Jackie_Grey 05.11.2012, 12:26 Uhr 155 22

SINN und ZWECK sind weg.

Von einem Tag auf den anderen waren sie fort.

Einfach weg. Unauffindbar. Ich rief nach ihnen und raufte mir verzweifelt die Haare, so sehr vermisste ich sie. „Hey Sinn u. Zweck, wo steckt ihr denn? Wollt ihr mich verarschen?“

Erst dachte ich, die beiden Nervensägen hätten sich unterm Bett versteckt. Also legte ich mich flach auf den Bauch, um darunter zu schauen, aber ich sah nur Staubwolken und Dunkelheit.

Wenig hoffnungsvoll guckte ich in alle Schränke, aber meine Suche blieb erfolglos und schließlich gab ich sie auf.

Ich fand mich damit ab, die nächste Zeit einfach ohne Sinn und Zweck zu leben. Einfach nur so zu leben. In den Tag hinein. Vielleicht war’s gar nicht mal so schwierig.

Einfach nur leben, ohne nach dem Sinn zu suchen. Irgendwie waren viele Fragen ja ohnehin so dermaßen sinnlos. Bald erkannte ich, dass man weder Sinn noch Zweck benötigt, um ein halbwegs angenehmes Leben zu führen. Vielleicht war es gut, dass sie abgehauen waren? Ich sah nun direkt einen Gewinn in ihrem Verschwinden und fing an, die Zeit ohne sie richtig zu genießen.

Ich fragte mich nicht mehr, ob es Sinn macht, weniger zu naschen oder mehr zu lesen. Ob es sinnvoll war, Bilder zu malen, Texte zu schreiben, zu meinen Nachbarn und Kollegen freundlich zu sein oder mich in regelmäßigen Abständen bei meinen Freunden zu melden. Auch interessierten mich ihre Geburtstage nicht mehr. Jedes Jahr die gleichen guten Wünsche. Wie mir das ohne Sinn zum Hals raus hing. Ob ich nun meine guten Wünsche aussprach, oder es bleiben ließ, war doch eigentlich völlig schnuppe und auch irgendwie zwecklos. Das Leben ging weiter, mit oder ohne meine Geburtstagssprüche.

Gelegentlich fragte ich mich, welchen Sinn das Leben ohne Sinn noch macht. Aber es machte keinen Sinn mehr, weiter darüber nachzudenken, so ganz ohne Sinn war das einfach nur zwecklos.

Ich lebte nun ohne Sinn einfach vor mich hin.

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155 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    entzückend... ! ;-)

    11.11.2012, 20:59 von djkoze
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  • 1

    Im Text scheint mir "Sinn" ein Äquivalent zum "Werten" zu sein. Auf das Werten zu verzichten, gibt wahrscheinlich mehr Freiheit. Freiheit durch Gleichgültigkeit. Klingt vielversprechend.

    Weshalb sind die Geburtstagsglückwünsche so zentral erwähnt?

    10.11.2012, 18:59 von TilmannKleye
    • 0

      Interessant...


      Ich glaube, an den Text muss mal ein Analytiker dran, denn er verschließt sich selbst mir teilweise ;)


      Gute Frage. Ich denke, Geburtstagsglückwünsche, die über viele Jahre stets treu und pünktlich kommen und nie verschlampert werden, verlieren an Wertschätzung. Da ist es ganz heilsam, wenn der Sinn, dies zu tun, einfach mal in Frage gestellt wird.

      11.11.2012, 10:47 von Jackie_Grey
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  • 2

    von der idee her gut.
    aber du kannst die wortspiele gerne noch weiter ausreizen. dann wird auch die ironie deutlicher.
    und eine pointe wär auch nicht schlecht, so zum schluss...

    08.11.2012, 23:54 von sommer-haus
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  • 4

    Ich bekomm eh gleich wieder ne Schelle, der Antipathie wegen aber auch auf mich wirkt das irgendwie so tagebuchig und naja...klein.

    Wobei das auch ne Thematik ist, die schnell diesen Charakter annimmt also was solls.

    07.11.2012, 19:13 von FrauKopf
    • 5

      Ich schreibe lieber tagebuchartig, als über ungewaschene Schwänze.

      07.11.2012, 20:50 von Jackie_Grey
    • 1

      Ach herrje, ernsthaft jetzt?

      Das ist deine Reaktion?

      Gut, dann belasse ich es dabei und widme mich wieder den Schmutzpullern ;)

      07.11.2012, 20:54 von FrauKopf
    • 2

      Ich bitte darum. Das ist genau dein Ding.

      07.11.2012, 20:55 von Jackie_Grey
    • 1

      Stutenfotzig ist dann eher deins, hm?

      Jaja, das unterscheidet uns reichlich.

      Ich mag deine Präsenz nicht, kann auch mit diesem Artikel hier nix anfnagen aber kann genauso auch behaupten, dass ich andere Dinge von dir gut finde.
      das ist keine Frage der Sympathie aber gut.

      Ist genau mein Ding, mitunter...ja :)

      07.11.2012, 20:57 von FrauKopf
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  • 1

    och naja, du...

    07.11.2012, 09:29 von Surecamp
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  • 1

    vielleicht ist es auch das loslassen der unnötigen dinge und gedanken, mit denen wir unser tägliches leben einfach nur belasten. sich mit lapalien und kleinigkeiten zu befassen und sich drüber aufzuregen ist tatsächlich sinnlos. in der zeit kann man dann stattdessen mit dingen glücklich sein, die einen glücklich machen. und das muss jeder für sich definieren :)

    06.11.2012, 22:43 von golightly27
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  • 1

    Manchmal ist die Suche nach dem Sinn der Sinn, denke ich. Und der Zweck das was aus dem Suchen und dem Finden resultiert. 

    Doch findet man meist viel eher den Sinn wenn man nicht offensiv und krampfhaft danach sucht. Man sieht viel mehr, wenn man mit offenen Augen und Herzen/Geist alles um sich herum zwanglos beobachtet, als wenn man starr in eine Richtung sieht, in der Erwartung das sich plötzlich direkt vor einem eine Antwort auf alles auftut. 
    Insofern liebe Jackie: lass dich weiter(hin) treiben ;) 

    06.11.2012, 20:07 von tracy.d
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  • 5

    Ich finde die Gedanken nett verpackt, aber bei dem kalorienhaltigen Thema für mich (als Pedanterli) nicht weit genug gedacht und differenziert.

    Ohne Sinn und Zweck vor sich hin zu leben ist im Grunde schlicht unmöglich, weil die beiden Hanseln eng mit Motivationen und Zielen zusammenhängen. Ich denke, beinahe jedes Verhalten, ob bewusst gesteuert oder unwillkürlich, dient immer einem Zweck, nämlich einem unmittelbaren, kurz- oder längerfristigen Ziel näher zu kommen (oder dessen Vermeidung).
    Was im Text beschrieben wird, wüde ich deshalb eher als eine zweckmäßige Entscheidung für weniger Hinterfragen mit dem Ziel, den alltäglichen Entscheidungs- und Erwartungsdruck zu senken, verbuchen. Auf's Klo gehste ja trotzdem, weil es wenig Sinn macht, ins Bett zu piseln. ;)

    Die hypothetische "Metafrage" nach dem Sinn des Lebens ist ja aber nochmal ein ganz anderer Schuh.

    06.11.2012, 20:02 von Juliie
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