seelenfreund 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 0

Verlust der Dunkelheit.

Spot aus, Licht an.

Kalte klare Nächte waren es welche mich immer zum Himmel blicken ließen. Auf dem Dorf geht man an Wintertagen nunmal ins Schützenheim für ein geselliges Bier. Jedes mal, auf dem Weg hinunter und wieder hinauf, da ging mein Blick zum Himmel. War es eine kalte klare Nacht, waren meist die Wolken fern, dafür die Sterne umso näher.

Mein Nachbar hatte mir einmal ein paar Sterne gezeigt. Ich hatte dies nie vergessen, und auch wenn ich außer dem Großen und dem Kleinen Wagen sowie dem Polarstern eigentlich nichts kannte, so war es doch immer ein Bedürfnis sie zu suchen.

Tausende große und kleine, leuchtende und schimmernde Punkte. Den Großen Wagen fand ich immer als erstes, nach etwas Suchen auch den Kleinen Wagen, den Polarstern erahnte ich mehr als ich ihn wirklich wusste, dennoch suchte ich ihn, als ob man nach einem Wegweiser sucht weil man sich nach Orientierung sehnt. Die Sterne fühlten sich immer vertraut an, waren alte Freunde.

Heute über zehn Jahre später, wohne ich nicht mehr auf dem Dorf, ich gehe nicht mehr an Wintertagen ins Schützenheim, ich hatte auch lange nicht mehr nachts nach oben geblickt.

Klar wir alle sehen nach oben so dann und wann, aber wahrlich nicht bewusst.

Seit einiger Zeit habe ich wieder angefangen wirklich nach oben zu blicken und nicht nur mal einen Blick zu werfen. Das Erschreckende war, ich erkannte meine Freunde nicht mehr, man sah kaum etwas. Mit dem Rad heimwärts fahrend, am Rande der Großstadt und doch nur ein diffuser, schier fremder Himmel.

Dafür ein paar hundert Meter entfernt die ausgiebige Beleuchtung des weitläufigen Parkplatzes am neuen Fußballstadion. Lichtverschmutzung, so wird es benannt. Etwas absurdes im ersten Moment, Licht ist sonst immer etwas reines, wieso sollte gerade Licht etwas verschmutzen?

Es gibt inzwischen Menschen welche sich professionell damit beschäftigen. Bäume verlieren neben Straßenlaternen ihre Blätter später, Wuselinsekten schwirren um die Birne und sterben dort, Schlaflose werden von der Neonreklame wach gehalten und ich sehe einen fremden Sternenhimmel.

Heutzutage wird alles beleuchtet, vom sinnvollen Notausgang bis zum sinnfreien Autounterboden.

Wieder so ein Ewiggestriger? Sollen wir alle wieder ums eine Feuer herumsitzen oder gar auch dieses ausmachen?

Irgendwie ja!

Zumindest bewusster agieren. Das ist glaube ich das wirklich schöne am älter werden. man wird sich bewusster über die Dinge, oder hofft es auf eine eigene Art und Weise.

Spot aus, Licht an. So könnte es klappen. Nicht alles vollkommen ausleuchten, Platz lassen für Schatten und Dunkelheit, einen Sternenhimmel wieder zulassen.

In Chile stehen Unmengen Teleskope und Sternwarten wegen der guten Sicht, dort gibt es inzwischen allerlei Gesetze darüber wo, wer, wie, wann, was für ein Licht aufbauen darf.

Ich weiß nicht ob wir auch Gesetze brauchen, dass es mit der Vernunft alleine klappt glaube ich nicht, aber hoffe es dennoch.

Wenn die Menschen Gemütlichkeit wollen, zünden sie ja auch Kerzen an. Es ist also in uns drin, wir wollen eine gewisse Dunkelheit, wir wollen ein Licht erkennen können, und nicht von einer Lichterflut überfordert werden. Zu viel Licht macht mich orientierungslos, zu viel Licht lässt das Wesentliche untergehen, zu viel Licht bringt keine innere Wärme, keine Geborgenheit.

Ich war auf einer Radtour mit dem Zelt unterwegs. Nachts auf einer Wiese am Flußufer, vollkommen fern der vielen künstlichen Lichter. Erschreckend wie viele Sterne man dort sieht! Erschreckend im Vergleich zur Großstadt. Auch dieser Sternenhimmel wirkte fremd, aber auf eine angenehme Art und Weise. Ein Sternenhimmel welcher sich einem zeigte, sich nicht versteckte.

Ich habe inzwischen angefangen immer öfter das Licht auszumachen, erst die große Raumbeleuchtung, dann auch die Stehlampe. Mehr und mehr brennt nur noch eine Kerze im Zimmer.

Es fühlt sich gut an diese Momente bewusst zu erleben, ich fokusiere mich viel mehr auf das was ich tue. Weniger Licht außen, fühlt sich in mir heller an.

Bin ich mal fern der Großstadt genieße ich den nächtlichen Himmel, ein alter vertrauter Freund bei dem man sich freut ihn zu sehen. Helligkeit verloren aber einen alten Freund wiedergewonnen.


5 Antworten

Kommentare

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    Eigentlich immer eine gute Idee.

    06.02.2015, 23:30 von seelenfreund
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    Wohl wahr!
    Ich mach mal das Licht aus und eine Kerze an ;o)

    06.02.2015, 23:29 von smartanja
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