Land scheitern, dann doch ein paar Informationen erhalten, ständig überlegen ob sie demjenigen glauben können oder nicht. Ich werde hoffentlich lesen, wie sie querrecherchieren, die urteilenden Experten (Gerichtsmediziner z.B.:) überprüfen, wie sie ihre Phantasie anstrengenden um selber die Puzzlesteine richtig zusammenzulegen und mir so vielleicht ein Bild zeichnen, wie es Hunderten von Menscheng gehen muss, die versuchen auf eigene Faust Licht in einen abgelegten Fall zu bringen. Die von Hoffnung und dem Wunsch nach Aufklärung getrieben sind und gleichzeitig mit riesigen Beamten-Apparate (in Griechenland, na viel Glück) konfrontiert sind.

    Es scheint mir eine Art Stellvertreter Suche (der Mutter?) zu sein? Vielleicht ein Psychogramm? - Quergeschnitten mit der Lebensgeschichte von Susan Waade? - Den Erzählungen von ihren Freunden (sie wird ja Freunde in Griechenland gehabt haben), die sich keinen Reim darauf machen können?/ Dem Bild, das ihr Umfeld von ihr hatte? / Dinge, die sie hinterlasse hat/ Pläne, die sie hatte/ bis hin zu den letzten Spuren von ihr?/

    Wenn sie diese Mosaikstücke in eine moderne Spurensuchen zusammenfassen können (und sie wird rein scheiberisch wohl tatsächlich eine Herausforderung sein), dann Herr Pantelouris, werde ich diese Geschichte aber sowas von lesen.

    P.s.: Wie könnt ihr alle in so kleinen kästchen lange kommentare verfassen? ich seh ja nicht mal den anfang von meinem vorherigen Satz. (jaja, in der Kürze liegt...)

    18.07.2010, 16:38 von MollysWorld
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