reminder 30.11.-0001, 00:00 Uhr 10 9

Wahrscheinlichkeiten

Und ich starre nur vor mich hin. Der gestrige Tag war wirklich schwer, aber heute ist's nicht so schlimm.

Sieben Tage, hundertachtundsechzig Stunden - eine Woche.
Ein Tag, vierundzwanzig Stunden,
eintausendvierhundertvierzig Minuten,
sechsundachtzigtausendvierhundert Sekunden.
An nur einem Tag.
Hundert Stationen, zweihundertvierzig Gleise,
siebenhundert U-Bahnzüge,
viertausendzweihundert Abteile und
achttausendvierhundert Türeingänge.
Einhundertsiebenundsechzigtausend Menschen - an nur einem Tag. An bloß einer Station.

Die Wahrscheinlichkeit ist dagegen.

Mein Tag war mehr als bloß ok. Und trotzdem hängt dieser dunkle Schatten über mir. Alles läuft so, wie es soll. Und als der Abend naht, sitz ich im Zug in Richtung Stadt. Kein Anschlusszug den ich versäume und kein langes Warten. Ich finde den Weg sogar gleich und das Wetter ist auch in Ordnung.
Ich brauch mich um niemanden zu kümmern, hab heute keine Verantwortung. Und selbst wenn ich die ganze Nacht nicht zum schlafen kommen sollte, wäre es auch nicht weiter schlimm. Habe schon viel kältere Nächte draußen verbringen müssen.

Die Nacht gehört heute mir allein.

Das Konzert fängt dreißig Minuten später an, als es angekündigt war. Überall lächelnde Gesichter. Doch heute bleiben meine Lippen still. Kein Lächeln, dass mir übers Gesicht huscht und keine flackernden Augen. Keine Tränen.
Und ich weiß nicht einmal warum.
Keine Vorband und keine Zugabe. Und trotzdem sind sie alle zufrieden.
Genügend Zeit um den Zug zu erreichen und trotzdem mach ich mich gleich auf den Weg.

In so kurzer Zeit hat sich so viel verändert.

Aus Gewohnheit steh ich auf dem falschen Gleis, steige aber dennoch in die nächste U-Bahn ein. Heute habe ich es nicht eilig und der Umweg ist mir lieber als warten zu müssen.
Andere Umsteigstationen, andere Gleise, andere U-Bahnwaggons.
Und ich starre nur vor mich hin.
Der gestrige Tag war wirklich schwer,
aber heute ist's nicht so schlimm.
Stehe am Gleis, den Blick zum Boden gesenkt. Bevor die Bahn einfährt kann man schon den Windzug spüren. Beobachte wie der Zug einfährt und zum stehen kommt.
Die Türen gleiten zur Seite.
Und auf einmal stehst du vor mir.
Entgegen aller Wahrscheinlichkeit.

Du lächelst und umarmst mich, schaust mir nach wie ich in der Bahn verschwinde, aus der du soeben ausgestiegen bist und schaust mir noch hinterher als ich diesen Ort wieder verlasse.

Und wahrscheinlich weißt du es gar nicht.
Für dich war es wohl bloß ein erfreulicher Moment des Tages. Doch für mich war es mehr als das, denn heute hast du mir den Tag gerettet.




-







Vergiß nicht zu lächeln,
du könntest damit Leben retten!

9

Diesen Text mochten auch

10 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Jeder kann jedem den Tag retten, wenn man es nicht alleine schafft, wirklich wahr :)

    24.02.2014, 11:15 von KleineFreiheit
    • Kommentar schreiben
  • 0

    vielleicht könntest du mir auch mal nen tag retten :)

    02.03.2009, 14:01 von thegoldentouch
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    ich bin mal wieder fasziniert, was du für schöne (traurige) sachen schreiben kannst =)
    lg.

    01.07.2008, 21:17 von DFA1979
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Oh. Das find ich gut.

    (warum schreiben wir nicht mehr. War so schön)

    16.06.2008, 20:23 von kleinepiratin
    • Kommentar schreiben
  • 0

    hm.

    13.05.2008, 22:43 von herz.ist.trumpf.
    • Kommentar schreiben
  • 0

    wie wahr.
    :)

    12.05.2008, 21:37 von kekskrumen
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    sehr schön geschrieben mein lieber... hat ne empfehlung verdient...
    lg

    07.05.2008, 09:00 von HeSsIn
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare