The ’’German Dream’’ - fact or fiction?
Wie es ist, zwischen den Welten seine Identität zu suchen.
Ich glaube, dass sich Deutschland weit entfernt von einem sogenannten ,,German Dream’’ befindet. Einige würde sagen, dass ich ein wunderbares Beispiel für diese Illusion bin. Das Paradebeispiel der Integration. Aber kann man bei mir von Integration sprechen, wenn ich mein Leben lang in Deutschland aufgewachsen bin? Einen deutschen Stiefvater hatte, der mir alle ,,deutschen“ Werte mit auf den Weg gab? Eine afrikanische Mutter die mich an meine eigentliche Herkunft erinnerte? Deutsch sein…was bedeutet dies genau?
Geboren wurde ich in Ghana. Dort lebte ich nicht sehr lange. Um genau zu sein vier Jahre. Seitdem ist Norddeutschland mein Zuhause. Als kleines Mädchen war die Welt wunderbar. Natürlich gab es hier und da ein paar dumme Kommentare über meine Hautfarbe, aber nichts was mich wirklich nieder gemacht hätte. Als Kind, hat man nicht viele Vorurteile. Da ist es egal ob man schwarz, weiß, gelb oder grün war. Deutsch, Türkisch, Russisch - wir waren nur Kinder. Man unterschied höchstens zwischen Jungen und Mädchen, alles andere war irrelevant. Doch je älter ich wurde, desto mehr fiel auf, wie differenziert sich die Leute auf mich zu bewegten. Ich wurde immer öfter über meine Herkunft in Rechenschaft gezogen.
A little black girl, in a white mans land. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen.
Oft wurde man gefragt, wie es ist, so als Ausländer in Deutschland. Ausländer…war ich nicht Deutsch? Den Pass habe ich ja immerhin. Und nein, er ist nicht gefälscht. Die Sprache kann ich auch, besser als jede andere. Weihnachten und Ostern gehören bei mir genauso dazu wie Königsberger Klopse und Kartoffeln. Wieso, bin ich dann so anders? Ghana ist gewiß nicht mehr meine Heimat. Ich kann die Sprache nicht einmal. Dort gelte ich daher als Ausländer, als Tourist. Aber hier? War dies nicht mein Zuhause…? Verwirrend das alles.
Vor zwei Jahren war ich für ein Schuljahr in den USA. Bei diesem Aufenthalt hätte ich mich nicht ,,deutscher’’ fühlen können. Where are you from? Germany? Oh great!
Endlich, so dachte ich, hatte ich eine angemessene Identität, wenn auch nur temporär. Ich war eine Afro-Deutsche auf Streifzug durch die USA. Wunderbar. Überall war es leichter deutsch zu sein, als in Deutschland. ,,Oh, du sprichst aber gut deutsch. Wie lange lebst du schon hier? Schon immer? Wie aufregend. Erzähl mal….Realschule oder Hauptschule? Gymnasium! Wow…. Weißt du, ich hab auch viele schwarze Freunde. Echt super seid ihr, du weißt…“ Ja, ich weiß.
Meistens kann ich den Leuten nicht übel nehmen. Sie haben das Bild von dem bösen, schwarzen Mann vor Augen, der entweder Drogen verkauft, oder Handtaschen klaut. Ungebildet, ungezogen, ohne Gewissen, lauert er hinter jeder Ecke. Fernsehshows á la ,, Wie die Wilden“ machen es nicht besser. Dass die NPD immer mehr Macht bekommt auch nicht.
Wenn diese Ignoranz nicht bald aus den köpfen der Menschen verschwindet wird es für mich nie einen ,,German Dream’’ geben. Zumal es nicht die extremen Rassisten sind, die mir das Leben schwer machen. Sondern ganz ,,normale" Leute, die meinen mich unterbewerten und unterschätzen zu müssen.
Ich habe mich damit abgefunden, zwischen den Welten zu existieren. Jedoch hoffe ich, dass die Menschen in meiner Umgebung irgendwann begreifen, dass nicht immer alles schlecht was schwarz ist.






Kommentare
Du hattest wirklich keine Probleme, die Zeugen Jehovas zu verstehen? Bewundernswert... ;)
09.04.2007, 19:45 von FrauMueller_XIVIch finde diese lange Diskussion wirklich interessant. Von Kopfformen über Integration zur Definition von "Ausländer" war ja wirklich alles dabei. Zu letzterer muss ich sagen, dass ich neulich in der Schule einen Text als sachliche Grundlage bekommen habe, der einen Ausländer als jemanden definierte, von dem mindestens ein Elternteil nicht deutsch ist. Dem kann ich jedenfalls in keinster Weise zustimmen. Ich kenne ziemlich viele Leute, deren Eltern teilweise beide nicht deutsch sind, die vielleicht noch nicht einmal hier geboren wurden, aber trotzdem deutscher sind als jeder Deutscher mit einer "urdeutschen" (dieser Begriff ist einfach herrlich) Familie. (Und auch ein gutes Stück besser Deutsch sprechen als jeder deutsche Hauptschüler, wenn ich das mal ganz politisch unkorrekt bemerken darf) Sie haben ihr ganzes (bewusstes) Leben hier verbracht und das hier ist ihre Heimat im Gegensatz zu dem Land wo ihre Eltern oder auch sie selbst herkommen. Das sind auf jeden Fall keine Ausländer!
Es ist noch ein gutes Stück zu gehen, bis Deutschland ein natürlicher "Melting Pot" geworden ist, bei dem jeder deutsch ist, der sich so fühlt, egal wie er aussieht. Vor allem muss sich im Denken noch viel ändern, denn das hat sich weniger entwickelt als man glaubt!
Dir, Dorothy, und allen anderen hier, denen es ähnlich geht, wünsche ich, auf möglichst wenig Menschen zu treffen, die euch auf Grund eurer Hautfarbe oder ähnlichem in Schubladen stecken, in denen ihr gar nichts verloren habt.
hm.. ich kenn das auch, mit diesen fragen; wie lange lernst du denn schon deutsch? wo kommst du denn her? bist du ...? woher kommt denn dein papa? etc.pp. aber ich finde es nicht schlimm.. nur manchmal etwas nervig, wenn dann einige (wenige) menschen anfangen, einen auf babysprache anzureden, und man dann erst einmal erklären muss, dass man des deutschen sehr wohl mächtig ist...
23.02.2007, 21:02 von Haarmilchdummer sprüche wie "die brennt auch noch" gab's nur in meiner kindergartenzeit, als das mit den ganzen anschlägen auf asylbewerberheime usw. war..
manchmal ist es auch ganz witzig.. neulich klingelten die zeugen jehovas bei mir an der tür.. und als ich so des ungebändigten redeflusses lauschte.. unterbrach sich der mann und fragte: "haben sie eigentlich probleme, mich zu verstehen?"
*kopfschüttel*
auch wenn (mir) die erkenntnis unangenehm ist: die idee einer rassisch reinen volksgemeinschaft ist anscheinend tief verwurzelt in der deutschen mehrheitsbevölkerung. trotz aller wohlmeinenden - und entlarvenden - beteuerungen, bleiben die leitlinien der nürnberger rassegesetze soziale realität.
14.02.2007, 20:12 von vertman könnte manchmal schier an seinen mitmenschen verzweifeln.
Ohja, das kenn ich nur zu gut.
26.01.2007, 23:03 von Fr1zzoWenn dich jemand freundlich fragt, ob du irgendwann einmal zurück in deine Heimat ziehen willst.
Oder wenn dir ein deutscher Jugendlicher in schlechtem Deutsch sagt, dass du Gast in "seinem" Land wärst.
Oder wenn man du in einem Club nicht an den Türstehern vorbeikommst, weil du nicht richtig aussiehst.
Oder wenn die Mutter deiner Freundin ihr rät lieber Schluss zu machen, weil sie neulich "Nicht ohne meine Tochter" gelesen hat.
Oder wenn du im Zug sitzt und eine Zigarette rauchen willst und deinen Rucksack nicht mitnimmst.
Ja, man muss ja heutzutage besser aufpassen. Man könnte ja gefährlich sein. Es laufen ja viele zwielichtige Gestalten rum. Und die meisten sind ja nicht deutsch.
Schade, dass Du Dich abgefunden hast, zwischen den Welten zu leben, Hast Du nicht Deine eigene Welt und Sicht der Dinge? Meinst Du, dass , nur weil Du "schwarz" bist, alle Leute nur Vorurteile haben? NEIN
25.01.2007, 23:13 von DirkIch habe oft in Ghan gearbeitet und wurde nur als "weißer" angesehen, In Asien ur als "Langnase". In Middle East nur als "European".
Aber das ist nur das, was die Leute sehen. Sehen wollen. DU bist ganz anders, Du bist DU.
Egal ob in Germany oder irgendwo. Was die Leute in Deutschland oder anderswo auf Dich projezieren wollen ist deren eigene Sichtweise, Nix anderes, Also doch nur Fiction?
see you, dirk
@Dirk Dirk...du verstehst die Kernthese nicht. Ich gebe zu, es ist auch nicht ganz leicht, denn wie schon gesagt, wir leben hier in ,,a white mans land".... Daher kann ich verstehen, dass du es nicht nachvollziehen kannst, wieso mir diese Sachen manchmal echt Kopfschmerzen machen.
16.02.2007, 00:31 von dorothyAber lass mich versuchen es dir näher zu erläutern:
Irgendwo zu arbeiten, oder irgendwo ein Tourist zu sein ist etwas anderes als an einem bestimmten Ort afzuwachsen und jeden Tag reflektiert zu bekommen, dass man ,,hier" nicht hingehört. Du kannst nach Deutschland zurück gehen, und bist dann nicht mehr nur ein ,,Weißer,eine Langsanse oder ein European". Du kannst dich einfach in die Gesellschaft eingliedern ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen.
Bei mir ist es nicht so, was manchmal positiv ist, aber meistens doch sehr auf die Nerven geht...
Und daher denke ich, dass es an der Zeit ist die Leute um mich herum etwas aufzuklären.
Abgesehen davon handelt es sich bei dem "German Dream" um Fiction, wenn du die Grundidee des ,,American Dream" als Maßstab nimmst.
Hm, dein Problem kenn ich teilweise auch. Nur das ich halt halb Thailänderin bin und man mir nicht direkt ansieht das ich nur halb Deutsche bin.
25.01.2007, 12:07 von psychomaehBei mir kommen dann noch die Vorurteile hinzu: War dein Vater Tourist in Thailnad und hat deine Mutter.. du weißt schon und nun bist du da.
Aber egal. Ich bin hier in Deutschland aufgewachsen und fühl mich auch als Deutsche. Auch wenn ich nicht stolz auf dieses Land bin, bin ich immer noch ein Teil davon. >> Du bist Deutschland<< xD
@psychomaeh haha ja...wir sind deutschland!! ;)
16.02.2007, 00:33 von dorothyErst heute noch hat meine Lehrerin zu mir gesagt: Man ist nicht deutsch, wenn ein Elternteil ausländisch ist. Demnach bin ich also eine Ausländerin. Ich bin auch hier geboren und ich lebe nun seit 19 Jahren in Deutschland. Trotzdem bin ich immer noch der "Ausländer". Als kleines kind habe ich mal meinen Vater gefragt, ob ich ein Mischling bin. Er hat mir die beste Antwort auf diese Frage gegeben. Nein, oder kannst du etwa bellen. Auch auf meine zweite Frage hatte er mir eine gute Antwort geben können. Ich also fragte weiter: aber was bin Papa?
07.12.2006, 20:28 von kaffeekindDu bist ein Mensch!
@kaffeekind
21.01.2007, 23:58 von IssuesHallo Kaffeekind,
du musst unheimlich stolz auf deinen Papa sein, denn er ist ein sehr weiser Mann - dass sind die besten Antworten auf deine Fragen, die ich je gehört habe!
Meine Schwiegermutter kam vor 40 Jahren aus Südkorea nach Deutschland, ist hier geblieben, hat geheiratet und einen deutschen Nachnamen und Pass. Sie ist beides - Deutsche und (sehr stolze) Koreanerin.
Mein Mann schaut naturgemäß nicht "typisch deutsch" aus, ist aber natürlich hier geboren, aufgewachsen, spricht kaum koreanisch und war auch noch nie dort. Trotzdem haben auch ihm schon so oft die verschiedensten Leute bewundernd mitgeteilt, wie gut er doch deutsch sprechen würde - naja, ist halt irgendwie in den Köpfen der Menschen drin - tut aber auch nicht weh.
Ich verstehe was du meinst. Bin selber (eigentlich) deutsch. Meine Mutter kommt auch aus Afrika und deswegen meinen die Leute sagen zukönnen, dass ich keine Deutsche sein darf!
04.12.2006, 22:35 von kaffeekindIch hab gelernt damit zuleben. Ich weiß wer ich bin:
Ich bin eine deutsche mit afrikanischen Wurzeln. Klar, geht es einem auf die Nerven, wenn Leute mit dir "Denglisch" sprechen. Und man ihnen noch so oft sagt: Ich bin genau so deutsch wie du. Als Antwort kommt immer wieder, nein du bist ausländisch, du bist anders.
Jeder sagt sie Ausländer, die passen sich nicht an. Was wenn man sich nicht an passen kann?
Du kannst noch so lange in deutschland leben, noch so gut deutsch sprechen es wird immer Idioten geben, die meinen sagen zu können....was der Neger soll eine deutscher sein.!
Ok. ich weiß kommt jetzt ein bisschen krass rüber. Aber sorry, so ist das in deutschland.
Wichtig ist : Du und nur DU musst dir klar darüber sein wer du bist.
Hallo dorothy,
26.11.2006, 21:06 von postmannhättest du denn vielleicht selbst Lust, dich aktiv dafür einzusetzen, daß diese Probleme mal überwunden werden? Würde mich freuen :-)
Weißt du, ich glaube, es gibt ne Menge Leute, die andersfarbigen unvoreingenommen gegenübertreten und auch viele, die das gerne tun würden, sich aber leider von Umwelteinflüssen vereinnahmen lassen, meist, ohne es selber zu merken! :-(
Ich wünsche dir auf jeden Fall, daß du bald Erfahrungen machst, die dir das sichere Gefühl geben, integriert zu sein und du dich dann mehr und mehr wohlfühlst!! :-)
LG, postmann