lilly77 14.11.2008, 14:56 Uhr 7 0

Stutenbissig

Warum lassen sich Frauen ihre Handtaschen von ihren Männern hinterher tragen? Und warum lassen Männer das zu?

Zunächst einmal muss ich wohl gleich zu Anfang klar stellen, Ich bin selbst eine Frau und es gibt auch Frauen die ich wirklich von ganzem Herzen mag. Dadurch, dass ich selbst dem weiblichen Geschlecht angehöre muss ich mich aber nicht augenblicklich und ausnahmslos auf deren Seite stellen. Das mag einige Damen vergrämen...aber damit kann ich wirklich mehr als gut leben.
Im Übrigen weiß ich wovon ich rede, denn ich habe, in schlechten Zeiten, in der Überlebensbau- und Ausbildungsstelle des Frauentums schlechthin gearbeitet: die Parfümerie des KaDeWe`s!
Für Männer ein Ort des Schreckens – für mich ein Ort an dem man wirklich Studien treiben kann, im überleben! Denn an keinem Ort der Welt stecken einem die Ellenbogen vermeintlich netter Kolleginnen rasanter in den Rippen. Wie könnte es auch anders sein, denn hier arbeiten im Schnitt sechs Ladys auf acht Quadratmeter Counterfläche. Da ist es nun mal eng. Es liegt sicherlich im Auge des Betrachters wenn ich an dieser Stelle sage, dass hier eine schöner als die andere ist und die eine es ja auch bleiben will.
Mal abgesehen davon, dass man sowieso grundsätzlich immer gut überlegen muss, wem man was erzählt, so funktioniert dort die stille Post wirklich einwandfrei und zuguterletzt erfährst Du Dinge über Dich, von denen Du noch nie etwas ahntest. So manche male habe ich mich schon gefragt ob die Wände meiner Wohnung nicht doch aus Glas sind.
Aber es sind nicht nur die unmittelbaren Kolleginnen die mich den Kopf schütteln lassen, an die Eigenarten derer, ihren Gucci-Taschen, stets wechselnden Körpergrößen (von dünn, zu ganz dünn usw.), gewöhnt man sich schnell, im Übrigen ist über diese Wohl-und oftmals auch gerne Übergestylten Damen schon von anderen genug gesagt worden, letztlich verkaufen Sie alle nur einen Traum, eine Illusion und genau das stellen sie dar. Nein es sind vielmehr, immer wieder die Kundinnen die mich zum staunen bringen. So frage ich mich wirklich, weshalb braucht eine Frau anderthalb Stunden um sich für die Nuance eines Lippenstiftes zu entscheiden um mir dann, die ich ihr, auf ihrer Suche nach dem Farbton ihres Lebens, mehr als geduldig, sage und schreibe 25 (FÜNFUNDZWANZIG!!) Lippenstifte auf trug, zu sagen „ich muss dann nochmal meinen Mann fragen..“ Ich weiß aus Erfahrung, dass auch der Einwand „Wie wär`s mit einer Überraschung für ihren Mann???“ in diesem Moment auch nicht weiter hilft. Nein, in diesem Fall hat der Lippenstift die enorme Bedeutung, der der einer Neuwagenanschaffung gleichkommt ,eingenommen. Ich würde zu gerne wissen, was muss man denn bei einem Lippenstift fragen? Meine Damen, er wird ihn nicht einmal bemerken!
Andererseits gibt es dann auch die, die ihren Herzallerliebsten gleich mit zum Kosmetikeinkauf nehmen. Und hier frage ich wieder: Warum tut ihr das den Männern an? Meint ihr wirklich irgendein Mann interessiert sich dafür, welcher Lippenstift besser zu ihnen passt, Vorhaut-beige oder doch lieber der in Nippel-rosa. „Hasilein, welchen findest Du denn schöner, den oder den oder doch den?“ Wenn man jetzt in die verzweifelten Gesichter der Männer schaut, die nun in ihrem Hirn nach der vermeintlichen richtigen Antwort suchen, liegt es mir stets nah ihm hilfe bringend zur Seite zu eilen. Doch auch mit dem wohl gemeinten Satz meinerseits „ Keiner von beiden! Männer mögen Rot oder Rot oder gar keinen, das ist beim küssen angenehmer!“ erntet man bei der vermeintlichen Käuferin keine Lorbeeren. Eher im Gegenteil! Sie versteht es meist als Absicht, ihr das Kerlchen, dass für sie ihre Handtasche trägt, abzuringen. Weit gefehlt!
Überhaupt...warum lassen sich Frauen ihre Handtaschen von ihren Männern hinterher tragen? Und warum lassen Männer das zu? Warum lassen sie sich so beschneiden? Damit entledigen sie sich doch jeglicher Männlichkeit. Sie werden damit selbst zu einer Art Accessoire mit dem Status eines hinterher hechelnden Hundes. Davon abgesehen ist es sehr schwer, solch ehemaligen Hechler, genau die Unart des Handtasche apportierens, wieder abzutrainiern.
So frage ich mich wirklich, was manch eine Frauen, aus einem ehemals großartigen Mann machen kann? Mitunter mutieren sie innerhalb kürzester Zeit zum absoluten Sofa-Kuhlen-Sitzer, und es wird nur noch auf „gemütlich zu Hause“ gemacht. Auf die Frage „was machst Du denn am Wochenende?“ kommt dann, am Anfang einer neuen Liebe, nur noch die Antwort „Wir haben eine Dorade gekauft.“ und nach einem halben Jahr dann „ich hab `ne neue Grafikkarte.“
Beides empfinde ich nicht als adäquate Antwort.
Doch zurück zu den Frauen der Schöpfung. Und hier komme ich zu einem absoluten Ausnahmezustand wie ich am eigenen Leib erfahren konnte: Die Designer-Kollektion bei H&M! Vor einem Jahr durfte ich am eignen Leib erfahren was das heißt. Ich bin eigentlich überhaupt keine H&M Käuferin, kam aber mehr zufällig an einem Laden vorbei und dachte, schau doch mal rein. Es war ein Tag nach dem die Victor&Rolf H&M Kollektion in die Shops kam. So war wohl das schlimmste überstanden. Dachte ich. Falsch gedacht. Ich schlenderte durch den Laden und entdeckte plötzlich ein paar traumhafte Schuhe, schwindelerregend hoch, zuckersüß mit Herzchen drauf, genau meine. Als ich gerade einen dieser Schuhe probierte, kam offensichtlich eine Verkäuferin mit einer Stange auf der Nachschub für die Kollektion hing, hinter mir herbei. Und nun passierte das, für mich Unfassbare. Frauen rasten, gleich wilder Stiere, auf die Verkäuferin zu und damit auch zu mir, die ich genau neben ihr auf einem Schuh balancierte. Es war wie Krieg und ich mitten unter den Plünderern. Einen Moment war ich noch fasziniert von dem Schrecken der sich da vor meinen Augen auftat, bis ich mich plötzlich am Boden wiederfand. Mich hatte eine Kuh dieser wildgewordenen Herde schlichtweg umgenietet. Ich war fassungslos. Da ich nicht vorhatte in einem H&M Laden totgetrampelt aufgefunden zu werden, rappelte ich mich wieder hoch, tippte besagter Kuh auf die Schulter und fragte, so höflich wie es mir in diesem Augenblick möglich war, ob es wirklich ihr ernst sei, wegen ein paar H&M Klamotten ihre Kinderschule komplett zu vergessen? ES SIND VERDAMMT NOCHMAL NUR SCHEIß H&M KLAMOTTEN!!!!! Die Kuh schaute nur etwas irritiert, vermutlich wußte sie nicht einmal wovon ich sprach.
Und beim Thema shoppen komme ich zu meiner nächsten Frage: Warum gönnt ihr eurer vermeintlich besten Freundin, eigentlich nicht das schwarze unterm Nagel?
Gute oder gar beste Freundinnen, sind mitunter das grauenhafteste überhaupt. Erst recht wenn sie zusammen shoppen gehen. Irgendwie scheint schon etwas daran zu sein, dass sich vermeintlich hübsche Frauen, gerne mit etwas graueren Mäusen abgeben um dann mit noch mehr Glanz zu strahlen. Und wehe das Mäuslein versucht sich von dem grauen Mäusepelzchen zu befreien. Böse Falle! Sollte diese sich nun gerade in ein zauberhaftes Kleidchen verliebt haben, aus der Garderobe schweben, sich vor dem Spiegel drehen und in diesem Kleid auch noch ganz bezaubernd aussehen, wird sogleich mit einem Satz wie „die Farbe steht Dir aber so gar nicht, sie macht Dich ganz grün im Gesicht“ bis hin zu „ das betont Deinen Po aber wirklich enorm“ dagegen gearbeitet, der Traum zerstört und damit an der Freude die man mit dem Kleid haben könnte bereits erste Zweifel gesät. Boshaftigkeit, getarnt unter dem Deckmantel „ich bin ja nur ehrlich!“ gibt es in solch geballter Form kaum irgendwo anders- ich gehe soweit zu sagen, in einem Wrestlingring geht es harmonischer zu. Als Verkäuferin hat man in diesem Moment überhaupt keine Chance mehr – schließlich gilt man immer als diejenige die ja nur verkaufen will und überlässt das Zweigespann am besten sich selbst und den verbalen Fingernägeln, oder aber man hat genug Einfühlungsvermögen, die ach so ehrliche Haut vor die Tür zu setzen-was dann allerdings doch eher selten vorkommt.
Ist es denn so furchtbar, einfach mal zu sagen wenn eine Frau wirklich großartig aussieht oder auch mal unter Frauen ein ernst gemeintes Kompliment zu vergeben?
Woher rührt dieser Neid, der einen doch eigentlich nur hässlich macht?
Zugegebenermaßen, sollte man sich manchmal auch einfach mal auf die Zunge beißen. So erinnere ich mich noch sehr genau an eine Situation, als ich mit meinem damaligen Freund in einem Café saß und ich etwas in der Gegend umher schaute. Da entdeckte ich eine Frau die mir wirklich den Atem raubte. Sie sah so aus, wie ich immer aussehen wollte. War groß, mit schier endlos langen Beinen, hellroten langen Haaren die sie sanft umwehten und dieser wundervollen Porzellanhaut. Sie schwebte förmlich in unsere Richtung und ich sagte zu meinem Freund: „Schau mal, ist das nicht eine wunderschöne Frau?“ darauf er: „Die? Das ist meine Exfreundin!“ Wie Bitte???? Das war die Person die uns Nachts am Telefon terrorisierte, um meinen Freund, in endlosen Gesprächen davon zu überzeugen, doch mit ihr ein Kind zu machen, schließlich könne sie sich nicht vorstellen, weshalb er, solch einen Trampel wie mich ihr vor zog!? Ich muss zugeben, dass es mir in diesem Moment nur wenig geholfen hat, mir zu sagen, dass ich wenigstens einen guten Charakter habe. Und mein Kopfkino fuhr ab diesem Augenblick ohnehin sein eigenes Programm. Doch ganz egal ob er es wirklich so meinte oder nur irgendwelchen Diskussionen aus dem Weg gehen wollte, so sagte er das einzig Richtige in diesem Moment: „Du müsstest sie mal ungeschminkt sehen, da möchte man wegrennen!“ Meine Güte, so viel Bosheit gepaart mit Diplomatie traut man sonst eher Frauen zu – ich hatte immer diese Ahnung, dass er vielleicht schwul ist....

Frauen! So sehr ich Euch auch schätze, schließlich bin ich auch eine und das wahnsinnig gerne und mit jeder Faser meines Körpers, doch verstehen tue ich Euch oftmals nicht.

Warum so manch ein Frauen-Gehabe-Gen an mir nicht haften geblieben ist? Keine Ahnung! Wahrscheinlich habe ich gerade mit meiner Nachbarin gequatscht als der liebe Gott diese verteilte...

7 Antworten

Kommentare

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    Es macht dich sehr, sehr sympathisch, dass dieses Gen an dir vorübergegangen ist;)

    14.03.2011, 20:32 von Mr.Jack
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    Oha, ein gruseliger, aber humorvoller Blick auf ein Stückchen Realität .... sehr schön beschrieben, ich musste an manchen Stellen laut lachen. Hm, mit meinem Alltag hat das zum Glück wenig zu tun ... die einzige Parallele zu meinem Leben besteht in einer Verwandten, die nicht nur sehr auf Kosmetik abfährt, sondern auch selber ganz angetan ist von ihrer angeblich wunderbar glatten Porzellanhaut. Ihren 80. Geburtstag hat sie schon ein paar Jahre hinter sich.
    Also eines habe ich schon immer geahnt, aber nach diesem Artikel ist es sicher: Verkäufer möchte ich nicht sein, schon gar nicht wenn es um Mode und vermeintliche Schönheit geht.

    10.01.2011, 12:34 von Cyro
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    Sehr interessant!

    Vielleicht kann der Artikel auch unter Männern zu tieferem Verständnis des bisweilen komplzierten weiblichen Gegenübers führen...

    26.01.2010, 15:42 von FAZ
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