So geht’s uns heute
Welche Pauschalvorwürfe an die heutige Generation ärgern euch am meisten?
.„Ach, ihr habt’s ja so viel schwerer als wir damals“ ist ein Satz, den junge Erwachsene etwa genau so häufig hören wie: „Ach, wenn ihr wüsstet, wie viel schwerer wir es damals hatten.“
Dazwischen gibt es wenig: Entweder unsere Generation wird bemitleidet – oder man wirft uns pauschal Verantwortungslosigkeit vor; wir würden verprassen, was unsere Großeltern und Eltern aufgebaut haben, ohne Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen zu wollen.
In dem Beitrag “Wie geht’s uns denn heute?” in der aktuellen NEON-Ausgabe bringen wir Fakten und harte Zahlen in die Debatte. Aus dem Vergleich der heutigen Lebensumstände mit denen der Vorgänger-Generation ergibt sich ein ziemlich differenziertes Bild.
Einerseits:
Die Erwerbslosenquote junger Erwachsener hat sich in den letzten dreißig Jahren verdreifacht, die öffentlichen Schulden pro Einwohner haben sich fast versechsfacht. Das durchschnittliche monatliche Einkommen stagniert, wobei ein immer geringerer Anteil daran aus Arbeitslohn besteht – und ein immer größerer aus »Vermögenseinkünften«. Eines von mehreren Indizien dafür, wie die Spaltung der Gesellschaft voranschreitet.
Andererseits:
Um uns einen Laib Brot leisten zu können, müssen wir im Schnitt nur noch halb so lang arbeiten wie die Deutschen im Jahr 1960, ebenso für einen Liter Normalbenzin. Es ist wahrscheinlicher, dass wir ein Auto besitzen, und wir fliegen deutlich mehr. Heute gibt es mehr Uniabschlüsse, mehr Geschirrspülmaschinen, wir sind im Schnitt besser ausgebildet.
Haben wir es also insgesamt schwerer oder leichter als die Generation vor uns? Sowohl als auch, erklärt der Heidelberger Ökonom Hans Diefenbacher im NEON-Interview – allein schon weil sich Gelehrte und Politiker alles andere als einig darüber sind, was “Wohlstand” überhaupt bedeutet.
Der fröhlichen Verbreitung von Klischees und Pauschalvorwürfen an unsere Generation tut all das keinen Abbruch. Welche besonders absurden habt ihr schon gehört – und wie haltet ihr üblicherweise dagegen?





Kommentare
mutti sagt immer: früher gab es keine pampers, wir mussten alles mit der Hand waschen!
12.07.2010, 10:37 von mandragorakonter: die gehn ja auch bei 60 grad kaputt
vorwürfe sind für mich komplimente.
16.06.2010, 23:09 von magnus@[Benutzer gelöscht] Komma raus aus Berlin, knoffi, und schau dir die Welt an. Da rauscht anscheinend einiges an dier vorbei.
16.06.2010, 17:26 von quatzat@[Benutzer gelöscht] Oh ja, in den Schwellenländern geht so einiges...
16.06.2010, 18:37 von holo...Meine alten Kumpels aus D.F. (Mexico City) loten gerade aus, wie sie sich wohl am besten nach Spanien oder Deutschland oder sonstwo in die EU absetzen könnten.
Das vor ein paar Jahren noch als Teil der nationalen Folklore angesehene Verbrechen muss durch den momentanen Krieg zwischen Drogenkartellen und dem Staat ein Ausmaß angenommen haben, dass ihnen die deutsche Fertigbauwelt in ihrer Langeweile irgendwie recht einladend vorkommt...
Boah, dieses wohlstandsverwahrloste und ignorante Lamentieren finde ich fast noch schlimmer als den faden Konsens, der sich BRD schimpft...
@[Benutzer gelöscht] Da gibt es kein dazwischen, weil es die gleiche Seite der ganzen Geschichte ist.
16.06.2010, 19:08 von holo...trifft mich keineswegs, also auch kein ärgern.
16.06.2010, 17:10 von TNTich soll wohl ignorant sein. is mir aber eigentlich egal.
16.06.2010, 16:37 von platinpaule@platinpaule so gehts mir auch
16.06.2010, 17:04 von valereeyWer ist 'unsere Generation'?
16.06.2010, 15:19 von sailorUnd was sollte die 'verprassen'. Ist doch nix da.
'Verprassen' denn die aktuellen Rentner nicht gerade...?
Ansonsten... mir wurscht.
2010 hat man's meinem Empfinden nach leichter als... 1980.
Die Gesellschaft ist nicht mehr von 'No Future', der Atombombe oder der Volkszählung bedroht.
Die Welt wird global, die Probleme auch. Es sind dramatische Zeiten, derzeit. Es passiert viel und man kann (meiner Meinung nach) mehr gestalten als 1980.
Das fällt aber nicht mehr so auf, weil sich Mittel und Wege vervielfältigt haben.
Das wiederum überfordert viele, denke ich. Geordnete Strukturen haben den Vorteil, nicht selber denken zu MÜSSEN. Das ist heute anders und viele haben nicht gelernt, das zu tun und Ermessensspielräume nicht als Gesetzes- und Regelungslücke wahrzunehmen. Die aktuell agierenden Politiker und die vorgelegerten Fachbeamte zum Beispiel...
Aber egal...
Sind ja nur Klischees. Wichtig is auf'm Platz.
@sailor Das sehe ich genau umgekehrt. Klar, in den 80ern gab es die Angst vor Atomkrieg, vor den Russen, vor manchen konkreten Gefahren. Durchaus berechtigte Ängste.
16.06.2010, 17:58 von CyroVor Volkszählung hatte man Bedenken, weil der Staat zu viele Daten sammelt.
Und heute ? Keine Russen mehr, Deutschland nicht mehr der Ort, wo die Supermächte ihrren Krieg austragen werden.
Statt dessen aber diffuse Ängste vor fremden Kulturen, vor Terror, der immer und überall und jederzeit geschehen kann. Angst vor neugierigem Staat ? Hat keiner mehr. Dabei werden Daten gesammelt und zentralisiert wie nie zuvor, und unser nächster Personalausweis strahlt per RFID-Chip unsere biometrischen Daten in die Umwelt. Fürher gab es mal Protest wo man Ware mit diesen Chips kennzeichnete, weil man Bedenken hatte, aus diesen Daten Rückschlüsse auf die Käufer zu bekommen.
Und was sonst noch so geschah ... durch diverse Reformen gibt es nun so etwas wie Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit und dergleichen immer weniger. Dafür aber Ned und Hass auf alle, die nicht zu den Gewinnern der heutigen Gesellschaft zählen.
Die Angst vor der Volkszählung würde ich gerne gegen den Fakt tauschen, dass ich meine biometrischen Daten meiner Umwelt laufend mitteile, dass ich in der Öffentlichkeit von Kameras aufgenommen werde, die bei der Gesichtserkennung mit einer Fehlerquote von mehr als 40% arbeitet, aber der Polizei dienen soll, dass das Bankgeheimnis aufgehoben ist, sofern Staat / Behörden ins Spiel kommen, etc.
Viel schlimmer als damals empfinde ich heute, dass all diese Dinge niemanden kümmern. Wer protestiert soll das gefälligst friedlich, genehmigt und möglichst dort tun, wo es keiner merkt. Bis auch der letzte merkt, dass Protest keine Sinn macht. Und überhaupt... Protest ? Alle Macht den Reichen, die Gier ist unersättlich ... gibt es eigentlich schon ein Gesetz, dass Milliardenschwere Subventionierung von Hedefonds durch Steuergelder, die bei HartzIVEmpfängern eingetrieben wird, vorschreibt ? Im Namen der sozialen Gerechigkeit der CDSPDU. Macht Deutschland kaputt, lasst die Menschen verarmen und die Firmen auswandern. Demokratie wird als ein System definiert, das, egal wer an die Macht kommt, per Definition als willenlose Marionette der Leute agiert, die dem Lande Schaden zufügen wollen. Beispielsweise die Arbeitsmarktreform .. Jobs, die an nach 3 Monten verliert, Löhne, die zum Leben nicht ausreichen ... auch, ich mag das elend gar nicht weiter aufzählen.
Im Gegensatz zu damals halte ich die Lage heute für wesentlich aussichtsloser, gefährlicher und brutaler. Nicht, dass damals alles irgendwie toll war, bei weitem nicht, aber auf die gesamte Gesellschaft bezogen gab es doch gesamt weit bessere Lebensumstände als für so manchen heute
Meine Ohnmacht besteht nun darin, daran nichts ändern zu können. Wahlen ? Seit fast einem viertel Jahrhundert versuche ich diese Art der Politik, die sich gegen untere Bevölkerungsschichten und auch den sog. Mittelstand wendet, abzuwählen. Doch als die SPD drankam ... ich hatte die Einführung von HartzIV gewählt, und auch die Einführung von Niedriglöhnen. Hätte also auch gleich schreiben können dass ich Sadist bin .... weil ich mit meinem Kreuzchen gesagt habe dass ich will, dass Leute am Existenzminimum möglichst vom Staat drangsaliert werden oder verrecken sollen, und dass ich es toll finde, wenn Arbeitnehmer nicht mehr von ihrem Lohn leben können.
Nein, die Demokratie hat in meinen Augen versagt. Die Alternativen zur Demokratie sind noch schlimmer, drum halte ich immer noch an ihr fest. Aber mit zunehmender Hoffnungslosigkeit. Die asoziale Politik, auch gerne mal Neoliberalismus genannt, wird durch keinen so schön verkörpert wie durch Guido Westerwelle. Nur verschwindet der nicht von der politischen Bühne, nein, der bekommt sogar das zweithöchste Amt in der Regierung, nach der Bundeskanzlerin.
Es ist politisch das eingetreten, was ich unbedingt vermeiden wollte. Mittlerweile sehe ich keinen Weg mehr zurück in eine Gesellschaft, in der Chancengleichheit und soziales Miteinander (Solidaritätsprinzip) gelten.
Doch genug davon ... der Fluch, der sich wie ein netter Wunsch anhört, nämlich „mögest Du in interessanten Zeiten leben“ trifft zu. Auch wenn man ihn mir als Chance verkaufen will.
@Cyro
16.06.2010, 18:04 von sailorAngst ist kein guter Ratgeber.
'Das System' stößt an seine Grenzen, bröckelt und seinen Zusammenbruch werde ich hoffentlich noch erleben.
@sailor 21.12.2012
16.06.2010, 18:09 von nuehleUuuuaaaaaaah!
@nuehle Ist das ein Gähnen?
17.06.2010, 12:36 von sailor@sailor Nein, das ist so ein unheilvolles Unken mit aufgerissenem Mund, die Hände hoch erhoben, mit ausgestreckten Fingern fuchtelnd, aufgerissenen Augen und allem Pipapo.
17.06.2010, 12:42 von nuehle@nuehle Verstehe.
17.06.2010, 14:16 von sailorSchönes Bild.
:)
Kommt auf die Generation an , die die Vorüwrfe losschickt. Wenn ich z.B. meine Patenonkel höre, der schön Ende der 60er nach der Lehre in seinen Betrieb übernommen wurde, sich da in aller Ruhe hocharbeiten, ein Haus und Familie leisten konnte, wenn der mir sagt, es sei doch nun echt kein Ding, wenn ich nach meinem langen Studium "mal endlich richtig arbeiten" gehen solle..nunja, dann erzähl ich ihm aber auch schön was vom Arbeitsamt, Einjahresverträgen und den bekannten Unbillen.
16.06.2010, 15:13 von PirkkoMeine Oma, Jahrgang 1929, erzählt in letzter oft von ihren Jugenjahren Ende des Krieges. Und neulich kam zum ersten Mal an mich und meine Schwester: "Ihr wisst nicht, wie gut Ihr es habt". Nach allem, was sie da geschildert hatte, konnte ich nicht widersprechen, weil sie recht hat.
Nachtrag am 16.06.2010 - 15:23 Uhr:
Sorry für die Schreibfehler..war spät gestern..
"Die Jugend von heute hat keinen Respekt mehr" diesen Satz hab ich demletzt von einer älteren Dame gehört und was soll ich sagen?! SIE HAT RECHT!
16.06.2010, 14:24 von Stefania2703Bin ich vielleicht auch schon zu alt?
Schon Sokrates fand die Jugend anmaßend. Dies Problem soll uns ewiglich verfolgen. Wohl auf dem, der es zu ignorieren vermag.
16.06.2010, 13:57 von sun-chan87