sabbelwasser 30.11.-0001, 00:00 Uhr 33 24

Und keiner macht den Anfang

Es ist mal wieder typisch. Die Verantwortung wird wie ein Würfelbecher herumgereicht. Keiner kann, bevor die anderen nicht machen.

Eigentlich wissen wir alle, dass Fliegen nicht die umweltfreundlichste Art des Reisens ist, auch die Fluggesellschaften wissen das. Natürlich erwartet niemand, dass uns Air Berlin, Lufthansa und Co. von der Nutzung ihrer Transportvehikel abraten. So naiv sind wir nicht. Aber dieses Abschieben der Verantwortung auf vermeintlich größere Umweltsünder geht mir gehörig auf die Nerven.

Wie es auch meine Geduld strapaziert, wie Staaten sich der Verantwortung entledigen, CO2-Ausstoß zu reduzieren. Da werden Statistiken bis zum geht nicht mehr bemüht, denn schließlich ist man selbst nicht der größte Klimakiller und deshalb schon per se nicht verpflichtet, als Erster etwas zu ändern.

Das Drama setzt sich im Kleinen fort. Wenn die USA unser Klima zerstören, muss ich nicht übereifrig werden. Schon bald werden Dörfer und Städte wieder im Glanz unzähliger Lichter erstrahlen, denn es weihnachtet demnächst. Klar, der Winter ist dunkel in Deutschland und man sehnt sich nach Licht, aber sind Rudolph, das rotnasige Rentier und seine Lichterkettenfreunde es wirklich wert, dass Spanien zur Wüste wird?

Wieso meinen wir, das Recht zu haben, mit 210 km/h über Autobahnen zu rasen, obwohl wir wissen, dass der Spritverbrauch exorbitant ansteigt? Rechtfertigt der Ich-will-Spaß-ich-lebe-nur-einmal-Trip ein solches Verhalten? Ach? Du willst keine Kinder? Und wenn am hamburgischen Elbstrand Palmen gedeihen bist du längst tot? Wie kommst du darauf, dass dich dies von jeder Verantwortung entbindet?

Können Hamburger am Wochenende nicht einfach um die Alster spazieren, statt aus dem Seitenfenster norddeutsche Vorgärten zu inspizieren? Was ist so schlimm daran, Energiesparlampen zu verwenden? Warum werden einzelne Kleidungsstücke durch die Waschmaschine gejagt? Ist es wirklich zu viel verlangt, einen Tag länger auf das Lieblingsshirt zu warten?

Auch wenn der Flug von Hamburg über Bremen und München nach Dresden günstiger ist, als das direkte Bahnticket, rechtfertigt dies nicht die ökologischen Auswirkungen. Noch niemandem ist ein Zacken aus der Krone ge-, sonder allerhöchstens ein Fingernagel abgebrochen, wenn Fenster geschlossen werden, statt auf Dauer-Kipp-Modus die Novemberlandschaft zu beheizen

Niemand muss beim Licht einer 1-Watt-LED-Leuchte die Tageszeitung lesen, aber jeder hat die Möglichkeit frei zu entscheiden, wie er dazu beitragen kann, Energie sinnvoll einzusetzen. Wenn unsere von Hautkrebs zerfressenen Nachkommen auf -von künstlich bewässerten Feldern stammenden- Salatblättern für 12,50 Euro herumkauen, werden sie sicher viel Verständnis dafür haben, dass es uns zu mühsam war, den Fernseher auszuschalten. Sie werden verstehen, dass es unzumutbar gewesen wäre, nicht die 10-Liter-Limousine zu kaufen. Sie werden sagen: „Natürlich war es nicht an euch, etwas zu tun, denn schließlich waren zunächst die Amerikaner und Chinesen in der Pflicht.“

Übrigens: Auch der Tropfen auf dem heißen Stein entfaltet Wirkung."Wichtige Links zu diesem Text"
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33 Antworten

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    Die Leute ändern ihr Verhalten meist erst dann, wenn es ihnen an den Geldbeutel geht. Offiziell befürwortet man den ökologischen Aspekt, inoffiziell ärgert man sich bloß über die hohen Spritpreise und kaschiert durch seine Pro-Öko-Haltung, daß man sich das Benzin für die Spritztour ins Blaue im Grunde schon gar nicht mehr leisten kann. Hinter dem Trend zum Öko-Lebensmittel steckt oft weniger der Wunsch nach einer heilen Gesamtwelt, sondern man erhofft sich davon Gesundheit und ein langes Leben - sich selbst und der eigenen Familie, wohlgemerkt. Wie es dem Reisbauern in China geht, berührt dabei nicht wirklich. Menschen sind nunmal von Natur aus Egoisten, daran wird auch kein Öko-Hype groß was ändern.

    24.11.2007, 11:21 von flughund
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    Wirklich gut geschrieben, auch in Anbetracht der Tatsache, dass bereits in den 70ern gesagt wurde: "Wenn wir von heute auf morgen von 100 auf 0 runterfahren, dann könnten wir die Katastrophe verhindern."
    Aber schon da hat es eben keiner für nötig gehalten, den Anfang zu machen.

    23.11.2007, 18:51 von FabienPhilipMeunier
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    aber DANN können wir zu recht den chinesesn und amerikanern die schuld in die schuhe schieben^^

    23.11.2007, 16:16 von dudinka
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    Das Thema und der Artikel gefallen mir. Vielleicht ist unsere Denke teilweise noch nicht hinreichend. Könnten wir in einem späteren Leben das Ergebnis unserer Umweltsünden sehen, würden wir vermutlich uns bzw. unseren Ururopas und Ururomas täglich und nachträglich die Krätze wünschen. Aber vielleicht sind wir noch lernfähig und willig zu überleben.
    Der Raubbau der Ressourcen und die Umweltverpestung sind sicher nicht unsere einzigen Probleme heute. Aber auch diese Probleme müssen dauernd angesprochen werden. Wenn konsequent Besserung angesprochen und herbeigeredet wird, werden Politik und Öffentlichkeit auch Besserung bringen.
    Sooo selbstverständlich scheint das Umweltbewusstsein selbst bei uns noch nicht verankert zu sein, wenn man die Kommentare liest.
    Ich fahre gern gelegentlich Fahrrad und lasse das Auto stehen, wenn dies möglich ist. Ich gehe auch gern einige Schritte zu Fuss. Das Rauchen habe ich aufgegeben - ohne Akupunktur oder ärztliche notwendige Verordnung - weil ich ein schlechtes Gewissen dabei hatte. Ich hab einfach damit aufgehört und nicht wieder angefangen - macht mich Stolz. . Manchmal hab ich n' bisserl was geknabbert, hab' auch ein paar Pfunde zugenommen, aber ich bleibe bei der Entscheidung. Willensschwach will ich nicht sein.

    23.11.2007, 14:07 von schlenke
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    DANKE !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    23.11.2007, 11:19 von Krawallwurzel
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      @[Benutzer gelöscht] "Worum geht es hier?"
      Och, nur um die Zukunft dieses Planeten, nichts weiter.

      "Mainstream-Umweltmeinung"-> Was bitte ist DAS denn? Ich weiß nicht, ob Du schon erfasst hast, dass das hier kein Modetrend, sondern letztendlich eine Frage von Leben und Tod ist (???)

      Entschuldige bitte den Tonfall, aber dieses "nach-mir-die-Sintflut"- Denken k**** mich echt an!

      23.11.2007, 22:45 von Knurrhahn
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