NeverGrowUp 05.12.2011, 21:44 Uhr 40 25

Von Äpfeln, Nüssen und Goldgier

Veränderung ist der einzige Weg voranzukommen. Ganz klar. Aber ist diese Art von Veränderung der richtige Weg?

Das Foto in meinen Händen, vergilbt und abgegriffen, zeigt meine Mutter und ihre Geschwister im Kleinkindalter am Nikolausabend vor fast 50 Jahren.

„Da hat der Nikolaus wirklich nur Äpfel, Nüsse und Mandarinen gebracht.“

Mit diesem Satz trifft mein Opa den Nagel auf den Kopf.

Heutzutage bekommen die Kinder zum Nikolaus mehr, größere und um einiges teurere Geschenke, als ich sie jemals zu Weihnachten und Geburtstag zusammen genommen bekommen habe. Und dabei wissen sie nicht einmal ansatzweise, dass der Nikolausbrauch auf den heiligen Bischof von Myra zurückzuführen ist, der den Armen in Not geholfen hat.

Und nein, ich möchte jetzt bewusst nicht die längst überholte Phrase „Früher war alles besser“ anbringen, weil es das mit Sicherheit nicht war. Aber es ist auf jeden Fall wahr, dass es früher leichter war, den Leuten, Mitmenschen und Lieben eine Freude zu machen, da sie schlicht und einfach nicht viel besaßen!Heute zermartere ich mir den Kopf, was ich meiner Familie und meinen Freunden schenken könnte, da sie ja schon so gut wie alles haben.

Die Wunschlisten meiner kleinen Cousins und Cousinen nehmen ellenlange Ausmaße an. Zu Weihnachten liegt dann hübsch verpackt die neueste technische Errungenschaft, eine weitere brabbelnde und weinende Puppe oder – oder nein! Am besten „und“ -  ein blinkendes Fahrrad, das vielleicht fünf Mal gefahren wird, unterm Baum. Nach dem unachtsamen Auspacken wird einige Stunden, einige Tage, vielleicht eine Woche damit gespielt und anschließend landet alles in der Ecke bei den vielen anderen, unzähligen Dingen aus den Vorjahren.

Meiner Meinung nach mangelt es unserer heutigen Gesellschaft an Wertschätzung, Begeisterungsfähigkeit und Respekt. Egoismus, Gier und Materialismus nehmen einen immer größer werdenden Platz ein. Leider treten diese Phänomene nicht nur um die Weihnachtszeit auf, aber dann fällt es nunmal besonders auf. Außerdem treffen besagte Charakterzüge keinesfalls nur auf Kinder zu. Sie verhalten sich lediglich so, wie wir es ihnen vorleben. Kinder sind der Spiegel der Gesellschaft.

Veränderung ist der einzige Weg voranzukommen. Ganz klar. Aber ist diese Art von Veränderung der richtige Weg? Ist es normal, stets zu glauben, die Gesellschaft wandelt sich zum Schlechten? Denkt das nicht jede Gesellschaft von der jüngeren bzw. der zukünftigen? Keiner kann Weltverbesserer spielen, aber jeder kann für sich entscheiden, wie sehr Geld und Materialismus sein eigenes Leben beeinflussen.

Ja, das mag überholt, altmodisch und kitschig klingen, aber wenn ich daran denke, mit was für einer kindlichen Vorfreude und Begeisterung ich Jahr für Jahr am Abend des 5. Dezember meine blankgeputzten Stiefelchen in freudiger Erwartung vor die Tür gestellt und wie sehr ich mich am nächsten Morgen über Nüsse, Schokolade und Kleinigkeiten gefreut habe, und wenn ich dann heute sehe, wie unachtsam meine Cousins und Cousinen mit ihren durchaus wertvollen Geschenken umgehen und wie wenig sie diese wertschätzen, dann finde ich das schlicht und ergreifend traurig. Einfach traurig. 


Tags: Nikolaus
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40 Antworten

Kommentare

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  • 1

    So wie dein Opa. Nagel auf den Kopf getroffen, traurig!

    14.02.2012, 12:37 von Danny0511
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  • 0

    Mag sein, aber deswegen muss der Text nicht auch noch traurig sein.

    16.12.2011, 16:20 von Rho
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  • 1

    Der Preis auf dem kleinen weißen schildchen besimmt eben nicht den persönlichen!

    14.12.2011, 16:16 von duorumcordes
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  • 1

    Kinder sind doch in diesen Dingen auch nur ein Spiegelbild ihrer Eltern.



    14.12.2011, 08:44 von Tanea
    • 0

      Genau das habe ich doch geschrieben:

      "Sie verhalten sich lediglich so, wie wir es ihnen vorleben. Kinder sind der Spiegel der Gesellschaft."

      14.12.2011, 10:01 von NeverGrowUp
    • 0

      Sorry, iss schon ein paar Tage her, das ich den Artikel gelesen hatte.

      Kam mir nur beim durch die Kommentare wühlen durch den Sinn.

      14.12.2011, 12:10 von Tanea
    • 1

      Haha kein Stress :D

      14.12.2011, 12:24 von NeverGrowUp
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  • 1

    du hast den nagel auf den kopf getroffen. ich finde es so schön mich über kleinigkeiten zu freuen und bedauer diejenigen, die das nicht können.

    11.12.2011, 20:57 von frl.sommersprosse
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  • 3

    Interessant ist doch, wer von diesem ganzen Konsum wirklich profitiert! Die Kinder!? Wie gesagt meist nur für wenige Tage. Nein, die Wirtschaft ist es doch die uns suggeriert (In diesem Fall denen die am leichtesten beeinflussbar sind!) was wir alles brauchen. Und dort kassieren immer nur einige wenige ab, aber dafür dann umso mehr!

    10.12.2011, 01:37 von michaelb
    • 1

      Soweit hab ich ehrlich gesagt gar nicht gedacht, aber du hast vollkommen Recht damit! Die Frage ist dann, was ist denn überhaupt der Grund/Auslöser dafür? Wo fängt man an?

      10.12.2011, 12:57 von NeverGrowUp
    • 2

      Das stimmt. Aber dem müssten eben die Einzelnen - in dem Fall die Eltern - entgegenwirken und ihren Kindern auch mal erklären für was gewisse Feiertage da sind und was sie bedeuten.
      Und Kinder wollen natürlich das neueste (aus der Werbung) und sind traurig, wenn sie es vll nicht sofort bekommen. Aber muss man nicht genau das seinen Kindern auch beibringen? Das man nicht immer alles haben kann?!

      10.12.2011, 23:55 von Chicha1991
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  • 1

    Ich arbeite mit Kindern und bemerke nicht nur, dass das mit den Geschenken so ist - es fängt doch schon beim Spielen an. So viele Kinder sind nicht mehr in der Lage sich ohne die neueste (!!!) Spielekonsole und blinkenden, geräusche machenden Spielzeugen zu beschäftigen.
    Ich finde diese Entwicklung echt traurig! Leider macht das vor meinen Cousins - einer davon mein Patenkind - auch keinen halt mehr.
    Ich weiß schon gar nicht mehr was ich zu Weihnachten oder Geburtstagen schenken soll, weil er zum einen schon alles hat und zum anderen kann und will ich eben nicht die neueste Konsole kaufen.
    Und die Wertschätzung ist auch nicht mehr die, die es einmal war - wenns kaputt ist wirds eben nochmal gekauft.

    09.12.2011, 22:15 von Chicha1991
    • 0

      Ganz genau!


      09.12.2011, 22:16 von NeverGrowUp
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  • 2

    Weder überholt noch altmodisch noch kitschig, sondern glasklar der Kern der Sache.

    Sehr schön, danke dafür!!!

    07.12.2011, 09:34 von Ms_M.
    • 0

      Danke zurück :)

      07.12.2011, 11:23 von NeverGrowUp
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  • 1

    Ja! Kaum ein Mensch schätzt noch die kleinen Schönheiten des Lebens. Die Zeit rennt und rennt immer schneller und wir konsumieren schnell, was uns geschenkt ist und gehen dann so schnell wie möglich zur nächsten Reizquelle über - denn wir haben doch keine Zeit! Ja...schlimm...

    Und bei Kindern ist das nur auffälliger als bei (mehr oder minder ;) Erwachsenen - wir tun das auch, nur unauffälliger. Das spiegeln auch die neuen Zeichentrickfilme sehr gut wieder - vergleicht mal "Die Hexe und der Zauberer" mit,... sagen wir mal "Lilo und Stich" - der ist einfach 1000x ruhiger aufgebaut. Kein Wunder, dass es bei solcher Reizüberflutung immer mehr hyperaktive Kids gibt. Schade eigentlich. Und ich weiß, das klingt altbacken, aber die alten - gezeichneten - Trickfilme stehen den neuen in nichts nach und sind oft besser. Hmmm

    07.12.2011, 03:50 von Ery
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  • 1

    die größten geschenke
    liegen nicht im stiefel oder unterm weihnachtsbaum, sondern
    drumherum.

    06.12.2011, 20:19 von whoismy.ego
    • 0

      Die Menschen, die hinter den Geschenken stecken? :)

      06.12.2011, 20:39 von NeverGrowUp
    • 2

      genau diese meine ich und die emotionen und beweggründe des zusammenseins (und zusammen lebens), das ganze ambiente an diesen besonderen tagen an denen es um zwischenmenschliche dinge geht und nicht das materielle zählen sollte. auch ich bin da sehr altmodisch und kitschig, aber dafür leben wir menschen letzten endes. für die liebe zu einander und nicht für ein schranziges iphone welches nach 4 wochen veraltet ist und durch ein neues ersetzt werden muss. nein wir sollten uns dingen schenken an denen wir festhalten können, und das ist das vertrauen zu unseren lieben.
      =)

      06.12.2011, 21:25 von whoismy.ego
    • 0

      Richtig. Sehr schöne Worte! Und wenn man zurückdenkt: Genau aus dem Grund der Nächstenliebe hat doch Nikolaus, Bischof von Myra den Menschen in Not geholfen. Geschenke sind nur Mittel zum Zweck, um Gefühle, Zuneigung auszudrücken und nichts anderes. :)

      06.12.2011, 21:50 von NeverGrowUp
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