Sind wir wieder Deutschland?
„Du bist Deutschland“ erinnerte uns im letzten Winter noch eine Social-Marketing-Kampagne, die zu positivem Denken & deutschem Nationalgefühl aufrief.
Hintergrund dieses kollektiven Motivationsversuches war die anhaltende Frustration in der Wirtschaft und die ohnehin depressive Stimmung in der Bevölkerung. Das optimistische Ziel ist es gewesen, ein lange Zeit geteiltes Volk von seiner inneren Schizophrenie zu befreien und zur ebenso lang ersehnten Einigkeit zu führen.
Das Flaggschiff dieser Bewegung war für viele die Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land. Die Welt zu Gast bei Freunden sollten das Erfolgsrezept zur Stärkung des deutschen Selbstbewusstseins zu sein. Wir sind wieder wer. Wir sind stolz auf unsere Mannschaft und darauf, ein guter Gastgeber zu sein. Wir sind stolz auf Deutschland. In diesem Sommer erstrahlte das ganze Land in den Nationalfarben. Ein Sommernachtstraum in schwarz-rot-gold. Das ganze Land blickt zurück auf vier Wochen, in denen sich Deutschland nicht vor der Welt zu verstecken brauchte.
Die WM ist vorbei und es stellt sich die Frage, wie viel Glanz nach zwei Monaten noch übrig geblieben ist. Haben sich unsere gesamtdeutschen Hoffnungen erfüllt; sind wir wieder Deutschland? Eine eindeutige Antwort ist nicht leicht gefunden. Anhand welcher Kriterien soll man auch das Nationalbewusstsein messen? Von wenigen Einzelmeinungen lässt sich jedenfalls kaum auf die Stimmung einer ganzen Nation schließen.
Bei der Frage, ob wir wieder deutsch sind, rücken verstärkt Jugendliche in den Fokus. Eine aktuelle Umfrage zeigt eine erschreckende Tendenz: Zwei Drittel der Befragten zeigen sich niedergeschlagen. Die Hälfte gibt an, pessimistisch und deprimiert zu sein. Gerade einmal 15% der deutschen Jugendlichen blicken hoffnungsvoll in die Zukunft und nur magere 7% sind wirklich optimistisch.
Schon im Manifest der Kampagne „Du bist Deutschland“ wird unverblümt zugegeben, dass die Zeiten nicht gerade Rosig sind. Doch wo bleiben das neue positive Bewusstsein und das im Manifest geforderte „Feuer unterm Hintern“? Leidet Deutschland an einer unheilbaren Depression, die es uns so schwer macht, uns als Nation zu sehen? Der Wille ist doch da, es fehlt letztendlich nur an einer gesunden Portion Selbstbewusstsein und ein bisschen Eigeninitiative.
Machen wir uns nichts vor: Im Moment jammert jeder gern ein wenig. Uns geht es für unsere Ansprüche zu schlecht. Aber sein wir doch mal ehrlich: Deutschland, das Land der Dichter und Denker, ist kulturell und auch wirtschaftlich immer ganz vorn mit dabei. Wenn wir einmal richtig hinsehen, entdecken wir die aufregendsten Landschaften und die interessantesten Städte – und das nicht in exotischen Ländern, sondern hier in Deutschland. Wir leben in einem Land mit Charme, mit Charakter. Natürlich hat es auch seine kleinen Macken und Eigenarten, aber das macht Deutschland doch gerade so sympathisch. Auch an nationalen Idolen fehlt es uns durch Sporthelden wie Nowitzki, Ballack und Schumacher nicht.
Klar, der Aufschwung hinkt hinterher und im Ausland hatte man bis vor kurzem auch kein allzu positives Bild von uns und unserem Land. Hier fällt keinem etwas in den Schoß und wir müssen unser bestes geben, um unsere Chancen zu nutzen. Wir haben es nicht leicht. Doch all das sind keine Probleme, die wir Engagement und Hingabe nicht gemeinsam lösen könnten. Nur Mut Deutschland! Es wäre eine Schande, wenn unser Zusammenhalt einzig und allein aus schlechter Laune bestünde.
Jetzt wird es meiner Meinung nach Zeit sich ein Herz zu fassen und sich neu in unser Land zu verlieben und sich dabei die Frage zu stellen: “Sind wir wieder Deutschland?“






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