derHalbstarke 05.07.2011, 13:36 Uhr 18 19

Warm ist mein Blut

Dunkelrot und gesund wie deines. Spenden darf ich es trotzdem nicht.

Das deutsche Transfusionsgesetz schreibt vor, dass Homosexuelle kein Blut spenden dürfen. Neben einigen anderen persönlichen Angaben sollen Spendenwillige in einem Fragebogen beantworten, ob sie zu einer Risikogruppe für HIV gehören. Dazu werden Prostituierte, Drogenanhängige, Häftlinge, „Menschen mit häufig wechselnden Sexpartnern“ – und eben auch Homosexuelle gezählt.

Unabhängig davon, ob sie monogam leben oder nicht.

Damit stehen Schwule grundsätzlich unter Generalverdacht. Dass viele homosexuelle Frauen und Männer in festen, treuen Beziehungen leben, die Gefahr einer HIV-Infektion damit ebenso gering ist wie in einer heterosexuellen Partnerschaft – zeigt auch hier wieder, wie mit zweierlei Maß gemessen wird und vor allem eines ist:

Diskriminierend.

Begründung dafür ist, dass lediglich umgesetzt wird, was der Gesetzgeber vorschreibt und das ist in diesem Falle das Transfusionsgesetz. Es soll den Empfängern einer Blutspende größtmögliche Sicherheit garantieren. Das tatsächliche Risiko, sich durch gespendetem Blut mit HIV zu infizieren, ist schwindend gering und liegt bei 1 zu 1,5 Millionen. Garantiert wird dies allerdings nicht durch die fragwürdigen Auswahlkriterien, sondern mit modernsten Testverfahren, die mögliche HI-Viren zuverlässig aufspüren. Angaben zum tatsächlichen Sexleben des Einzelnen oder eventuelle Krankheitsgeschichten werden hingegen nicht überprüft.

Die Widersinnigkeit des Verfahrens liegt also auch darin, dass ein Homosexueller durchaus Blut spenden kann – wenn er seine sexuelle Orientierung verschweigt.

„Eine Streichung des von Ihnen kritisierten Ausschlusskriteriums kann erst dann in Erwägung gezogen werden, sobald die Datenlage dies zulässt“, heißt es in einem Antwortschreiben des Paul-Ehrlich-Institutes auf Anfrage des LSVD, welches in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer für das Transplantationsgesetz zuständig ist. Was bedeutet: Solange der Prozentsatz an HIV-Infizierten unter Schwulen höher ist als in der übrigen Bevölkerung, bleiben sie in Deutschland vom Blutspenden ausgeschlossen. Diese Diskussion wird bereits seit 2001 geführt – und ein Ende bzw. eine annehmbare Lösung ist bis heute nicht in Sicht.

Ist der Prozentsatz tatsächlich höher?

Statistisch gesehen, ja. Doch, wie sieht die Wirklichkeit, die sogenannte Dunkelziffer aus? Ist es nicht so, dass die Infektionsrate in der „übrigen“ Bevölkerung laut den aktuellsten Erhebungen zwar für 2010 konstant, aber in den letzten 10 Jahren dennoch explosionsartig gestiegen ist und man das Tatsächliche nur erahnen kann - sich somit eine weitere Widersinnigkeit dieser Auswahlkriterien aufzeigt?

Andere Länder wie Spanien oder Portugal haben längst erkannt, dass das Risikoverhalten des Einzelnen entscheidend ist – nicht seine sexuelle Orientierung und entsprechende Fragen aus dem Auswahlverfahren gestrichen.

Ich selbst bzw. mein Mann und ich fühlen uns jetzt dadurch nicht direkt betroffen, im Sinne von Ausgrenzung und Diskriminierung, da wir bisher nicht auf den Gedanken kamen, freiwillig Blut zu spenden, wie es von den Gesundheitsämtern angeboten und von vielen Bürgern wahrgenommen wird. Wenn ich mir aber vorstelle, dass, da meine Schwester die gleiche Blutgruppe hat wie ich – sie also vielleicht im Notfall mal auf mein Blut angewiesen wäre, ich als Spender aufgrund meiner sexuellen Orientierung nicht in Frage käme, wird mir bei dieser Tatsache schon anders, nicht helfen zu dürfen. Und folglich denke ich dann doch an all die anderen „meiner, unserer Art“, die, weil sie leben und sind, wie sie sind – ebenso kein Blut spenden dürfen, selbst wenn sie damit anderen helfen könnten.

Das hat schon etwas Absurdes.

Gesamtgesehen bleibt also letztlich das Naheliegende zu befürchten, dass – solange der Gesetzgeber sprich, der Staat, die Regierung an solchen diskriminierenden Vorgaben festhält, also vormacht, wie es nicht sein sollte – der Großteil unserer Gesellschaft seine Vorbehalte gegenüber Randgruppen, wie in diesem Fall Homosexuelle, auch nicht überdenken wird.

Leider."Wichtige Links zu diesem Text"
Infos auf Schwulesblut.de

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18 Antworten

Kommentare

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    Interessanter Beitrag. Ich wusste nicht, dass homosexuelle Männer nicht spenden dürfen und ich verstehe es auch nicht, weil es gibt heutzutage auch genug heterosexuelle Menschen die Analsex haben. Hm.

    12.07.2011, 19:56 von Libellenrausch
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    "Sind sie ein Wilddurchdiegegendvögler?"
    "Ja"
    "Dann dürfen sie leider nicht spenden"

    :'D danke für diesen Kommentar!

    11.07.2011, 16:20 von abbs
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    Eindeutig paradox! Ich stimme dir zu! Ähnlich ist es auch bei anderen Sachen, lebt man zum Beispiel in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, ist also offiziell mit Stempel und Zucker obendrauf homosexuell, wird man in Deutschland nicht mehr verbeamtet, weil man ja dann zu einer HIV-Risikogruppe gehört. Klar, deshalb hab ich mir meine monogame Partnerschaft auch vom Staat bescheinigen lassen... fürn A**. Entschuldigung. Mich regt sowas auf, durch solche "Rechte" müssen Homosexuelle eigentlich nur durch noch mehr Schikanen und haben eigentlich weniger davon. Unter Generalverdacht stehen sie so oder so...

    11.07.2011, 15:10 von aipspok
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    Dein Text regt wirklich zum Nachdenken an.

    Wenn ich Blutspenden gehe, mache ich mir eher Gedanken um die Patienten die das Blut derjenigen kriegen, die kurz vorm Spenden noch draußen Kette-rauchen und wirklich schon länger kein Bad mehr von innen gesehen haben.

    Geld oder Kuchen (je nach Bezahlungsart) hin oder her, jeder der Blut/Plasma oder ähnliches spendet sollte dies mit einem reinem Gewissen tun und sich bewusst sein, dass der Empfänger alles abbekommt, was man der Transfusionslösung beigesteuert hat. Nicht umsonst darf man nach dem tätowiert werden 4 Monate lang nicht gehen.

    08.07.2011, 15:23 von _Calliope_
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      @_Calliope_ Ah...das ist ungefähr genauso legitim wie sexuelle Orientierung als Risikofaktor zu stigmatisieren. Rauchen und mangelde Körperhygiene machen Blut auch nicht mehr oder weniger brauchbar als Homosexualität oder Gefängnisaufenthalt.

      11.07.2011, 16:10 von derHerrMitDemPixel
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    stimm ich voll und ganz zu!

    06.07.2011, 22:45 von Aerosmiths-Fan
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    vielen dank, dass du mit deinem text auf solcherlei missstände und diskriminierungen aufmerksam machst. ich finde das unerhört. und war mir dieser problematik in keinster weise bewußt.

    06.07.2011, 21:04 von Gluecksaktivistin
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    Direkt nach der Infektion kann HIV ca. 1 Monat lang noch nicht nachgewiesen werden, da liegt das Problem.

    Und eine statistisch belegbare Tatsache mit der (subjektiven) Dunkelziffer à la "ich bin homosexuell und kenne niemanden der HIV hat" widerlegen zu wollen ist doch ein bisschen naiv.

    Homosexuelle sind außerdem nicht die einzigen, die generell vom Spenden ausgeschlossen sind.

    Nicht immer stecken gleich eine Hexenjagd oder böse Vorurteile dahinter....

    06.07.2011, 17:17 von supermoritz
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      @supermoritz Wie Recht Du hast, finde ich!
      Ich kenne durchaus Menschen, die HIV haben. Und denen sieht man nichts an.

      Und da ich selber auf Männer stehe und in einem in dem Kreise bekannten Forum angemeldet war, bin ich mir bewusst, dass es mehr Männer mit HIV gibt, als man denkt. Und das diese auch gerne Geschlechtsverkehr haben.

      Was natürlich für mich nicht bedeutet, dass man als (nachweislich gesunder) Schwuler kein Blutspenden darf.

      06.07.2011, 23:01 von SirLuke
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    Danke für diesen Artikel. Gehöre zwar selbst nicht zu einer Randgruppe, habe mich aber schon des öfteren beim Blutspenden gefragt, warum die bloße Zugehörigkeit zu einer solchen vom Spenden ausschließt, und keine sinnvolle Begründung gefunden.
    Wer gesundes Blut hat, sollte spenden dürfen! Machen eh viel zu wenige (nur 3% all derjenigen, die überhaupt in der Altersbegrenzung liegen und aus gesundheitlichen Gründen überhaupt spenden dürfen, zumindest war das die letzte Info die ich bekommen hab, kann hier leider auf keine Quelle verweisen.)

    06.07.2011, 14:20 von lovestodance
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      @lovestodance arum die bloße Zugehörigkeit zu einer solchen vom Spenden ausschließt, und keine sinnvolle Begründung gefunden.

      Die Antworten stehen alle im Text.
      Die sind völlig rational.

      06.07.2011, 15:38 von derHerrMitDemPixel
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    Riesikogruppe Luke mag den Text :)
    Und ich weiß ja, dass ich gesund bin. Tja.

    06.07.2011, 13:12 von SirLuke
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    Achso,
    und ich dachte immer das hätte ökologische Gründe. Wegen dem Runterkühlen und Energiesparen und so.

    06.07.2011, 12:02 von Matsumoto
    • 0

      @Matsumoto shhhhhhhhht.
      geheimer plan der ökolobby.

      es gibt geheime statistiken, dass atomstrombezieher statt echten transfusionen nur gefärbtes wasser erhalten - korreliert mit anderen statistiken, dass mediziner tendenziell grün-konservativ ausgerichtet sind.

      es ist eine riesenverschwörung, mann !

      06.07.2011, 12:28 von derHerrMitDemPixel
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