sternenkind 27.02.2011, 10:41 Uhr 6 1

Sonntagsschockstarre

Es ist Sonntag. Ein leerer Tag, der mit soviel Inhalten gefüllt werden könnte. Zu vielen meiner Meinung nach.

Ich bin relativ früh wach. So ist das wenn man „älter“ wird, der arbeitenden Bevölkerung angehört. Da kann man den Arbeits- Schlaf- Wach- Rhythmus nicht so ohne weiteres von heute auf morgen abstellen, egal ob man den Abend vorher tanzend auf den nächtlichen Bewegungstanzflächen der Stadt verbracht hat oder gemütlich ein Buch im Bett gelesen hat. Des Weiteren bin ich alleine. Die Geräusche in der Wohnung erzeuge ich im Einklang mit dem Rhythmus der Gastherme und des Kühlschranks. Heißkalt. Das Radio schweigt.

Brötchen habe ich schon geholt, dabei den Weg zur guten Bäckerei auf einen kleinen Spaziergang ausgeweitet. Frühstück ist als Tagesordnungspunkt auch bereits abgehakt. Nun sitze ich am Küchentisch, schlürfe Tee und überlege, was als nächstes so getan werden könnte, sollte, müsste. Es gäbe da eine Vielzahl von Möglichkeiten, die die Zeit bis zum Tatort heute abend füllen könnten.

Ich könnte jemanden anrufen und für nachmittags zum Waffeln essen einladen. Problematisch wird es hier allerdings, dass es erstens noch recht früh ist und zweitens die meisten meiner Freunde noch dem studierenden, ergo lang schlafenden Volk angehören. Auf deren weiteren Tagesplan stand nach den Erfahrungswerten der letzten Wochenenden auch im Anschluss an das Ausschlafen eher, pimpern mit dem/der Lebensabschnittsgefährten mit anschnließender "Quality Time" oder Familienbesuch. Prokrastination in punkto Freunde an Land ziehen, würde also so oder so nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis füren.

In meinem speziellen Falle könnte nun als nächstes eine kleien Nähsession in Betracht gezogen werden. In meinem Kopf schon länger ein Entwurf für ein Sommerkleid, auch wenn draußen noch Minusgrade herrschen. Material ist vorhanden. Allerdings hieße das, das komplette Arbeitszimmer in einen Saustall zu verwandeln, welcher hinterher aufgeräumt und geputzt werden müsste, damit man darin im Anschluss noch die beruflich bedingte Arbeit tätigen könnte. Auch diese stünde heute noch auf dem Plan. Hier wird Prokrastination allerdings immer groß und fett geschrieben und ich arbeite Sonntags generell nie vor 18 Uhr, wenn überhaupt.

Erstmal eine rauchen, eine Tasse Tee entsorgen und eine neue nachhfüllen.

Die Steuererklärung! Würde mir nach einem kurzen Überschlag vermutlich sogar ein wenig Geld in die Kasse spülen. Dummerweise liegt der Taschenrechner mit leerer Batterie schon seit zwei Wochen auf der Ablage in der Küche. Eine neue Batterie habe ich immer noch nicht gekauft. Nein, Onlinetaschenrechner o.ä. möchte ich heute nicht benutzen.

Waffeln könnte ich backen, aber ich habe gerade erst gefrühstückt. Zum Streichen des Flures wäre alles Material vorhanden, mit Ausnahme eines Pinsels, mit welchem ich hinter die Gasleitungen käme. Buch lesen habe ich heute schon versucht, nur reicht meine Konzentration nicht einmal für einen MoPo- Artikel. Geputzt habe ich gestern schon, da der Wäscheständer noch voller feuchter Wäsche ist, kann ich die nächste Ladung nicht anschmeißen. Ich könnte ein Bild malen, nur leider weiß ich gerade nicht was. Die üblichen Spaziergangstrecken sind bei dem schönen Wetter vermutlich total überfüllt. Es ist Sonntag. Kirchgang? Soweit kommt es noch, dass ich aus purer Langeweile in die Kirche gehe. Zum CD- Review schreiben ist mir die Stille in meiner Wohnung gerade zu angenehm. Ich könnte einen Artikel für NEON.de schreiben. Aber bei meiner derzeitigen Konzentrationskonstitution wäre der vermutlich voller Tippfehler und dann bekomme ich wieder nur Ärger.

Zu viele Möglichkeiten und noch mehr Gegenargumente. Ich verfalle in eine Schockstarre. Und so sitze ich am Küchentisch, leere die Teekanne, beobachte die Vögel im Garten. Da ich noch nicht geduscht habe, gehe ich nach der letzten Tasse einfach nochmal ins Bett. Vielleicht weiß ich ja in einer Stunde, was der Tag noch so bringen könnte.

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6 Antworten

Kommentare

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    Du zählst Dinge auf, die Du machen könntest. Vielleicht weil sie dran wären. Und Dinge die Du machen müsstest.
    Gibt es auch Dinge, die Du machen willst ? Nicht weil sie dran sind, nicht weil Du musst, sondern weil Du Dich danach besser, entspannter, ausgeglichener fühlst ? Etwas, was Du im Grunde nicht aus Erwatung und Pflichtgefühl, sondern für Dich selber tun kannst ? Oder Erlaubst Du Dir das selber nicht ?
    Nein, das ist kein Artikel den ich direkt nachvollziehen kann. Der Sonntag ist für mich der Tag, wo ich am entspanntesten bin, wo ich mich mittags seit Jahren regelmäßig (zwar nur im virtuellen Raum, aber immerhin mittlerweile auch im realen Leben kennend) mit einer festen Gruppe von Freunden treffe um zusammen zu spielen und zu quatschen, Sonntags ist der Tag zum entspannen, zu faulenzen, aber ohne Checkliste, einfach nur nach Bedarf und Gefühl. O.k., andere verbringen ihre Freizeit vielleicht lieber mit körperlichen Aktivitäten oder noch irgendwie anders, aber der Sonntag ist perfekt zum Ausschlafen und genießen und Spaß zu haben. Jedenfalls bei mir.

    28.02.2011, 13:09 von Cyro
    • 0

      @Cyro
      Naja, ich glaub, sie würde gern die Zeit (offline) mit Leuten verbringen, die dasselbe Lebensgefühl und die gleichen Umstände haben. Die gibt es aber nicht mehr bzw. noch nicht.

      01.03.2011, 10:39 von LudwigMartin
    • 0

      @LudwigMartin So habe ich das noch nicht betrachtet .. das mag des Rätsels Lösung sein :)

      01.03.2011, 11:21 von Cyro
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  • 0


    Aber ebenfalls Glückwunsch zur Entscheidung.

    Tage, an denen es zwischen 9.00 und 16.00 möglich ist, das Bett zu benutzen, sind selten genug...

    28.02.2011, 12:40 von LudwigMartin
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    "Aber bei meiner derzeitigen Konzentrationskonstitution wäre der vermutlich voller Tippfehler und dann bekomme ich wieder nur Ärger."

    Endlich mal jemand, der sich dahingehend auch mal Gedanken macht! :-)

    28.02.2011, 12:38 von LudwigMartin
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    tatort...??

    OMG

    27.02.2011, 12:41 von RedSonja
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      @RedSonja tatort als versinnbildlichung des endes des wochenendes. ich hätte auch lindenstraße schreiben können oder blockbuster auf den privaten...

      27.02.2011, 13:44 von sternenkind
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      @sternenkind Du darfst ruhig Tatort gucken. Lass dich doch nicht von Sonja "richten".
      Ich bin auch bekennender Tatort-Gegner, aber jeder darf schließlich glotzen, was ihm gefällt. Wir sind ein freies Land!

      27.02.2011, 13:57 von Jackie_Grey
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      @Jackie_Grey ich hab noch nicht mal nen fernseher. primär zur einschränkung der wahlmöglichkeiten :D

      27.02.2011, 14:00 von sternenkind
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      @sternenkind Hm, kein Fernseher aus Prinzip ? Na gut, man braucht keinen Fernseher .. aber wie sieht’s mit anderen Medien aus ? Computer ? Wenigstens ein Radio ? Also wenn ich mir jetzt vorstelle dass ich ohne diese Dinge und zudem (das dichte ich jetzt mal dazu) ohne Zeitung, ohne Bücher, ohne Telefon, ohne andere Menschen, ohne ... ja, quasi ohne alles da sitze, ein Raum, ein Bett, ein Tisch, sonst nichts ... dann würde ich Sonntage wahrscheinlich auch hassen. Na ja, ich hoffe doch dass Du nirgends in Einzelhaft sitzt über die Wochenenden :-)

      28.02.2011, 13:17 von Cyro
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    Genauso gehts mir auch gerade. Deshalb bin ich am Sonntag Mittag auf NEOn am surfen. :-)

    27.02.2011, 12:18 von Tanea
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    Ein "leerer" Tag klingt so negativ.

    Manchmal kann man mit seiner Freizeit wirklich nichts anfangen und ist gelähmt von der Wahl der Möglichkeiten, zu denen man doch nicht die richtige Lust hat oder sich nicht aufraffen kann. Kennt jeder. Aber schön, wie du das hier so
    niederschreibst. "...einfach nochmal ins Bett."
    Immerhin eine Entscheidung!

    So stehst du dir nicht selbst im Weg rum :D
    Vielleicht ist inzwischen auch alles schon wieder ganz anders :)

    27.02.2011, 11:51 von Jackie_Grey
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