Von der Hitze lernen
Plötzlich bin ich lebendig, fremd und glücklich einsam. Ein Lächeln überrascht mich, Träume recken sich in mir.
Gott, wie lieb ich diese Momente. Ich verlasse die Orte der künstlichen Kälte und trete hinaus in die Sonne. Der schweiß beginnt zu rinnen und fremde Düfte wecken meine Neugier.
Plötzlich bin ich lebendig, fremd und glücklich einsam. Ein Lächeln überrascht mich, träume recken sich in mir und fordern mich auf meine Arme auszubreiten.
Nun bin ich dort wo ich hinwollte… in einer Welt, die mir vorher nur aus dem Fernsehen bekannt war. Es ist nicht schwer zu merken, dass man woanders ist. Schrille Hupen begrüßen mich. Sie wecken, wenn ich im Begriff bin, in Träumen den Tag zu verlieren.
Denn dies ist mein Tag, meine Zeit. Ich muss sie benutzen, sie genießen in ihr aufgehen.
Jedoch, dass einen hier nicht nur Schönheit erwartet wird schnell klar. Dreck beherrscht das Bild. Die ersten Kranken und abgemagerten Kinder tauchen aus Straßennischen auf, die man nicht mal betreten würde, weil man in ihnen nur Unbehagen vermutet.
Doch trotzdem bin ich froh hier zu sein. Zu erfahren, dass Behutsamkeit nicht alles im Leben sein darf. Diese Welt hier scheint so irreal anders zu sein. Die Menschen lachen trotz Armut, sie begrüßen sich und teilen Zigaretten mir ihren Nachbarn. Stets behütet von der Sonne die unweigerlich scheint. Alles wonach wir unser leben definieren, scheint so fern zu sein. Unerreichbar und trotzdem stets im Hinterkopf.
Man weiß in diesem Land, dass ein blonder Junge einen Fernseher besitzt und zur Uni gehen kann. Reichtümer, die in unserer Welt selbstverständlich geworden sind.
Die Dankbarkeit litt in dem Moment in dem der Wohlstand stieg.
Und doch warum bin ich hier: bin ich neugierig oder doch sensationsgeil? Will ich mich bereichern oder nur staunen und bewundern.
Diese Länder können ein unheimlicher Antrieb sein, sein Leben auf elementare Dinge zu fokusieren.
Unsere Kinder lernen Liebe aus der Steckdose kennen, aber können sich bewegende Elektronen ein so intensives wie auch beängstigendes Gefühl erklären?
Nun fällt es mir ein…
ich bin hier um zu lernen, dass nichts, was im Leben glücklich macht selbstverständlich ist. Nicht die frühkindliche liebe der Eltern, nicht das tägliche Brot und auch nicht der mp3-player, der mir hier immer als Verbindung an vergangene Zeiten dient.
Mit Dankbarkeit muss ich allem begegnen was mir gegeben wurde. Denn es macht mich zu dem, was ich bin.
Jetzt beginne ich wieder zu träumen, von einer Welt die gerechter ist in der ich keine Kinder für ihren Überlebenswillen bewundern muss, weil ihr überleben gesichert ist.
Doch schon beim nächsten Hupen öffne ich wieder meine Augen und stehe vor einem Kind.
Es hat schöne, große, braune Augen und bittet mich um einen Dollar…






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