Sultanine 26.02.2013, 16:45 Uhr 50 22

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Am Bahnhof in der Ecke sitzt etwas.

Am Bahnhof in der Ecke sitzt etwas. Ein kleiner Haufen Stoff, der aussähe, als wäre er fertig für die Waschmaschine zusammengelegt worden. Dreckige Wäsche, denkt man sich, sei da verstreut. Die Menschen rasen an ihm vorbei, merken kaum auf, ob dieser merkwürdigen Größe des Haufens. In ihm drin, zusammengesunken, atmet etwas. Wartet etwas. Unmerklich streckt es seine Hand aus, um zu nehmen. Das letzte Nehmen, das blieb. Ablehnung gab es oft. Immer und überall stach sie ihm entgegen, zeigte seine grässlichen Gesichter und gierte aus bösen Augen. Verachtung und Ablehnung waren die wärmsten Begleiter. Wo es sich doch so wohnlich leben lässt, in dem Kleiderhaufen, bei Frost und Regen. Das kleine Häufchen rührt sich manchmal von der Stelle. Reckt ein Auge und manchmal auch zwei aus seiner Festung. Ein nackter Mensch verbirgt sich darunter. Kaum jemand weiß es, kaum jemand sieht es. Das Leben fährt zu schnell mit seinen Verpflichtungen und Vergnüglichkeiten. Sorgen ummantelte Menschen eilen an der kleinen Festung vorbei. Geschäftigkeit trifft auf Hilflosigkeit.

Es wird kalt werden heute Nacht. Der Kleiderbündelmensch wird bald aufstehen müssen. Dann wird man sehen, dass das Bündel lebt. Dass es leben muss. Eigentlich nicht mit bedacht im Plan, einfach sitzen zu bleiben und den Frost abzuwarten, und den Tod abzuwarten, wäre verlockender. Aber wenn diejenigen kommen, die einmal am Tag mit dem Bündel sprechen, muss es weg. Schleppend wo anders hin. Unter eine Brücke, einen Hauseingang oder einen anderen Platz zum Kleideraufhäufen. Einen anderen Platz, um abzuwarten. Bis jemand was wirft. Ein bisschen Geld, ein bisschen Brot oder vielleicht auch einen Stein. Mal sehen, vielleicht werden sie das nächste Mal besser zielen? Vielleicht werden sie ja das nächste Mal treffen? Dann wäre das atmende Bündel aus Kleidern nur noch ein Bündel und kaum merklich fortgegangen.

Ob jemand den Fehler im Bild bemerken wird?

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50 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Was schauby sagt.

    Dass der Tag mal kommen würde....

    04.03.2013, 10:43 von cosmokatze
    • 1

      überrasch' mich nicht so, sonst kriege ich noch angst!

      04.03.2013, 16:49 von Sultanine
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    • 0

      Da gebe ich dir Recht: Hierarchien entstehen durch Mitleid, nicht aber durch Migefühl. Meine Absicht war es aus der Beobachterperspektive zu beschreiben und gerade nicht zu bewerten, denn ich schließe mich deinem Einwand (s.o.) an. Du kennst scheinbar meine Texte nicht, sonst würdest du ihn nicht oberflächlich und plakativ nennen, aber man kanns ja net jedem der hier rumturnt recht machen, jedenfalls danke fürs Lesen und Kommentieren.

      03.03.2013, 11:23 von Sultanine
    • 0

      In nem gewissen Sinne habt ihr ja recht - aber es klingt so, als wenn Mitleid was Schlechtes sei. Für mich ein wenig überkorrekt. Ich empfinde Mitleid nicht als jemanden herabsetzend. Zumindest empfinde ich es nicht so, wenn ich mit jemandem Mitleid habe. ich geh ja nicht da hin und sag "Du armer Mensch, ich wohgn im Warmen und du nicht, und deswegen hab ich Mitleid mit dir".

      06.03.2013, 22:12 von topfbluemchen
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    • 0

      Es stimmt schon, was du sagst, aber ich glaube erstens, dass Mitleid und Empathie recht nah verschisternt sind und zweitens glaube ich nicht, dass jemand, der Mitleid empfindet, nicht in der Lage ist, ein grundlegendes und faires Verständnis der Situation zu erkennen.
      Ich glaub, es ist einfach typisch deutsche Mentalität, überkorrekt zu sein und vor lauter 'Korrektness' wird das, worum es geht, in den Hintergrund verdrängt.
      Wir müssen ja nun nicht wirklich darüber diskutieren, ob es nun besser ist, in der obig beschriebenen Situation Empathie oder Mitleid zu empfinden (dürfen).

      07.03.2013, 16:36 von topfbluemchen
    • 0

      'verschisternt' wollte mal das Wort 'verschwistert' werden.

      07.03.2013, 16:37 von topfbluemchen
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    • 1

      Doch, finde ich schon. Viele (ich kenne dich nicht, und glaube, vielleicht bist du ja sogar aktiv, daher verallgemeinere ich das mit viele) diskutieren eher darüber, was man empfinden 'darf', wie man es nennt, wo evt. dies & das noch fehlt oder sonst was, und wenn man dann auf einen gemeinsamen Nenner kommt, ist das Bündel neben einen an Kälte und Hunger erfroren. Und so tickt Deutschland. Das ist nur ein Beispiel - ich meine eher sogar noch im Allgemeinen.

      08.03.2013, 19:05 von topfbluemchen
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    • 0

      ist ja auch rigendwie wumpe, wie das kind jetzt heißt, ich glaub wir meinen alle das gleiche, vielleicht sogar dasselbe?

      11.03.2013, 17:11 von Sultanine
    • 1

      Ich glaub auch.
      Das Sprichwort Taten statt Worte trifft es sehr gut.

      11.03.2013, 17:14 von topfbluemchen
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  • 5

    mit sensiblem Betrachten von Armut und Elend kann man sich seine Mitgefühle, seine Anteilnahme und Solidarität das edle Herz rauf und runter gurgeln. Das tun etliche. Allein hier auf Neon gibts dutzende Artikel zum Thema. Aber es hilft denen, die betrachtet werden, nicht die Bohne.

    01.03.2013, 19:19 von schauby
    • 0

      Schön, dass du dich auch äußerst, danke.

      01.03.2013, 20:14 von Sultanine
    • 0

      Natürlich ist mit bloßem Betrachten nichts für eine Person in einer solchen Lage getan. Wenn aber jeder mit geschlossenen Augen durch die Welt läuft ist die Konsequenz dass niemand hilft wo Hilfe gebraucht wird. Wenn einen sein Mitgefühl motiviert echte Hilfe anzubieten die die Situation der Person nachhaltig bessert ist das doch gut. Und dafür Bedarf es eben dem ersten Schritt Leid überhaupt wahrnehmen zu können und sich um Mitmenschen zu kümmern die Hilfe brauchen.
      Natürlich ist Dir das selbstverständlich auch klar und ich verstehe Deinen Standpunkt.
      Aber ich finde die Kritik in Sultanines Artikel deswegen schon angebracht...

      10.03.2013, 23:38 von serpent
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  • 0

    "Dann wird man sehen, dass das Bündel lebt. Dass es leben muss. Eigentlich nicht mit Bedacht im Plan... (...) Mal sehen, vielleicht werden sie das nächste Mal besser zielen?"


    Ansonsten fein ge- & beschrieben. 

    01.03.2013, 14:02 von Bender018
    • 0

      Ich danke dir sehr. liebe Bender, für beides: Fürs Herzen und für deine Hinweise "mit bedacht" kommt von "etwas (nicht) bedacht haben", daher habe ich es klein geschrieben.

      01.03.2013, 14:56 von Sultanine
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  • 0

    was zur...I don't even...

    01.03.2013, 03:37 von HeavenKnowS
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  • 1

    Vielleicht nochmal drübergucken. Im ersten Absatz sind ein paar kleine Fehler, die den Lesefluss (für mich) leider sehr hemmen!
    Trotzdem find ich den Text toll :)

    01.03.2013, 02:33 von Lady_Hope
    • 0

      danke dir, ich schau noch mal. ich kann meine eigenen fehler generell nur schwer im text erkennen und sie schleichen sich da schwuppdiwupp rein, diese biester!

      01.03.2013, 07:19 von Sultanine
    • 0

      Kenn ich gut :D Da hilft es meist, nochmal jemanden drübergucken zu lassen, der nicht so im Text drin ist :)

      01.03.2013, 16:22 von Lady_Hope
    • 0

      Ich habe keinen der das macht. Ich muss das selbst machen und lernen.

      01.03.2013, 20:11 von Sultanine
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  • 1

    Ernstes Thema.
    Ist der Fehler unser guter Forst?

    "Eigentlich nicht mit
    bedacht im Plan, einfach sitzen bleiben und den Forst abwarten und den Tod abwarten, wäre verlockender."

    26.02.2013, 17:37 von topfbluemchen
    • 1

      ne ne, ich habs schon verbesster, die Sultanine im Buchstabensalat uiuiuiui!

      26.02.2013, 17:40 von Sultanine
    • 1

      So so, verbesster hast du es ;-))

      26.02.2013, 17:41 von topfbluemchen
    • 0

      oh, ich bin zu lang vorm Rechner, ich brauch ne Pause ...

      26.02.2013, 17:41 von Sultanine
    • 0

      Dabei drehen der Sensenmann und ich unsere Runden so selten am Bahnhof…

      26.02.2013, 17:42 von forst
    • 0

      ey, ich bin manchmal schräg... näh!

      26.02.2013, 17:42 von Sultanine
    • 1

      das ist immer lustig, wenn man hinterher merkt, was man sich für nen Buchstabensalat zusammengeschrieben hat.

      26.02.2013, 17:45 von topfbluemchen
    • 2

      also ich habe frost gelesen. manchmal muss man sich eben über buchstaben hinwegdanken. ;)

      26.02.2013, 17:46 von jetsam
    • 1

      sage ich doch! da oben steht hinwegdenken , oder?  

      26.02.2013, 17:47 von jetsam
    • 1

      Danke ;)

      26.02.2013, 17:47 von topfbluemchen
    • 0

      Forst ist einfach in aller Munde :)

      26.02.2013, 20:47 von Mrs.McH
    • 0

      Dit is Forst? :-D

      26.02.2013, 20:48 von topfbluemchen
    • 3

      Quatsch! Der ist einer von denen, aber er sagt mir net welcher.

      26.02.2013, 20:59 von Mrs.McH
    • 0

      jetzt bin ich aber platt. ich dachte immer forst wäre eine alte eiche. etwas zerzaust, jedoch bodenständig. wie man sich doch irren kann.

      26.02.2013, 21:35 von jetsam
    • 0

      das eine schließt das andere ja nüscht aus :)

      26.02.2013, 21:39 von Mrs.McH
    • 0

      Wer ich?

      26.02.2013, 22:43 von forst
    • 1

      Mrs! :D Das hat mir jetzt die Nacht gerettet.

      01.03.2013, 03:46 von Juliie
    • 2

      ohooo :) Wir kommen der Sache näher. So langsam läufts zwischen uns, Juliie-Babe :)

      01.03.2013, 20:33 von Mrs.McH
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  • 6

    den Forst abwarten

    Oha! Wo muss ich hin? Was muss ich tun?

    26.02.2013, 17:36 von forst
    • 1

      Mist, wir haben gleichzeitig geschrieben!

      26.02.2013, 17:37 von topfbluemchen
    • 2

      weißte was ich beim Schreiben des Wortes Frost dachte: Schreib das `bloßrichtig, sonst denkt der Forst noch, was schreibt die Sultanine, denn für'n Schmuh!

      26.02.2013, 17:38 von Sultanine
    • 0

      ich les' noch mal drübber, über den Text ;-)

      26.02.2013, 17:41 von Sultanine
    • 0

      muahahahahaha forst

      26.02.2013, 18:07 von mo_chroi
    • 0

      soso :)

      26.02.2013, 20:44 von Mrs.McH
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  • 0

    hach sutaninechen. ich mele mir zu den gelesenen texten ja immer meine eigenen bikder und suche in bildern die fehler.  Es wüde mir also auffallen.


    Manchmal, wenn ich zeit habe, dann unterhalte ich mich mit so einem bündel. aber außer etwas warmes zu trinken, mal ein brot? viel mehr kann ich nicht einsetzten. 

    26.02.2013, 17:19 von jetsam
    • 2

      ich glaube, das ist doch ein anfang:hinsehen, bemerken, wahrnehmen. Eine Tüte Brötchen und ein warmes Wort, das rettet keinem das Leben, aber vielleicht gibt das Hoffnung.

      26.02.2013, 17:23 von Sultanine
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