berkwerk 30.11.-0001, 00:00 Uhr 11 13

Warum Frauenzeitschriften den Tod ...

ins Haus bringen und Männer nicht zuhören können.

Liebe geht bekanntermaßen erst durch den Magen und dann oft in die Hose.

Diesen schönen Gedanken möchte ich gerne weiter ausführen. Aber nicht so, wie andere ihren Hund, sondern „groß“, im bourgeoisesten Sinne des Wortes.

Ich fahre ihn mit einer Limousine ins beste Restaurant der Stadt und anschließend in die Oper, wo ich uns eine Loge gemietet habe. Die Limousine ist eine solche mit Schlag zum Öffnen, das Restaurant eines mit befrackten Kellnern und Gerichten, wo „jus“ anstelle von Saft aus den Fleischfasern tropft und sich allerlei „`“ und „´“auf der Speisekarte ein Stelldichein geben. Die Oper ist eine ganz normale Oper, die Loge allerdings mit Samt ausgeschlagen. Jawohl – wenn ich einen Gedanken ausführe, dann mit Pauken und Trompeten! Meine Gedanken müssen sich keine Pommes hinterm Autokino reinwürgen! Mit meinen Gedanken gehe ich auch nicht Gassi, meine Gedanken werden verwöhnt und umschmeichelt!

Und es lohnt sich! Schon manche gute Idee wurde gezeugt in den heißen Liebesnächten, welche den Abschluss eines gelungenen Abends zu bilden pflegen. Aber auch wenn es soweit nicht kommt – „einfach nur reden“ oder sich satt und müde in einen hübschen Gedanken zu kuscheln und einzuschlafen kann ja auch mal sehr schön sein.

Und hier liegen wir nun, ins Bett geschmiegt, und regen uns geistig, und prompt gebiert es mir folgende Ausführung in die Laken:

Viele Menschen kramen, weil sie mit der Liebe - salopp gesagt - nicht zu Potte kommen, mindestens zweimal wöchentlich den Bleistiftspitzer aus der Schublade, um mit diesem den Bleistift zu spitzen, mit welchem sie anschließend Seite um Seite von „Fragen Sie Frau Olga“- Fragen nach dem Ob und Wie und Wann der Lieben füllen, um diese hernach an Frau Olga zu schicken. Will man sich die Fragen innerlich aufgewühlt und mit von wogendem Busen mitgerissener Hand von der Seele schreiben, kann man sich zu allem Unglück auch noch den spitzen Bleistift in den Finger pieksen, bekommt eine Blutvergiftung und stirbt.

Wer Glück hat und diese Hürde nimmt, erhält von Frau Olga vielleicht eine Antwort. Auch hier ist Vorsicht geboten. Wer zitternd und erregt die Frau Olgas scharfsinnige Antworten enthaltende Publikation zur Hand nimmt, kann sich an den scharfkantigen Seiten die Finger schneiden und mit viel Pech auch die Pulsadern, und stirbt.

Überlebt man den Vorstoß bis zur ersehnten Antwortseite, nehmen einem eben jene Antworten jede weitere Lust am Leben, denn diese Antworten lauten stets gleich: Warum gibt’s Probleme? Weil Männer und Frauen halt verschieden sind, die einen kommen vom Mars und die anderen können nicht einparken.

Das ist natürlich alles quatsch. Vom Mars kann niemand kommen wegen der viel zu großen Entfernung und der Weltraumstrahlen. Die wären dann alle tot, die vom Mars Gekommenen. Und wer immer und dauernd falsch einparkt, landet zwangsläufig irgendwann im Schuldturm oder im Gefängnis. Dort stirbt man dann vor Kummer, wenn man hört, dass der Liebste beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht ist.

Wer sich also mit diesem Thema befasst, sollte sich, um sein Leben zu retten, nicht von dergleichen Damenzeitschrifts-Hypothesenplüsch beeinflussen lassen, sondern nüchterner Wissenschaftlichkeit Eintritt gewähren ins eigene Hinterstübchen. Diese wird höflich klopfen und sich beim Hereinkommen die Füße abtreten, denn die Wissenschaft ist eine ganz korrekte. Danach biete man ihr einen Kaffee an oder auch einen Tee. Alkohol wird sie verschmähen, denn Rausch ist ihre Sache nicht. Stattdessen präsentiert sie harte Fakten. Wie zum Beispiel die Antwort auf die alte Frage, warum Männer Frauen nicht zuhören können, was anerkanntermaßen – da sind sich alle Frauenzeitschriften einig - einer der häufigsten Gründe für das Scheitern von Beziehungen ist.

Hier haben britische Wissenschaftler eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, die da lautet: Frauen zuhören überfordert das männliche Gehirn.
Über die Frage, wie es zu dieser Entdeckung kam, ist leider nichts verlautbart. Dies ist sehr schade. Zu gerne möchte man sich – jedenfalls dann, wenn man wirklich nichts anderes zu tun hat - Wissenschaftler vorstellen – gerne auch britische Wissenschaftler – die auf der Suche nach wissenschaftlicher Erkenntnis Macheten schwingend durch den Dschungel stapfen, oder solche, die in Taucheranzügen mit Taschenlampen oben auf der Gummihaube in britischen Höhlen herumtauchen, um dort nach der Wahrheit zu fahnden.

Einer dieser Herren – dass es Herren sind, erkennt man daran, dass Bärte aus den Gummianzügen hervorlugen, in denen sich Algen und Muscheln eingenistet haben - signalisiert seinem Kollegen plötzlich mit dem Taschenlampenalphabet: „Heureka, Herr Doktor! Ich glaube, wir sind da einer wissenschaftlichen Sensation auf der Spur! Wenn ich mich nicht sehr täusche, blinkt da hinten unter den Korallen die Erkenntnis hervor, warum ich immer einschlafe, wenn meine Gattin mir berichtet!“ Der Kollege blinkt nassforsch zurück: „Ei der Daus, mein lieber Herr Professor. Ich glaube, dass liegt daran, dass Ihre Frau eine ganz Langweilige ist!“. Sich den dann entbrennenden Kampf der Koryphäen im Froschmannkostüm in einer britischen Höhle vorzustellen, ist ein Quell der Freude, führt aber leider völlig vom Thema weg.

Zurück also zur Entdeckung selbst: Frauen zuhören ist anstrengender, als Männern zuhören. Jedenfalls für Männer So weit so bekannt. Der Grund hierfür ist jedoch, so erläutert der Sieger gebliebene Unterwasserprofessor nach dem Auftauchen, dass die Verarbeitung der weiblichen Stimme aufgrund ihrer im Verhältnis zum Mann ausgeprägteren Modulationsfähigkeit im Gehirn des Mannes mehrerer Gehirnregionen zu ihrer Verarbeitung bedarf als umgekehrt. Der Kopf arbeitet auf Hochtouren, der Schädel brummt – und ermüdet. Des Mannes jämmerliches Organ hingegen kann von wenigen weiblichen Hirnfasern bewältigt werden.

Was die liebe Natur sich dabei gedacht hat, als sie dergleichen zu bewerkstelligen sich gefallen ließ, weiß man nicht.

Die liebe Natur. Ach, sie ist so lieb. Die Natur! Natur! Wirklich.

Aber so ist das mit der Forschung: vieles bleibt unerkannt und unberührt, so wie eine Unterwasserhöhle irgendwo in britischen Gewässern, in der ein toter Doktor treibt.
Welche Schlussfolgerung sollte man hieraus nun ziehen? Am besten gar keine. Frau Mund auf, Mann Ohrenstöpsel oder Kopfhörer rein – falsch. Kann man probieren, sollte man aber nicht. Gibt Krieg.
Was tun also?
Das Selbe wie Frauen beim Sex: beteiligt aussehen und an was anderes denken.

Das Thema Liebe und Männer und Frauen und Frauenzeitschriften und Sex und Tod ist damit natürlich keineswegs erschöpft.
Ich aber schon, weswegen hier Schluss ist.
Für diesmal wenigstens.
Ich habe ja auch noch anderes zu tun.
Frau Olga wartet schließlich.

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11 Antworten

Kommentare

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    Welch Wortzwitz... großartig

    29.05.2008, 23:04 von Sturmkind
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    *muhahahaha!* Köstlich! Und mal ehrlich: Hatten wir es nicht irgendwie schon immer geahnt...? :-)

    22.02.2008, 12:16 von 3xschwarzerkater
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    *applause* mit "`" und " ' ".Ich bin sowas von beigeistert..ich lese jetzt alle deine Texte.Ich würde dich sogar mit Bananen bezahlen.

    01.04.2007, 09:41 von funkyDarmzotte
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    Hihi!

    "beteiligt aussehen und an was anderes denken." - meine Methode! ;-)

    Und jetzt ma meine Imbißbuden-Pommes-Weisheit zum Thema.
    Schon den Einparken- und Zuhören-Spruch umzuformulieren, würde extrem die dicke Luft rausnehmen.

    Manchen brauchen (!) nicht zuhören und manche brauchen nicht einparken.

    Zum Zuhören:

    Mit Zunahme des WpS-Wertes (Wörter pro Sekunde) sinkt der Anteil wirklich brauchbarer Infos. Dazu kommt, daß die Spezies (ein mittelgroßer Anteil unter Frauen, ein sehr geringer unter Männern) sich oft mit denjenigen mischt, die "zwischenzweilig" oder intuitiv verstanden werden wollen.

    Daher wäre es geradezu ein Fehler, sich auf den detailreichen Wortschwall zu konzentrieren. Viele Wörter sollen doch einfach nur viele Zeilen produzieren, zwischen denen das Eigentliche steckt.

    Andersherum sei der eben eher wortkargen Spezies (mittelviele Männer, wenig Frauen) gesagt, daß sie oft nicht verstanden werden, weil sie eben in ihrer Einsilbigkeit keine Zwischenzeilen produzieren.
    Dem kann Abhilfe geschaffen werden, nämlich mit: Absätzen.

    Bsp.
    "Ich gehe..."
    (Warten)
    "Jetzt."

    Macht nur drei Wörter - und eine klar lesbare Zwischenzeile. Wer gelernt hat - beispielsweise die Zwischenzeile zu lesen, kann demnächst genau diese Lücke für eine Intervention nutzen - und Konflikte entschärfen.

    Zum Einparken:

    Manche (einige Frauen, darunter viele, die es lediglich denken, manch Mann, viele Rentner und fast alle Kinder) parken oft schlecht ein.
    Und prompt kommt der erste Fehlschluß: Sie könnten es nicht.

    Wie kurz ist das denn gedacht, verdammt!!!

    Ich bringe nie den Müll runter.
    Weil ich es nicht KANN??? So'n Quatsch!

    Ich will nicht oder ich brauch nicht oder ich darf nicht oder ich komme nicht dazu (zugegebenermaßen eine Form des "kann").

    Ich sage, "manche brauchen nicht".
    Und das stimmt.

    Denn was passiert denn beim Falscheinparken?
    (Damit ist jetzt gemeint, daß Autos schräg in der Lückes stehen, ein Rad auf dem Bordstein, das Auto aus der ansehnlich ordentlichen Reihe hinaussteht)

    Nichts wesentliches passiert.
    Ist ein anderer (oft ein Mann) anwesend, bekommt man abschätzige Blicke oder Bemerkungen oder eben dieser parkt demnächst ein.
    Na und?
    Ist das ein Grund, das nächste Mal richtig einzuparken?

    Wenn man sich immer von abschätzigen Blicken leiten ließe, müßte man in den Wald ziehen.
    Obwohl.
    Es gibt auch manche Bäume, die nen schlechten Tag hatten und einen grämig angriesen.

    Was heißt eigentlich, "schlecht einparken"?
    Ich würde ja mal gar nicht zwischen gut und schecht (=böse?) unterscheiden, sondern zwischen ob und ob nicht.
    Und wenn ein Auto irgendwo steht, dann ist es geparkt.
    Steht es irgendwo dazwischen oder daneben, dann ist es eingeparkt.
    Darf es dort stehen, dann ist es legal eingeparkt.

    Eigentlich kann das jede Autofahrerin und jeder Autofahrer, sonst würden permanent Autos abgeschleppt werden.

    Soweit also:

    Manche brauchen nicht (gut) einparken und manche brauchen nicht zuhören.

    ps.
    Wem das zuviel Worte waren, der lese zwischen den Zeilen. Da steht' dann weiß auf weiß.

    12.03.2007, 12:58 von LudwigMartin
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    Schnurrrrrrrrr, immer wieder ne Wonne, Herr Werk von Berk zu lesen....... ich wünscht ich wäre man einer seiner Gedanken und würde ausgeführt..., so eben, ohne Autokino und pappigen Pommes.

    24.02.2007, 17:38 von Perdita_D
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      @Perdita_D Zum "einfach nur reden", nehme ich an?

      26.02.2007, 16:30 von berkwerk
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    Charmant geplaudert!

    23.02.2007, 09:49 von sohalt
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    Wohldurchdachter Blödsinn, gekonnt formuliert. Ich mag, wie du schreibst. Aber das wusstest du ja schon.

    Schönes Wochenende dir und den Deinen!
    Pamina

    23.02.2007, 09:47 von Pamina
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    Herrlich ;)

    23.02.2007, 09:27 von PrinzessinLillifee
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