MaasJan 23.12.2011, 14:43 Uhr 5 4

Tod & Teufel

Aus der Reihe: Klassiker neu aufgelegt. Zum Feste etwas göttliches.

Die Staubkörner tanzten ausgelassen auf den, durch die Jalousieschlitze schießenden  Sonnenstrahlen.

Sogar die Wollmäuse in den Ecken des Zimmers ließen sich beim kleinsten Luftzug mitreißen und kugelten über das Buchenholzparkett. Moritz musste ein wenig in sich hineinlächeln und besah sich die grauen Mäuse.

Er kannte sie nur zu gut.

Nicht nur, weil er zu faul zum Staubsaugen- und wischen war, nein, auch in seiner Klasse gab es etliche davon.

Ein unheilvolles Kribbeln breitete sich von den Augen über den Nasenrücken hin aus.

Verstohlen wischte sich Moritz die erste Träne mit seinem alten, steiffen Tiger in Ermangelung eines Taschentuchs aus dem Augenwinkel. Das abgenutzte Fell kratzte über die empfindliche Haut unterhalb seiner Augen, sog die salzigen Tropfen gierig auf, bevor sie gen Backen strömen konnten.

Verdammte Allergie, gleich würde er auch noch Niesen müssen. Oder auch nicht, seine Nasenflügel weiteten sich zwar verräterisch, aber der Sprühnebel entschied sich lieber in komprimierter Form noch ein wenig in seiner Nase zu wachsen. Irritiert betrachtete er den abgewetzten Tiger. Er hätte schwören können, dass er dieses ramponierte und geflickte Etwas in einer Kiste im Keller aufbewahrt hatte.

Wie zur Hölle kam Floppy also auf seinen Tisch?

 “Vielleicht bin ich gelaufen?!“ Nein, mit so etwas fing er lieber gar nicht erst an.

 Sprechende Kuscheltiere. Wo gab es denn so was? Bestimmt nicht in seinem Zimmer.

Und auch sonst wo mit Sicherheit nicht. Moritz halluzinierte recht selten, eigentlich eher nie.

Nur ab und an schlichen sich Gegenstände und Stimmen in seinen Kopf, die eigentlich nicht viel suchten, außer Abwechslung.Aber ein sprechendes Kuscheltier, das war Moritz beim besten Willen

noch nicht untergekommen. Vielleicht ein Zeichen Gottes? An der Zeit wäre es ja!

Er musste unwillkürlich an seinen Wettkampf denken.

Seinen Wettkampf mit Gott.

Er hatte Wurzeln geschlagen, mitten in der Stadt und sich sechs Stunden nicht vom Fleck bewegt. Keine einzige Taube hatte ihn in der quälend langweiligen Innenstadt angeschissen. Keine einzige.

Moritz hatte demnach gewonnen. Gott war scheinbar nicht mal mächtig genug, die Flugbahn eines grau-weißen, zähflüssigen Stücks Taubenkacke zu beeinflussen. Seitdem fühlte sich Moritz ihm überlegen.

Kirchen betrachtete er nunmehr als sinnlose Götzenbilder. Drei hatte er schon angezündet, nicht ohne vorher das Weihwasser durch Brandbeschleuniger zu ersetzen.

Man wusste ja nie.

Am besten brannten immer dieses ulkige Kreuz und die Holzfiguren an den Wänden.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />

Die Polizei tappte, im Gegensatz zur Feuerwehr, im Dunkeln.

Dabei war es immer einfach gewesen. Kein Mensch war bisher auf die Idee gekommen, Alarmanlagen in Kirchen zu installieren, geschweige denn Rauchmelder. Und Gott scheinbar auch nicht.

Zumindest schien er sich bisher zu der Problematik auszuschweigen.

Wie so oft.

Mehrfach schon hatte er Gott einen Handel angeboten. Die Hälfte der Kirchensteuer und der Anbetenden. Vielleicht noch eine hübsche Angebetete. Aber nichts. Gott rührte sich nicht. Vielleicht sollte er mal den Papst..aber nein, die konnten sich melden, waren schließlich ihre Kirchen.

„Feuerteufel“ würden die Zeitungen und Gazetten wieder titeln„Unbekannter zündet erneut Gotteshaus an.“

Feuerteufel.

Gottes Gegenspieler.

Ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen.

Ja, das war Moritz.

Jedes mal ertappte er sich am Frühstückstisch aufs Neue beim Blick in die Zeitung dabei, seine Mundwinkel gefährlich in ein diabolisches Grinsen zucken zu lassen.

Heute Nacht würde er wieder losziehen. Er musste nur noch etwas Benzin aus dem Auto des Vaters Pumpen.

Bei der Vorstellung des gelben Schlauchendes in seinem Mund und dem Geschmack des winzigen Schlucks Benzin kehrte sich ihm bereits der Magen um. Aber eine Umkehr gabs es nicht.

Gott wollte Krieg und er bekam ihn auch!

Stierst du immer Löcher in die Fensterscheibe? Das geht auch einfacher!“

Die donnernde Stimme riss ihn unsanft aus seinen Gedanken.

 "Du zündest Kirchen an, ich zerbrech’ deine Scheiben."

 „Bitte, wer sprichtda?“

 "Da staunst du, was? Ich bin Gott. “

 „Einen Teufel wirst du tun..“

 „Einen Teufel..? Mein Lieber, du bist doch der Teufel!“

Mit diesen Worten und  einem Satz sprang Floppy alias Gott gegen eine Steinvase auf dem Fenstersims. Die einfach verglaste Scheibe barst sofort und abertausende von kleinen Splittern bedeckten binnen Sekunden den Boden.

Entsetzt starrte Moritz auf die blanke Jalousie und den davor ein wenig andächtig hockenden Floppy.

Ohne einen weiteren, aber bei weitem weiten Satz rauschte Floppy zielsicher auf die entblößte Kehle Moritz’ zu, um wenige Momente später mit seinem aufgenähten Maul und den messerscharfen Zähnen

eine klaffende Wunde in den Hals zu reißen.

Moritz gurgelte, griff nach Gott und bekam ihn im mehrmaligen Nachfassen zu packen.

Mit letzter Kraft riss er ihn von seinem Hals weg, erfasste mit letzter Kraft Kopf und Körper des Steiff-Tigers, rupfte den Kopf ab und schleuderte ihn gegen die Jalousie.

Dann sank er leblos in seinem Stuhl zusammen, über und über mit Blut

bedeckt

 Wie ein richtiger Teufel, richtig schön rot.

Gott lag leblos neben der steinernen Vase, sein Körperkopflos neben Moritz’ Stuhl.

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5 Antworten

Kommentare

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  • 0

    oh mien gott, was ist denn mit der formatierung geschehen?

    25.12.2011, 19:10 von MaasJan
    • 0

      Da ist der Teufel los... ;)

      25.12.2011, 19:28 von Jackie_Grey
    • 0

      mindestens!

      25.12.2011, 19:30 von MaasJan
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  • 0

    Gott
    wollte Krieg und er bekam ihn auch!

    Bis zu o.a. Satz fand ich es spannend.

    25.12.2011, 19:04 von Jackie_Grey
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  • 0

    Jaja, Moritz und sein Tiger... Herrlich! ;-D

    23.12.2011, 17:29 von BeKind
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