Sind wir so billig?
Liebt eure Kinder. Egal, wie sie aussehen.
Wer sein Kind liebt, braucht es nicht zu erziehen. So sagt es ein indisches Sprichwort. Der "Alles-Liebende" Mahatma Gandhi hatte es sich im Kampf gegen die autoritäre Unterdrückung durch das Mutterland Großbritannien, zu einem seiner persönlichen Ziele gesetzt, für dieses Verständnis zwischen "Mutter" und "Kind" zu sorgen.
Es ist also kein neuer Ansatz zur pädagogischen Handhabe mit seinen Sprösslingen, sondern viel mehr ein Leitsatz, der uns zeigen sollte, wie wir mit dem umgehen müssten, was wir bestimmend beeinflussen und steuern können. In gewisser Weise könnte man sogar sein eigenes Leben als sein "Kind" bezeichnen. Wer es liebt, wie es ist, sollte sich nicht zu erziehen brauchen.
Doch warum lieben wir so weniges, was wir tun und gehen meist doch lieber mit unserer uns eigenen Ignoranz, vom Lauf der Dinge, an alles, was uns umgibt und sehen nicht mehr, was in ihnen steckt? Sehen nicht mehr die Hinwendung, die Arbeit und den Kampf, den andere mit sich hatten, um uns das zu ermöglichen, was uns umgibt?
Ist es wirklich, weil wir ja doch schon alles kennen? Weil wir uns mit sieben schon Pornos angesehen haben, mit zehn den ersten Rausch und mit 13 schon unsere ersten Fernweh-des-Todes-Gedanken hatten?
Sind wir so billig?
Mit dreizehn konnte ich mir noch nicht erklären, warum ich solche Gedanken hatte und dachte, so etwas kann nicht normal sein. Mit einundzwanzig frage ich mich, wie sie viele nicht haben können. Diese Angst.
Ich rede von den Menschen, die unsere Generation prägen. Einer von ihnen bin ich. Wenn auch nur ein kleiner Bruchteil von Millionen in Deutschland.
Menschen, die wissen, dass sie alles könnten, wenn sie denn nur wollten. Menschen, die ausgebremst, durch Drogen, Krisen, Faulheit und geschlaucht durch Eltern, Medien und den Staat in ihrer eigenen Jämmerlichkeit stagniert sind.
Erkannt wird diese Tristesse von den wenigsten. Sie leben ihr Leben weiter wie bisher.
Hören irgendwann mit dem Kiffen auf, kriegen Kinder, werden Onkel und Tanten, werden Omas und Opas und verrecken.
Der Lauf der Dinge halt.
Was werden die meisten am Ende gemacht haben?
Gelebt haben?
Nicht die, die ich sehe.
Ausgelaugt von Ängsten vor Insolvenzen, Blamagen und Katastrophen werden sie irgendwann erkennen, dass es Wichtigereres gibt.
Wichtigereres als Insolvenzen, Blamagen und Katastrophen.
Unser Kind.
Das Leben.
In all seiner brachialen Verachtung vor dem Tod.






Kommentare
Tja! Wer nicht liebt, lebt auch nicht!
29.12.2008, 00:07 von TajAway...wow. sehr, sehr guter Text.
28.12.2008, 18:29 von Anni2804Schade, dass ich mich davon nicht völlig ausnehmen kann, aber manchmal würde ich schon gerne einfach mal zu einem Menschen, der Abends vom Büro heimfährt, sagen "Schau mal, da vorne am ende der Straße, da ist noch eine Straße!".
@Anni2804 ...und dann fällt mir zu dem Text auch noch ein, dass es doch irgendwie dumm ist die ganze Zeit nach dem Sinn des Lebens zu suchen, statt seinem Leben einfach mal einen Sinn zu geben.
28.12.2008, 18:33 von Anni2804@Anni2804 seh ich genauso. doch vielen fällt es schwer, eben gerade diesen richtigen sinn zu finden. es steht dir alles offen, doch sie sind vielleicht sogar gerade davon überfordert. entscheidungen treffen zu müssen.
28.12.2008, 20:38 von tobotisund dann den kühlen kopf zu bewahren, der dich nicht explodieren lässt, ist oft das schwierigste...