Bennetvdl 18.07.2018, 16:21 Uhr 2 0

Von Bällen und Vögeln

Hallo, lieber Weihnachtsmann! Dieses Jahr wünsche ich mir mehr Moralempfinden für alle, aber insbesondere Profifußballer. Liebe Grüße, Bennet

An einem Abend, an dem sich der deutsche Party-Patriotismus noch in jedem Stadtbild wiederfand, als man noch glaubte, eine schöne Bude von Mesut Özil könnte die gespaltene Nation wieder zusammenführen, bekam Pepe in Sotschi einen Schlag gegen den Hals. Ausgeführt wurde der Schlag von seinem Kontrahenten Diego Costa, der mit der spanischen Nationalmannschaft im ersten WM-Gruppenspiel gegen Pepes Portugiesen antrat. Ein klares Foul, vom Schiri ignoriert, ärgerlich. Ärgerlicher wurde es wenige Sekunden später, als Costa die unverhoffte Möglichkeit nutzte und den Ball ins Netz wuchtete.

Wie konnte das passieren? Wieso hat der Schiedsrichter die unfaire Vorteilsbeschaffung seitens des Spaniers nicht abgepfiffen? Weil dem gefoulten Pepe offenbar jegliche Moralvorstellungen abhanden kommen, weil ich nicht weiß, wie sich jemand wie er seine eigenen Aktionen nochmal in der Wiederholung angucken und zu sich selbst sagen kann: „Das hast du mal wieder gut gemacht!“

Nachdem der Portugiese getroffen wurde, fanden seine Hände, beim Versuch den Schmerz am Hals zu lindern, bedauerlicherweise nicht den selbigen. Stattdessen griff Pepe sich ins Gesicht, als hätte er gerade gemerkt, dass er seine Kopfhörer zu Hause vergessen hatte und gleich drei Stunden mit dem FlixTrain von Hannover nach Frankfurt Süd fahren müssen, und ging schreiend zu Boden. Diese krasse Theatralik verleitete den Schiedsrichter wohl zu dem Irrglauben, dass es sich um eine klassische Schwalbe Pepes handelte und ließ weiterlaufen.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die (halbe) Wahrheit spricht.
Es vergeht kaum ein Spiel, in dem Pepe nicht mindestens einmal vortäuscht, Opfer einer gemeinen Tätlichkeit geworden zu sein. Und so hat er sich ganz alleine zuzuschreiben, dass auch mal echte Fouls gegen ihn nicht gepfi
ffen werden.

In aller Regel profitiert er ohnehin ungemein von seinen Aktionen, die ja selten klassische Schwalben und dafür gedacht sind, einen einfachen Freistoß herauszuholen. Pepe geht es darum, den Schiri, in seiner dreistesten Form, zu betrügen. Wenn er ohne berührt worden zu sein, noch während des Fallens erwartungsfroh zum Schiedsrichter schaut, wenn er sich fünf Minuten lang von Strafraum zu Strafraum rollt, und man Angst bekommt, dass er vielleicht nie wieder laufen könne, dann will Pepe nichts weniger als eine rote Karte für den Gegner provozieren - und somit eine krasse Bevorteilung für das eigene Team.

Manch einer mag das als abgezockt und superschlau bezeichnen. Ich frage mich, ob wirklich so viel Intelligenz dazu gehört, um ein Arschloch zu sein. Ich frage mich auch, was Pepe dem gegnerischen Spieler, der zu unrecht des Platzes verwiesen wurde, antworten würde, wenn der ihn nach dem Spiel fragen würde, wie man nur so sein kann. Auch frage ich mich, wie er seinen Kindern ohne schlechtes Gewissen gute Werte vermitteln kann.

Was Spieler wie Pepe, denn, oh Mann, meine Enttäuschung betrifft beileibe nicht nur Pepe, anrichten, lässt sich jedes Wochenende auf E-Jugend-Plätzen beobachten. Dort wird den besten Spielern der Welt nämlich nicht nur nachgeeifert, wenn es ums fußballerische Können geht, sondern in nahezu allen Belangen. Weil diese E-Jugend-Spieler aber oft ebenfalls herausragende Fußballer werden, sieht man sie bei dieser WM in Form von Neymar und Kylian Mbappé.

So viel Talent, so wenig Respekt vor sich selbst.

2 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Manchmal frage ich mich was dieser Sport noch mit Fußball zu tun hat. Mit Fairness und Sport hat es nichts zu tun, wenn in 90 Minuten mehr gezogen, getreten und gehalten wird, statt den Ball zu spielen.  

    18.07.2018, 20:17 von jetsam
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