Teil I: Ausbildung – Krankheit – Sozialamt – Genesung
Ich bin Medienschaffende aus Stuttgart, war 3 Jahre krank aufgrund einer Gewalttat und warte jetzt seit 2 Jahren auf meinen Bildungsgutschein...
Vorweg:
Das ist keine Fiktion. Es ist wirklich passiert.
Abseits von Leuten die nur destruktiv über Hartz-IV meckern und sich mit ihrem ALG II Bezug anscheinend abgefunden haben möchte ich ein Problembewusstsein in der breiten
Bevölkerung schaffen indem ich öffentlich meine Geschichte erzähle!
Wer mehr Informationen möchte geht bitte auf:
http://bildungsverhungert.wordpress.com
Ich bin auch auf Facebook! Wer mich mit meinem Anliegen auf einen Bildungsgutschein unterstützen will liked und teilt meine Seite:
https://www.facebook.com/pages/Bildungsverhungert/246172488838465
Und jetzt gehts los...
Mediengestalter
Für mich gab es nie einen Zweifel daran, dass ich im Medienbereich arbeiten wollte. Selbst dann nicht als die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland extrem hoch war, und "Mediengestalter" ein Trendberuf. Oder: DER Trendberuf schlechthin. Sogar in Daily Soaps gab es inzwischen Charakter die "Mediengestalter" waren. Damals kamen 100 Bewerber auf eine freie Ausbildungsstelle als Mediengestalter. Also machte ich das erste Lehrjahr komplett an der Schule. Und bekam so auch endlich meinen heißersehnten Ausbildungsplatz.
Das erste Ausbildungsjahr in einem Betrieb war alles andere als toll. Ich landete in einer Abteilung in der sich die Mitarbeiter ständig gegenseitig die Augen auskratzten. Aber ich hab die Zähne zusammengebissen, ich konnte doch nicht alles hinschmeissen wo ich endlich meinen Ausbildungsplatz hatte!
Und dafür wurde ich belohnt. Im dritten Ausbildungsjahr kam ich in eine andere Abteilung. Übrigens mit der Begründung von meinem Chef "es sind ihm zuviele Frauen in der Abteilung, er will noch einen Mann reinhaben." Das hat er mir tatsächlich ins Gesicht gesagt. Mir konnte es recht sein. Ich kam in eine tolle Abteilung. Das dritte Ausbildungsjahr war super!
Nebenher konnte ich an der Berufsschule meine Fachhochschulreife machen. Abends und am Wochenende. Auch das war kein Zuckerschlecken.
War ich stolz als ich endlich meinen Abschluss in meinem Traumberuf hatte, und dazu mit Fachhochschulreife!
3 Jahre krank...
Dann passierte es. Ich möchte nicht eingehend darüber schreiben. Und auch nicht zu den näheren Umständen. Ich wurde Opfer einer Gewalttat. Ich wäre beinahe gestorben. Es war eine harte Zeit für mich. Ohne familiäre Unterstützung. Ohne Freunde in meiner unmittelbaren Nähe. Eine Anzeige? Nein. Als ich die Kraft dafür besaß einmal zur Polizei zu gehen und zu erklären was mir passiert war hat man mir dringend davon abgeraten. Auch mein Arzt hat mir davon abgeraten. Es wäre nicht gut für mich. Ausserdem wäre es gefährlich. Also keine Anzeige.
Ich habe lange gebraucht um mich zu erholen. In dieser Zeit bekam ich Sozialhilfe. Ja, die gibt es noch. Da ist dann auch eine andere Stelle zuständig, nicht das Jobcenter. Obwohl man gerade mal soviel bekommt wie ein Hartz-IV Empfänger.
Existenzängste...
Doch auch das Sozialamt muss Auflagen erfüllen. Die Wohnung eines Sozialhilfeempfängers darf nicht zu teuer sein. Sie verlangten von mir dass ich eine Wohnung die die zugelassene Mietobergrenze nicht überschreitet beziehen soll. Für einen Sozialhilfeempfänger gibt es in einer Stadt mit Wohnungsknappheit wie Stuttgart aber keine Möglichkeit eine günstige Wohnung zu bekommen. Bei jeder Wohnungsbesichtigung bei der ich war standen schon 10 andere Leute da die alle bessere Referenzen vorzuweisen hatten als ich. Ausserdem war ich krank und mit der Situation vollkommen überfordert. Ich hatte große Angst bald auf der Straße zu landen. Und zwar soviel Angst dass sie mich bei meiner Genesung behinderte. Ich holte mir ein ärztliches Attest. Das Amt gab erstmal Ruhe.
Beim Amt für Liegenschaften und Wohnen liess ich mich auf die Liste für eine Sozialwohnung setzen. Wartezeit: 2-3 Jahre. Das Sozialamt schickte mich wieder zum Amt für Liegenschaften und Wohnen, das würde doch nicht angehen. Die riefen dann beim Sozialamt an und erklärten denen dass das Sozialamt doch genau wüsste wie lange sowas dauert. Würde mir stinken wenn ich mir etwas erklären lassen muss, dass ich eigentlich weiß. Nunja. Wieder erstmal Ruhe.
Dann kam die Idee dass ich doch ein Zimmer untervermieten soll. Das ging aber nicht. Es war eine 2-Zimmer Wohnung, und die Küche konnte man nur betreten wenn man durchs Wohnzimmer lief. "Ein gefangener Raum". Das haben sie dann auch wieder akzeptieren müssen.
Und jedes Mal die Angst, bald auf der Straße zu landen. Wahnsinnige, wahnsinnige Angst. Ich musste all meinen Mut zusammennehmen um mich mit dem Sozialamt auseinanderzusetzen. Ich war krank und es war anstrengend.
Als es mir dann anfing wieder besser zu gehen, kamen sie erneut auf die Idee ich sollte mir doch bitte eine Wohnung suchen. Wie bitte? Den hatten wir doch schon... In Stuttgart als Erwerbsloser nicht-Student eine Wohnung zu finden ist wie die Suche nach nem vierblättrigen Kleeblatt auf nem Kunstrasen. Mich juckte die Forderung nicht mehr so wirklich. Ich hatte sowieso vor mich beim Jobcenter arbeitssuchend zu melden. Es ging mir ja endlich wieder gut! Und darüber freute ich mich so sehr.
Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich sicherlich schneller wieder gesund geworden wäre hätte mir das Amt nicht solche Probleme bereitet.
Hurra! Wieder gesund!
Mein Genesungsprozess ging erstmal schleichend voran.
Während dieser Zeit gaben mir meine beiden Katzen den größten Halt. Ich habe angefangen Placebo zu hören, die Art und Weise wie der Sänger mit seinen Problemen umzugehen schien hat mich fasziniert und mir wesentlich geholfen. Und ich habe angefangen Radio zu hören. Eher zufällig. "DASDING" stand auf meinem Placebo Ticket. Na gut, schalt' ich eben ein. Der Sender kann ja nicht so verkehrt sein wenn er meine Lieblingsband spielt. Vielleicht verlosen sie ja mal ein Treffen oder sowas.
Meistens hörte ich Frank Harbeck vormittags zu. Er hat mich oft zum lachen gebracht. Ausserdem schien er ein ganz netter Kerl zu sein.. Er erklärte einem Kind mal am Telefon dass man sich nicht mit seinen Geschwistern prügelt. Für jemanden mit meinem Familienhintergrund war das dann doch beeindruckend. ^^ Es war nicht nur was er gesagt hatte sondern auch mit welcher Überzeugung er es gesagt hatte. Ausserdem hörte man ihm immer an wenn er gut gelaunt war oder wenn er gerade über etwas gelacht hatte. Deswegen fing ich an ihm so oft wie möglich lustige Nachrichten ins Studio zu schicken. Und so fing ich wieder an in anderen Menschen das Gute sehen zu können.
Ich begann wieder unter Menschen zu gehen. Ich war ziemlich tollpatschig im Umgang mit Anderen geworden und machte Fehler. Aber das war nicht so schlimm, nach einer Weile kam ich wieder komplett klar. Gleichzeitig hatten sich meine gesundheitlichen Probleme immer weiter reduziert. Und eines Tages fiel mir auf, dass sie weg zu sein schienen.
Hurra! Endlich wieder gesund! Ich freute mich ungebremst wie ein Einhorn im rosa Wolkenland. ^-^






Kommentare
Durch deinen Link "bildungsverhungert" erfährt man auch nicht mehr als in diesem Text, indem du stellenweise ganz schön abschweifst :-) Wenn du was erreichen möchtest, solltest Du schnellstmöglich Teil 2 posten ;-)
02.10.2012, 07:15 von Mrs.McH