Peanutbutter 08.01.2007, 14:21 Uhr 29 11

Verkehrte Welt?

Jeder weiß, dass es zu viel Armut gibt. Ich auch. Schon immer. Aber trotzdem....

Natürlich weiß ich, dass es viel Armut gibt auf dieser Welt. Schon immer: Jeder weiß das. Aber noch nie ist mir der Unterschied zwischen "uns" und der Dritten Welt so krass demonstriert worden wie heute. Nur ein Film. Nur dieser einzige Film "Darwin`s Nightmare" und ich frage mich, ob die Welt überhaupt noch ungerechter und verrückter werden kann. Dachte ich gestern ernsthaft ICH hätte Probleme? Ich, die jeden Tag freudig ihr Mittagessen wegputzt und sich danach in ihr Zimmer verkrümelt? Mir geht es verdammt gut. Das weiß ich. Und ich bin unendlich dankbar dafür. Aber kann und will ich das so überhaupt genießen?

In dieser großen weiten Welt, die so unglaublich weit weg scheint für mich, sterben Menschen, Kinder, die nichts von dem besitzen, was für mich selbstverständlich ist. Die Kinder sterben auf der Straße vor den Gebäuden, in denen Vertreter unserer Länder über Lebensmittelexporte, Infrastruktur und sanitäre Anlagen in Fabriken diskutieren. Stolz verkünden sie später, dass das Land jetzt endlich alle erforderlichen Bedingungen erfüllt, um in die EU-Länder exportieren zu können. Ja, richtig gelesen EXportieren. Einige Fischfilets, die wir bei Aldi und anderen für einen Euro oder weniger kaufen können, kommen aus Ländern, in denen Menschen bei Hungersnöten sterben.

Wir zäumen das Pferd von hinten auf und fangen erstmal mit Spendenaufrufen und Hilfsgütern an. Natürlich ist das wichtig. Aber wie wärs, wenn wir damit anfangen würden, diesen Menschen die eigenen Lebensmittel im eigenen Land zu lassen? Oder besteht hier jemand auf Fischfilets aus dem Viktoriasee?

Ich weiß, es sind immer nur solche Filme, Dokumentationen oder Berichte, die mich immer wieder aufschrecken lassen, damit ich mich kurz an das Thema erinnere, um wenig später wieder zu vergessen und in meine kleine heile Seifenblasenwelt zurückzukehren. Aber in solchen Momenten packt mich eine solche Wut und ich sitze hier mit einem Gefühl, mit dem ich absolut nichts anfangen kann: Hilflosigkeit.

11

Diesen Text mochten auch

29 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    ich kann dein gefühl irgendwie nachvoll ziehen! ich sitze auch hin und wieder da und pack mir an den kopf und denke mir in was für einer welt wir leben.... ich sehe und höre dinge und denke mir nur das es einfach total ungerecht und krank ist was die menschen unseres einen tun können und mit welchen gedanken sie daran gehen und ob sie überhaupt ein gewissenhaben..... die meisten sind so gierig, geizig und gewissenlos, denken nur ans geld und ansich selbst und wie sie sich das leben schöner gestalten könne.... es ist irgendwie beschämend in solch einer gesellschaft zu leben!

    25.02.2007, 19:00 von Artschi
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Ich hab ganz vergessen, daß der Auslöser zu Deiner Betroffenheit ein Film war. Deshalb noch einmal ganz deutlich: Ein Film ist ein Kunstwerk, er bildet also nicht "die Realität" ab, sondern das, was der Regisseur Dir zeigen will. Der Regisseur kann 100 Leute interviewen und wenn nur einer sagt, was ihm gefällt, dann wird auch nur der eine gezeigt.
    So hat der Regisseur dieses Films z.B. darauf verzichtet Leute zu präsentieren, die von der Nilbarschindustrie profitiert haben.

    http://de.liberty.li/magazine/url.php?id=3868&t=Der Fisch stinkt ein wenig

    Wie immer die Neoneigenart der spontanen Leerzeichen beachten!

    13.01.2007, 17:01 von Romeo_Flausch79
    • Kommentar schreiben
  • 0


    Deine Hilflosigkeit hat etwas bewirkt: Da hast eine Diskussion veranlasst, andere Leute dazu angregt, selbst (mal wieder) über dieses Thema nachzudenken.

    Doch leider gibt es kein universales Strategiepapier zur Lösung dieser unheimlich komplexen Problematik.

    Es blebt nur eins: Informiere dich weiter und hilf dann dort, wo DU es für richtig hälst.
    Denn jeder hat Recht, wenn er meint, woanders sei es "viel nötiger". Dann soll es derjenige dort helfen, doch deine Entscheidung ist nun mal die deinige.

    13.01.2007, 00:16 von bibliophile
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • Kommentar schreiben
  • 0


    Mir kommt dabei auch dieser Berg an raubkopierten Sportschuhen in den Sinn, die jüngst vernichtet wurden. Wie viele Kinderfüße hätten da hineingepasst, wenn man die Container an Bedürftige geschickt hätte, statt die eigene Kasse durch Schredderung zu schützen?

    So lange man sich solche Aktionen aus purer Profitgier staatsseitig leisten kann, begrenzt sich mein eigenes schlechtes Gewissen bei diesem Thema um ein paar Nuancen...

    zz.

    10.01.2007, 09:54 von zzebra
    • 0

      @zzebra Raubkopierte Schuhe bleiben, auch an bedürftige verschenkt, raubkopierte Schuhe.
      Das sind doch wieder Äpfel und Birnen.
      Hast Du den Artikel im Spiegel über die 'Kleiderspenden' aus Europa gelesen, mit denen in Afrika ein schwunghafter Handel betrieben wird? Mit dem unangenehmen Nebeneffekt, das eine lokale Textilwirtschaft zugrunde gerichtet wird?
      Oder die Nahrungsüberschüsse der EU, die zu europäisch subventionierten Schleuderpreisen in Nordafrika verkauft werden... Ebenfalls mit der Folge von Abhängigkeit und Zerstörung lokaler Lebensmittel- und damit Wirtschaftskreisläufe. ("We feed the World")

      Almosen schaffen nur Abhängige.

      Mehr zum Thema:
      http://tinyurl.com/y9yyzm
      (brandeins, Ausgabe 10/2005, Schwerpunkt: Hilfe)

      10.01.2007, 13:38 von sailor
    • 0

      @sailor
      @sailor:
      Na und? Dann verschenke ich eben "raubkopierte" Schuhe an Bedürftige. Ich wette, die Träger geschützter Sohlen interessiert das Null die Bohne. Hauptsache verpackte Füße. Das Argument mit der Wirtschaft mag weitsichtig und zukunftsträchtig sein - und ein alter Hut, der von Wasserpredigern nur allzu gerne argumentativ verwendet wird.
      Es lässt die Füße der Gegenwart kalt. Und ja: Das war auch eine Metapher.

      zz.

      18.01.2007, 09:36 von zzebra
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    P.S. eins will ich doch noch sagen: Promis haben viel zu viel Geld und die koennten mit ihrem Geld n ganzes Dorf versorgen,wenn nicht 2,
    also @ninasofie du bist besser als Madonna!


    und eins noch zum nachdenken:
    Was haltet ihr von dem sterben in den USA von uebergewicht und in 10 mal so vielen Laendern sterben noch mehr menschen an Untergewicht also HUNGER. Einer stirbt waehrend der naechste sich super size reinzieht!

    so das wars dann auch

    09.01.2007, 21:03 von anid
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      @[Benutzer gelöscht] wenns tatsächlich mehr übergewichtige gibt als hungernde (was ich bezweifle, weil USA ist nicht so groß ist!!! USA ist nicht die welt...) das ist dann ja noch schlimmer. Und @cyrion ich finde schon dass es passt... ich rede von ungerechtigkeit und hungernden Menschen. Ehm zu deinem unterem Beitrag,Vollstopfen aus Faulheit und gemütlichkeit dank viel geld hat wohl was damit zu tun. denn die Autorin hat auch schon erwähnt, dass usa und co. viele lebensmittel den hungernden menschen wegnimmt und keinen gesunden ersatz gibt. findest du nicht?

      11.01.2007, 15:10 von anid
    • 0

      @anid
      Fettleibigkeit ist in allen Industrieländern (und solchen, die es werden wollen, wie China) ein dickes Problem.
      Nicht nur in den USA...

      11.01.2007, 17:01 von sailor
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Danke dir fuer diesen text! So hammer spannung und am ende... die hilflosigkeit, wie bei jeden Wutausbruch und jeden Anfall!
    Ich liebe texte, die so frei und aus den Gefuehlen heraus geschrieben werden! Mein Herz hat sein Tempo mal wieder erhoeht!

    09.01.2007, 20:56 von anid
    • Kommentar schreiben
  • 0

    he...
    natürlich ist das schlimm, was in diesen Ländern abgeht. wie manche menschen leiden, während wir im überfluss leben. aber... ich denk manchmal.. diese armen menschen, die haben auch viel, was wir nicht haben. so ganz andre wertvorstellungen, träume, leben. natürlich sollte niemand an hunger sterben, aber ich glaube nicht, dass sie unter umständen wie wir leben glücklich sein könnten.. versteht mich wer? ich glaube nicht ;)

    09.01.2007, 20:15 von chirpychickpea
    • 0

      @chirpychickpea ich glaub ich versteh was du meinst.... ;)
      ich glaube auch nicht, dass diese menschen sich wohl fühlen würden, wenn sie genauso leben würden wie wir.
      weiß genau was du meinst!

      09.01.2007, 20:37 von Peanutbutter
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
Seite: 1 2 3

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare