Verrätern ist ein kurzes Leben beschieden
Vor ihm lag noch seine Aufgabe. "Eine Frage der Ehre", murmelte er vor sich hin, "und ohne Ehre keine Liebe. Nur ein Wort heißt Untergang." "Blabla."
„Verrätern ist ein kurzes Leben beschieden.“ Der Claim aus einer Zigarillowerbung blieb irgendwie hängen und versetzte ihn endgültig in eine andere Zeit und ihn einen anderen Raum. Schon seit Wochen spukten wirre Gedanken in seinem Kopf herum, verfolgten ihn wie der schlechte Geschmack des angefaulten Stücks Schweinefleisch, das er am vergangenen Wochenende während eines Anfalls von Heißhunger durch intensive Hitzeeinwirkung essbar machen wollte. Versuch gescheitert, in jeglicher Hinsicht. Verrat muss bestraft werden, so viel stand fest. Und auch, wenn er allein bei dem Gedanken Würgereiz verspürte, manche Kröten muss man im Leben einfach schlucken. Das verdorbene Fleisch hatte ihm ja auch nicht wirklich geschadet, lediglich dieser abstoßende Geschmack von Fäulnis, der wollte sich einfach nicht verflüchtigen, so viel Alkohol er auch in den letzten Tagen in sich hinein geschüttet hatte.
Er sah sich in dem irgendwie wie ein Spielzeuggeschäft wirkenden Waffenladen um. Neben diversen Jagdgewehren zierte eine stattliche Auswahl an sonstigen kleineren und größeren Feuerwaffen die Regale. Nach einigen Minuten sprach ihn der Verkäufer an, ob er ihm weiterhelfen könne. Es lachte in sich hinein. Helfen. Haha. Da es um eine Frage von Leben oder Tod ging, hallte diese harmlose Frage in ihm nach wie das Echo eines Artelleriegeschützes, dessen Geschosse soeben die zelluläre Struktur seines Limbischen Systems wie Schweizer Käse durchlöchert hatten. Sämtliche verdrängten Emotionen des vergangenen Jahres prasselten ungefiltert auf sein Sprachzentrum ein und mündeten in einem knappen Statement. „Helfen werde ich mir selbst. Welche kompakte Handfeuerwaffe können sie mir empfehlen, wenn ich mich vor ungebetenen Eindringlingen in mein Leben schützen möchte?“
Den laxen Waffengesetzen in diesem Bundesstaat sei Dank, ließ sich der Kauf bequem und ohne größere Formalitäten abwickeln. Die Bedürfnisse des Individuums waren fest verankert in der hiesigen Charta. Und wer sich selbst zu schützen bereit war, der zeigte es gerne durch die offen zur Schau gestellte Bereitschaft, dieses Grundrecht notfalls auch mit Waffengewalt zu verteidigen. Auge um Auge. Durch sein neues Lieblingsspielzeug, einen altmodischen Trommelrevolver, mit einem wieder restaurierten Selbstbewusstsein ausgestattet, schnalzte er zufrieden mit der Zunge. Vor ihm lag noch seine Aufgabe. „Eine Frage der Ehre“, murmelte er vor sich hin, „und ohne Ehre keine Liebe. Nur ein Wort heißt Untergang.“
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Sie waren am Nachmittag dieses außerordentlich sonnigen Frühlingstages auf der Außenterrasse des Cafés verabredet, in dem sie sich vor Jahresfrist kennengelernt hatten. Er saß bereits eine Viertelstunde da, und blätterte gedankenverloren in einem der ausgelegten Magazine, dann kam sie. Wie wunderschön sie doch war, dachte er noch, als er ihre Silhouette bereits von weitem erkannte. Sie näherte sich seinem Tisch mit provozierender Langsamkeit. Ihre aufgesetzte Lässigkeit brachte ihn innerlich zum Kochen, er beruhigte sich, indem er eine Gauloises anzündete und seinem Körper die helfende Ration Nikotin verabreichte. Verrat? Dieses hässliche Wort nagte seit Wochen in seinem Kopf.
Er saß bereits im Café auf der Außenterrasse, als einziger Gast. Erleichtert atmete sie aus. Es hatte sie Überwindung gekostet, diesem Treffen zuzustimmen, da sie wusste, dass sie ihm eine Erklärung schuldig war. Ihre Unsicherheit überspielte sie meisterhaft mit dem ihr eigenen Talent zur Selbstdarstellung. Die sorgfältige Hochsteckfrisur, das makellose Make-up und ihre sehr stilvolle, aber nicht zu modische Garderobe perfektionierten die Illusion. Betont langsam näherte sie sich seinem Tisch. Ihre Begrüßung fiel denkbar knapp aus. Mehr als ein „Hallo“ und ein angedeutetes Lächeln brachten beide nicht zu Stande. Sie ließ sich auf dem ihm gegenüberliegenden Platz nieder und platzierte ihre Handtasche neben sich. „Nun, wir sollten reden.“
Abfällig schaute er sie an. Dies war nicht der erste Versuch, und er konnte nicht verstehen, warum sie es immer wieder auf die gleiche Art probierte. Reden hilft nicht. Soweit waren sie doch schon oft gewesen. Sie war Schriftstellerin, auf diesem Wege hatte er sie kennengelernt, und solange er denken konnte, war sie tatsächlich lediglich mittels ihrer kryptischen Erzählungen in der Lage, der Welt etwas von ihrer tatsächlichen Gedankenwelt mitzuteilen. Aus diesem Dilemma heraus ersonn sie schmerzhafte Geschichten über vergangene und verlorene Liebe, die in unvergleichlicher Weise geeignet waren, ihre Leser mitfühlen zu lassen, sie mit tief sitzender Traurigkeit zu Komplizen verzweifelter Akte der Leidenschaft zu machen.
Eine dieser Geschichten hatte sie ihm für sein ambitioniertes Projekt einer Anthologie von Liebesgeschichten aus der Zeit während der großen Depression zur Verfügung gestellt. Er hatte zwei volle Jahre an dem Projekt gearbeitet, wobei das eigentlich Zeitraubende der Tätigkeit im Wesentlichen im Aufspüren noch unbekannter, aber hoch talentierter Autoren bestand, denen er die Möglichkeit geben wollte, sich einer breiteren Leserschaft zu präsentieren. Der Kontakt zu ihr war über einen Freund zu Stande gekommen, der ihn auf ihre leidenschaftlichen Erzählungen aufmerksam gemacht hatte, die sie regelmäßig in ihrem erweiterten Bekanntenkreis in den Umlauf gebracht hatte. Nach einem längeren persönlichen Kontakt hatte sie schließlich eingewilligt, ihm exklusiv eine Geschichte zu schreiben.
Er dachte an den Verrat und strich nervös über die Waffe in seiner rechten Jackentasche. Wie kurz nach dem Erscheinen des Buches eine ihm völlig unbekannte Frau aufgeregt bei ihm anrief und andeutete, dass die Geschichte, die er nicht nur mit Abstand für das Meisterstück seiner Anthologie hielt, sondern die ihn selbst in regelmäßigen Abständen immer tiefer in eine emotionale Traumwelt versetzte, als wenn sie nur für ihn geschrieben wäre, bereits an anderer Stelle veröffentlicht worden wäre. Die Saat des schmerzvollen Verdachts steigerte sich in seinem Kopf über die nächsten Monate zu der Gewissheit des ultimativen Verrats.
Sämtlichen Fragen nach dem Sinn und dem Wahrheitsgehalt der Geschichte, nach Fakten, Zeiträumen und Zitaten war sie ausweichend begegnet. Sie war sich darüber im Klaren, dass sie ein gefährliches Spiel trieb. Aber der Reiz war zu groß, um zu widerstehen, denn sie brauchte neuen Input für weitere Erzählungen. Dieser schwärmerische Typ mit seiner ambitionierten Idee der Veröffentlichung einer Kurzgeschichtensammlung kam ihr gerade recht. Nach Jahren emotionaler Erstarrung, in der sie sich aufgrund widriger Erlebnisse befand, lieferte sein Enthusiasmus ihr frisches Material. Als sie merkte, wie sehr er sich um eine exklusive Geschichte von ihr bemühte, konnte sie nicht widerstehen, ihm einen überarbeiteten und an seine persönliche Situation angepassten Aufguss einer alten, leicht angestaubten Erzählung zu liefern, die damals in einem sehr kleinen Kreis großen Anklang gefunden hatte. Ihre Absicht heute war, ihm eine Erklärung zu liefern, die sein Interesse wach halten würde, aber nicht geeignet wäre, den Verdacht vollständig auszuräumen. Das Spiel war noch nicht am Ende.
Er hatte sich bereits vorher oft genug klar gemacht, dass auch dieses Treffen im Sande verlaufen würde. Ihm war längst bewusst, dass das literarische Wunderkind in Wirklichkeit ein Art emotionaler Vampir war, der sich von den Gefühlsregungen der ihn umgebenden Menschen nährte. Erschrocken blickte sie ihn an. Der Verrat war in seinem Kopf zur beißenden Erkenntnis gereift, die sich nun im festen Griff des Revolvers zeigte, mit dem er auf ihren Brustkorb zielte. Er sah sie zornig an. Alle Entschlossenheit wich jedoch bei dem Anblick ihrer rätselhaften Augen. Er spürte den inneren Konflikt, der zwischen ihrer Lust an intriganten Spielchen und ihrer Sehnsucht nach wahrer Liebe brannte, konnte ihn ihr lesen wie in einem Buch. Dieses zwiespältige Gefühl, das ihn von Anfang an irritiert hatte, ließ seinen ursprünglichen Plan zusammen brechen wie ein Kartenhaus. Er senkte seinen Arm. Ratlosigkeit machte sich breit.
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„Verrätern ist ein kurzes Leben beschieden.“ Das Statement stand wie in Stein gemeißelt, und es musste gehandelt werden. Doch wer war hier der wirkliche Verräter? Sie hatte sich wieder gefasst und blickte ihn leicht spöttisch an, wagte aber nichts zu sagen. Minuten lang belauerten sie sich wie zwei Raubkatzen, die um sich herum schleichen, wohl wissend, dass derjenige, der sich zuerst aus der Deckung wagen würde, ein nur zu leichtes Angriffsziel abgeben würde. Seine Synapsen glühten, sein Limbisches System hatte sich längst nicht von der vorigen Attacke erholt und produzierte einen wirren Cocktail aus Instinkten und Emotionen.
Nur ein Wort: Untergang. Spontan reifte in ihm eine neue Erkenntnis. Dass jeder von ihnen beiden diesen Tag emotional nicht überleben durfte, sofern er nicht bereit war, seine Unversehrtheit in die Hand des anderen zu legen. Er öffnete die Trommel des Revolvers und entfernte die Munition. „Nun, wir verdienen beide eine Chance“, zischte er ihr zu, „eine Kugel ist im Revolver drin geblieben.“ Ihre Augen weiteten sich, sie war irgendwie positiv überrascht, konnte sich dieses Gefühl jedoch nicht recht erklären. Wo ihr Sekunden vorher noch geschwant hatte, dass sie ihr Spielchen diesmal übertrieben hatte, breitete sich jetzt eine freudige Erregtheit in ihrem Körper aus. Auch seine Anspannung verwandelte sich in das Bewusstsein, dass auf diese Weise etwas passiert.
„Ich fange an“. Er drehte die Trommel des Revolvers und setzte ihn langsam an die Schläfe. Von einem leicht ironischen Zucken des Mundwinkels begleitet, krümmte er den Finger am Abzug. Sie blickte ihn gespannt an, atmete hörbar aus, als das Klicken von keinem Knall übertönt wurde. Mit ernster Miene legte er den Revolver auf den Tisch. „Your turn, Honey. Mach, was du für richtig hältst.“ Er schob ihr die Waffe über zu, und blickte sie herausfordernd an.
Sie überlegte nur kurz. Sicherlich, es war höchst irrational, was sie nun tun würde, aber sie hatte Gefallen an dem Spiel gefunden, endlich ging es einmal wirklich um Leben und Tod. Ihre tiefe Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit brach sich den Bann. Am Ende waren sowieso alle Menschen tot und die meisten von ihnen würden nie wirklich gelebt haben. Dankbar nahm sie den Revolver auf, und spielte mit ihren dezent lackierten Fingernägeln am Abzug. Was würde er wohl denken, was sie zu tun bereit wäre?
Sie hob die Waffe und zielte auf seinen Kopf. „Bang Bang. I shot you down.“ Unbeeindruckt blickte er in ihre Augen. Zu gut kannte er sie, als dass er nicht wusste, dass sie kaum in der ersten Runde bereits aussteigen würde. Und tatsächlich schwenkte auch sie den Revolver an den eigenen Kopf, biss sich auf die Unterlippe und drückte ab. Triumphierend, ohne eine Spur der Erleichterung, legte sie die Waffe zurück in die Mitte des Tisches. Eine merkwürdige Stimmung wie nach einem vollzogenen Geschlechtsakt machte sich breit. Er legte die Hand auf die ihre, die den Revolver noch festhielt, und schob sie weg.
„Nun, die zweite Runde läuft etwas anders.“ Sein spöttisches Lächeln irritierte sie. Was hatte er nun vor? Ihre Selbstsicherheit bröckelte, das unsichere Mädchen kam zum Vorschein. Was war, wenn er nur ein Spiel mit ihr trieb. Kurz genoss er diesen Moment, in dem sie Schwäche zeigte, aber er wollte sie nicht provozieren. „Es geht nun darum, ob wir es über das Herz bringen, den zu töten, der uns wichtig ist.“ Nach diesen Worten richtete er den Lauf erneut auf ihren Brustkorb, an die Stelle, wo er das Herz vermutete. Erneut spürte sie keine echte Angst. Sie wunderte sich über sich selbst, dass sie sogar eine gewisse Befriedigung verspürte, selbst wenn sie gleich von fremder Hand sterben würde, und schloss die Augen.
Das Klicken erlöste beide aus ihrer Anspannung. Sie sah, dass er immer noch die Waffe in ihre Richtung hielt und ruhig wie ein Kind atmete. Den Lauf mit beiden Händen festhaltend nahm sie die Waffe an sich. Er hätte sie getötet. Nicht aus einem niederen Racheinstinkt heraus, sondern weil er sie liebte. Diese Überzeugung machte sie stolz. Nun war sie an der Reihe. Sie überlegte. Zielte sie auf ihn, käme das einem Bekenntnis zu ihren Gefühlen gleich, sich selbst würde sie kaum ohne Grund töten. Aufhören kam nicht infrage. „Nun gut, auch ich bin bereit zu töten, was mir wichtig ist.“
Am Lauf des Revolvers vorbei blickte er direkt in ihre Augen. Beide atmeten ruhig, während sie den Abzug spannte. Quälend langsam krümmte sie ihren Finger, und am Beben ihres Brustkorbs bemerkte er ihre sexuelle Erregung. Sie hielt den Finger an, zögerte. Als er sie provozierend anlächelte, drückte sie ab. Klick. Nummer vier. Erleichtert und erschrocken zugleich legte sie die Waffe auf den Tisch.
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„Es wird nun ernst. Die nächste Runde entscheidet das Spiel bereits. Die Regel lautet, ein Schütze, der erste Versuch gilt ihm selbst, den zweiten darf er wählen. Willst du?“ Der Vorschlag war abstrus, aber nicht ohne Charme. Als sie darüber nachdachte, erkannte sie die innere Logik. Sie musste sich selbst überwinden und durfte danach frei über ihr weiteres Leben entscheiden. Wenn sie sich dieser Herausforderung nicht stellte, war ihr weiteres Dasein sowieso ohne jeden Sinn. „Du bist sicher, dass du mir die Wahl überlässt?“ Er nickte und sie überlegte, warum er wohl nicht die gleiche Herausforderung annehmen wollte, und ob dies ein erneutes Zeichen seiner Schwäche wäre.
Sie warf all ihre Bedenken ab, letztlich war das unerheblich. Es ging um ihr Leben, um ihre Sehnsucht nach Intrigen oder Liebe. Zielstrebig nahm sie die Waffe. Er saß ganz ruhig da, ließ sie jetzt machen, ahnte, dass sie sich nun ihrer Erlösung näherte. Ruhig legte er seine Handflächen auf den Tisch. Es war kaum voraus zu sehen, was sie tun würde, nachdem der erste Schuss nicht gefallen war, und sie sich gewiss sein musste, dass die tödliche Kugel unabwendbar an der Reihe sein musste.
Sie atmete laut ein und aus. Fünfzig-zu-fünfzig war keine besonders hoffnungsvolle Prognose, wenn man mit einer ernsthaften Krankheit beim Arzt war. In dieser Situation war es Schicksal. Sie blickte in den Himmel, murmelte etwas vor sich hin und steckte den Revolver zielstrebig in den Mund. Dieser Anblick machte ihn irgendwie an. Der Lauf zwischen ihren Lippen brachte ihn auf schmutzige Gedanken, die er in diesem Moment für keineswegs unangebracht hielt. Eros und Thanatos bildeten schon seit ewigen Zeiten eine rätselhafte Symbiose. Er malte sich aus, dass sie seinen Schwanz in ihrem Mund hätte und in ihren Augen konnte er sehen, dass sie denselben dreckigen Gedanken hatte. Beinah zärtlich rieb sie den Lauf der Waffe mit der freien rechten Hand. Dann drückte sie ab, und zuckte dabei erschrocken.
„Jetzt musst du dich endgültig entscheiden!“ Seine Worte befreiten sie aus ihrer Trance. Ihr ganzes bisheriges Leben spulte sich wie ein Film im Vorlauf vor ihrem geistigen Auge ab. All die negativen und heftigen unverschuldeten Erlebnisse, aber auch die eigenen Sünden, ob verdrängt oder verleugnet. Der Revolver lag lose in ihrer Hand. Sie sah verwirrt aus und blickte ihn fragend an. „Deine Entscheidung“, entgegnete er kühl. Verzweifelung machte sich in ihr breit. Es konnte doch nicht alles sinnlos sein. Sie hielt die Waffe jetzt fest, fuchtelte damit erst vor seinem Gesicht, dann zurück zu ihrem. Steckte den Lauf beinah wieder in den Mund, aber sah seinen kühlen Blick. Eine Entscheidung. Sie wollte sich nie entscheiden. Sie glaubte an Schicksal, aber jetzt musste sie wohl. Sie atmete hörbar durch. Keiner sollte sterben, keiner. Vielleicht war das ihr Schicksal. Sie zielte mit dem Revolver auf die Außenwand des Cafés. Entschlossen drückte sie ab. Klick.
Ungläubig starrte sie ihn an. Er warf alle sechs Kugeln vor ihr auf den Tisch, die er zuvor aus dem Revolver entfernt hatte, und blickte sie spöttisch an. „Verrätern ist ein kurzes Leben beschieden. Du weißt, was du zu tun hast.“ Seine Gefühle waren zwiespältig, sie tat ihm leid, aber sie musste für ihren Verrat bestraft werden. Ein Leben ohne Hoffnung erschien ihm als die qualvollere Alternative, sein Leben war ihm ohnehin egal, daher störte es ihn nicht, wenn sie ihn erschießen würde.
Sie war entsetzt. Was für ein mieses Spiel hatte er mit ihr getrieben. Ausgerechnet in dem Moment, wo sie einmal in ihrem Leben den Mut hatte, etwas zu riskieren, ihre Gefühle preiszugeben, wurde sie zum Opfer eines solch hinterhältigen Verrats. Mit böse funkelnden Augen griff sie nach den Kugeln und füllte die Trommel auf. Sie war wütend, richtig wütend. Zornesröte stieg ihr ins Gesicht und ihre vormalige sexuelle Erregung wich einem inneren Versprechen nach ewiger Enthaltsamkeit. Der Revolver war nun voll geladen. Jeder Schuss ein Treffer, garantiert tödlich.
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Du blickst mich zornig an. Die Waffe in deiner Hand zittert. Deine Wut legt sich und weicht einem tiefen Entsetzen. Was ist aus unserem Leben geworden. Mussten wir es so weit treiben, um… ja wozu? Willst du mir irgendetwas beweisen, oder dir selbst, oder ich dir oder mir? Scheißfragen. Wir werden das vermutlich nie klären. Darum sollten wir es vielleicht vergessen. Wir könnten das doch mal in Ruhe diskutieren, ich denke zwar nicht, dass du dazu im Stande bist, aber ich weiß ohnehin, wer du bist. Also, kein Grund irgendwas zu verheimlichen oder sich für irgendetwas zu schämen. Das ist unser Leben und wir haben nur eins.
*Zwinker*
Und du spannst langsam den Abzug, zielst auf mich und drückst zweimal ab. Bang Bang. „So ein Blabla konnte ich noch nie leiden, Arschloch.“
"Wichtige Links zu diesem Text"
Scarface (short version) how many times FUCK in one movie???
She's lost control again (great cover version by Trentemoller)
For A Few Dollars More - Final duel, epic sixty seconds to what
Mata Hari, a Dutch dancer, shot as spy in 1917, now considered innocent.







Kommentare
An sich eine gute Idee, der Text. Allerdings fehlt mir der Höhepunkt. Ist etwas langatmig, man wartet irgendwie aber nichts kommt. Schade.
18.10.2012, 03:09 von norasweltAber wie gesagt, Idee war ok!
Wir könnten ja ficken
18.10.2012, 07:59 von EliasRafaelSie ist auch später nicht gekommen
01.02.2013, 15:58 von EliasRafaelRussisch Roulette auf bayrisch im Duell mit Leben und Tod als tanzendes Ballette : heiß und fettig schon bis verfault, aber mit spannungsvollen und sehr interessanten Synapsen zwischen Erotik und Furcht, das mich keineswegs hat beim lesen gegrault...doch fehlt mir die Explosion, weil dann wäre der Höhepunkt besser durch die Kollision, man wartet auf den Schuß, doch im nach hinein vergeht beiden die Lust, ist wie Kopfkino einer arrangierten Beziehung ohne Höhepunkte in Ihrer Liierung, scheinen durch diese Aktion fiktiv was nachzuholen müssen und dabei wild extrahieren mit leidenschaftlichen bayrischen Schüssen..;)..sehr freundlich und interessant, weil nicht erschossen und tödlich berannt, frage mich warum nicht jeder Ehestreit in so einem netten Disput endet, und manche echt doch die Kugel verschwendet..;)
16.09.2012, 12:11 von mr.noticeWieso Bayrisch?
16.09.2012, 13:27 von EliasRafaelErsetze das könnte durch ein hätte und wir bleiben auch weiterhin Neon-Freunde.
26.02.2012, 15:22 von FucareKlar doch :D und danke dir!
26.02.2012, 16:03 von EliasRafaelDanke auch :)
26.02.2012, 16:08 von FucareTrotz der Länge, die mich am Anfang ein wenig erschlug könnte ich mir für den heutigen Sonntag keine schönere Geschichte vorstellen können, mein Neon-Freund :)
26.02.2012, 15:21 von Fucareja ich habe ihn ganz gelesen - auf dem IPad in der Bahn. Dafür hat er genau die richtige länge. Aber er liest sich auch schnell und gut. Außer dem ersten drittel. Da is es mir etwas unrund:
21.01.2012, 17:28 von LooDas schweinefleisch ist ein ziemlicher Fremdkörper in dem Text - das hat so wenig mit dem Rest der Thematik zu tun, dass man den "nicht weg gehenden geschmack im Mund" schwer auf das Gefühl des Verrates bezieht, bzw sich im Rest des Textes nicht mehr daran erinnert. es kommen ja dann auch keine rückbezüge darauf. (verstehst was ich meine? es läuft nicht zufällig ein schwein dann und wann vorbei oda so..)
Und auch sonst is die Begründung für sein Handeln zu schwach. Dadurch wird das ganze zu unrealistisch, und man kann sich zu wenig mit dem Protagonisten identifizieren, was dem eigentlich gutem Spiel etwas die Spannung nimmt.
ausserdem überließt man den moment wo er die waffe zeigt, springt kurz wieder nach oben, das stört ein wenig den lesefluss. ging zumindest mir so.
Die zweite Hälfte is aber toll. Wendungsreich, spannend und SIe ist ein gut gezeichneter character.
Und Das Ende is sehr sympatisch, ich hatte schon Angst dass da jetz ein offenes kommt, das wäre abgedroschen gewesen.
Du solltest nicht auf dem Ipad schreiben....
21.01.2012, 17:44 von somehowamusingtu ich nicht. Rechtschreibung und Grammatik sind bei mir mutwilllig vernachlässigte Kinder. Wenn ich denen mit einem IPad komme werden die autokorrigiert.
21.01.2012, 17:47 von Looyo, danke für die ausführliche Kritik... ist interessant, wie es auf andere wirkt... und ich gebe dir recht, das erste Drittel ist ein wenig unrund... andererseits sollte es ein wenig für eine zynische Grundhaltung sorgen, aber ein Schwein ist sie wirklich nicht... das konnte ich nicht wieder aufgreifen, trotzdem, die Begründung für sein Handeln ist schon okay...
21.01.2012, 17:58 von EliasRafaeler will sie umbringen, weil sie ihm kein original gegeben hat? somand überlebt nicht lange. vllt bis er 5 is. und er scheint älter. Also ich will ja nich auf realistik rumreiten, aber das hinterlässt Stirnrunzeln und ein unrundes gefühl. oder versteh ich was falsch?
21.01.2012, 18:04 von LooEr wollte sie doch gar nicht umbringen, sondern nur zu einer Entscheidung zwingen, die eigentlich seine gewesen wäre. Darum geht's im Grunde.
21.01.2012, 18:11 von EliasRafaelgefällt mir. auch wenn ich jetzt ein bisschen mehr angst vor dir habe. deine phantasie scheint keine grenzen zu kennen.
09.09.2011, 19:00 von holycrap"Wir müssen reden" ist auch gut
04.09.2011, 19:48 von Sasalimag den letzten satz
03.09.2011, 14:00 von Traumversinken@Traumversinken Ich red ja selten Blabla, daher komm ich bei Ostfrieslandtusen nicht so gut an :D
04.09.2011, 02:53 von EliasRafael