DublinLifestyle 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 1

Über das Glück im Leben in der heutigen Gesellschaft

"Ich fühle mich als Betrügerin meiner eigenen Persönlichkeit, denn ich unternehme so viel, nur um ein gutes Update auf Facebook erstellen zu können."

10-02-2016/12-02-2016/13/02/2016

Ist es nicht komisch wenn man auf sein Leben zurück blickt, oder viel mehr auf den kleinen Teil den man schon hinter sich gelassen hat, und nicht will dass man älter wird? Denn alles ist so vergänglich und das ist wahrscheinlich genau das, was uns dazu bringt verzweifelt die Zeit stoppen zu wollen.

Denn noch sind wir jung und unabhängig. Das Leben sollte ein Paradies sein, mit all den Möglichkeiten die uns zugeworfen werden.
Es ist immer mindestens einer unserer Facebook Freunde in Australien, keiner davon älter als 25. Und einer ist immer Urlaub. In der Sonne oder im Schnee.

Denn noch haben wir keine Verantwortung. Wir können kommen und gehen wann wir möchten, können das Abendessen auch mal auf den nächsten Morgen schieben oder die Wäsche doch erst nächste Woche waschen. Und wenn wir mal weg wollen von zu Hause, dann ist auch das kein Problem, denn Mama und Papa sind immer für uns da und springen immer für uns ein und haben immer ein paar Euro für unsere Ideen übrig.
 
Denn noch haben wir jemanden, der uns immer unterstützt, bei jeder noch so verrückten Idee, jemanden, der uns immer wieder auffängt und der zu Hause bleibt, wenn wir raus gehen wollen.

Aber was machen wir wenn älter werden? Wenn die Vergänglichkeit uns einholt und es unsere Eltern nicht mehr gibt und wir unser Leben ganz alleine steuern müssen? Denn wer macht das schon mit 19? In unserem Alter kommt man doch immer wieder auf Mama oder Papa zurück. Denn noch sind wir jung und können tun was wir möchten, denn da ist immer jemand der uns hilft.

Wenn wir schon jetzt so viele Sorgen haben und weder ein noch aus wissen,
wenn wir schon jetzt realisieren, dass wir heute mehr Probleme zum Grübeln haben als noch vor 2 Jahren,
wenn wir schon jetzt realisieren, dass wir als Kinder noch so sorglos und glücklich ohne jede Einschränkung waren,
wie soll es denn erst in 10 Jahren werden, oder in 20 Jahren? Oder 30?

Werden wir je wieder so sorgenfrei und hemmungslos froh wie ein Kind?

Wir bezeichnen uns als „erwachsen“, wir sind offiziell ein voll befugter Bürger unseres Staates. Doch ich bin noch nicht so weit! Ich fühle mich nicht bereit eine solche Bezeichnung anzunehmen! Ich fühle mich immer noch wie ein Kind, ein Teil von mir ist älter geworden, aber ein größerer Teil ist immer noch genauso verrückt und spielerisch jung wie vor ein paar Jahren.
Ich bin noch nicht „erwachsen“, denn dieses Wort setzt mich zu sehr unter Druck. Es bezeichnet mich als ausgewachsene Person, im Leben auf sich selbst angewiesen. Doch ich will noch ein bisschen in dieser Zeit zwischen Kind und Schule und Freizeit und Bildung und Karriere schweben und diese wundervolle Zeit genießen, eine Zeit in der man tun und lassen kann was man möchte, in dem man wild und jung und albern sein kann, ohne erhebliche Konsequenzen tragen zu müssen. Ich möchte noch nicht in den ernsten Teil des Lebens übergehen.

Ich stehe vor so vielen Fragen; wird man im Leben noch einmal einem Abschnitt wie diesem gegenüber treten? Einem Abschnitt ohne Verpflichtungen? Oder wird es so bald ich einen festen Arbeitsplatz, einen festen Freund, einen festen Mietvertrag und einen festen Alltag habe nie mehr so ausgelassen werden wie jetzt? Wie ist es älter zu werden? Wie ist es alt zu werden?

Ich lebe nun schon 19 Jahre ein "Leben" und trotzdem habe ich keine Ahnung davon. Was ist das „Leben“? Ein Spiel in dem jeder Verlierer ist? Oder jeder Gewinner? Wird es mir das einmal Wert sein, mich täglich „abzurackern“ und Dinge zu tun, zu denen ich keine Lust habe, wenn alles doch so vergänglich ist und ich ohnehin mein Leben bald beenden werde?

„Nein, kämpfe für dein Glück!“ sagt das Engelchen auf meiner Schulter. Ich solle etwas aus diesem Geschenk, dem Leben, machen, mir ein gutes Leben erkämpfen. Ein Leben, dass mir all die Dinge ermöglicht die ich gerne tun möchte, ja, man muss hart dafür arbeiten um sich selbst glücklich machen zu können.
„Stay close to everything that makes you glad you are alive“, „be happy“, „no matter how long you travelled in the wrong direction, you can always turn around“ sagen mir images auf tumblr und Instagram.
Ich solle das Leben genießen und Freude daran haben, es als Geschenk sehen… Ich solle Ich selbst sein.
Ja, aber glücklich sein ist nicht so einfach in der Gesellschaft, in welcher meine Generation sich bewegt. Natürlich kann jeder sein Glück finden, jeder hat mal gute oder schlechte Laune und ich will kein Grinch des Frohseins spielen, aber unsere Gesellschaft bewegt sich in einer neuen Welt der sozialen Medien.

Einer Welt voller perfekter Leben, voller perfekter Körper und voller perfekter Menschen. Jeden Tag, wenn ich durch Instagram scrolle muss ich mir ansehen, wie die schönste Bloggerin Amerikas sich auf der schönsten aller karibischen Inseln vergnügt. Am Strand im neusten, tollsten Bikini, den sich wahrscheinlich jede zweite ihrer Follower in der nächsten Woche im Internet aus Amerika nach Deutschland bestellen wird.
Denn wir sind schließlich nur „cool“ wenn wir genau diese teuren Klamotten tragen. Eine andere posted die neue „Naked“ Palette, Liedschatten für 50 €. Mac Lippenstifte. Schuhe. Jacken. Taschen. Und vor allem Uhren; wer hat besitzt keine Uhr von Michael Kors, Fossil oder Daniel Wellington?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es mehr darum geht zu zeigen was man hat, als zu sein wer man ist.
Mädchen die sich aushungern lassen und Jungen die sich von Protein Shakes ernähren.
Was ist das für eine Welt in der jeder so sehr auf sein Aussehen und sein Instagram Profil reduziert wird?
Was ist das für eine Welt in der ich mich nicht mehr wohl fühle, weil ich keine Taille vom Maß eines Pariser Models habe? Wenn ich jeden Tag darüber nachdenke wie viel ich esse, was ich esse und dass meine Klamotten nicht mal annäherungsweise so cool sind wie die, des Mädchens von der letzten Party?

Ich dachte immer Fotos schießen wir als Erinnerung an eine gute Zeit, Filme drehen wir um sie später unseren Kindern zeigen zu können und an den Strand fahren wir um Spaß zu haben.
Doch ich fühle mich als Betrügerin meiner eigenen Persönlichkeit, denn ich unternehme so viel nur um ein gutes Update auf Facebook erstellen zu können.
Manchmal habe ich Angst, dass ich den Moment gar nicht richtig intensiv und lebendig erlebe, so abgelenkt von dem Versuch das perfekte Foto zu ergattern.
Denn sollte ich nicht einfach die schönen Seiten des Lebens genießen und mich im Nachhinein freuen ein tolles Andenken mitnehmen zu können, dass ich später mit meinen Freunden teilen kann, auch wenn ich dort gerade nicht wie das perfekte Mädchen, im perfekten Leben abgelichtet bin?

Ich dachte immer geliebt werden wir, wie wir sind und egal welche Kleidergröße wir tragen. In der 8. Klasse hätte ich nie damit gerechnet, dass ein Smartphone mein Leben so beeinflussen würde.
Denn all diese Dinge sind doch so vergänglich. Poste ich noch immer Fotos von mir wenn ich einmal 60 bin? Ist all dieses dann immer noch so wichtig für mich, um gut in der Gesellschaft dazustehen?

Schluss endlich können wir doch nur glücklich werden, wenn wir uns von all diesen Dingen frei machen, wenn wir social media social media sein lassen, welche nur eine kleine Rolle anstatt die Hauptrolle in unserem Dasein spielen, wenn wir im Hier und Jetzt Leben, alle Chancen ergreifen und nicht immer auf das schlecht möglichste warten was passieren könnte.
Wenn wir Momente einfach mit unseren Liebsten teilen und Lieben und Leben, einfach, getrieben von positiven und nicht von negativen Gedanken.


Tags: liebe, erwachsen werden, Familie, Glück, social media, Gesellschaft, Zukunft
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1 Antworten

Kommentare

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    Hej :) 


    Finde deinen Text echt gut. 
    Da kann ich mich voll hineinfühlen,
    auch wenn ich schon von daheim ausgezogen bin. 

    Vor einem Jahr habe ich mich von Facebook 
    "löschen lassen" (so wird es jedenfalls versprochen), also ist mein einziges social media neon.de. 

    Erstaunlich war, dass sich manche Freunde wirklich abgewendet haben, da ich jetzt "nicht mehr dabei" bin. Aber es hat mir auch gezeigt, welche echten Freunde ich habe. 

    Viel Zeit mit deiner Familie, deinen echten Freunden und vielleicht deinem Partner zu verbringen, 
    hilft dir vielleicht etwas für "die Ewigkeit" oder zumindest einen längeren Lebensabschnitt aufzubauen. 

    liebe Grüße

    18.02.2016, 09:12 von Tourbillon
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