SINN und ZWECK sind weg.
Von einem Tag auf den anderen waren sie fort.
Einfach weg. Unauffindbar. Ich rief nach ihnen und raufte mir verzweifelt die Haare, so sehr vermisste ich sie. „Hey Sinn u. Zweck, wo steckt ihr denn? Wollt ihr mich verarschen?“
Erst dachte ich, die beiden Nervensägen hätten sich unterm Bett versteckt. Also legte ich mich flach auf den Bauch, um darunter zu schauen, aber ich sah nur Staubwolken und Dunkelheit.
Wenig hoffnungsvoll guckte ich in alle Schränke, aber meine Suche blieb erfolglos und schließlich gab ich sie auf.
Ich fand mich damit ab, die nächste Zeit einfach ohne Sinn und Zweck zu leben. Einfach nur so zu leben. In den Tag hinein. Vielleicht war’s gar nicht mal so schwierig.
Einfach nur leben, ohne nach dem Sinn zu suchen. Irgendwie waren viele Fragen ja ohnehin so dermaßen sinnlos. Bald erkannte ich, dass man weder Sinn noch Zweck benötigt, um ein halbwegs angenehmes Leben zu führen. Vielleicht war es gut, dass sie abgehauen waren? Ich sah nun direkt einen Gewinn in ihrem Verschwinden und fing an, die Zeit ohne sie richtig zu genießen.
Ich fragte mich nicht mehr, ob es Sinn macht, weniger zu naschen oder mehr zu lesen. Ob es sinnvoll war, Bilder zu malen, Texte zu schreiben, zu meinen Nachbarn und Kollegen freundlich zu sein oder mich in regelmäßigen Abständen bei meinen Freunden zu melden. Auch interessierten mich ihre Geburtstage nicht mehr. Jedes Jahr die gleichen guten Wünsche. Wie mir das ohne Sinn zum Hals raus hing. Ob ich nun meine guten Wünsche aussprach, oder es bleiben ließ, war doch eigentlich völlig schnuppe und auch irgendwie zwecklos. Das Leben ging weiter, mit oder ohne meine Geburtstagssprüche.
Gelegentlich fragte ich mich, welchen Sinn das Leben ohne Sinn noch macht. Aber es machte keinen Sinn mehr, weiter darüber nachzudenken, so ganz ohne Sinn war das einfach nur zwecklos.
Ich lebte nun ohne Sinn einfach vor mich hin.





Kommentare
entzückend... ! ;-)
11.11.2012, 20:59 von djkozeIm Text scheint mir "Sinn" ein Äquivalent zum "Werten" zu sein. Auf das Werten zu verzichten, gibt wahrscheinlich mehr Freiheit. Freiheit durch Gleichgültigkeit. Klingt vielversprechend.
10.11.2012, 18:59 von TilmannKleyeWeshalb sind die Geburtstagsglückwünsche so zentral erwähnt?
Interessant...
Ich glaube, an den Text muss mal ein Analytiker dran, denn er verschließt sich selbst mir teilweise ;)
Gute Frage. Ich denke, Geburtstagsglückwünsche, die über viele Jahre stets treu und pünktlich kommen und nie verschlampert werden, verlieren an Wertschätzung. Da ist es ganz heilsam, wenn der Sinn, dies zu tun, einfach mal in Frage gestellt wird.
11.11.2012, 10:47 von Jackie_Greyvon der idee her gut.
08.11.2012, 23:54 von sommer-hausaber du kannst die wortspiele gerne noch weiter ausreizen. dann wird auch die ironie deutlicher.
und eine pointe wär auch nicht schlecht, so zum schluss...
Ich bekomm eh gleich wieder ne Schelle, der Antipathie wegen aber auch auf mich wirkt das irgendwie so tagebuchig und naja...klein.
07.11.2012, 19:13 von FrauKopfWobei das auch ne Thematik ist, die schnell diesen Charakter annimmt also was solls.
Ich schreibe lieber tagebuchartig, als über ungewaschene Schwänze.
07.11.2012, 20:50 von Jackie_GreyAch herrje, ernsthaft jetzt?
07.11.2012, 20:54 von FrauKopfDas ist deine Reaktion?
Gut, dann belasse ich es dabei und widme mich wieder den Schmutzpullern ;)
Ich bitte darum. Das ist genau dein Ding.
07.11.2012, 20:55 von Jackie_GreyStutenfotzig ist dann eher deins, hm?
07.11.2012, 20:57 von FrauKopfJaja, das unterscheidet uns reichlich.
Ich mag deine Präsenz nicht, kann auch mit diesem Artikel hier nix anfnagen aber kann genauso auch behaupten, dass ich andere Dinge von dir gut finde.
das ist keine Frage der Sympathie aber gut.
Ist genau mein Ding, mitunter...ja :)
Mehr als ein Glückskeks ist es nicht. Vielmehr eine nachgeholte Phase der Adoleszenz.
07.11.2012, 18:43 von Fiflaoch naja, du...
07.11.2012, 09:29 von Surecampvielleicht ist es auch das loslassen der unnötigen dinge und gedanken, mit denen wir unser tägliches leben einfach nur belasten. sich mit lapalien und kleinigkeiten zu befassen und sich drüber aufzuregen ist tatsächlich sinnlos. in der zeit kann man dann stattdessen mit dingen glücklich sein, die einen glücklich machen. und das muss jeder für sich definieren :)
06.11.2012, 22:43 von golightly27Manchmal ist die Suche nach dem Sinn der Sinn, denke ich. Und der Zweck das was aus dem Suchen und dem Finden resultiert.
Ich finde die Gedanken nett verpackt, aber bei dem kalorienhaltigen Thema für mich (als Pedanterli) nicht weit genug gedacht und differenziert.
06.11.2012, 20:02 von JuliieOhne Sinn und Zweck vor sich hin zu leben ist im Grunde schlicht unmöglich, weil die beiden Hanseln eng mit Motivationen und Zielen zusammenhängen. Ich denke, beinahe jedes Verhalten, ob bewusst gesteuert oder unwillkürlich, dient immer einem Zweck, nämlich einem unmittelbaren, kurz- oder längerfristigen Ziel näher zu kommen (oder dessen Vermeidung).
Was im Text beschrieben wird, wüde ich deshalb eher als eine zweckmäßige Entscheidung für weniger Hinterfragen mit dem Ziel, den alltäglichen Entscheidungs- und Erwartungsdruck zu senken, verbuchen. Auf's Klo gehste ja trotzdem, weil es wenig Sinn macht, ins Bett zu piseln. ;)
Die hypothetische "Metafrage" nach dem Sinn des Lebens ist ja aber nochmal ein ganz anderer Schuh.