marco_frohberger 22.02.2009, 22:24 Uhr 3 3

von hier nach hier

Veränderter Normalzustand

Zwei oder drei Stunden später sitzt Elmar in einer Bar im Hauptbahnhof. Von den wenigen Münzen, die ihm geblieben waren, reicht es für einen starken Kaffee, der seine schwachen Glieder aufwecken soll. Kauernd sitzt er in der Ecke vor dem Fenster. Draußen lockt die strahlende Stadt mit ihren leeren Versprechen von ein paar Minuten Glück. Eine ansteckend lächelnde Seuchenhure; durch Kanalgitter quellen Fahnen aus kontaminiertem Dampf. Es stinkt und dieser Schleier legt sich über die ganze Stadt. Erschöpft wird Elmar seinen üblichen Blick über das, was er zurücklassen will: eine Stadt, die das, was sie ihm versprochen hatte, nicht gehalten hat. Mit besorgniserregender Stetigkeit hatte sie sich in sein Innerstes gefressen und langsam nach und nach ausgehöhlt, zu einem Körper ohne Identität, ausgespuckt und liegengelassen, wertlos und als Stück Müll. Elmar hatte das gefräßige Geschwür an sich arbeiten lassen, bis er selbst aus schwerer Überzeugung feststellen musste, dass alle seine Erwartungen enttäuscht wurden.
Er nippt und als er sich an dem Kaffee verbrennt, würgt er ihn noch schneller die Kehle hinab, in der Hoffnung, die Nüchternheit mit Gewalt erzwingen zu können. Er streicht durch den struppigen Bart und tastet nach sich selbst wie ein Blinder, der sehen will, was aus ihm geworden ist. Der Spiegel der Gewissheit trägt sich träge in das Gewissen, dass die Veränderung und die Zeit aus ihm einen Fremden hat werden lassen. Nachdem sich das Fieber über Wochen oder Monate auf konstantem Niveau hält, sodass er nicht sicher sein kann, ob es tatsächlich Fieber ist oder nur ein veränderter Normalzustand, hat er seit einigen Stunden wieder das Gefühl, dass es steigt, langsam, aber mit stärker werdender Tendenz, das ihm ein Hochgefühl beschert, dass der Aufbruch die letzte ihm erscheinende Möglichkeit ist, etwas zu verändern.
Elmar trinkt den Rest des Kaffees und steigt behände von der Sitzgruppe. Erst stolpernd, dann zielgerichtet steuert er auf den Ausgang zu. Doch bevor er sich selbst zurück in die Öffentlichkeit katapultiert, in diese sich selbstzerfleischenden Hände der Gesellschaft, hält er inne und blickt noch einmal auf die Stadt. Das alles hat schon einen fatalen Hang zu einer gewissen Selbstbefriedung, denkt Elmar, und doch ist die Selbstzerstörung in jedem unserer Augenblicke gegenwärtig, insofern wir unser Leben nicht nach Alltagsformen ausrichten. Er ist sich sicher, dass alles das seine Gründe haben muss und geht dann schließlich weiter.
Von den Alltagsmenschen völlig unbeachtet, die ihren geschäftlichen Verpflichtungen nachgehen, hetzen und eilen und seinen Weg kreuzen, trabt er vorsichtigen Schrittes in die ausgehöhlte Landschaft unter der Erde, zur U-Bahn. Mächtige Betonpfeiler stützen die Decke über ihm, gegen den einen er sich lehnt, um kurz Rast zu machen. Die Füße schmerzen. Es ist kalt. Menschengewimmel um ihn herum. Diskretes Stimmengewirr und Augen, die manchmal an ihm hängenbleiben und dann beschämt die Richtung ändern.
Die nächste U-Bahn fährt ein und mit ihr eine lebende Fracht, die zusammengequetscht in diesem Stahlkörper verharrt und sich transportieren lässt.
Es folgt plötzlich etwas Unerwartetes. Jetzt lenkt auf einmal das Leben ihn wie eine Marionette. Es geschieht etwas."Wichtige Links zu diesem Text"
Fortsetzung folgt hier

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3 Antworten

Kommentare

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    ...noch ein paar kleine Schönheitskorrekturen und der Text ist mal wieder ganz nach meinem Geschmack.

    23.02.2009, 11:56 von thoermi
    • 0

      @thoermi dankefein.
      und wo sollten korrekturen angesetzt werden?

      23.02.2009, 11:59 von marco_frohberger
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    da ist sie, die fortzetung. juchhu. :-)

    23.02.2009, 07:57 von desidinha
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