id.cay 11.11.2009, 20:35 Uhr 0 0

Umweltschutz: Verbeult, Verbogen und Zerschmettert

Kommunismus ist kacke. Fürchtet euch nicht, es geht nicht darum, sondern um Umweltschutz. Naja, vielleicht fürchtet ihr euch besser doch.

Kommunismus ist kacke. Weil? Naja, ihr wisst schon, ist halt alles ganz schön idealistisch. Sind vielleicht ein paar ganz nette Ideen dabei, aber der Marx hat eben immer vergessen, dass der Mensch ganz schön fehlbar ist. Man kann Menschen nicht so programmieren, dass sie nur Gutes tun. Das hat der Liebe Gott auch schon einmal probiert, und als das nicht funktionierte hat er noch so den ein oder anderen Messias hinterhergeschickt, um mit bestem Beispiel voran zugehen, und es hat auch nicht hingehauen. Und jetzt sind diese Gutmenschen, Gläubige und Kommunisten sich auch noch spinnefeind, auch jeweils untereinander. Und wie haben sie versucht, und versuchen noch, ihre Weltverbessererideen umzusetzen? Mit Gewalt, ohje, das konnte und kann doch nichts werden.

Menschen ändern sich nicht, selbst wenn es ihnen zum Besseren gereichen würde. Sie ändern sich einfach nicht gern. Kaum hat jemand eine Idee, wie es besser laufen könnte, hier und dort und überall, im Kleinen und Mittleren und Großen, für sich selbst und andere und alle zusammen, gibt es einige wenige, die halten das für eine großartige Idee und eine gewaltige Mehrheit vieler die sagen „Ach, wisst ihr was, das ist ja schon ganz niedlich, das mit eurer Idee, aber wir haben echt andere Sorgen.“

Der Umweltschutz ist eines dieser Ideale. Eine gesunde strahlendgrünblaustrahlende Weltkugel mit umweltbewussten Menschen, das ist Utopie, das ist unerreichbar, das ist jenseits allem Vorstellbaren. Umweltschutz ist tot. Jede einzelne Idee wird von tausenden Hämmern verbeult, verbogen und schließlich zerschmettert und wird es immer werden, bis es keine Ideen und keine Hämmer mehr gibt, und niemanden der sie haben oder schwingen könnte. Denn geschwungen werden diese vielen vielen Hämmer von vielen vielen Menschen, jenen Menschen, die zu bequem sind sich zu verändern. Die sich nicht programmieren lassen, Gutes zu tun, und es aber auch nicht von selbst versuchen. Die sich verstecken hinter ihrer Fehlbarkeit und sie als Ausrede für ihre Bequemlichkeit nutzen. Jene Menschen, die ihren Lebensstil nie für die Rettung eines ganz normalen Planeten aufgeben würden.

Energiesparlampen nutzen? Weniger Auto fahren? Kurzstrecken mit der Bahn statt mit dem Flugzeug bewältigen? Seltener Fleisch essen? Mülltrennung? Den Wäschetrockner ausgeschaltet lassen? Jahreszeitengerechtes Obst und Gemüse aus Deutschland? Die Badewanne trocken legen? Recycling-Klopapier benutzen? Auf Standby verzichten? Plastikmüll vermeiden? Tempolimit auf der Autobahn?
Und wieder haben Menschen Ideen, wie es besser laufen könnte, hier und dort und überall, im Kleinen und Mittleren und Großen, für sich selbst und andere und alle zusammen, und wieder gibt es einige wenige, die halten das für eine großartige Idee und eine gewaltige Mehrheit vieler die sagen „Ach, wisst ihr was, das ist ja schon ganz niedlich, das mit eurer Idee, aber wir haben echt andere Sorgen.“

Und, ja, tatsächlich, natürlich haben sie andere Sorgen.

Bänker sorgen sich Osteuropa,
Nachbarn sorgen sich um Bäume,
Ärzte sorgen sich um ihre Praxen,
Eltern sorgen sich um ihre Kinder,
Männer sorgen sich um ihre Penisgröße,
Politiker sorgen sich um Umfrageergebnisse,
Regierungschefs sorgen sich um Steuerausfälle,
Opelangestellte sorgen sich um ihren Arbeitsplatz,
Verbraucherschützer sorgen sich um Kundendaten,
Hochschulabsolventen sorgen sich um ihre Zukunft,
Fernsehmoderatoren sorgen sich um ihre Einschaltquote,
Gesundheitsminister sorgen sich um die Schweinegrippe,
Unternehmer sorgen sich um die hohe Staatsverschuldung,
Wohlhabende sorgen sich um Reichtum und sozialen Abstieg,
Deutsche sorgen sich um Ersparnisse und die soziale Marktwirtschaft,
Migranten in Jüterborg sorgen sich um einen sicheren Heimweg von der Arbeit.

Ich mache mir Sorgen, wie einem der mir anvertrauten Kinder, einer kleinen, sehr niedlichen Autistin, Selbstständigkeit und Flexibilität beibringe. Ohne, dass sie alle fünf Minuten durchdreht.

Meine Sorgen sind mir wichtig. Nehm ich mir heraus, von mir auf andere zu schließen, dann sind den Opelanern ihre Jobsorgen wohl auch wichtig, den Wohlhabenden ihr Reichtum und uns Männern unsere Schwanzgröße.
Unabhängig davon, sollte ich, sollten die, solltet ihr, sollten wir, meine, deren, eure, unsere eigenen Probleme zurückstellen können. Für den Umweltschutz. Für das Überleben unseres Planeten und unsrer Selbst. Aber das können wir nicht, sagen wir. Weil wir Menschen sind, weil wir fehlbar sind. Weil wir ganz schön feige und faul und bequem sind.
Kommunismus hat es nie geschafft, Religionen sind von gestern und der Umweltschutz ist uns auch gerade gestorben. Von tausenden Hämmern verbeult, verbogen und zerschmettert, in einem aussichtslosen Kampf gefallen, während wir andere aussichtslose Kämpfe kämpfen.
Für diesen Nachruf hat es noch gereicht.

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